Jugendschutz: Killerspiele, Horrorfilme & Co.

  • Auf der anderen Seite, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher dann tiefer in dieses Spiel eintauchen kann und merkt, dass er Menschen (oder was auch immer) töten kann, das ja bei weitem nicht heißen muss, dass er sich denkt "cool, das macht Spaß, jetzt will ich das mal in echt ausprobieren". Hier muss schon vorher eine akute Gefahr bestanden haben, bzw ein Gewaltpotential. Das kann durch häusliche Gewalt von Seiten der Familie (egal ob physisch oder psychisch), aber auch durch Mobbing in der Schule oder Depressionen entstehen. Natürlich ist das als Problem wesentlich komplexer und an dieser Stelle ist es einfacher die Schuld den Killerspielen oder Horrorfilmen zu geben, was das eigentliche Problem dann zwar nicht beseitigt, aber hey, man hat sich immerhin "Mühe" gegeben.
    Ich bezweifel ganz stark, dass diese Kids die mit Pumpgun in die Schule rennen, dies zum Spaß gemacht haben. Viel mehr glaube ich das sie keinen anderen Ausweg mehr aus ihren Problemen kannten. Ich selber bin auch in der Schulzeit viel gemobbt worden und gerade da haben mich Killerspiele eher beruhigt als noch aggressiver gemacht. Deswegen wage ich es mich jetzt einfach mal eine Theorie aufzustellen und behaupte, das diesen Jugendlichen ihre Killerspiele irgendwann nicht mehr ausgereicht haben, um ihre Aggressionen abzubauen. Und diese Kinder sind ja nicht dumm, im Gegenteil, zu Schulzeit sind die Kleingeister noch mächtiger als die Streber. Die wissen das sie diesen Tag nicht überleben werden und das wollen sie auch garnicht. Es ist ein Suizid. Manche Kids werfen sich vor nen Zug und andere wollen so viele Peiniger wie möglich mit in den Tod ziehen, bis sie sich letztendlich selber richten oder von Einsatzkräften erschossen werden. Aber ok, das ist jetzt meine Meinung.


    PS: Lustigerweise haben mich Spiele wie Mario Kart schon öfters aggressiv gemacht als Killerspiele und dieser Spruch der momentan viel durchs Internet geistert vonwegen "Wer meint das Killerspiele aggressiv machen, der ist bei Mario Kart noch nie kurz vor dem Ziel auf einer Banane ausgerutscht" ist garnicht mal so weit hergeholt.

    "Was ohne Beweis behauptet werden kann, kann auch ohne Beweis abgelehnt werden." - Christopher Hitchens



    Wer weiß muss nicht glauben.

  • Mal ganz platt und aus der Gegenseite formuliert:


    Im Grunde dürfen wir als Zocker solcher pösen Spiele ja gar keine Meinung dazu abgeben, weil wir ohnehin befangen sind.


    Der Satz ist aber Schwachsinn. Ich persönlich denke, dass niemand besser geeignet ist sowas zu beurteilen als wir. Andererseits ist hier offenkundig, dass wir Kommentierenden ein hohes Maß an Reflektionsvermögen aufweisen. Keiner hier ist dumm und stupide, wir überdenken unsere Handlungen und deren Inhalt und das gilt eben auch für den Inhalt, Gewalt beinhaltender Spiele. Wir können zwischen Realität und Fiktion trennen. Und ich bin der Ansicht, dass wir damit nichts kompensieren oder ausleben ("nicht mehr" ggf. einfügen :mrgreen: )
    Ich für mich konnte an mir nie feststellen, dass ich damit Aggression abbauen konnte oder im Gegenzug noch mehr generierte.


