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Ricya

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Dienstag, 11. März 2008, 14:20

Die echten X-Men

Wir alle kennen die Superhelden aus Comics und Kinofilmen.
Und manchmal wüschen wir uns auch, wir könnten ein bißchen so sein wie sie......

[attachment=1] 0573_1.jpg [/attachment]
[attachment=0] 6977038.jpg [/attachment]

-besondere Fähigkeiten zu besitzen, die kein anderer hat, egal ob durch Mutation oder operativen Eingriff erhalten......

Doch soweit hergeholt ist das Ganze gar nicht. Menschen mit besonderen Fähigkeiten leben schon lange unter uns....
Sie haben zwar keine Flügel auf dem Rücken oder können ihre Gestalt umwandeln, und doch sind ihre Gaben außergewöhnlich und ihre Entstehung eine neue Aufgabe für die Wissenschaft.

Einige dieser "X-Men" möchte ich hier vorstellen:

Wim Hof, genannt "Iceman":
Fähigkeit: Eis und Kälte perfekt im Griff zu haben - Frieren? Kennt er nicht!

Schon als Kind bemerkte er die Fähigkeit Kälte besser wegzustecken als andere. Nackt im Schnee? Kein Problem für ihn!
Er selbst sagt, er habe ein "besonderes" Verhältnis zu Eis aufgebaut und setzt sich seitdem freiwillig nackt in Kühlhäuser um seine Fähigkeit zu trainieren!
Er startet ein Wahnwitziges Projekt nach dem anderen:
Erst kürzlich lief er einen Marathon - barfuß und mit nur einer kurzen Sporthose bekleidet - und das bei einer Temperatur von -20 Grad°! Eine Ärztin begleitete ihn mit einem Schneemobil und überprüfte alle paar Kilometer seinen Gesundheitszustand.
Er hat es unbeschadet überstanden. Seitdem träumt er davon den Mount Everest ohne Kleidung zu besteigen!
[attachment=4] e6389cd3.jpg [/attachment]

www.stern.de/politik/panorama/:E ... 87312.html


Esref Armagan:
Fähigkeit: Obwohl seit Geburt blind, malt er die schönsten Gemälde.

Noch nie in seinem Leben hat er seine Umwelt gesehen. Farben? Auch nicht! Und trotzdem sind seine Bilder perfekt. Manch´Sehender würde dies nicht mal annähernd so schaffen können. Wie macht er das?

Zitat

Seit über 44 Jahren mache ich das nun. Immer wenn ich etwas Neues anfasse, merke ich mir: Welchen Namen hat es? Was hat es für eine Form? Welche Farben und Farbtöne könnte es haben? Diese Dinge habe ich mir eingeprägt.
So erklärt er es. Für die Wissenschaft ist er schlichtweg ein Phänomen. Zumal er auch Dreidimensional malen kann, und das, obwohl er noch nie die "Räumlichkeit" erblicken konnte und somit eigentlich auch gar nicht weiß, was dieser Begriff eigentlich bedeutet!

Ob seine Fähigkeiten den Weg zu neuen Therapien aufzeigen könnten, wie die Neurologen hoffen, kümmert Esref kaum. Für ihn ist die Welt ohnehin nicht mehr dunkel: "Ich kann nicht mit meinen Augen sehen, aber ich habe meine Finger. Andere sehen mit zwei Augen - und ich mit zehn."
[attachment=3] 23062006563437.jpg [/attachment]

[url=http://www.daserste.de/wwiewissen/beitrag_dyn~uid,1rptah7n6roh7gpe~cm.asp]www.daserste.de/wwiewissen/beitr ... gpe~cm.asp[/url]


Rüdiger Gamm:
Fähigkeit: Rechengenie;" 43 hoch 20 und bitte ohne Taschenrechner!" Da kann er nur müde lächeln!

„467 Quintillionen, 56 Quadrilliarden, 167 Quadrillionen, 777 Trilliarden, 397 Trillionen, 914 Billiarden, 441 Billionen, 56 Milliarden, 671 Millionen, 494 Tausend und eins.“ So lautet das Ergebnis! Und er hat es errechnet innerhalb weniger Sekunden. Ohne Hilfsmittel. Nur durch seine Gedanken!

