Memento Mori

  • Memento Mori


    In der letzten Zeit habe ich mich ja sehr viel mit alten Friedhöfen beschäftigt. Was mir dabei immer wieder auffiel, war die Sache mit den grausligen Totenköpfen auf manchen alten Grabsteinen.







    Teilweise sehr schöne Skulpturen, aber oben drauf einen Totenkopf.
    ich habe mich nun mal schlau gemacht was das zu bedeuten hat. Und wurde fündig und fand, das es absolut wissenwert ist.


    Diese Totenköpfe haben den Ursprung von "MEMENTO MORI" .
    Diesen Begriff bekam ich von einem Museumsdirektor den ich kontaktierte.




    Quelle: Wiki


    Also diese Totenköpfe sollten damals daran erinnern, das man immer daran denken sollte das man sterben kann. Um nie zu vergessen, das man regelmässig Busse tun sollte, um sich davor zu schützen, ins Fegefeuer zu kommen. Denn damals war man ja streng gläubig und war im Glauben, man kommt entweder in den Himmel oder ins Fegefeuer.


    Erst Gotthold Ephraim Lessing fand das unpassend und ging dagegen an. Seit dem nahm man dann öfters den "Thanatos" als Figur her.
    Denn die fand man passender und ansehnlicher.




    Zitat

    Zitat:
    Thanatos (griechisch, lateinisch Mors "TOD "), in der griechischen Mythologie der Gott des Todes (bzw. der Tod selbst - sofern man ihn überhaupt in einer solchen Form personifizieren kann). Thanatos ist der Zwillingsbruder des Hypnos, mit ihm wird er auch häufig dargestellt: "Ildefonso-Gruppe" als Schlaf und Tod. Er ist der Sohn der Nyx und des Tartaros (manchmal auch Erebos). Dabei ist er aber nicht mit dem Hades zu verwechseln.



    LG AndreaTPF



    (liebe Admins, ich wusste nicht genau wohin damit. wenns falsch ist bitte verschieben.)

  • Das "Memento Mori" steht vor allem mit einer künstlerischen Ikonographie in Zusammenhang, die als Vanitas-Motiv bezeichnet wird (Eitelkeit, im hist. Sinne von "Vergänglichkeit" gemäß Salomo 1.2 Vulgata: "vanitas vanitatum omnia vanitas"). Sinnbilder für die Vergänglichkeit des Lebens und den Tod findet man zwar seit der Antike, seine formale und inhaltliche Ausreifung fand das Thema aber erst im Barock, wo man Vanitas-Motive in jeder Kunstform antreffen kann. Nachdem Vanitas-Motive schon im Spätmittelalter wieder populär wurden (Pest!), war es im 17. Jahrhundert vor allem der Dreißigjährige Krieg (1618-48), der den Menschen ihre Vergänglichkeit wieder in Erinnerung rief. Natürlich hat es auf den Friedhöfen am längsten überlebt und findet sich noch heute als klassische Grabmalikonographie, auch wenn das exakte ikonographische Wissen zum Teil verschütt gegangen ist. Die barocken Vanitas-Bilder stecken voller Symbolik, als Beispiel hier nur ein Stillleben von Hendrik Andrieszen, in dem jeder dargestellte Gegenstand eine symbolische Bedeutung trägt:



    Auch das von dir gezeigte Grabmal greift barocke Sprache auf, wie man auch deutlich an dem beigestellten Putto erkennen kann. Der Rückgriff auf Thanatos ist dann auch keineswegs auf Lessing zurückzuführen, sondern auf den Geschmack der Zeit, der sich insbesondere im Klassizismus wieder auf antike Formen und Inhalte besann.


    santiago

  • Das "memento mori" ist einmal ein Warnruf an besonders Erfolgreiche, wie Du schön dargestellt hast.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Memento_mori


    Gleichzeitig eine Ermahnung für alle anderen, sich in ihrem Leben ordentlich zu verhalten. Bedingung ist natürlich eine religiöse Grundeinstellung. Mir ist es zu mittelalterlich, da in dieser Zeit die Welt oft als ein Jammertal angesehen wurde, der Mensch von einer Sünde in die andere taumelte. Da die Hölle oder zumindest das zeitlich begrenzte Fegefeuer drohte, alsowäre es besser für die Menschen damals in ihrer Grundeistellung, alles, was sie tun, 3x zu überlegen . Zu ihrem Glück gab es die Freikäufe verschiedenster Art. Und sie wußten auch, was Spaß macht,
    Irgendwie nachdenklich hat mich ein Besuch in Hallstatt im dortigen Karner gemacht. Es war ein Triumph der Schädel und Knochen.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Hallstatt
    http://www.hallstatt.net/publi…ion/view/frmArticleID/17/


    Da ist mir das, inzwische auch aus der Mode gekommene R.I.P. viel lieber.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhe_in_Frieden

  • danke ad _santiago und hermundurus für die zusätzlichen Infos.


