Rätsel im Amazonas

  • Hallo, das ist mein erster Beitrag und ich bin mir nicht ganz sicher, ob er in diesen Bereich gehört, falls nicht -> Admin bitte verschieben, danke.


    Nun aber zum Thema: Vor einem Jahr reiste ich ins Amazonas-Gebiet und erfüllte mir damit einen Kindertraum. Das Gebiet ist so gigantisch und einzigartig, dass es in Worten kaum zu bschreiben ist. Ein Ort voller Magie.


    Das Abenteuer nahm seinen Beginn in Leticia, einer Kleinstadt mitten im Urwald ganz im Süden von Kolumbien. Unsere kleine Reisegruppe (4 Personen) traf sich dort mit einem alten Freund, der uns einen erfahrenen Dschungelführer empfehlen sollte. Dieser stellte dann für uns eine auf unsere Wünsche (Amazonas-Delphine und Kaimane sichten, bei Indios übernachten, mit ihnen auf die Jagd gehen, Piranhas fischen, Dschungel-Wanderung etc.) zugeschnittene Tour zusammen. Danach rekrutierten wir noch einen Peruaner mit seinem Boot und die Reise konnte llosgehen.


    Die ersten Tage verbrachten wir in Zacambu, einem kleinen Dorf im peruanischen Teil des Amazonas, das seit einigen Jahren unter anderem davon lebte, gelegentlich Abenteurer und Forscher zu beherbergen. Sobald es dort Nacht wird, leuchten an den Uferböschungen unzählige rote Augenpaare auf - Kaimane. Vom Boot aus sieht es geradezu gespenstisch aus. Je nachdem wie eng die Augen beeinander liegen, kann man die Grösse des Tiers abschätzen. Oft sind Kaimane nur etwas mehr als einen Meter lang, es gibt aber auch Exemplare die bis zu 6 Meter lang werden sollen. Die grösseren Tiere sind auch für das bisweilige Verschwinden der Haushunde der Eingeborenen im Dorf verantwortlich.


    Vor einigen Jahren aber gab es mal eine Phase, so erzählte unser Führer Valdivinho, da verschwanden so viele Haushunde, dass die Indios beschlossen, etwas gegen den Räuber zu unternehmen. Sie wechselten sich mit Nachtwachen ab und lauerten dem Vieh auf. Irgendwann kam es prompt zum Vorschein. Doch das Ungetüm war so gross, dass alle Männer des Dorfes mithelfen mussten, das "Biest" zu erlegen. Der Kampf mit dem riesigen Kaiman soll sogar mehrere Tage gedauert haben und erst als es einem Indianer gelang, dem Tier die Augen auszustechen, konnte es besiegt werden.


    Natürlich wollten wir wissen, wie gross das Tier war. Einer der Indianer schien nur auf die Frage gewartet zu haben. 16 Meter lang sei es gewesen... Valdivinho lachte und meinte, wir sollen das Geschwätz nicht ernst nehmen, das se völlig übertrieben. Das "Monster" sei auf gar keinen Fall grösser als 12 Meter gewesen! Wir wussten nicht, ob die beiden scherzten, aber zumindest die spanischsprechenden Anwesenden bekräftigten die Story. Natürlich wussten wir, dass Kaimane nicht so gross werden... wir konnten uns gut vorstellen, dass sie übertrieben. Trotzdem: selbst, wenn das Vieh in Wahrheit nur halb so gross war wie der Indio schilderte, war es noch immer riesig. So riesig jedenfalls, dass ich es mir später beim Einnicken auf der Hängematte nicht wirklich ausmalen wollte.


    Ein paar Tage später kamen wir nach Palmirai (oder so ähnlich), einem Dorf am Ufer des brasilianischen Amazonas (bzw. eines Seitenarmes). Bisher übernachtete unser Bootsführer Robalino immer auf seinem Boot, deshalb wunderte es uns, dass er diesmal auch eine Hütte bezog. Er meinte, er schlafe heute Nacht nicht auf seinem Boot, weil er nicht wisse, wann die Schlange zuletzt gegessen hatte. Robalino erzählte, dass in diesem Abschnitt eine riesige Anaconda lebte, die Grösste, die er je gesehen hatte. Ich war zwar beeindruckt, hatte aber nie davon gehört, dass Anacondas Menschen verspeisen würden. Doch der Bootsführer sagte, dass die Schlange bereits mal ein Hausrind der Dorfbewohner verschlungen hätte und er deshalb eine Hütte bevorzugen würde... das klang nachvollziehbar. Es war die erste Nacht auf unserer Reise, wo ich mich nicht fragte, wie wasserdicht unsere Hütte wohl war, sondern wie sicher.