Erst mit 21 bemerkte er sein ungewöhnliches Talent! Im Radio gab ein Rechenmeister sein Können preis und er stellte fest, daß er da genauso gut mitrechnen konnte - spielend!
Seitdem rattert es in seinem Gehirn. Wenn er irgendetwas von Zahlen hört, fängt er automatisch an zu Rechnen.
Die Wissenschaft bezeichnet solche Menschen als "Savanten". Davon gibt es ca. 100 weitere auf der ganzen Erde verstreut. Nur, die meisten von ihnen sind geistig behindert, oder Authisten. Rüdiger Gamm ist das nicht! Umso bemerkenswerter ist auch sein Talent!
www.focus.de/gesundheit/ratgeber ... /forschung



Elisabeth Sulser:
Fähigkeit: Sie kann Musik nicht nur hören, sondern gleichzeitig auch "Sehen" und "Schmecken"

Hä? Ja, ganz richtig gelesen! Elisabeth Sulser ist Synästhetin.

Zitat

Unter Synästhesie versteht man die (Mit-)Erregung eines Sinnesorgans durch einen nicht spezifischen Reiz, die zu gleichzeitigem Erleben verschiedener Sinneseindrücke bei Reizung von nur einem Sinnesorgan führt. Die häufigsten Erscheinungen sind die optischen Synästhesien (‚Synopsien‘ oder Photismen), bei denen vor allem durch akustische Eindrücke (Töne, Wörter) optische Erscheinungen (auch farbig: Farbenhören) mit erregt werden.


Wenn Elisabeth Töne hört, sieht sie gleichzeitig vor ihrem "inneren Auge" bestimmte Farbwellen, die sich je nach Tonlage verändern. So sieht sie z.b. bei "Fis"=violett und bei "Gis"=türkis.
Intervalle verbindet Elisabeth Sulser mit Geschmack. Beim Hören von zwei auseinander liegenden Tönen innerhalb einer Oktave empfindet sie einen Geschmack auf der Zunge. Eine kleine Sekunde schmeckt sauer, eine grosse bitter, und so weiter.....

Damit gehört sie der Sorte Synästheten an, die extrem selten ist. Denn die meisten sehen "nur" die Farben beim Hören bestimmter Töne! Das Lieder auch nach "Erdbeer" oder "Mineralwasser" schmecken können, entzieht sich dem "normalen" Menschen völlig! Deshalb sind Opernbesuche für Elisabeth Sulser in mehrfacher Hinsicht ein "Genuß".
[attachment=2] synbild1_klein.jpg [/attachment]
(So sieht für Elisabeth ein Musikstück aus!)
www.elisabeth-sulser.ch/pages/synaesthesie.html


Weitere Quelle:
Diese Doku: www.fernsehjunkies.de/news/human ... 12326.html

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Dienstag, 11. März 2008, 16:59

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Hey,

erstmal es gibt einen interessanten Roman von Ralf Isau namens "Die Dunklen",in der die Hauptrolle eine Synästhetin ist-da hab ich den Begriff zu erstenmal gehört...

in der Form ist es zwar vielleicht weit hergeholt, aber gut zu lesen, im Stil von Sakrileg-ein gutes Buch

weiter

natürlich gibt und gab es schon immer Menschen, die für etwas eine hohe Begabung zeigten-was allerdings mit den X-Men wenig zu tun hat, da es sich meist um durch dauerndes Trainig verbesserte Fähigkeiten get und nicht um irgendwelche Fähigkeiten aufgrund einer Mutation der Gene - solche Mutationen zeigen sich (leider) oft durch krankhafte Bilder, z.B. zuviele bzw. zuwenig Organe oder Gliedmaßen, oft sind diese "Mutanten" auch nicht lebensfähig
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Misk

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Dienstag, 11. März 2008, 20:27

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

In diesem Zusammenhang sind auch die Savants zu nennen.