    Nichtsdestotrotz sind solche Studien allein deswegen nicht sonderlich aussagekräftig, weil sie pauschalisieren und das soziale Umfeld, die soziale Kompetenz, die psychische Stabilität und das Bewertungsvermögen der Jugendlichen außer Acht lassen. Ich verstehe die Bemessungsgrundlage nicht anhand derer solche Studien zu dem Schluss kommen, dass Inhalte gewalttätiger Natur pauschal Jugendliche zu potenziellen Tätern machen. Damit wird lediglich eine neue Schublade geschaffen in die man junge Menschen, die in dem Alter ohnehin kaum bis gar nicht wissen wer sie eigentlich sind, steckt. Eine Angabe, dass ein um 16% erhöhtes Risiko besteht ist wohl kaum haltbar, da es eine unzulässige Pauschalisierung ist. Zudem wüsste ich gerne welcher Wert dem zu Grunde liegt. Welche Skala wird da benutzt? Oder schlicht: 16% höher als was? 1+ 16%? 80 + 16%?


    Eine Studie des von mir genannten Umfanges wäre extrem komplex, dafür aber genauer und sie würde vermutlich keinem der beiden Lager sonderlich viel bringen, da sie individuelle Prognosen der Probanden liefern würde. Pauschalisierungen wäre somit nicht möglich, da niemand das exakt gleiche Umfeld vorweisen kann. Gleiches gilt für die psychische Struktur.


    Grundlage für Aggression und eventuell daraus resultierende Gewalt ist doch das Überschreiten der Frustrationstoleranz. Aber wie misst man die effektiv und objektiv? Jeder verarbeitet Frustration anders. Einige schreien wild, andere machen etwas kaputt, wieder andere fressen es in sich hinein, einer gibt einfach auf und geht raus usw. usf..


    Es gibt Tage, da stört es mich kaum oder sogar überhaupt nicht was mit meinem Spielercharakter geschieht, wie oft er stirbt und warum und an manchen Tagen gehe ich beim ersten Fail gleich durch die Decke... und ich vermute mal ganz stark, dass das bei jedem so ist.



    Viel schlimmer finde ich die mittlerweile überhaupt nicht mehr zu gebrauchende FSK Einstufung. Habe mir neulich Skyrim geholt und darauf sind 2 Siegel.
    PEGI Einstufung: 18,
    FSK Einstufung: 16...


    Und gleich zu Beginn geht es los mit einer gepflegten Enthautpung. Diverse Finish-Moves des Spielercharakters sind auch nicht ohne. Ich bin nicht zimperlich und ich persönlich finde solche Darstellung nicht schlimm, da sie zur Erzeugung der Stimmung im Spiel dient aber eine 16er Einstufung finde ich da schon lächerlich. Mir ist schon klar, dass heute die Toleranzschwelle deutlich höher liegt als noch vor einigen Jahren aber für 16-jähige empfinde ich es als einen Ticken zuviel des Guten. Ich kann es nicht unbedingt vernünftig begründen aber mir ist es eben doch aufgefallen. Müsste mich mit meinem Sohn wahrscheinlich später streiten, wenn er 16 ist und das spielen will aber das sehen wir dann.

  • Rechtfertigt dennoch nicht fsk 12. Ich finde, dass Filme sowieso viel zu leger mit der Alterbeschränkung umgehen. Aber es gibt eben Werte, die sollen gefördert werden, andere nicht....

    The idea of Salvation comes, I believe, from the one whom suffering breaks
    apart. He who masters it, on the contrary, needs to be broken, to proceed
    on the path towards the rupture. - Shaxul?

  • Die Studie benutzt diese Statistik um zu zeigen, wie schlecht unser Jugendschutz sei. Und da ich will wissen welches Spielverhalten diese 53% bzw 86% hatten? Haben sie die GTA Teile durchgesuchtet? Haben sie mittendrin die Lust verloren? Haben sie das Game einmal für Minuten angemacht und dann vergessen? Hat der große Bruder sie durch die Stadt gurken lassen, weil das irgendwann zwischen den eigentlichen Missionen nur noch nervt? Konnten sie es einmal für 2 Stunden beim großen Bruder eines Freundes spielen? Haben 5 "normale" Kids es ab und zu bei dem einen Psychokid in ihrer Klasse spielen können? Darüber sagt die Statisitk nichts aus. Will sie ja auch nicht, weil es ja darum geht zu zeigen wie mies unser Jugendschutz ist. Da wird gern alles genommen, was irgendwie rein passt.
    Mein Neffe würde genauso in diesen 53% bzw. 86% landen. Und er ist nicht rumgelaufen und hat Menschen erschossen, sich wilde Schiessereien mit der Polizei geliefert und Nutten zusammengeschlagen. Er ist da nur im Auto rumgefahren (und hat nebenbei sogar noch versucht sich an die Verkehrsregeln zu halten die er da schon kannte). Weil GTA aber von den Machern der Studie als "Killergame" empfunden wird, ist der Umstand, dass er es gespielt hat schlecht. Fährt er in Mariokart rum wäre es unproblematisch weil es ja kein "Killergame" ist...und das obwohl jeder weiss, dass der blaue Panzer tatsächlich ein Grund für Aggressionen und ein Zerstörer von Freundschaften sein kann.

