Präimplantationsdiagnostik

  • Nochmal:


    Es interessiert den Rest vom Forum einen Pfurz, was Ihr gegenseitig von Euren Posts haltet.


    Wenn das jetzt heißt, dass du vor hast dein unreflektiertes Halbwissen noch wehementer zu vertreten, indem
    du z.B. unpassende Passagen, statt zu löschen, durchstreichst, oder übermäßig Fremdworte verwendest und diese auch
    noch hervorhebst, wobei dir teilweise nichtmal deren Bedeutung bekannt ist, oder in seitenlanger Wiederholung versuchst
    irgendeinen Schein zu wahren, dann gute Nacht.
    Der äußere Schein sagt rein gar nichts über den "Inhalt" aus.


    Solche Bemerkungen innerhalb eines Threads sind also weder Themenbezogen, noch in sonstiger Weise einträglich für normale Diskussionen.
    Letzte Warnung:


    Verlegt Euren virtuellen Schw...vergleich auf die PN-Funktion, denn der Rest der Benutzer interessiert sich nicht dafür!


    Angesäuerte Grüße Ricya

    _______________________________


    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Zitat

    Gerade im Sozialdarwinismus und was damit einherging, wurde doch im ganz großen Stil versucht zu manipulieren.
    Die Bevölkerung wurde zum bloßen Spielball der sie umgebenden Prozesse.
    Wer versuchte "einzugreifen" wurde verhaftet und ins KZ verfrachtet, wo schon der Dr. Mengele wartete um tatsächlich
    in Prozesse einzugreifen, wie du es meintest.


    Irrelelvantes Gefasel. Der Punkt ist gerade, dass man im Sozialdarwinismus eine Ethik naturalistisch zu begründen versuchte, was eben nicht legitim ist. Mit der PID hat das überhaupt nichts zu tun, denn wo kein Bewusstsein, da keine Ethik. Ich weiß, dass dir das nicht einleuchtet, macht aber nichts, dir leuchtet so einiges nicht ein, auch wenn du es durch Aggressivität und Überheblichkeit zu übertuschen versuchst. ;)


    Zitat

    Wenn man jedoch auf diese Weise eingreift, wie sie hier diskutiert wird, dann kann das im Laufe der Zeit die Folge
    haben, dass das "Projekt" außer Kontrolle gerät oder ein Zustand eintritt der weder gewollt war, noch reversibel ist.


    Das kann sein. Ja, das Leben ist ein Risiko, in der Tat. Trotzdem rechtfertigt das nicht, Menschen mit Gendefekten auf die Welt kommen zu lassen und ihnen mit vollem Wissen ein kurzes, leidvolles Leben zu bescheren, wenn man das von vornherein verhindern könnte - jemanden so ins offene Messer rennen zu lassen, obwohl die Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen, gegeben wäre, könnte man ebenso als unethisch betrachten. Versuchst du eigentlich auch mal, allgemeine Maximen aus deinen Behauptungen zu induzieren, oder ist für dich "Ethik" reine WIllkür? Wann soll ein medizinischer Fortschritt untersagt werden, wann darf er erlaubt sein?



    Zitat

    Ich behaupte, dass für alle Lebewesen, in irgendeiner Form, Freude und Leid zutreffend sind.