Zitat

Die Inselbegabung – auch Savant-Syndrom genannt – ist ein Phänomen, bei dem Menschen, oft mit kognitiver Behinderung, in einem kleinen Teilbereich außergewöhnliche Leistungen vollbringen...
Treffert schlug 1988 eine Unterscheidung in erstaunliche und talentierte Savants vor. ...
Zurzeit sind weltweit etwa 100 Menschen bekannt, die man nach dieser Unterteilung als erstaunliche Savants bezeichnen kann ...
Beispiele:
Kim Peek, der laut eigenen Angaben den Inhalt von etwa 12.000 Büchern auswendig kennt. Diese Menge an Büchern las er mittels einer außergewöhnlichen Fähigkeit: er kann 2 Seiten gleichzeitig lesen und zwar eine mit dem linken und eine mit dem rechten Auge. Außerdem benennt er für jede US-amerikanische Stadt die Postleitzahl, Vorwahl und den Highway, der dorthin führt.
Kim Peek ist das Vorbild des Raymond Babbitt im Film Rain Man. ...
Matt Savage (Autist), 1992 geborener Ausnahme-Jazzpianist hat sich mit sechs Jahren über Nacht das Klavierspielen selbst beigebracht. Mit sieben Jahren komponierte er bereits eigene Stücke und brachte seine erste CD heraus. ...
Rüdiger Gamm, kann in kürzester Zeit hochkomplizierte Berechnungen bis 60 Stellen vor und nach dem Komma genau im Kopf anstellen. Er kennt die Kreiszahl Pi auf 5000 Stellen nach dem Komma genau. Im Gegensatz zu den meisten Savants leidet er nicht unter Hirnstörungen. ...
Stephen Wiltshire, der ein Bild nach einmaligem Betrachten detailgetreu und perspektivisch korrekt zeichnen kann. Im Rahmen zweier Experimente zeichnete er nach Rundflügen über London und Rom detaillierte Panoramaansichten beider Städte. Dies wiederholte er mit der Skyline von Frankfurt im Rahmen einer Fernsehshow von RTL. Wichtige Zeichnungen Wiltshires sind dargestellt in „S. Wiltshire, Floating cities. Venice, Amsterdam, Leningrad and Moscow“, London 1991. ...
Giuseppe Mezzofanti - italienischer Kardinal. Er lebte von 1774 bis 1849, sprach fließend rund 70 Sprachen und hält somit den Weltrekord für Vielsprachigkeit. ...

=> de.wikipedia.org/wiki/Inselbegabung

Interessant auch: www.wisconsinmedicalsociety.org/ ... _questions
Das aktuelle Userzitat:
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Dienstag, 11. März 2008, 20:39

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Ja, ich finde es in der Tat interessant!

Zitat

- solche Mutationen zeigen sich (leider) oft durch krankhafte Bilder, z.B. zuviele bzw. zuwenig Organe oder Gliedmaßen, oft sind diese "Mutanten" auch nicht lebensfähig


Traurigerweise, denn die Begabungen, die diese "Gentechnischen" Fehler zum Vorschein bringen, sind äußerst bewundernswert. Und es ist auch ein trauriger Widerspruch, wie der Absatz aus Wikipedia richtig beschreibt:

Zitat

Der Begriff „Inselbegabung“ trifft den Kern des Phänomens am ehesten, da er ausdrückt, dass bei insgesamt schwacher Begabung in einem abgegrenzten einzelnen Fach, einer Insel, eine herausragende Leistungsfähigkeit vorliegen kann, die in bizarrem Gegensatz zur übrigen Persönlichkeit steht. Es handelt sich um „eine isolierte Gabe inmitten von Defekten“ (Douwe Draaisma, 2006)


Aber wenn wir uns jetzt eben Elisabeth Sulser und Rüdiger Gamm ansehen.....
Da mag diese "Fähigkeit" zwar auf einen "Gendefekt" zurückzuführen sein, aber keiner der Beiden ist in irgendeiner Weise behindert. Und für so einen Menschen ist es fast eine Gabe, möchte man meinen, wenn sie das alles bewußt miterleben können - oder ein Fluch, kommt darauf an, wie man es betrachtet!