    Die Antworten auf deine Fragen an diese, wie ich gesehen habe separat gehaltene Studie, gibt es hier . Diese wurde zwar von den selben Leuten durchgeführt, scheint aber im Grundsatz eine andere Studie zu sein. Da werden auch Details angeschaut, wie oft gespielt pro Woche, wie viele Stunden/Tag, was der höchste Reiz ausmacht, auch aufgeschlüsselt, usw...


    Also besser ich verbiete alle Games per se...denn wenn ich ihm das Konzept von Games beibringe, dann wird er sich ja offensichtlich irgendwann selber beibringen was es sonst noch so für Games gibt!

    Das ist deine Aussage, nicht meine... Aber: Wie würdest du reagieren, wenn er eines Tages auf einmal auf den Geschmack kommt, über den Gehweg zu brettern, weils so cool aussieht, wies die Menschen umhaut?


    Wenn es darum geht den Kausalzusammenhang Mediengwalt > Aggression zu untersuchen beschränken sie sich auf Hauptschulen. Wenn es darum geht zu zeigen wie mies unser Jugendschutz ist, weiten sie ihre Befragung noch extra aus damit die Statistik auch ja "repräsentativ" ist. Finde den Fehler!

    Kann man doch durchaus gelten lassen... Immerhin ist die Befragung zu GTA IV unheimlich kleiner, beschränkt sich auf einen Fragebogen und gut. Bei der grösseren Studie muss man deutlich mehr Arbeit rein stecken, auch müssen die Schulen bereit sein, die Zeit dafür aufzuwenden (300 Fragen machste nicht eben kurz in einer Lektion). Dann ist auch noch die Auswertung unheimlich viel aufwändiger!


    Ich finde die Behauptung weit hergeholt dass ausgerechnet Videospiele im allgemeinen und "Killerspiele" im besonderen Aggressionen auslösen sollen. Da könnte.es auch sein dass ich nach einem ausgedehten Monopoly spiel Amok laufen gehe.

    Nochmal: Von Amokläufern redet hier im Thread niemand... Auch die Studie nicht...


    Im Grunde dürfen wir als Zocker solcher pösen Spiele ja gar keine Meinung dazu abgeben, weil wir ohnehin befangen sind.


    Der Satz ist aber Schwachsinn. Ich persönlich denke, dass niemand besser geeignet ist sowas zu beurteilen als wir. Andererseits ist hier offenkundig, dass wir Kommentierenden ein hohes Maß an Reflektionsvermögen aufweisen. Keiner hier ist dumm und stupide, wir überdenken unsere Handlungen und deren Inhalt und das gilt eben auch für den Inhalt, Gewalt beinhaltender Spiele. Wir können zwischen Realität und Fiktion trennen. Und ich bin der Ansicht, dass wir damit nichts kompensieren oder ausleben ("nicht mehr" ggf. einfügen )
    Ich für mich konnte an mir nie feststellen, dass ich damit Aggression abbauen konnte oder im Gegenzug noch mehr generierte.

