• Das Thema gab es hier schon mal und wurde geschlossen. Doch ich denke mir es verdient einen Neustart. Also Thema Suizid! Was denkt ihr über Selbstmörder, habt ihr bereits persönliche Erlebnisse mit dem Thema gehabt?


    Nach dem Mitverfolgen des früheren Threads und Interview mit Scarabae (übrigens noch vielen Dank), wage ich mich an eine, für mich zufriedenstellende, Analyse dieses Themas.
    Also erst einmal: Ich kam noch nicht in eine Situation, in der ich kurz vorm Selbstmord stand. Klar hab ich auch schon drüber nachgedacht, aber nie WIRKLICH ernsthaft.


    Da werden jetzt einige sagen: "Der hat doch keine Ahnung!"
    Nun ja, vieleicht ist dem so, deshalb sollte dieser Post auch als Analyse eines Nichtbetroffenen angesehen werden, der sicherlich nicht jeden Teilaspekt mit der gleichen Richtigkeit und Wertigkeit behandelt, die er verdient.


    Also: Ich denke, der versuchte oder ausgeführte Selbstmord ist keine Entscheidungsfrage. Er ist eine endgültige und für den Selbstmörder endende Reaktion auf eine Situation, ähnlich wie ein Pfeil, der mit Sicherheit irgendwo einschlägt, wenn man ihn abgefeuert hat. Irgendwann zerbricht ein jeder, wenn ein gegebenes Szenario nicht gestoppt oder entschärft wird. Der Zeitpunkt kann bei jedem anders sein, bzw. es muss auch nicht jede subjektiv fölllig auflösende Situation zwangsläufig zum Suizid führen. Um das verständlicher zu machen ein Beispiel:


    "Stellen wir uns drei Männer vor. Allen dreien passiert unabhängig folgende Unglückskette: Erst verlieren alle dreie ihren Job. Als Reaktion darauf verlassen sie ihre Frauen. Kurz darauf verlieren sie ihre Kinder bei einem Unfall."
    Der erste Mann begeht nach dem verlassen seiner Frau Selbstmord.
    Der zweite Mann geht nach dem Tod seiner Kinder unter.
    Der dritte Mann lebt weiter.


    Wie soll man nun diese Männer bewerten? Darf man das überhaupt? Ich denke nicht, allerdings kann man sie analysieren! Es liegt, nach meiner Ansicht, nicht daran das einer "Stärker" oder "Hoffnungsvoller" ist als der andere. Jeder Mensch hat ein Ziel im Leben. Jeder, meist auch unterbewusst und so ziemlich niemand kennt es mit Sicherheit! Und dieses Ziel bindet sich mit einer emotionalen Verankerung. Kappt diese Verankerung, geht das Ziel unter. Der Pfeil schlägt ein.
    Vieleicht sagen jetzt einige "Na dann such dir doch ein neues Ziel!" Aber solange man immer noch nicht am Selbstmord plant, heißt das, das man sein Lebensziel noch nicht richtig erfasst hat.
    Um beim Bsp. zu bleiben:
    Das Lebensziel des ersten Mannes war, mit seiner Frau zu leben.
    Das Lebensziel beim Zweiten war das Glück seiner Kinder.
    Der Dritte hat sein Lebensziel noch nicht erkannt. Er hat zwar einen schweren emotionalen Verlust erlitten, aber noch nicht sein Ziel, oder besser gesagt die seelische Manifestation, die damit einhergeht. Er würde sich vieleicht umbringen, wenn Holland untergeht! Ein weiterer würde vieleicht schon beim Verlust des Arbeitsplatzes zerbrechen!
    Diese Analyse zeigt auch, das die meisten Menschen niemals ihren Weg zum Ziel verloren haben, bzw. warum es vergleichsweise wenig Selbstmörder gibt.


    Wie sieht es bei Selbstmördern aus, die nur Aufmerksamkeit wollen und es deshalb nur bei einem Versuch belassen. Diese verzweifeln, weil ihr Weg zum Ziel langsam weggespült wird. Sie nutzen den Suizid um nicht alles zu verlieren, um sich am Weg festzugrallen, um den Pfeil zu stoppen indem sie eine Wand kurz vorm Einschlagpunkt bauen. Eine unsichere Angelegenheit, welche nicht unbedingt von Erfolg gekröhnt sein muss. Es ist aber die letzte Möglichkeit, wohlgemerkt aus der Sichtweise der betroffenen Person, welche man hier als einzig wahre anerkennen muss!