Lg Ricya
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Dienstag, 11. März 2008, 21:35

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Zitat

Da mag diese "Fähigkeit" zwar auf einen "Gendefekt" zurückzuführen sein, aber keiner der Beiden ist in irgendeiner Weise behindert


von behindert war auch keine Rede
wobei genau solche Inselbegabungen häufig bei authistisch veranlagten Menschen und Menschen mit Down-Syndrom nachzuweisen ist-natürlich auch bei anderen Menschen, von Albert Einstein ist dies schon vermutet worden, ebenso von Beethoven und Mozart

in diesem Fall ist allerdings die Frage wie man feststellen soll ob eine normale Begabung oder das Savant-Syndrom für derartige Hirnleistungen verantwortlich ist, man kann schließlich nicht jeden untersuchen der in irgendetwas sehr begabt ist -
ich gehöre von Kindheit an zu den sogenannten Schnelllesern-im Fall dass mich ein Thema einigermaßen interessiert konnte ich ein Buch fast 30 Mal so schnell lesen wie die meisten meiner Mitschüler und den wesentlichen Inhalt mitbekommen (als Beispiel-den Herrn der Ringe habe ich einmal am Heiligabend bekommen, war am abend des zweiten Weihnachtsfeiertages fertig-und ich habe nicht die Nächte durchgelesen, wir waren bei allen möglichen Verwandten und Bekannten und beim essen und in der Kirche - wobei die Fähigkeit seit Beginn meiner Ausbildung nachgelassen hat, ich musste mich einfach zu sehr auf andere Dinge konzentrieren...)

normale Begabung, Antrainiert oder Inselbegabung?
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Misk

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Dienstag, 11. März 2008, 23:11

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Weder noch. Den Herrn der Ringe in drei Tagen zu lesen ist nicht auffällig.
Eine Begabung wäre es, das Buch in einigen Minuten zu lesen und (wichtig!) komplett zu erinnern.

Zur Behinderung: Savants sind praktisch immer Autisten, wobei auch das Aspergersyndrom in den Bereich der autistischen Störungen fällt. Aspies gelten als behindert, wegen der Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion.
Das aktuelle Userzitat:
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Dienstag, 11. März 2008, 23:43

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Zitat

Weder noch. Den Herrn der Ringe in drei Tagen zu lesen ist nicht auffällig.


würde ich schon sagen-ich kenne zumindest niemanden der es in weniger als zwei Tagen (man rechne vom 24.12 abends bis 26 12. abends abzüglich der Verwandschaftsbesuche, essen und schalfen, rechnen kannst du scheins ja net) geschafft hab...und ich war 11

Zitat

Eine Begabung wäre es, das Buch in einigen Minuten zu lesen und (wichtig!) komplett zu erinnern.


warum ist dass wichtig? - die Art einer Begabung ist bei jedem verschieden, es muss nicht jeder das gleiche in der gleichen Zeit können der begabt ist...
wenn jemand ein Klavierstück beispielsweise nach fünf Versuchen fehlerfrei aus dem Gedächnis spielt, ist dass deiner Meinung nach keine Begabung weil es Leute gibt die es nach einem Mal hören können, oder was?

ich habe nie behauptet eine Inselbegabung zu haben oder ein photographisches Gedächnis - lediglich dass ich Bücher wesentlich schneller lesen kann als andere, wurde übrigens ärztlich untersucht, weil meine Lehrer glaubten ich sei im Unterricht überfordert, das Gegenteil war der Fall, zumindest in Deutsch

Du hast einfach keine Ahnung wovon du redest-Hauptsache du hast mir wieder eins reingedrückt, was? Ist schon ok, ich weiß ja dass du was gegen mich hast...
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mister x

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Mittwoch, 12. März 2008, 00:14

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Naja X-men wuerde ich die jetzt nicht nennen,eher aussergewoehnlich begabt.X-men waere dann doch schon eher was ich von den Filmen kenne: weter beeinflussen,Wunden die sichh von aleine schliessen etc
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LIVE LONG AND PROSPER!

vikynator

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Dienstag, 3. Juni 2008, 10:34

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Ist echt erstaunlich was es für Menschen gibt.
Ich kann mr gut vorstellen, das es in Zukunft durch Genmanupulation einiges geben wird.

aspera

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Sonntag, 8. Juni 2008, 19:31

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Hallo Ricya.