    Naja, Befangenheit ist durchaus ein Schlüsselwort... Jeder klassische Gamer fühlt sich nur schon beim Ansprechen auf das Thema direkt in die Ecke gedrängt. Dann kommt oft eine Verteidigungshaltung, die vor allem zum Ziel hat, die eigene Handlungsweise und Erfahrungsgrundlage zu rechtfertigen. Das macht eine objektive Diskussion recht schwierig. Das ist in etwa so, wie wenn man mit nem Raucher darüber argumentiert, wie schädlich Rauchen ist...
    Reflektionsvermögen ist auch ein gutes Stichwort! Denn um objektive gute Aussagen zu treffen, brauchst du das nicht nur hier im Jetzt, sondern auch aus dem "damals". Wie gut war das denn "damals", als wir 12, 13, 14, 15 oder 16 jährig waren? Waren wir fähig solch komplexe Zusammenhänge zu sehen, zu erkennen und zu reflektieren? Wenn nein, wie können wir denn heute noch "objektiv" auf jene Zeit zurückblicken?


    Nichtsdestotrotz sind solche Studien allein deswegen nicht sonderlich aussagekräftig, weil sie pauschalisieren und das soziale Umfeld, die soziale Kompetenz, die psychische Stabilität und das Bewertungsvermögen der Jugendlichen außer Acht lassen. Ich verstehe die Bemessungsgrundlage nicht anhand derer solche Studien zu dem Schluss kommen, dass Inhalte gewalttätiger Natur pauschal Jugendliche zu potenziellen Tätern machen. Damit wird lediglich eine neue Schublade geschaffen in die man junge Menschen, die in dem Alter ohnehin kaum bis gar nicht wissen wer sie eigentlich sind, steckt.

    Ich finde eigentlich nicht, dass die Studie viel pauschalisiert.. Die Interpretationen dazu, sind, ja, daneben... Aber die Studie selbst versucht einfach, verschiedene Risikofaktoren aufzuschlüsseln und ihnen einen Faktor zu verleihen! Und:

    Zitat

    Eine Angabe, dass ein um 16% erhöhtes Risiko besteht ist wohl kaum haltbar, da es eine unzulässige Pauschalisierung ist. Zudem wüsste ich gerne welcher Wert dem zu Grunde liegt. Welche Skala wird da benutzt? Oder schlicht: 16% höher als was? 1+ 16%? 80 + 16%?

    Damit wollte man dann eben ausdrücken, dass eine kleine Risikogruppe (ca. 16%, genauer genommen etwas weniger) gibt, welche eben anfällig darauf ist. Wobei auch auch davon abgesehen wird, diese Risikogruppe in einen Topf zu werfen: Vielmehr bestünde bei jedem Individuum eine gewisse Anfälligkeit. Bei einem mehr, beim anderen weniger. Hat man ein geringeres Risiko, kann eine "erhöhte Dosis medialer Gewalt" trotzdem einen Effekt erzielen.


    Viel schlimmer finde ich die mittlerweile überhaupt nicht mehr zu gebrauchende FSK Einstufung. Habe mir neulich Skyrim geholt und darauf sind 2 Siegel.
    PEGI Einstufung: 18,
    FSK Einstufung: 16...


    Und gleich zu Beginn geht es los mit einer gepflegten Enthautpung. Diverse Finish-Moves des Spielercharakters sind auch nicht ohne. Ich bin nicht zimperlich und ich persönlich finde solche Darstellung nicht schlimm, da sie zur Erzeugung der Stimmung im Spiel dient aber eine 16er Einstufung finde ich da schon lächerlich. Mir ist schon klar, dass heute die Toleranzschwelle deutlich höher liegt als noch vor einigen Jahren aber für 16-jähige empfinde ich es als einen Ticken zuviel des Guten. Ich kann es nicht unbedingt vernünftig begründen aber mir ist es eben doch aufgefallen. Müsste mich mit meinem Sohn wahrscheinlich später streiten, wenn er 16 ist und das spielen will aber das sehen wir dann.

    Und weshalb müssen jetzt die Einstufungen genau korrekt sein? Wenn mediale Gewalt keinen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes/Jugendlichen hat, ist sie sie ja auch überflüssig, oder? ;)


    mfg Vivajohn

  • Zitat

    überhaupt nicht mehr zu gebrauchende FSK Einstufung.


    Also erstmal ist es die USK,die FSK ist für Filme zuständig

    Zitat

    Wenn mediale Gewalt keinen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes/Jugendlichen hat, ist sie sie ja auch überflüssig, oder?