    Ich hoffe mit meiner Ansicht niemanden auf die Füße getreten zu sein und hoffe das der Thread nicht so sehr ausartet wie der letzte.


    P.S. Ich verzichte auf den Einsatz von Smilies, da das Thema zu ernst ist und mit den kleinen Gesichtern ein falscher Eindruck des Textes entstehen kann.


    MfG Mr.T

  • Na gut, versuchen wir es noch einmal mit dem Thema! ;)



    Zitat

    hoffe das der Thread nicht so sehr ausartet wie der letzte.


    Ich auch! Deshalb erstelle ich mal folgende Regeln:


    -Bitte postet keine Möglichkeiten mit denen man einen Selbstmord durchführen kann!


    -Postet in Erzählungen von Menschen die ihr kennt und die diesen tragischen Schritt begangen haben, keine Beschreibung wie sie es gemacht haben!


    -Diskutiert sachlich über dieses Thema und sprecht keine ungerechten Verurteilungen aus über Menschen, die solche Situationen schon durchgemacht haben/ oder vielleicht gerade durchmachen und davon erzählen wollen!


    Also, in diesem Sinne hoffe ich, daß diesmal mit dem nötigen Respekt diesen ernsten Themas gegenüber gepostet wird!


    Lg Ricya

    _______________________________


    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Ich mir darüber auch schon gedanken gemacht. Ich habe zum Glück noch nie jemand aus der näheren Verwandschaft oder Freundeskreis durch einen Selbstmord verloren.


    Ich selbst habe mir selbst so etwas wie ein Gelüpte abgelegt, niemals Selbstmord zu begehen. Lieber sterbe ich an einem langen schmerzvollen Tod. Nicht wirklich! ;)
    Die einzige möglichkeit wo ich freiwillig aus dem Leben gehen möchte wäre, wenn ich zum Beispiel an Krebs erkranken würde und ich wüsste, dass ich so oder so sterben würde, aber die verlängerung meines Lebens mir nur starke schmerzen bereiten würde.


    Ich selbst bin der Meinung, jeder Unterergang, ist zugleich ein Neubeginn. Selbst wenn es Leute geben wird, die einem noch den Tod an den Hals wünschen, so würde ich ihnen nicht die freude machen, sondern einfach weiterleben.

  • Hallöchen zusammen!


    Also ich kenne auch jemanden der Selbstmmord begangen hat. Und zwar mein Physiklehrer.
    Es passierte in den Herbstferien letzten Jahres und ich konnte es nicht glauben als ich es gehört habe. Er war immer so ein lesensfroher Mensch, hat eigentlich viel Spass mit gemacht in der Klasse und auch wenn man ihn so privat irgendwo sah war er immer freundlich, gut gelaunt...
    Er muss anscheinend echt viel in sich hineingefressen haben. Ich fragte mich damals nur die ganze Zeit (und das geht mir auch jetzt oftgenug durch den Kopf) wie schlecht es einem Menschen gehen muss, damit er sowas macht.


    lg

  • Auch hallöchen zusammen ! Abwohl... hallöchen is eigentlich nicht passend is ja ein trauriges Thema



    also ich kannte auch einen es war ein schüler zwei klassen über ich kannt ihn nicht so gut aber er war ein netter mensch wie ich bemerken musste viele sagten das auch. Dann eines morgens kam ich in die Klasse und der Lehrer erzählte uns dann das dieser Junge Selbstmord gemacht hat. er hatte zuvor das erste Mal geklaut und wurde erwischt. Polizei brachte in nach Hause und natürlich wurden seine Eltern angerufen. Aus Scham darüber stürzte er sich aus dem Balkon.



    Traurige Geschichte :cry: find ich



    Hättet ihr euch deswegen umgebracht??