    Das behauptest du, aber belegen kannst du es nicht. Du widersprichst damit auch so ziemlich allen Erkenntnissen der Neurobiologie. Deren Tenor ist eindeutig: Ohne Verbindung zum Großhirn kein Bewusstsein (oder bestenfalls auf sehr niedrigem Niveau). Dass eine Pflanze sich der Lichtquelle nähert, hat nichts mit der bewussten Verarbeitung von Reizen zu tun, sondern mit bloßen chemisch-biologischen Reaktionen, aus denen sich noch kein ethischer Wert ableiten lässt. Da du keine Ahnung hast, was Ethik ist, ist dir natürlich auch nicht klar, in welchen Fällen man welche Ethik anwenden kann, bzw. wo das Sinn macht. Ist aber nicht mein Problem.
    Säugetiere haben höchstwahrscheinlich in der Tat ein Bewusstsein, und damit kommen ihnen auch Rechte zu. Dass wir uns über die Tiere erheben und ihnen bestimmte "Rechte" verwehren, liegt daran, dass dieser Einschnitt zur Erhaltung der Gesellschaft notwendig ist, das Zusprechen der Rechte also einen bedeutenden Schaden für die Menschen bedeuten würde - eine Art negativer Utilitarismus. Das ist nicht fair. Aber Ethik ist auch weder universell, noch naturalisierbar: sie ist in erster Linie ein Produkt des Menschen und seiner egoistischen Gene, um sich mit heiler Haut fortzupflanzen. Aus genau dem selben Grund, wie sich bestimmte Tierrechte nicht durchsetzen lassen, verwehren wir auch inhaftierten Strafgefangenen ihre Rechte, die sich rein logisch ebenso frei in der Gesellschaft bewegen sollten, wie jeder andere. Ethik ist eben das permanente Ausloten von Nutzen und Kosten. Und wenn du jetzt an Extrembeispiele wie die Sklavengesellschaft denkst: eine Maxime zur Gestaltung von Ethik, wie der kategorische Imperativ oder Bentham/Mills Utilitarismus sind etwas anderes als die Begründung von Ethik, denn Normatives kann bekanntlich (?) ohnehin nicht letztbegründet werden.
    Es gilt, deinem Gefasel zum Trotz, nach wie vor: die Form des ethischen Werts (des "Rechtes") bezieht sich auf den, dessen Interessen mit ihm beschrieben werden. Da Ethik immer mit solchen Interessen zu tun hat (und nicht bloß damit, was "richtig" und was "falsch" ist, wie du oberflächlich behauptet hast), kann sie auch erst dort wirksam werden, wo bewusste Reizverarbeitung stattfindet, was bei nicht ausgebildetem Cortex höchstwahrscheinlich nicht der Fall ist. Aufgrund der geringen Restunsicherheit auf Fortschritt zu verzichten oder die Ethik so sehr zu verwässern, dass sie letztlich ihr Potenzial gänzlich einbüßt, halte ich für unklug.


    Zitat

    Das nicht er die Welt erschaffen hat, sondern er aus ihr hervorging und mit der Vernichtung oder gravierenden Abänderung der Überlebensbedingungen (auch hier: Gleichgewicht) untergehen wird.


    "Gleichgewicht" ist - wie immer - ein Jokerwort, das nichts sagt, mit dem du aber alles mögliche zu untermauern versuchst. Das können wir wohl ersatzlos streichen. Deine Argumentation gegen PID scheint also in erster Linie darin zu bestehen: mit dem Eingriff verändert der Mensch seine Überlebensbedingungen, was ihm langfristig schadet. Gut, das ist eine Behauptung, die man nun argumentativ untermauern könnte, was du leider bis auf die ewige Wiederholung von Worthülsen und nichtssagendem Geschwurbel nicht machst. Wie genau vernichtet der Mensch mit der PID seine "Überlebensbedingungen"? Ich sehe hier keinen nennenswerten Unterschied zwischen der PID und z.B. der Impfung gegen Krankheiten, die allein aufgrund ihrer Anzahl in die "Überlebensbedingungen" noch viel stärker eingreifen. Übrigens wird auch damit wieder der menschliche Nutzen zum Maßstab, der Mensch also "über die Natur" erhoben: denn wiederum würde sich dieses Argument, die Lebensbedingungen, auf den Menschen beziehen. So wie sich Ethik, ob du es willst oder nicht, immer auf den Menschen bezieht.


    Zitat

    Es geht demnach auch keineswegs um ein "denkendes" Wesen oder einen weißbärtigen Perversen, wie möglicherweise der Eindruck entstehen könnte, sondern um
    ganz simple, naturwissenschaftliche Zusammenhänge zwischen Ursach und Wirkung. Eigentlich Grundlagen.


    Sehr schade, dass du nicht in der Lage bist, einen Gedanken logisch auszuformulieren, sondern dich nur permanent hinter Begriffen verschanzt, die an dieser Stelle überhaupt keinen Sinn machen. Aus "Ursache und Wirkung" lässt sich keine Ethik ableiten, dazu müsstest du die Zusammenhänge schon deutlicher aufzeigen. Kannst du aber nicht, da du nichts über Ethik weißt, abgesehen davon, dass damit "beschrieben wird, was richtig und falsch ist". Selbst bei "Löwenzahn" würde man da wohl noch auf tieferes Verständnis stoßen.