Spannendes Thema.

Ein paar Gedanken dazu... Menschen mit einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung haben manchmal ein fehlendes Kälteempfinden.

Ich persönlich könnte auch stundenlang barfuß über vereisten Wege gehen, da mir dank einer neurologischen Erkrankung dummerweise das Kälte/Hitze/Schmerz und Berührungsempfinden in den Beinen abhanden gekommen ist.

Aber der Trick ist wohl sich dabei keine Erfrierungen zuzuziehen... damit kann ich nicht dienen.

Zitat."So erklärt er es. Für die Wissenschaft ist er schlichtweg ein Phänomen. Zumal er auch Dreidimensional malen kann, und das, obwohl er noch nie die "Räumlichkeit" erblicken konnte und somit eigentlich auch gar nicht weiß, was dieser Begriff eigentlich bedeutet!"

Diesen Abschnitt verstehe ich nicht so recht. Warum, denkst du, sollte ein blinder Mensch nicht wissen was Räumlichkeit bedeutet?
Gerade für Blinde ist die Orientierung im Raum wichtig (wenn ihnen ihre Knochen lieb sind).

Der Unterschied der räumlichen Wahrnehmung zwischen Sehenden und Blinden ist vielmehr der, das sich ein bestimmter Ort für Sehende "gleichzeitig" erschließt. Er verschafft sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Überblick.
Ein Blinder erschließt sich einen Raum zum einen durch Ertasten (Stock, Hände, Füße) Erst kommt der Stuhl und danach der Tisch usw, also durch ein "nacheinander".

Und beim Fehlen akustischer Signale, ist dieses Erfahren des Raumes immer ein aktives Tun, im Gegensatz zum so gut wie passivem Sehen.

Es gibt ja verschiedene Erklärungsmodelle für Synästhesie. Spannend finde ich diejenigen, die behaupten, das wir alle eigentlich als Synästhesisten auf die Welt kommen, aber das Gehirn im Laufe seiner Entwicklung, diese kreativen Querverbindungen zu Gunsten einer effektiveren Arbeitsweise kappt.

Dagegen spricht jedoch die familiäre Häufung des Phänomens, das Überwiegen von Frauen und Linkshändern, was wohl eher auf eine gentechnische Erklärung hinausläuft.

In meiner Familie sind vier Frauen (inklusive meiner Wenigkeit) Synästhesistinnen.

Das ist ganz nett. Koche ich mit meiner Schwester zusammen, versteht sie sofort wenn ich sage, es muß noch mehr orange an das Huhn :)))) Leider haben wir nur wenige gemeinsame Farben...

Wir vier haben übrigens auch alle ein fotographisches Gedächtnis, aber das soll für Synästhesisten ja nichts ungewöhnliches sein.

Mich persönlich behindert meine Synästhesie oft, sprich Reizüberflutung.

Die von dir zitierte Definition "Inselbegabung" finde ich recht traurig, da sie mal wieder nur ein Messen an der Norm darstellt ("eine isolierte Gabe inmitten von Defekten")

Muß ein von der Normalität abweichender Zugang zur Welt wirklich zwangsläufig ein "Defekt" sein?
Spannend finde ich die Tatsache das nicht jeder Mensch mit einer Asperger-Autismus Kommunikationsstörung, sich eine Angleichung an die (sogenannte) gesunde Norm wünscht.