  • @ Mr. T
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich ein neues Ziel setzen kann. Man muss nur eine Einsicht, eine neue Erfahrung machen die einem Halt in seinem Leben gibt. Es würde nicht bei allen betroffenen helfen, aber man muss von selbst eine neue Richtung einschlagen die ienem ein neues Ziel offenbart. Klingt jetzt ziemlich nach einer Predigt, aber so habe ich die Erfahrung gemacht bzw. es analysiert. Wer sich verschließt vor der Welt, der hat grob gesagt eine nicht allzugroße Chance, deshalb müssen Mitmenschen besonders aufmerksam sein und diesem Menschen helfen. So lange wie es nur geht, denn je länger man verweilt desto höher die Möglichkeit ein neues Leben anzufangen.


    @ Freshjon


    Das tut mir leid...
    Ich denke es war eine sehr "komplizierte" Situation. Der Stress, die Eltern. Der Gedanke an die bevorstehende Strafe... ich denke alles in allem hat ihn in die höchste Verzweiflung getrieben. Und aus so einer Situation und aus dem Bauch heraus... könnte es sein, dass er sich vom Balkon gestürzt hat.


    Ich selber würde soetwas nicht machen.

    "Wahre Einsicht erwächst nicht aus Fachwissen, aus der Mitgliedschaft bei irgendeiner Clique, aus Doktrinen oder Dogmen - sie kommt aus den vorbewussten Intuitionen des eigenen ganzen Seins, aus dem eigenen Code."

  • Es gab in meiner Umgebung einige Selbstmorde, auch mein bester Freund stand kurz davor, als er in eine Psychose kam.


    Bei allen diesen Personen, die es mit dem Selbstmord im tiefsten inneren wirklich ernst meinen, geht eine schwere Depression oder eine gleichwertige psychische Krankheit vorraus, die durch Schicksalsschläge ausgelöst werden kann, aber nicht unbedingt muss.


    Auch ich litt unter solchen Depressionen, und meine Lebenslust neigte sich schonmal dem Ende zu.
    Doch ich denke, dass es kein entgültiger Entschluss ist. In der Situation, wenn man kurz vor dem Suizid steht, scheint es die entgültige Entscheidung zusein. Doch wenn man dann den Suizid nicht ausführt, oder ihn überlebt, kann sich die psychische Verstimmung auch wieder bessern und dann sagen viele, die einen Selbstmordversuch hatten, sie sind nun doch glücklich, es nicht getan zuhaben.


    Ich selber denke, dass das Leben sowieso schon kurz genug ist, und es dann auch nicht mehr darauf ankommt ob man noch ein paar Jahre weiterlebt.
    Und als ich meinen Lebensmut kurzzeitig verlor, habe ich mir gedacht: dann hab ich eh nix zu verlieren und kann dann wenigstens noch ein paar Dinge machen, die ich schon immermachen wollte.
    Selbstmord ist scheisse, dann lieber noch ein paar Jahre abwarten, der Tod hohlt uns sowieso früh genug.

  • An dieser Grenze stand ich auch schonmal und wusste nicht weiter aber betroffene haben mir geholfen und mich wieder zurückgebracht. Es gibt zuviel schönes auf der Welt als dass ich mein Leben für eine schlechte Erfahrung dagegen eintauschen würde...

    "Wahre Einsicht erwächst nicht aus Fachwissen, aus der Mitgliedschaft bei irgendeiner Clique, aus Doktrinen oder Dogmen - sie kommt aus den vorbewussten Intuitionen des eigenen ganzen Seins, aus dem eigenen Code."

  • 'nabend Mr. T


    Nein, du bist mir mit deiner Ansicht nicht auf die Füße getreten...


    Ich habe mir mit Intresse deinen Analyseversuch durchgelesen. Du schreibst dort von "dem Lebensziel" und seinen Auswirkungen auf bestimmte Lebensituationen.
    Für mich persönlich ist es jedoch eher so, daß es nicht das "eine" Lebensziel gibt. So wandelbar wie das Leben, sind auch die Ziele, die man sich setzt.
    Ich persönlich habe meine Ziele im Leben schon mehrmals den Umständen und körperlichen Möglichkeiten anpassen müssen.
    Zum Beispiel hatte ich das Ziel in meinem Beruf einiges zu erreichen, meinen Lebensunterhalt zu verdienen und viel dazuzulernen. Das Schicksal wollte es jedoch anders. Ich erkrankte schwer , konnte binnen einer Woche nicht mehr laufen, nicht mehr alleine zum Klo gehen, von arbeiten ganz zu schweigen. Binnen kurzem veränderte sich mein Leben komplett und alle beruflichen Ziele, konnte ich abhaken. Das ist drei Jahre her und ich habe zwar meine Autonomie wiedererlangt, mir aber neue Ziele setzten müssen.