    Zitat

    Und welchen "Sinn" vertrittst du demnach mit deiner Argumentation?
    Erst die Umwelt und dann der Mensch?
    Ach nein, wenn man deiner Argumentation folgt, steht der Mensch ja weit über seiner Umwelt.
    Er wäre sogar ihr Schöpfer, weil er meint ohne irgendeine Reaktion eingreifen zu können.


    Nicht "erst der Mensch, dann die Umwelt". Nur der Mensch. Das Interesse des Menschen kann sich aber auch auf äußere Dinge richten, wenn er diesen einen Wert zuweist; anthropozentrisch ist das letzlich aber trotzdem immer. Da sich meine Ethik aber auf alle Lebewesen bezieht, die ein bewusstes Interesse haben, schließt sie Teile dessen, was gemeinhin "Natur" genannt wird, mit ein. Ansonsten hat die "Natur" keinen eigenen Wert, sondern nur den, den der Mensch ihr beimisst. Glaubst du etwa, Naturschutz sei ein altruistischer Akt? Der "Natur" ist, sofern man sie nicht, wie du, durch die semi-religiöse rosarote Brille sieht, jeglicher noch so schädigende Eingriff völlig egal, da könnten noch 20 Fukushimas hochgehen, wen juckts? Naturschutz ist für den Menschen, weil einige seiner Interessen an die Bewahrung der natürlichen Vielfalt gekoppelt sind. Ich gebe mich aber nicht der Hoffnung hin, dass dich diese Erkenntnisse aus deinem "dogmatischen Schlummer" wecken können, dazu müsstest du deine Worthülsenbarrikaden mal für einen Moment verlassen und dich ein paar Grundsatzfragen stellen.


    Zitat

    Nein, das ist ein klar definierter Begriff (Vergöttlichung), den du völlig unpassend verwendet hast. Ob das eine Ausnahme war?


    Der Begriff der Apotheose ist in anderen Zusammenhängen gebräuchlich, als er von mir verwendet wurde, darum lässt sich seine erweiterte Bedeutung im Sinne von "Vergöttlichung" auf verschiedene Szenarien anwenden, je nachdem, was man als "Vergöttlichung" ansieht. Eng definiert ist er eigentlich nur in den Kunst- und Kulturwissenschaften. Worin die "völlig unpassende Verwendung" besteht, verrätst du mal wieder nicht. Macht aber nichts. Ich bin mir sicher, dass du das Wort sowieso erst googeln musstest.


    Zitat

    Dass Deine Argumentation auf falschen Annahmen beruht, dürfte dir doch so langsam dämmern, oder? [...]
    Es ist wirklich müßig mit dir, da praktisch jeder deiner Sätze irgendeinen Trugschluss beinhaltet.
    [...] weil dir offenbar ganz elementare Grundkenntnisse fehlen, du aber dennoch (oder gerade deshalb) den Mut aufbringst, gravierende Lücken
    in deiner Argumentation klaffen zu lassen.


    Nur leider konntest du keinen einzigen dieser "Trugschlüsse", "falschen Annahmen" oder "gravierenden Argumentationslücken" deutlich nachweisen. Also wieder nur Worthülsen, die zwar schön kämpferisch klingen, aber nichts aussagen. Gähn. Um bei dem von dir so gern gebrauchten "Malen nach Zahlen" zu bleiben (damit muss ich dich ja wirklich geärgert haben, wenn du es in jedem zweiten Posting wieder aufgreifst!): deine Argumentation ist wie ein Malen nach Zahlen, in dem die Zahlen fehlen, aber auf der Verpackung versichert wird, dass man damit das Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle nachmalen kann. Vielleicht liegt dieser Makel aber auch nur an rhetorischer Beschränktheit?


    Auf das restliche Gefasel gehe ich nicht ein, zum einen, weil ich hier (mal wieder) keine interessanten Gedanken entdecken konnte, und zum anderen, weil ich keine Lust habe, mich an seitenlangen Zitaten abzuarbeiten. Wer ernsthaft glaubt, dass mit Entwicklung der modernen Naturwissenschaften kein Gewinn für die Menschheit einherging, der hat es eigentlich überhaupt nicht verdient, in dem Komfort zu leben, den er permanent in Anspruch nimmt. Das kennen wir ja von den Esoterikern: die moderne Medizin ist böse und unnütz, aber auf wirksame Medikamente, Impfungen und Krankenhausversorgung greift man trotzdem gerne zurück.