    Also,ich sag mal so,mit 10 habe ich meinen ersten Horrofilm gesehen(NOES1);mit 13 mein erste "brutales"Spiel (glaube Babarian auf dem C64gespielt,damals gab es noch keine Altersbeschränkungen,das war 1988).Es geht im Prinzip darum das es Kindern nicht zugemutet werden sollte(was ich auch nciht bei meinen Sohn mache,der spielt nur altersgerecht)trotzdem gab es zu meiner Kindheit ja auch noch keine Spiele die wirklich brutal gewesen wären(über sowas wie Raid over Moscow oder babarian lacht man ja heute drüber).Wenn ich sowas wie Resident Evil,oder Last of us sehe,ist das ja schon ein ganz anderes Kaliber.Es ist eher das solche Spiele Kindern Angst machen könten,als das sie Aggressionen auslösen könnten

  • Die Wissenschaft (Kriminalpsychologie) ist schon längst davon ab, das Spiele für Amokläufe verantwortlich sind. zum Amokläufer sind es jahrelange Entwicklungen. Der Konsum von Mediengewalt spielt zwar noch für das Gesamtprofil noch eine Rolle, aber nicht mehr als Ursache.


    Was Jugendschützer jedoch eher befürchten als Agressionsaufbau, ist Abstumpfung. Also Jugendliche könnten Gewalt als normal empfinden, oder sich an Gewalt gewöhnen.


    Filme haben den Vorteil daß sie künstlerische Anerkennung genießen, Videospiele hingegen nicht. Das beinflußt auch den Moralismus gegenüber Spielen. Der Jugendschutz bewertet Spiele strenger, oder Spiele wie Witcher oder Mass Effekt werden kritisiert weil dort Sex vorkommt.


    Der Grund warum Spiele nicht künstlerisch anerkannt ist, laut Steven Spielberg, sobald der Spieler das Spiel spielt beeinflußt er es, bzw ändert er was, damit ist das Spiel dann kein Kunstwerk mehr.

  • Jeder klassische Gamer fühlt sich nur schon beim Ansprechen auf das Thema direkt in die Ecke gedrängt. Dann kommt oft eine Verteidigungshaltung, die vor allem zum Ziel hat, die eigene Handlungsweise und Erfahrungsgrundlage zu rechtfertigen.

    Das ist korrekt. Es kommt jedoch auf den Einzelnen an wie er damit umgeht. Auf "Anschuldigungen" oder Verallgemeinerungen erst einmal mit Abwehr zu reagieren ist normal und auch gerechtfertigt.


    Reflektionsvermögen ist auch ein gutes Stichwort! Denn um objektive gute Aussagen zu treffen, brauchst du das nicht nur hier im Jetzt, sondern auch aus dem "damals". Wie gut war das denn "damals", als wir 12, 13, 14, 15 oder 16 jährig waren? Waren wir fähig solch komplexe Zusammenhänge zu sehen, zu erkennen und zu reflektieren? Wenn nein, wie können wir denn heute noch "objektiv" auf jene Zeit zurückblicken?

    In dem Alter hatte ich schlicht und ergreifend keinen Zugriff auf solche Inhalte. Da haben meine Eltern eben noch darauf geachtet...und zwar in gesundem Maße. Konsum ja, aber eben altersgerecht.


    Die Interpretationen dazu, sind, ja, daneben

    Die Interpretation der gewonnenen Daten sollte aber objektiv erfolgen und nicht mit den eigenen Ansichten und Haltungen vermengt werden. Solche Dinge entwerten die geleistete Arbeit.


    Aber die Studie selbst versucht einfach, verschiedene Risikofaktoren aufzuschlüsseln und ihnen einen Faktor zu verleihen!

    Was ja auch okay ist. Irgendwo und irgendwie muss man ja beginnen.


    Damit wollte man dann eben ausdrücken, dass eine kleine Risikogruppe (ca. 16%, genauer genommen etwas weniger) gibt, welche eben anfällig darauf ist.