    Ich fand es einfach manchmal sehr unpassend. Diese Totenköpfe hatten für mich etwas schauriges , was irgendwie gar nicht in das friedliche Friedhofsbild passte.
    Diese Bild ganz oben stammt von einem sehr alten Friedhof in Freiburg..es gibt mehrer solcher Grabmale dort.


    lg

  • Nunja, was heißt schaurig. Jede Zeit hat eben ihr Bild vom Tod, das sich dann in der Friedhofs- und Grabmalgestaltung wiederfindet. Wenn wir Totenköpfe schaurig finden und sie nicht auf unseren "friedlichen" Blumen-Park-Friedhöfen sehen wollen, spricht das dann nicht dafür, dass unsere Haltung zum Tod keineswegs unverkrampfter ist, sondern wir lediglich die unangenehmen Facetten des Lebens ignorieren wollen?


    Ich sehe im Vanitas-Motiv auch wenig religiöse Elemente. Die Verzweiflung über die Vergänglichkeit des Irdischen ist ja etwas, das auch in unserer heutigen Zeit keineswegs an Bedeutung verloren hat; verflogen ist lediglich der intellektuelle Beiklang dieser Bildsprache. Das memento mori funktioniert also nicht nur in religiösem Zusammenhang, mehr noch: da auch die Religion letztlich nur eine Antwort auf die "Urverzweiflung" der Existenz darstellt, spiegelt sich dieser allzumenschliche Wesenszug letztlich zwangsläufig programmatisch wieder. Gelegentlich meine ich in memento-mori-Bildern sogar ein leises Aufbäumen gegen die religiösen Heilsversprechen erkennen zu können, man bedenke nur die fatalistisch-egalisierende Metaphorik der Totentänze.


    santiago

  • sicher, aber wird man z.B. auf Friedhöfen nicht sowieso an das Vergängliche erinnert? das hat nichts mit Schönheit des Parks zu tun, sondern eigentlich mit der subjektiven Einstellung, wie man einen Friedhof betrachtet.
    Wenn ich auf einen gehe, dann gehe ich um mir dessen bewusst zu werden, das ich noch lebe, das ich froh sein kann noch zu leben. ich weiss, das klingt jetzt abgefahren, aber ein Friedhof ist für mich etws wie ein Energiespender, wenns mir schlecht geht, gehe ich dort hin.Mir wird bewusst, dass alles schlimmer sein könnte wie es ist. Und um denen zu gedenken, die dort liegen.

    Zitat


    Gelegentlich meine ich in memento-mori-Bildern sogar ein leises Aufbäumen gegen die religiösen Heilsversprechen erkennen zu können, man bedenke nur die fatalistisch-egalisierende Metaphorik der Totentänze.


    ja durchaus möglich, man setzte ja damals noch mehr wie heute auf diese Heilmethoden, wobei sie heute auch wieder boomen.


    Heute ist die Erinnerung an die Vergänglichkeit meiner Meinung nach überall zu finden..man sehe sich nur um^^ und dafür brauche ich keine Konfession btw. Religion. (ich bin nicht wirklich gläubisch )