    Zitat

    Stimmt, du hast mich um Verzeihung gebeten. Das zeigt also doch die Fähigkeit zur Einsicht.


    Es zeigt die Fähigkeit zu der Einsicht, dass der Ton die Musik macht und eine Diskussion auch unter Beibehaltung zivilisatorischer Standards geführt werden kann - eine Fähigkeit, die dir ganz offensichtlich fehlt. Sich für einen rauen Ton zu entschuldigen, heißt in deinem Fall also, Perlen vor die Säue zu werfen. Danke für diesen Einblick in deine Psyche.


    Wenn du jetzt nochmal auf diesen Beitrag antworten solltest, dann lege ich dir einige Empfehlungen ans Herz: verzichte auf die Worthülsen, lege deine Argumentation logisch nachvollziehbar dar und bitte vermeide das inzwischen doch recht abgenutzte "Malen nach Zahlen", auch wenn ich mich geschmeichelt fühle, dass dir dieses Bild so gefällt.


    santiago


    PS: Habe gerade erst gesehen, dass du deinen Beitrag sinnigerweise zweigeteilt hast. Da das erste Posting aber gleich mit einer Bastonade infantiler Beleidigungen beginnt und du es schaffst, selbst einfache Sachverhalte falsch- bzw. nicht zu verstehen, gehe ich nicht weiter darauf ein. Gewöhn dir erst mal einen anderen Ton an, Junge, dann klappt's vielleicht auch mit normaler Konversation, ok? Vielleicht findest du Hilfe in der Lehre der Nachgeburten (sic), vulgo Buddhismus. Da gibt es nette Entspannungsübungen. Wobei: unerfülltes Sexualleben kann ja auch zu Frustrationen führen. Da kann man dann nur gute Besserung wünschen. ;)

  • ad_santiago
    Ich bin mit deinen Ausführungen, was das Bewusstsein betrifft, völlig einverstanden und eigentlich halte ich die PID auch für eine ganz gute Sache. Aber es gibt da eine Aussage von dir, die mir doch noch ein bißchen Bauchschmerzen bereitet:


    Zitat von "ad_santiago

    Da stellt sich aber die Frage: wo genau beginnt der Weg zum "Designer-Baby"? Haben wir diesen Weg nicht schon eingeschlagen, als das erste künstliche Medikament geschaffen wurde? Und: ist es von der PID zum Designer-Baby ein solch konsequenter und unumgänglicher Schritt, dass das Eine notwendig das Andere zur Folge hat? Sicher nicht. Jedes Problem muss für sich behandelt werden, und die PID-Gegner machen hier den Fehler, dass sie die Ablehnung des Einen - der PID selbst - mit etwas Anderem - nämlich den Designer-Babys o.ä. - begründen wollen, obwohl das eigentlich Unerwünschte lediglich Zweiteres ist. Dieser Logik zufolge hat Galileo auch den Weg zur Atombombe geebnet. Man könnte letztlich jeden Fortschritt unterdrücken, indem man eine Entwicklung hin zum Schlechten prognostiziert, aber Sinn macht das nur dort, wo sich diese Entwicklung als logische Folge abzeichnet. Ich halte die Argumentation gegen die PID also für unüberlegtes, reflexartiges Moralisieren oder reaktionäres Unbehagen, das in keinem Verhältnis zum offensichtlichen Nutzen steht.


    Ich finde an dieser Stelle machst du es dir ein bißchen zu einfach. Als ich den Thread zum ersten Mal überflogen habe, ist mir nämlich als erster und bisher einziger Kritikpunkt, die Gefahr des Mißbrauchs in den Sinn gekommen, den du in meinen Augen mit dem obigen Zitat noch nicht ganz befriedigend ausgeräumt hast. Bei einer ethischen Abwägung spielt es in diesem Fall überhaupt keine Rolle, ob der Embryo ein Bewusstsein besitzt. Und da ist mir der ziemlich an den Haaren herbeigezogene Vergleich mit Galileo/Atombombe eben nun doch ein bißchen zu wenig.