Lesenswert hier: "Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing" von Nicole Schuster
und "Buntschatten und Fledermäuse" von Axel Brauns

Gruß
aspera
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Ricya

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Montag, 9. Juni 2008, 10:59

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Huhu Aspera! :)

Zitat

Spannendes Thema


Ja, mich faszninert es auch! Es gibt bestimmt noch viele solcher "Begabungen", von denen man noch nichts weiß. Auch wenn die meisten davon von Gendefekten abstammen, könnten manche bei genauerer Erforschung vielleicht sogar einmal für behinderte oder kranke Menschen von Nutzen sein!

Zitat

Diesen Abschnitt verstehe ich nicht so recht. Warum, denkst du, sollte ein blinder Mensch nicht wissen was Räumlichkeit bedeutet?
Gerade für Blinde ist die Orientierung im Raum wichtig (wenn ihnen ihre Knochen lieb sind).


Natürlich weiß ein Blinder durch ertasten, was Räumlichkeit ist......das aber in den exakten Maßen dreidimesional zu malen, wenn man es noch nie gesehen hat, ist schon bewundernswert. Zumal er auf seinen Bildern manchmal sogar den Licht-und Schattenfall malt..... :shock:

Zitat

In meiner Familie sind vier Frauen (inklusive meiner Wenigkeit) Synästhesistinnen.


Das finde ich doch mal interessant!
Erzähl mal! Wie stark äußert sich das bei Dir?

Zitat

Wir vier haben übrigens auch alle ein fotographisches Gedächtnis, aber das soll für Synästhesisten ja nichts ungewöhnliches sein.

Stimmt! Bei der oben erwähnten Elisabeth Sulser wurden verschiedene Tests gemacht.
Bei einem wurden ihr eine Menge Bilder hintereinander gezeigt und anschließend mußte sie diese in der richtigen Reihenfolge aufsagen.
Das gleiche mit vorgelesenen Wörtern.
Das erstaunliche daran war ja im Endergebnis, daß ein "normaler" Mensch (wie ich ;) ), nach ca. 10 Gegenständen oder Wörtern passen muß.
Elisabeth leierte hingegen die Dinge runter 20,- 25 Gegenstände, immer weiter...
Wahnsinn!

Zitat

Ich persönlich könnte auch stundenlang barfuß über vereisten Wege gehen, da mir dank einer neurologischen Erkrankung dummerweise das Kälte/Hitze/Schmerz und Berührungsempfinden in den Beinen abhanden gekommen ist.

Da könnte manch einer nun sagen: "Das ist doch toll, wenn man keine Schmerzen mehr verspürt!" > Ist es aber nicht!

Mein Mann hat durch einen Motorradunfall auch sämtliches Empfinden im linken Fuß verloren. Also, von den Zehen über die Ferse zu den Knöcheln spürt er nichts mehr!
Leider hat das keine Vorteile!
Mit dem linken Fuß Fußballspielen kann er z.b. nicht mehr, da er kein Gefühl mehr für die Abschußstärke/Abschußwinkel mehr hat.
Wenn er neue Schuhe trägt, merkt er nicht mehr, ob sie eine Druckstelle haben oder nicht! Das hatte bei neuen Arbeitsschuhen einmal die Folge, daß er den ganzen Tag lang nicht gemerkt hat, das sie gerieben haben und am Abend als er die Schuhe auszog, war der Socken voll Blut und die Haut bis zum Fleisch durchgerieben!
Sowas fühlt er einfach nicht mehr! Und ich stelle mir das schrecklich vor!

Lg Ricya
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Montag, 9. Juni 2008, 17:07

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Hallo Ricya.

Autsch... Ich kann gut nachempfinden was deinem Mann passiert ist. Ich habe mir (schweren Herzens) abgewöhnen müssen offene Schuhe zu tragen, da ich nicht merke wenn sich Steinchen oder Splitter in der Sandale verirren und mir die Fußsohle aufschneiden.
Bei mir geht die Taubheit bis in die oberen Oberschenkel. Ist ein Überbleibsel einer sogenannten inkompletten Querschnittslähmung. Aber immerhin kann ich wieder laufen :mrgreen:

So ein fotographisches Gedächtnis ist größtenteils eine feine Sache. wenn ich zB mal irgendwas verlegt habe, kann ich im Geiste quasi die Wohnung "scannen". Mir nacheinander die jeweiligen Bereiche der einzelnen Zimmer vor das gestige Auge rufen. Oft ist die Assoziation des verlegten Gegenstandes auch direkt mit einem Bild gekoppelt.
Nich so schön ist, das sich mir immer wieder gesehene Bilder vergangener schrecklicher Ereigisse aufdrängen. Alles hat wohl seinen Preis...