    Du schreibst, daß für dich der Selbstmord keine Entscheidungsfrage. Ich persönlich denke, daß es die verschiedensten Varianten gibt. So verschieden wie die Gründe für Selbstmord eben sind.
    Es gibst Menschen die die innere Kraft haben es auch mit den schwersten Lebensituationen aufzunehemen, andere für die es zB undenkbar wäre auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Für wieder einen anderen wäre der Verlust der Partners ein Grund nicht mehr leben zu wollen. Und wieder ein anderer ist psychisch so angeschlagen, daß er sich nie auf die Suche nach einem Ziel im Leben begeben wird...
    Auch für die von dir erwähnten Selbstmordversuche gibt es ebenso eine Vielzahl von Beweggründen. So sind manipulative Suizidversuche zB Symptom von einigen psychischen Erkrankungen, oder aber auch der Versuch nach Hilfe zu schreien eines sprachlos gewordenen Menschen...


    Ich habe schon Menschen durch Suizid verloren. Mein bester Freund zB tötete sich, als eine schwere Erkrankung drohte ihn zum Pflegefall zu machen. Freiheitsliebend und abenteuerlustig wie er war, wäre dies für ihn der persönliche Supergau gewesen. Die Vorstellung in ständiger Abhängigkeit leben zu müssen, war für ihn unerträglich. Durch die Gespräche, die wir geführt haben konnte ich seine Entscheidung als die einzige für ihn richtige akzepieren.


    Ich wertschätze deinen Analyseversuch, aber für mich persönlich ist er ein wenig zu abstrakt, weil ich mit dem Begriffe der "einen Lebenszieles" nicht so viel anfangen kann, da er nicht berücksichtigt wie viele Veränderungen das Leben mit sich bringt.


    Gruß
    aspera

  • Ich habe selber so ein Erlebnis gehabt.
    2004 starb meine Urgroßmutter in einem Altersheim im Alter von 95 Jahren an Altersschwäche.
    Mein Urgroßvater konnte diesen Schock nicht ertragen und erhang sich etwa ein Jahr später,
    2005, in seinem Holzschuppen neben seinem Haus.
    Er schrieb einen Zettel mit den Worten: "Otto, sei jetzt stark. Ich bin im Schuppen."
    Otto war sein Nachbar, etwa im seinen Alter, mit dem mein Urgroßvater immer zusammen Mittag aß. Also ging er gegen zwölf Uhr Mittags in das Haus und fand den Zettel vor.
    Er folgte den Anweisungen und fand meinen Urgroßvater in dem Schuppen.

    Ich hasse Lügen, die so schlecht sind, dass meine Intelligenz in Frage gestellt wird.


    Ich würde mich gerne geistig mit dir duellieren, aber ich sehe du bist unbewaffnet.

  • Also als alleresrstes eine einleitung damit keiner 'n schock kriegt...ich halte den für den inhalt eines lebens ich würd nie im leben an ewiges leben denken und ich trauer auch nicht so sehr um verstorbene als andere...


    also für mich ist selbstmord wie ne erlösung von qualen der welt, stellt euch vor ein Reh läuft in eine falle, die dem reh unerträgliche schmerzen bereitet so kann man sich auch das gehirn einer person vorstellen, die nahe dem selbstmord ist...
    im leben läuft man in viele fallen und man hat auch narben davon...einer der sich entschließt selbstmord zu begehen kann sich aus den Fallen nicht befreien...und verzweifelt irgendwann...und ich glaube,dass wenn man sich schon dazu entschließt soll man es halt machen es hat keinen sinn ein leben zu leben das einem keinen spaß macht,das quält und "weh tut" :(...
    damit möchte ich nicht sugerieren,dass ich selbstmord begehen will, ganz und gar nicht ich bin (halbwegs)zufrieden mit meinem leben.:)


    Ein solcher Mensch hat sein Lebensziel verloren und weiß nicht mehr weiter.


    sorry für eine solche aussage manche erschütterts bin ich mir sicher aber das ist eine meinung der auch viele zustimmen würden...