  • Zitat von Wikipedia.de

    Das ursprüngliche Memento Mori könnte aus Psalm 90, Vers 12 stammen

    Ausserdem soll es aus der fünften Satire von Persius stammen, oder ein Zitat Vergils sein. Ärgerlich, dass Theorien in Wikipedia nicht klar gekennzeichnet sein müssen. Bei der Beschreibung dieser Zeremonie kommt es mir recht komisch vor, dass die Römer ein Bibelzitat mit einer Jupiter-Tempel-Krone unterstrichen haben sollen.
    Nein, ich denke, so eine Erinnerung war wohl einfach angebracht. Antike Herrscher haben ja leicht dazu geneigt, ihre Sterblichkeit zu vergessen und sich für Götter zu halten.
    Später auf Gräbern halte ich den Schädel aber tatsächlich für ein besseres Symbol als den Thanatos. Schädel sind ein allgemeingültiges Symbol für den Tod, weil sie das letzte sind was vom Körper danach verschwindet, als ob sie alle anderen permanent an die Gegenwart des Todes erinnern wollen. Gottheiten stehen mehr für ein Leben nach dem Tod oder sowas; damit die absolute Vergänglichkeit zu symbolisieren ist für mich ein epic fail.
    Warum man in christlichen Zeiten überhaupt eine griechische Gottheit nimmt weil man Schädel für zu unästhetisch hält, anstatt schlicht auf das Memento Mori zu verzichten und sich die Diskussion zu sparen, ist mir schleierhaft. Aber wie santiago schon meinte, zu der Zeit ist der eigentliche Sinn im Angesicht der schönen klassischen Kunst wohl eher zweitrangig gewesen.


    Zitat von AndreaTPF

    aber wird man z.B. auf Friedhöfen nicht sowieso an das Vergängliche erinnert?

    Wenn überall nette Steinengel und alles rumstehen, wird man eher an das Leben nach dem Tod erinnert. Dann noch friedliche Sprüche auf den Gräbern... Allgemein sind Friedhöfe ja nur dafür da, weil Menschen ihre Toten aus Gründen der Pietät schon seit Ewigkeiten begraben. Sammelplätze sind dann einfach aus logistischen Gründen geeigneter als Einzelgräber. Und weil der Mensch das einzige Lebewesen ist, dass bewusst über seine Zukunft nachdenken kann, versucht man auf christlichen Friedhöfen an Gott und das Himmelreich zu erinnern.
    Der Totenkopf ist natürlich realistischer, weil er nur an das Ende an sich erinnert und keine Prognosen anstellt. Ob man die Leute überhaupt an ihre Sterblichkeit erinnern muss, fällt natürlich eher unter die Moralphilosophie. Eine sinnvolle Antwort kann es deshalb darauf nicht geben, da sowas immer unter eigene Meinung fällt.

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Zitat

    Warum man in christlichen Zeiten überhaupt eine griechische Gottheit nimmt weil man Schädel für zu unästhetisch hält, anstatt schlicht auf das Memento Mori zu verzichten und sich die Diskussion zu sparen, ist mir schleierhaft. Aber wie santiago schon meinte, zu der Zeit ist der eigentliche Sinn im Angesicht der schönen klassischen Kunst wohl eher zweitrangig gewesen.


    So habe ich das keineswegs gemeint. Die gesamte nachantike Zeit hat immer wieder auf das antike Erbe zurückgegriffen, seit der Renaissance explizit in verklärend-überhöhender Weise. Die antike Formensprache galt als Idealbild der Verbindung von Ästhetik und Sinn, also letztlich der Kunst an sich; und natürlich bot die antike Ikonographie und Mythologie eine beispiellose Quelle der Inspiration, weswegen man sich nur zu gern bei antiken Allegorien und Metaphern bediente. Ich denke, hier ist der falsche Platz, um das enorm weitschweifige Thema "Antikenrezeption" gebührend zu behandeln, darum will ich es bei diesen wenigen Worten bleiben lassen. Es ging jedenfalls keineswegs darum, den "eigentlichen Sinn" hinter der Schönheit verschwinden zu lassen; Thanatas als Todesallegorie lebte ja gerade in seiner ursprünglichen Funktion weiter. Man darf es sich auch nicht so vorstellen, dass man sich von einem Tag auf den anderen dazu entschloss, den Schädel durch Thanatos zu tauschen. Der langsame Wandel vom barocken zum klassizistischen Todesbild ging einher mit dem (fließenden) Übergang ganzer Epochen, inklusive aller Veränderungen auf gesellschaftlichem, künstlerischem und politischem Level. Der barocken Sprache hatte man sich irgendwann einfach sattgesehen, sie war ausgelaugt und überholt und bot keinen Reiz mehr. Der Rückgriff auf die Antike muss also in einem größeren Zusammenhang gesehen werden, und dieser größere Zusammenhang heißt Klassizismus.


    santiago