Eine sehr interessante Frage; schade, dass sie damals so schnell untergegangen ist. Der wichtigste Unterschied zwischen Juden- und Christentum ist nunmal, dass die Christen, wie die Selbstbezeichnung schon sagt, Jesus Christus als ihren Erlöser anerkennen, und die Juden, obwohl sie bis dahin demselben Religionsbild wie die Christen folgen, dies nicht tun.
Der Eingangspost ist übrigens beispielhaft für eine von politischer Korrektheit regierte Welt, in der viele Leute bereits Angst haben, sich einfach nur neutral über das Judentum zu unterhalten, weil sofort ein linker Gutmensch aus seiner Mülltonne hervorspringen und den Zeigefinger schwingen könnte. No offense. Oder vielleicht doch.
Nun schreiben wir (Nach christlicher Zeitrechnung) das Jahr des Herrn 2012; man könnte sagen, dass wir in relativ modernen Zeiten leben. Auch die meisten Strenggläubigen lassen sich nicht mehr so leicht von Wundern überzeugen wie noch vor ein paar tausend Jahren, weil wir einfach sehr viel mehr wissen, über Physik, Chemie, Biologie...
Ist es überhaupt realistisch, dass diejenigen, die im Judentum was zu sagen haben, heutzutage noch einen Erlöser anerkennen würden? Man muss hierbei auch bedenken, dass das heilige Land von intoleranten Kriegstreibern regiert wird, deren Ziele vornehmlich sehr weltlich sind. Natürlich ist es wichtig, dass ein Politiker sich mehr auf das Weltliche konzentriert; aber gerade im Fall von Israel denke ich fast, dass ein eventueller Messias mehr als Konkurrent um die Macht angesehen würde (Nicht anders als vermutlich auch der Vatikan bei einer eventuellen Rückkehr von Jesus Christus, oder jemanden, der behauptet es zu sein, reagieren würde). Stellen wir uns doch einfach mal vor, eines Tages taucht in Israel jemand auf, und erweckt Tote zum Leben und verwandelt Wasser in Wein. Niemand weiß genau, ob er mit Tricks und Gehilfen arbeitet oder tatsächlich über gottgegebene magische Kräfte verfügt.
Ich denke, dass sich in diesem Fall eher Spaltgruppen bilden würden; es entstehen zuerst kleinere Sekten um den neuen Messias, und schlussendlich spaltet sich wiederum eine neue Religion mit neuen Lehren von Judentum ab - aber natürlich nicht ansatzweise so groß wie das Christentum. Obwohl sich vermutlich auch viele Menschen anderer Glaubensrichtungen zu so einem lebenden Wundervollbringer hingezogen fühlen dürften. Die ganzen Weltreligionen hätten wohl sehr schnell Probleme damit, dass ihnen die Schau gestohlen wird. Damals wie heute - das Auftauchen eines neuen, großen Propheten würde wohl ziemlich schnell zu einem Glaubenskrieg führen.
Ein wahrer Mesias, ein Erlöser, würde Sie wohl von den Palästinsern "erlösen". Bzw. er würde es den Juden ermöglichen in einem eigenen Land zu leben. Auch könnte er Ihnen wirtschaftlichen oder finanziellen Fortschritt bringen. Alles was man sich eben so von einem Messias erwartet.
Das ist jetzt ne ganz andere Herangehensweise - ein politischer Messias, der Isreal wirtschaftliche Vorteile und Machtgewinn bringt. Hier wäre das Ganze wohl einigermaßen andersrum - die ganzen strenggläubigen und friedliebenden Juden fänden es wohl berechtigterweise ziemlich frevelhaft, wenn ein Geschäftsmann und Politiker ihr neuer Messias sein sollte. So oder so; über kurz oder lang würde wohl entweder besagter Messias unter
ungeklärten Umständen "verschwinden", oder politische Unruhen losbrechen, die zu handfesten Konflikten führen könnten. Oder beides.