  • Was mich ebenso wie aspera sehr erstaunt, ist dass hier so viele vom "Lebensziel" reden... Was ist denn aber, wenn man gar keine Ziele hat und sozusagen einfach so drauf los lebt? (Wie ich z.B.)
    Mir Ziele zu setzen, habe ich mir schon länger abgewöhnt...


    Zum Thema an sich:
    Angesichts dieser Welt kann ich eigentlich (fast) jeden Selbstmord verstehen, obwohl es oft auch aus relativ sinnlosen Gründen heraus passiert. Daran gedacht hat sicherlich schon mal jeder, aber wirklich versucht?
    Ich hab da seltsamerweise schon relativ oft Erfahrungen mit gemacht. Meine Exfreundin fand ihre Mutter erhangen auf dem Dachboden vor, meine frühere bester Freund hat sich umgebracht, meine Mutter hat mehrere Versuche hinter sich und ich auch einen. Meiner besten Freundin ist es passiert, dass sie in eine neue Wohnung gezogen ist, und nach ein paar Tagen Maden von der Decke durch Ritzen gefallen sind, weil sich der Nachbar über ihr aufgehangen und es niemand mitbekommen hat... Hm, irgendwie scheint mich der Tod zu verfolgen.

    I'm reaching up and reaching out,
    I'm reaching for the random or what ever will bewilder me.
    And following our will and wind we may just go where no one's been.
    We'll ride the spiral to the end and may just go where no one's been.

  • es kommt immer darauf an , ob es noch ein lebensziel gibt ! welches Lebensziel hat ein Mensch ,der nur noch als Last für sich und andere hinvegitiert ? es gibt Krankheiten , und Lebensumstände , da ist der Tod eine Erlösung !

    Skepsis ist der erste Weg zur Erkenntnis :)
    ...ein nicht weit blickender Verstand ist schnell mit Glauben gefüllt...

  • Hallo Schizo Ataraxia.


    Die Sache mit den Lebenszielen ist schon vertrackt. Aufgrund den Erfahrungen die ich bis heute machen mußte (durfte?) und meiner fortschreitenden Körperbehinderung, setzte ich mir höchstens noch kleine Ziele, die wenn's gut läuft vielleicht mal zu einem größeren verschmelzen könnten, was die meisten Menschen dann als drauflosleben interpetieren. Is mir auch recht...
    Als bekennende Melancholikerin hat man es in einer Spaßgesellschaft wie dieser eh nicht so leicht.


    Angesichts meiner gehäuften Erfahrung mit Selbstmorden im nahen Umfeld hatte ich - ähnlich wie du - auch schon das Gefühl (Achtung Sarkasmus!) der Tod fühlt sich in meiner Nähe besonders wohl.


    Hallo elperdido.


    Welchels Lebensziel ein Mensch haben kann, der in den Augen den Betrachters, nur noch vor sich hin vergetiert, kann nur der jeweils Betroffene sagen.


    Ich habe Menschen kennengelernt, die, obwohl sie zB von Hals abwärts gelähmt waren, oder einen beidseitigen Schlaganfall hatten und somit völlig auf die Hilfe anderer angewiesen waren, ihrem Leben noch so einiges abgewinnen konnten. Woher diese Menschen ihre Kraft nehmen ist mir oft ein Rätsel...
    Und anderen wiederum, wie meinem Freund (von dem ich oben schrieb) und auch mir selbst, ist allein die Vorstellung unerträglich. Hier spielt wahrscheinlich vieles mehr als ein Lebensziel eine Rolle. Das eigene Empfinden von Würde, zum Bespiel, oder die Art der Versorgung (Pflegestation, Heim, ect).