Was die Synästhesie angeht: bei mir haben Zahlen Farben, Worte (gesprochene, gedachte, gelesene) haben Farben und Formen, ebenso Geräusche, Töne, Musik.

Einige grobe Geschmacksrichtungen (wie salzig, sauer, süß) sind ebenfalls bunt.
Zudem lösen manche Worte/Geräusche bei mir Gefühle aus. Ich habe eine Vorliebe für "stachelige" Worte wie zB "Zucker" "Katze" "Antizipation" aber auch für "runde" Worte wie "Wald" "Schlaf" "Luft".
Diese Worte lösen etwas aus, das ich als eine Art "Kitzeln" im Gehirn empfinde, Wohlbefinden kommt der Empfindung auch nah.
Mit meinem asperger-autistischem Neffen teile ich die Vorliebe für alles was sich im Wind bewegt - Windräder, Blätter, Grashalme, Herbstlaub... Bei mir entsteht dann eben diesen "kitzeln", mein Neffe scheint eher die Gleichmäßigkeit der Bewegungen zu schätzen.

Seit einiger Zeit versuche ich (wie viele Synästhetiker es tun) einige Worte, Begriffe, Töne bildlich darzustellen. Mein Avatar ist ein Ausschnitt des Wortes "Schlaf"
Es gibt leider auch ziemlich eklige Worte ...

Viele Grüße
aspera
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Montag, 9. Juni 2008, 17:41

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Oh, ich bin da jetzt ganz von den Socken mit jemanden kommunizieren zu können, der betroffen ist! :shock:

Ich hatte da damals diese Reportage über die sogenannten "X-Men" gesehen, und habe noch lange mit meinem Mann darüber geredet, so interessant fand ich das!

Da muß ich Dich jetzt löchern, das hilft alles nix..... :lol:

Zitat

Was die Synästhesie angeht: bei mir haben Zahlen Farben, Worte (gesprochene, gedachte, gelesene) haben Farben und Formen, ebenso Geräusche, Töne, Musik.


Wie muß ich mir das vorstellen? (Hat mich bei Elisabeth Sulser schon interessiert)

Siehst Du das mehr vor Deinem inneren Auge, so wie z.b. Tagträume, oder verdrängen diese "Wahrnehmungen" das "normale Sehen"???

Zitat

Es gibt leider auch ziemlich eklige Worte ...

Und wie empfindest Du diese dann? Haben die eine besonders häßliche Farbe oder ungleichmäßige Formen???

Zitat

Ich habe eine Vorliebe für "stachelige" Worte wie zB "Zucker" "Katze" "Antizipation" aber auch für "runde" Worte wie "Wald" "Schlaf" "Luft".
Diese Worte lösen etwas aus, das ich als eine Art "Kitzeln" im Gehirn empfinde, Wohlbefinden kommt der Empfindung auch nah.

Und demnach gibt es auch Worte, die Unbehagen auslösen oder?
Das stelle ich mir dann schwierig vor......wie soll man dem denn aus dem Weg gehen?


Zitat

Nich so schön ist, das sich mir immer wieder gesehene Bilder vergangener schrecklicher Ereigisse aufdrängen. Alles hat wohl seinen Preis...

Ja, wie ich schon sagte, kann man es als Fluch oder Segen ansehen!

Lg Ricya
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Montag, 9. Juni 2008, 18:14

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Hallo Ricya.

Löcher nur munter drauflos...

Wie du dir das vorstellen mußt? Hmmm, ich kann hier immer nur für mich sprechen auch wenn meine Wahrnehmungen oft denen meiner synästhetischen Schwester ähneln.