    Anders als bei den Kaimanen, bekamen wir aber leider (oder vielleicht zum Glück) keine Anaconda mehr zu sehen. Am letzten Tag, auf der Bootsfahrt zurück nach Leticia, unterhielten sich Valdivinho und Robalino über etwas, als ich ein Gesprächsfetzen aufschnappte. Ich hatte etwas von "weissen Indianern" gehört und fragte nach, ob ich richtig verstanden habe. Ja, meinte unser Führer, es gebe ein Volk von weissen Indianern. Manchmal kamen einige von ihnen sogar nach Leticia. Ich dachte, dass sie vielleicht von einem einzelnen Albino sprachen, aber nein, sie meinten, es gebe einen weissen Indianerstamm. Helle Haut, helles Haar. Valdivinho war mit ihnen angeblich sogar befreundet. Doch, als ich fragte, wo denn genau die lebten und warum sie weiss waren, blockten beide ab und wechselten das Thema. Aus irgendeinem Grund wollten sie nicht mehr darüber sprechen, zumindest machte es uns den Anschein. Leider erfuhr ich nicht mal mehr den Namen dieses Stammes.


    Ich sehe gerade, dass der Beitrag etwas länger wurde als geplant, sorry, ich komme nun endlich zum Kern. In diesen Wochen im Amazonas habe ich einige seltsame Dinge im Regenwald gesehen und erlebt, etwa die mysteriösen Ayahuasca-Rituale, aber drei Fragen interessieren mich besonders und vielleicht gibt es ja Experten in diesem Forum:


    1. Ist es theoretisch möglich, dass ein Kaiman so gewaltige Ausmasse annimmt?
    2. Ist es theoretisch möglich, dass eine Anaconda einen erwachsenen (wenn auch kleingewachsenen) Mann verspeist?
    3. Weiss jemand etwas über einen weissen Indianerstamm im Amazonas oder hat ihn vielleicht sogar schon besucht?


    Über Antworten würde ich mich freuen.

  • Huhu, Sentenza, :winks:


    Ich kann dir wirklich versichern, dass die Dir ein Haufen Märchen aufgetischt haben.


    Habe über 20 Jahren in Brasilien gelebt (od. überlebt :mrgreen: )
    Jedenfalls weiß ich, das Brasilianer gerne eine Geschichte erzählen od. sich was ausdenken, um bei Touristen gut anzukommen, wenn nicht noch ein od. anderes Trinkgeld ankommt ( gorjeta ) :mrgreen:

    99 % sind wissentschaftlich erklärbar - aber der eine Prozent ist das was uns glauben lässt


    (\ /)
    (**)
    (/ \) Das ist Hase. Kopiere Hase in deine Signatur und hilf ihm die Weltherrschafft an sich zu reissen
    .

  • Skull


    Wie im ersten Beitrag erwähnt, vermute ich, dass sie übertrieben haben. Dass aber alles frei erfunden ist, glaube ich nicht so recht. Im Fall des Kaimans wäre es doch eine reife Leistung gewesen, mit den Eingeborenen so eine Geschichte spontan zu inszenieren. Deshalb hätte es mich vor allem interessiert, wie gross ein Reptil wie der Kaiman unter günstigen Umständen werden kann bzw ob etwas dagegen spricht, dass ein Kaiman grösser als die allgemein angenommenen 6 Meter werden kann.


    Zumindest eines der verlinkten Bilder von obsidienne (danke!) lässt darauf schliessen, dass Riesenschlangen schon versucht haben, Menschen zu verspeisen (selbst, wenn es keine Anaconda war)... der Umzug in die Hütte ist also verständlich!