    Naja, 16% bedeutet auch bereits, dass jeder 6. anfällig für übermäßigen Konsum medialer Gewalt ist. Ist schon beachtlich. Wenn man diese platte Form der Statistik mal auf aktuelle Klassengrößen deutscher Schulen bezieht, bedeutet das, dass man 5 Individuen in der Klasse hat die darauf deutlich ansprechen und ihren "Hang" zur Gewalt und Relativierung eben jener auch ausleben. In welcher Form auch immer.


    Vielmehr bestünde bei jedem Individuum eine gewisse Anfälligkeit. Bei einem mehr, beim anderen weniger. Hat man ein geringeres Risiko, kann eine "erhöhte Dosis medialer Gewalt" trotzdem einen Effekt erzielen.

    Nichts anderes habe ich gesagt. Damit spiegeln sich ja Aspekte wie psychische Belastbarkeit, die Erziehung und die Art und Weise des Umganges mit Gewalt wider.


    Und weshalb müssen jetzt die Einstufungen genau korrekt sein?

    Weil sie sonst nichts anderes als Scheinheilig sind. Es wird versucht Kinder zu schützen und offenbar gibt man sich dabei eben nicht immer sonderlich viel Mühe. Wäre ich in einem Komitee zur Einstufung des von mir benannten Skyrim gewesen würde darauf auch ein FSK 18 prangen und nicht nur das PEGI Siegel, dass den meisten Menschen ohnehin nichts sagt. "Pegi? Hab ich noch nie gehört."


    Wenn mediale Gewalt keinen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes/Jugendlichen hat, ist sie sie ja auch überflüssig, oder? ;)

    Wer sagt das hier? Ich nicht. Alles hat Einfluss. Wie so oft: Die Dosis macht das Gift.

  • Ganz einfach X; das Spiel beginnt mit einer Enthauptungsszene die ungekürzt ist.
    FSK 18 resultiert in meinen Augen nicht nur aus der dargestellten Menge an Blut -die es bei Skyrim nicht gibt- sondern auch aus den dargestellten Inhalten und eine solche Szene muss ich einem 16 jährigen Menschen nicht gleich ins Gesicht schlagen. Die können das doch gar nicht verarbeiten und haben überhaupt kein Verständnis davon was sie damit nun anfangen sollen. Für viele mag das banal oder übertrieben klingen aber ich sehe darin eine krasse Form der Gewalt.
    Es gehört in den Kontext des Spieles, keine Frage aber diese Darstellung empfand ich persönlich als unnötig. Mag aber auch daran liegen, dass ich weiß, was die Programmierer alles nicht dargestellt haben. Insofern muss ich natürlich beachten, dass meine Wahrnehmung diesbezüglich durch mein Wissen überlagert und ergänzt wurde aber das sollte einem solchen Komitee eben auch bewusst sein.


    Aber ich sehe vermutlich worauf du hinaus willst, der Rest des Spieles stellt Gewalt zwar durchaus auch dar aber eben nicht mehr so drastisch. Ein Giftmord ist eben weniger greifbar für den Spieler als etwas anderes. Andererseits erlaubt es dir die Spielmechanik die Dörfer zu entvölkern...abgesehen von den Kindern (glücklicherweise)...nachdem du das getan hast, wirst du mit einem Kopfgeld belegt...Ja und? Bezahlste eben oder gehst in den Bau, danach ist alles wieder gut.


    Naja, es gibt in meinen Augen eben einige Punkte die eher für eine FSK 18 Einstufung sprechen als für die Freigabe ab 16.

  • Zwischen 16 und 18 passiert nicht viel geistige Entwicklung; viel weniger als zwischen 12 und 16. Wenn einer mit 18 was packt, hat er das auch mit 16 gepackt. Die FSK/USK-Einstufungen sind psychologisch veraltet und die Umsetzung ist weltfremd. Jugendschutz in Deutschland bedient v.a. konservative Erwachsene. Die Tatsache, dass Einstufungen wie SPIO/JK existieren (Für Zeug, das eh nur für Erwachsene ist, wird der Erwerb erschwert), zeigt auch, dass es oft eher um Kunstzensur geht.