    Aber es sind für mich eben nicht nur die körperlichen Aspekte, die zu einer Entscheidung für oder gegen das Leben führen, sie sind eher ein zusätzlicher Punkt, das i-Tüpfelchen auf allem anderen, mit dem aber wenn's schlecht läuft alles andere zunichte gemacht werden kann...


    Gruß
    aspera

  • Nun ich habe gottseidank noch keine Erfahrungen mit Suizid/Selbstmord geamcht.
    Die einzigsten Toten sind meine 3 Wellis und mein Opa. Alle an Altersschwäche.


    Zur Lebenseinstellung: Ich habe bestimmt auch Ziele in meinem Leben. Diese sind aber eher im Unbewussten verankert.
    Da wären Heiraten,Kinder kriegen,Opa werden,Auto haben.
    Aber so richtige kleine Ziele fallen mir echt nicht ein.


    Mein Lebensziel ist es eigendlich Stress-situationen zu überstehen und das Leben zu genießen :P


    Ist so.


    Brandwein

  • Ich kannte leider auch zwei Leute die Selbstmord begangen haben...als erstes mein ehemaliger Englisch- und Klassenlehrer an der Realschlue in der 5 und 6 Klasse.
    Eigentlich immer ein lebensfroher Mensch, sehr gesundheitsbewusst, absoluter Sportler - ich hab es leider erst sehr viel später mitgekriegt, anscheinend gab es Probleme in der Familie, die er nicht verkraftet hat, genau weiß ich es nicht!


    Der zweite war vor ein paar Jahren ein Azubi ein oder zwei Jahre unter mir, dessen Selbstmord hat mich wirklich schwer getroffen, da er aus meinem Ort kam und ich privat auch oft mit ihm zu tun hatte...er war ein lebensfroher Mensch, immer zu Scherzen aufgelegt, man konnte über alles mit ihm reden und es schien als könnte ihn kein Wässerchen trüben, zudem hatte er einen starken Glauben an die Kirche, war ein prima Bodenturner und überall sehr beliebt - ich kenne niemanden der ihn nicht mochte...


    während bei seinem Nachbar eine Geburtstagsparty lief, direkt nach Weihnachten auch noch, hat er sich zuhause im Keller erhängt...bis heute weiß kein Außenstehender so recht was er für Gründe hatte und was ihn bewegte, eigentlich war er immer offen, auf dem Arbeitsweg haben wir auch über Probleme gesprochen und er hat immer sehr zuversichtlich und stark gewirkt, im Gegensatz zu mir...



    Ich Gedenke hier an Udo, meinen alten Lehrer
    und an Andreas, der mir ein guter freund war und den ich immer noch vermisse!

  • Hallo


    Ich habe selbst schon Erfahrungen mit dem Thema gemacht.
    Ich weis nicht, vielleicht findet ihr das lächerlich als Grund....
    In der 5. Klasse hab ich mich mit einem Mädchen gestritten, sie war ziemlich beliebt und hat nach dem Streit alles über mich erzählt, was ich ihr je anvertraut habe. Natürlich ist auch sie von der Wahrheit stark abgewichen und ihr wisst ja wie schlimme Gerüchte entstehen. Ergo der Sache war, dass ich keine Freunde mehr gefunden habe und schlimm gemobbt wurde, was sehr an meinem Selbstvertrauen genagt hat und sich noch heute bemerkbar macht. Fiese Sprüche mit Edding auf dem Tisch geschrieben, Jacke über die Pause geklaut (auch im Winter) und bis nach Hause verfolgt...die Spielchen hab ich bis Ende 7. Klasse durchgemacht. (Ich war eigentlich auf ner scheiß Schule...*g* die Lehrer hat sowas nicht interessiert.) Ende 7. fand ich es so schlimm, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe und zwangsweise die Schule wechseln musste. Zu der Zeit gab es noch Ärger bei mir zu Hause, zwischen meinen Eltern. Das war dann der Endpunkt für mich, wo ich den ersten Versuch gestartet habe.
    Hab mich dann in die virtuelle Welt geflüchtet und bin so verblieben. Auf meiner neuen Schule ist es mit schwer gefallen neue kontakte zuknüpfen. Mir fällt es schwer auf Leute zu zu gehen, Leute kennen zu lernen oder etwas persönliches anzuvertrauen. Im Internet gibt mir die Anonymität Schutz und gibt mir doch eine gewisse Sicherheit =)
    Meine Einstellung zur Menschheit und zum Leben hat sich drastisch geändert und mir liegt ehrlich gesagt an keinem von beiden noch etwas.