    Bei den weissen Indianern spricht aber wirklich einiges dafür, dass es nur ein "Märchen" ist. Zumindest scheint niemand davon gehört zu haben und ich finde nichts Verwertbares, das für eine Existenz spricht. (Oder sie haben diese "weisse Indianer" unter dem Effekt eines Ayahuasca-Rituals gesehen :mrgreen: )

  • Hallo Sentenza,


    zu den weißen Indianern fällt mir spontan die Geschichte des Hochstaplers Tatunca Nara alias Günther Hauck ein, der am Rio Negro lebt. Ob dessen Geschichte allerdings in Brasilien selbst sehr bekannt ist und wenn ja, ob nur regional oder weiter verbreitet, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.


    www.mysteria3000.de/wp/?p=55
    de.wikipedia.org/wiki/Tatunca_Nara

    Das Glück des Forschers besteht nicht darin, eine Wahrheit zu besitzen, sondern die Wahrheit zu erringen.
    - Max Planck -

  • Danke für Links. Eine bizarre Geschichte. Ob unsere Guides vielleicht diesen Gemeingefährlichen gemeint haben? Wir waren zwar nicht am Wohnorts dieses falschen Häuptlings, aber für Amazonas-Verhältnisse auch nicht so weit weg - gut möglich also, dass unsere Guides von dieser schrägen Story gehört haben.


    Fazit: Traue keinem weissen Indianer! :mrgreen:

  • zu 1) 16 meter...naja greifen wir mal hoch, bei guten Genen und ordentlich Nahrung (hunde, kinder, weiße indianer,etc) könnte ich mir vorstellen das es 8-10 meter gross werden kann, wobei ich da auch eher zu 8 tendieren würde. (überleg mal wie groß dir jdm erscheint der 20 cm größer ist als du, wenn jetzt ein vieh 2 Meter länger als maximal üblich ist, wirkt das nicht direkt wie doppelt so groß?^^)


    zu 2) da wurde schon genug zu gesagt, krasse vieher^^


    zu 3) vlt eine Art Gemeinschat von Lebensaussteigern? Forscher die "back to nature" leben wollten o. ä.? eine letzte Nazikollonie? Irgendwelche geheimen Forschungsprojekte dort?
    Alles möglich, teilweise wahrscheinlich. Zumindest klingt es nicht so, als wäre das ne Geld-abzieh-geschihcte gewesen, sie haben dir nix abgenommen und nix weiter gesagt.
    mehr Touristen werden sie wohl dadurch auch nicht anlocken...

    "Das Leben ist wie eine große Autobahn "


    "Jeder Freund Ist Am Anfang Ein Fremder"


    nach längerer Zeit wieder zurück^^

  • Das mit der Lebensgemeinschaft von Aussteigern klingt ziemlich vernünftig, darauf bin ich gar nicht gekommen, merci für den Hinweis!


    Eine letzte Nazikolonie? Ich bin auf diesem Gebiet nicht so bewandert, weiss aber, dass einige gegen Kriegsende nach Südamerika flüchteten, aber... in das Amazonas-Gebiet? Obschon... zumindest würden sie da vermutlich nicht so schnell vom Mossad aufgespürt werden!


    Werde bei meiner nächsten Reise in den Amazonas versuchen, mehr in Erfahrung zu bringen.


    Betreffend Kaimanen: 8 Meter könnten also vielleicht möglich sein. Das grösste Exemplar, das wir sahen, war nur knapp 2 Meter - wirkte aber vom Boot aus bereits riesig. Wenn ich mir vorstelle, dass plötzlich so ein 8 Meter-Teil neben dem Boot auftaucht... :shock:

  • Was würdest du denn hierzu sagen?
    wissenschafts-news.blog.de/2005/ ... _l~228222/


    Es ist tatsächlich ein 14-15 Meter langes Krokodil/ein Riesenkaiman im Amazonasgebiet entdeckt worden - allerdings nicht lebendig, sondern ein Fossil.
    Wäre es so unwahrscheinlich, dass die Indios von diesem Fund sprachen und da mal eben aus ein paar versteinerten Knochen eine lebende Bestie machten, die sie bezwungen haben? Ist ja immerhin noch eine Ecke spannender, als zu erzählen man habe in der Nähe des Dorfes ein paar "blöde Knochen" ausgebuddelt.

    "Bei mir kommt kein Tropfen Alkohol auf den Tisch! Ich bin sehr vorsichtig beim Einschenken."


    "Wenn das Herz am rechten Fleck ist, spielt es keine Rolle wo der Kopf ist." - (Walter Raleigh vor seiner Enthauptung)

  • Zensur


    Cheers! Nebst der "Übertreibung", ist das die zweite Option, die plausibel klingt. Gut möglich, dass die Einheimischen fossile Funde gemeint und die Geschichte etwas ausgeschmückt haben. Was mich unweigerlich zur Frage führt: Bewahren diese Indianer vielleicht einige fossile Funde in ihrem Dorf auf?