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Da habt ihr wahrscheinlich sogar recht.
    Ich kann auch nicht ausschließen, dass ich solche Sequenzen mittlerweile überbewerte, da mir sehr viel bewusster ist was genau das bedeutet, was exakt bei einer Enthauptung passiert.
    Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich als Jugendlicher über eine solche Szene völlig hinweggesehen hätte, weil mir letztlich die erzählte Geschichte einfach wichtiger ist und zudem kenne auch ich ja die Mods für diverse Konsolenspiele aus der Mitte und vor allem dem Ende der 90er. Diese spielte ich auch, eben weil's verboten und reizvoll war. Ich konnte bei mir nie einen Hang zur Gewalt darstellen oder das ich so etwas besonders geil gefunden hätte. Es war halt der übliche Schulhofquatsch. "Boah...ich hab die indizierte Version von sowieso und hastenichtgesehen. Voll brutal. Nur Splatter."


    Ich bemerke gerade: Ich bewerte soetwas heute völlig anders und strenger.
    Dennoch halte ich die erteilten Freigaben teilweise für fragwürdig, insofern hast du also doppelt recht Ronin.

  • Jugendschutz in Deutschland bedient v.a. konservative Erwachsene. Die Tatsache, dass Einstufungen wie SPIO/JK existieren (Für Zeug, das eh nur für Erwachsene ist, wird der Erwerb erschwert), zeigt auch, dass es oft eher um Kunstzensur geht.


    Es stimmt wohl, dass der Jugendschutz im Endeffekt eher dem ruhigen Gewissen von besorgten Eltern dient als dem tatsächlichen Schutz von Jugendlichen. Problem dabei ist aber dass sich der Jugendschutz mittlerweile eigentlich kaum mehr vernünftig umsetzen lassen würde. Jeder Jugendliche der ein wenig computeraffin ist besorgt sich die Version eines Spiels dass er haben will. Entweder kauft er den Spielekey online und umgeht die Alterskontrolle, kauft online im Ausland und bekommt Keys für in Deutschland indizierte Titel oder er saugt sich das Game direkt für lau aus dem Netz. Oder...da Skyrim hier ja ein Thema ist...er moddet sich das Game zurecht. Ich hab mir damals Fallout 3 bei Release direkt gekauft und hab erst später bemerkt, dass es die geschnittene Version war. Anderthalb Tage nach Release gabs den Patch um von cut auf uncut umzustellen. Skyrim ist in der Hinsicht noch schlimmer. Abgesehen von den Dutzenden Mods welche die grafische Gewalt ins Extreme treiben hast du da auch noch unzählige Mods die neue Gameplayelemente hinzufügen die von gruselig über Horror und Gore bis zu total sickem Shit reichen.
    Ein Modell das bei vielen Publishern/Entwicklern mittlerweile wohl starkes Interesse weckt, ist es das Spiel global einfach in einer gewaltfreien für den Jugendschutz unbedenklichen Fassung zu verkaufen um dann kostenlos Patches und DLCs bereitzustellen oder im Netz zu verbreiten um die Gewalt wieder ins Spiel zu bringen.
    Wenn die Eltern oder Erwachsenen also tatsächlich nicht wollen, dass ihre Kids sowas spielen dann müssten sie eigentlich selber den Arsch hochkriegen und ihre Kids kontrollieren.


    Was die SPIO/JK angeht...ich sehe da jetzt nicht wo gerade bei denen Kunstzensur reinspielt. Die tun doch eigentlich das Gegenteil. Wenn die einen Titel prüfen und "keine schwere Jugengefährdung" feststellen darf der ganz normal wie FSK/USK 18 Titel ausgestellt und verkauft werden ohne dass dem Händler dafür später jemand gegen den Karren fahren kann. Das ist doch förderlich für den Vertrieb.