Also wenn zB mein altmodisches Telefon klingelt (ich hasse das) so sehe ich den Klang - in diesem Fall einen graustaubigen Splitterregen - gleichzeitig mit dem Klingeln und mein Hirn lokalisiert ihn in der realen Welt.

Als Kind habe ich mich immer gewundert, das niemand außer mir die hübschen blauen Tupfer sah, die unser Kanarienvogel gesungen hat.
Meine Schwester sah wiederum Dinge, die ich nicht sehen konnte.

Komischerweise haben weder sie noch ich zu der Zeit nach Erklärungen gesucht.

Mit der Zeit habe ich gelernt die "echten" von den "unechten" Dingen zu trennen, bzw die Querschaltungen des Hirnes für Dinge des Alltags zu nutzen.

Und ich renne nicht los und hole Schippe und Handfeger um die staubgrauen Splitter wegzukehren...

O es gibt eine Menge unbehaglicher Worte und Töne... manche Töne/Stimmen lösen das aus was manche Menschen fühlen wenn jemand mit der Gabel über den Teller kratzt, oder mit Kreide über die Tafel quietscht...
Da kann ein Mensch noch so nett sein, wenn er mit der Stimme zu oft diesen Bereich trifft mag ich nicht mehr mit ihm reden :(
Aber ich reiß mich zusammen...

Dann gibt es Worte/Töne die aufgrund ihrer von mir wahrgenommenen Größe unangenehm sind. Worte wie Betonklötze... Töne wie Abgründe...

Manche sind schleimig... bäh! Oder sehen aus wie ein Kuhfladen...

Man kann dem ganzen nicht aus dem Weg gehen, lebt quasi ständig in einer Reizüberflutung, das ist das Elend.
Ich habe immer ein, zwei Schachteln Oropax im Haus. Wenn ich konzenriert arbeiten will, kann ich mich so wenigstens von der akustischen Welt abnabeln.
Andererseits birgt die synästhetische Wahrnehmung auch eine Menge kreativer Ernergien...

War das jetzt irgendwie hilfreich? Sonst ruhig weiterfragen...

Gruß
aspera
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Montag, 9. Juni 2008, 18:42

Re: X-Men; sie leben schon mitten unter uns!

Zitat

War das jetzt irgendwie hilfreich?


Ja, sehr! Danke! ;)

Zitat

Als Kind habe ich mich immer gewundert, das niemand außer mir die hübschen blauen Tupfer sah, die unser Kanarienvogel gesungen hat.


Faszinierend! Da fällt mir gleich schon wieder eine Frage ein:
Hat sich seit der Kindheit irgend etwas an dieser Wahrnehmung verändert?
Ich meine, haben sich bestimmte Töne mit dem erwachsenwerden verändert, meinetwegen von blau in rot oder so?

Zitat

Da kann ein Mensch noch so nett sein, wenn er mit der Stimme zu oft diesen Bereich trifft mag ich nicht mehr mit ihm reden

An diesen Aspekt habe ich noch gar nicht gedacht! :?
Das ist schon schlimm. Man stelle sich vor, man erblickt einen Menschen, der einem optisch total gefällt und man möchte mehr Kontakt.....und kaum macht derjenige den Mund auf, muß man feststellen, daß man ihn nicht "aushalten" kann! :(

Zitat

Manche sind schleimig... bäh! Oder sehen aus wie ein Kuhfladen...

Sind das denn Worte, die vom Sinn her auch "eklig" sind, oder würfelt das Dein Gehirn völlig wahllos durcheinander?
Sozusagen: jemand spricht das Wort "Erdbeere" was an sich ja lecker ist und Du siehst aber dabei einen Kuhfladen?

Zitat

Man kann dem ganzen nicht aus dem Weg gehen, lebt quasi ständig in einer Reizüberflutung, das ist das Elend.

Ja, das kann ich mir gut vorstellen! So faszinierend das Ganze auch ist. Es ist ja nicht lustig und trallerla, jetzt spielen wir mal wieder ein bißchen "Wörtersehen".
Du mußt ja täglich damit leben und auch damit klarkommen! :?

Lg Ricya
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Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

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