    Ich ärgere mich nun, dass wir nicht gefragt haben, ob irgendwelche Überbleibsel von dem Vieh vorhanden sind... komisch, dass einem solche Dinge immer erst hinterher einfallen.

  • hallo zusammen,


    zum thema der weissen indianer habe ich mal einen bericht gelesen. leider weiss ich nicht mehr wo. :cry:


    in dem bericht wurde erklärt, dass ein weißblond gelockter, blauäugiger forscher anno dazumal (wenn ich nur wüsste wie der hiess oder wann ca das war! *hmpf*) viele jahre im amazonas bei einem eingeborenen stamm gelebt hatte. er zeugte einige kinder, soweit ich mich erinnere 12 an der zahl, die alle eine sehr helle haut hatten, weißblondes gelocktes haar und stahlblaue augen.
    in dem bericht gab es sogar fotos von dem forscher und seiner familie. natürlich in schwarz weiss, aber man hat trotzdem gut gesehen, wie hellhäutig die kinder des forschers waren.
    auch seine nachkommen (enkel, urenkel....) hatten weißblondes gelocktes haar, eine sehr helle haut und blaue augen.


    evtl handelt es sich ja um diesen stamm???


    andere theorie:
    es gibt rituale wo sich eingeborene von kopf bis fuß mit kalk einreiben und so eben ganz weiss sind. vielleicht werden diese "indianer" (ich mag den begriff nicht!) deswegen so genannt, weil deren glauben sie dazu veranlasst, mit kalk beschmiert, weiss ihr leben zu fristen???


    ich werde mal googeln und hoffen dass mir ein begriff einfällt, der mich auch zu ergebnissen geleitet. *daumendrück*

  • EyesWideShut


    Grossartig, vielen Dank, auf so etwas habe ich gehofft! Nun hätten wir also vier Theorien, was mit "weissen Indianern" gemeint ist:


    1. Der gemeingefährliche Dschungel-Gaukler
    2. Die Lebensgemeinschaft von Aussteigern
    3. mit Kalk bemalte Indianer
    4. tatsächlich weisse Indianer von einem Stamm namens "Shiritanas"


    Theroie 4 ist natürlich faszinierend! Diese "Shiritanas", die dieser Dr. Alexander Hamilton Rice entdeckt haben will, machen mich nun noch neugieriger als ich es ohnehin schon war!

  • Noch etwas zu Dr. Alexander Hamilton Rice (leider nur auf Englisch):


    www.encyclopedia-titanica.org/al ... as-80.html


    Gemäss diesem Artikel, der nach dem Tod des Amazonas-Forschers 1956 im TIME Magazine erschien, wurde Rice in mehreren Ländern für sein Schaffen, vor allem auch in Bezug auf Tropenkrankheiten, geehrt.


    Seit dem TIME Magazine-Bericht von 1925, scheint dieser weisse Eingeborenenstamm allerdings "verschwunden" (oder ausgestorben?). Es scheint so, als wäre die Gruppe von Dr. Rice die einzige, die diesen Stamm je getroffen und darüber geschrieben hat.

  • Zitat

    Wie im ersten Beitrag erwähnt, vermute ich, dass sie übertrieben haben. Dass aber alles frei erfunden ist, glaube ich nicht so recht. Im Fall des Kaimans wäre es doch eine reife Leistung gewesen, mit den Eingeborenen so eine Geschichte spontan zu inszenieren. Deshalb hätte es mich vor allem interessiert, wie gross ein Reptil wie der Kaiman unter günstigen Umständen werden kann bzw ob etwas dagegen spricht, dass ein Kaiman grösser als die allgemein angenommenen 6 Meter werden kann.


    Also ich denke schon, dass Kaimane sehr wohl größer als die Norm werden können.
    Es kommt auf die Haltungsformen an.
    Kleines Aquarium im Zoo- kleine Kaimane.
    Großer Fluß, freilebend- unbeschränkte Größe.


    Ich vergleiche das mit den Gerbils. Umso größer deren Gehege ist, umso größer werden diese Mäuse. Also warum sollte das nicht gehen?
    Einzelfälle gibt es doch immer. ;)

    Ich hasse Lügen, die so schlecht sind, dass meine Intelligenz in Frage gestellt wird.


    Ich würde mich gerne geistig mit dir duellieren, aber ich sehe du bist unbewaffnet.