    Dennoch halte ich die erteilten Freigaben teilweise für fragwürdig,


    Ich finde die Freigabe da eigentlich ziemlich gut getroffen. Skyrim spielt in einem Fantasysetting. Es gibt sprechende Drachen, Monster und Magie. Der Spieler hat durch das Setting mehr als genug Distanzierungsmöglichkeiten um das Spiel halt als Spiel zu erkennen. Weitherin nimmt der Spieler im Game die Rolle des Chosen One ein der losziehen soll um die Welt zu retten. Fast alle Aufgaben in Skyrim sind grundsätzlich "guter" Natur. Beschütze das Dorf, töte das böse Monster, befreie die Prinzessin. Selbst bei den paar "bösen" Quests die Skyrim beinahaltet bescheisst oder "ermordet" man dann meistens nur "böse" NPCs oder Monster. Es gibt nur ne Handvoll Quests die tatsächlich "evil" sind. Andere "menschliche" NPCs mit denen man sich grundsätzlich in die Haare bekommt wie die zahlreichen Banditen sind dem Spieler auch default aggressiv gegenüber. Man verteidigt sich dort nur.
    Als Spieler hat man zwar die Möglichkeit, wie du sagtest, herumzulaufen und ganze Dörfer zu entvölkern. Aber da hast du dann trotzdem in jedem Dorf mehr als ne Handvoll von NPCs die essential sind und die der Spieler nicht umbringen kann egal was er tut, so dass wieder Distanzierungsmöglichkeiten gegeben sind. Wichtiger ist aber dass dies eben nicht der Fokus oder der Sinns des Spiels ist. Der Spieler wird nirgendwo dazu aufgefordert so etwas zu tun, noch wird so ein Verhalten irgendwie vom Game belohnt. Im Gegenteil, das Game wird dadurch irgendwo unspielbar weil man nen Haufen für Quests wichtige NPCs umbringt.


    Was die Enthauptungsszenen angeht: Von einem 16 Jährigen kann man erwarten, dass er über genug geschichtliches Hintergrundwissen verfügt um die Enthauptungen im Kontext des Settings zu sehen. Insbesondere da das Spiel vor jeder Enthauptungsszene noch mal elend lange dazu ansetzt zu erklären, dass es um Verrat geht und es die übliche Bestrafung ist usw.


    und zudem kenne auch ich ja die Mods für diverse Konsolenspiele aus der Mitte und vor allem dem Ende der 90er.


    Mal aus Neugierde...welche Mods für Konsolenspiele aus der Mitte und Ende der 90er meinst du denn da?


    MfG
    Sleepy

    Was du heute kannst besorgen, ist mit Sicherheit nicht derart wichtig, dass es sich nicht auch verschieben lassen würde!

  • Das ist doch förderlich für den Vertrieb.

    Kriegt dein Titel das "SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich"-Siegel, darf nicht mehr im Laden ausgestellt und nur noch auf Nachfrage verkauft werden; ist essentiell das gleiche wie bei ner Indizierung. Macht wenig Sinn, weil der Titel wie gesagt eh nur für Erwachsene ist, jetzt aber dafür gesorgt wird, dass man die Zielgruppe tendenziell nicht anwerben kann. Durch eine staatliche Auflage wird also der freie Vertrieb der Kunst erschwert - das ist eine Definition von Zensur und weit entfernt von Jugendschutz.


    Bei Games ist es ohnehin ne ganze Ecke absurder, insbesondere in Deutschland. Der Clou ist, dass das deutsche Recht Games einfach nicht als Kunstform betrachtet und dadurch nicht schützt. Inhalte müssen entfernt werden, oder der Vertrieb wird verboten - viel, viel schneller und üblicher als bei ner Beschlagnahmung bei Filmen. Netter Artikel:


    5 Weird Ways Germany Has Censored Video Games
    http://www.dorkly.com/post/80945/germany-censorship


    Though movies like Iron Sky made it to theaters relatively unscathed (despite featuring swastikas worn by Nazis living on the moon), games don't have the same protections in the country. Meaning that any use of the swastika in a video game is strictly verboten. So if you're the developers of something like 10 Second Ninja (seen above) and your main character is fighting Nazi robots in levels full of swastikas, you'll have to make some compromises.
    Is it fair that video games have to censor themselves while Indiana Jones remains uncut? Well, not really. But as we'll see throughout the next few entries, the German government doesn't recognize games as art, and thus doesn't offer it the same protections as other mediums.

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
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