    Liebe Grüße,
    qod


    P.S.: Ich habe auch eine Art Fassade aufgebaut und alles in mich rein gefressen....ich hab mich nicht getraut jemandem davon zu erzählen...

  • Ja, das ist sicherlich eines der Themen, die man nur schwer angehen kann. Sachlich kann ich persönlich über Suizid gar nicht reden und möchte es auch nicht.


    Mir ist nur aufgefallen, dass es einen mehr mit nimmt wenn man hört dass sich jemand getötet hat als wenn er auf "normale" Weise stirbt. Kann das jemand bestätigen?


    Ein Beispiel:


    Meine Freundin erzählte mir letztens von dem Bruder ihrer Patentante. (Das Folgende erinnert an das Szenario von Seite 1) Er verlor seinen (hochdotierten) Job, seine Frau verließ ihn und er durfte seine zwei Kinder vorerst nicht mehr sehen. Er lud kurze Zeit darauf seine Geschwister (einen Bruder, zwei Schwestern) zum Essen bei sich zu Hause ein. Er kochte das Essen, bereitete alles vor, deckte den Tisch etc.
    Danach ging er auf den Balkon und tötete sich. Seine Geschwister fanden ihn dann.
    Ich fand diese Geschichte so schrecklich, dass es mich noch Tage danach gefesselt hatte. Ich ahtte wirklich Probleme damit klar zu kommen und wieder einen fröhlichen Gedanken zu fassen.


    Ich glaube kaum dass es mich so beschäftigt hätte wenn an Stelle des Selbstmord ein natürlicher Tod gestanden hätte.

  • Hallo Smîza.


    Mag sein, daß der Selbstmord eines Menschen den oder die Hinterbliebenden oftmals mehr mitnimmt. Vielleicht weil sich einigen von ihnen die Frage aufdrängt ob und wenn ja wie sie vielleicht hätten handeln/helfen können. Mag auch sein, daß Schuldgefühle da eine Rolle spielen. Dinge die einen vielleicht nicht in dem Ausmaß in den Sinn kommen würden, wenn ein Mensch einen "normalen" Tod stirbt.


    Im Einzelfall, denke ich, hängt es auch damit zusammen wie "überraschend" dieser Freitod kommt. Ob und in welchem Ausmaß man den Selbstmord eines Menschen nachvollziehen kann. Ob und in welchem Ausmaß diese Option in Gesprächen thematisiert wurde.


    Als sich mein bester Freund erschoß, kam dies nicht überraschend, da wir oft über das was das Leben für uns lebenswert macht, gesprochen haben und er immer gesagt hat, wie weit er zu gehen bereit ist, und welche Bedingungen sein Leben in seinen Augen unerträglich macht.
    Die Erinnerung an diese intensiven Gespräche machte es mir etwas leichter mit seinem Tod klarzukommen.


    Vielleicht spielt auch eine Rolle, das viel über das gesprochen wird was das Leben "schön" oder zumindest "lebenswert" macht, aber zu selten offen über die Dinge und die Gefühle die uns bedrücken und erdrücken. Und wenn jemand sich traut diese "schwere Kost" anzusprechen, kann es passieren, das irgendjemand eilig alles mit einem "wird schon wieder" hinwegzuwischen versucht.


    Der Tod als Option ist in meinen Augen leider immer noch tabuisiert. Ich schreibe "leider" da ich mir vorstellen kann, das manch einem ein offenes Gespräch helfen könnte...


    Gruß
    aspera

  • Ich stimme dir im großen und ganzen zu. Aber ich glaube dass ein Selbstmord nicht nur Bekannte etc. mitnimmt. Wenn ich höre, dass sich jemand umgebracht hat, mache ich mir automatisch mehr Gedanken darum als wenn jemand auf natürliche Art und Weise stirbt. Aber natürlich spielen da auch der Hintergrund und die Umstände eine große Rolle.