    Um zu zeigen, worum es mir genau geht, zitiere ich der Einfachheit halber Wikipedia:

    Zitat

    Künstliche Selektion: Durch die PID solle ausgewählt werden, welcher Embryo in die Gebärmutter verpflanzt und somit eine Chance zum Überleben bekomme. Die Kriterien für eine derartige Auswahl, die in der Evolutionsbiologie als „künstliche Selektion“ bezeichnet wird, seien nicht kontrollierbar. Einige argumentieren, Menschen dürften diese Entscheidung gar nicht treffen; andere halten eine Entscheidung gegen das Einpflanzen von Embryonen mit letalen Gendefekten oder sehr schwerwiegenden Gendefekten zwar für ethisch vertretbar, befürchten aber, dass selbst eine auf Einzelfälle beschränkte Erlaubnis der PID mittelfristig zugunsten einer liberaleren Rechtsprechung abgelöst werden könne. Es wird befürchtet, dass die PID dann zu einer gängigen Methode werde, um subjektiv „optimalen“ Nachwuchs zu bekommen. Es gebe aber kein Recht auf ein ‚gesundes‘ Kind.

    http://de.wikipedia.org/wiki/P…nzung_und_rechtliche_Lage Ich hab die entscheidende Stelle hervorgehoben.


    Das Problem ist nämlich, nach welchen Maßstäben man zwischen "gesund" oder "krank" unterscheidet und wer diese Grenze letztendlich festlegen soll.
    Soll man ein Kind mit Rot-Grün-Blindheit austragen oder eines mit der genetischen Veranlagung für Albinismus?
    Ist zwar noch Zukunftsmusik, aber vieleicht wird es eines Tages möglich sein durch PID den IQ zu bestimmen. Ist jemand mit einem IQ von, sagen wir mal 60, bereits als krank zu bezeichnen?
    Wer legt fest, wie groß der Leidensdruck des späteren Menschen sein muss, der es rechtfertigen würde, ein Kind nicht auszutragen? In jedem Fall sind die Eltern eines Kindes, welches z.B. mit Downsyndrom auf die Welt kam, erstmal zutiefst unglücklich darüber. Aber ist es das Kind in jedem Fall selber auch?


    Wäre es da nicht vielleicht besser, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass man sich irgendwann mit solch diffizilen Fragen herumschlagen muss? Ich selber habe es jedenfalls noch nicht gewagt, mir darüber eine abschließende Meinung zu bilden.


    Zitat von ad_santiago

    Man könnte letztlich jeden Fortschritt unterdrücken, indem man eine Entwicklung hin zum Schlechten prognostiziert, aber Sinn macht das nur dort, wo sich diese Entwicklung als logische Folge abzeichnet.


    Nicht unbedingt.
    Zu Zeiten Otto Hahns war die Atombombe zwar keine zwingende Folge der Entdeckung der Kernspaltung, aber bereits in den dreissiger Jahren war das gewaltige Mißbrauchspotential der Kernspaltung durchaus absehbar. Rein theoretisch und sehr naiv gedacht, hätte man jede weitere Forschung daran per Gesetz verbieten können. Aber gerade wenn wirtschaftliche oder in diesem Beispiel machtpolitische Interessen mit im Spiel sind, ist so ein Verbot natürlich völlig illusorisch. Man will sich ja auch nicht selber damit ins Bein schießen.


    Aber heißt das jetzt wirklich für alle Zeiten, dass es nach Öffnen der Büchse der Pandora ohnehin kein Zurück mehr geben kann und deswegen auf ethischen Abwägungen beruhende, gesetzliche Einschränkungen der Forschung, automatisch mit einem eingebauten Verfallsdatum versehen sind?
    Ich weiß es nicht.


    Zurück bleibt ein ziemlich ratloser
    Gamma

  • Hallo Gamma,


    Ich habe auch nochmal darüber nachgedacht und ich denke, mein Fehler bzgl. der von dir zitierten Passage lag darin, dass ich versucht habe, eine Maxime für etwas abzuleiten, das sich nicht weiter generalisieren lässt; will heißen: es ist in diesem Fall wohl tatsächlich bloße Meinungssache, bei der man rational nicht weiter kommt. Zunächst will ich nochmal betonen, dass ich die Frage nach der PID an sich nicht für eine ethische Frage halte, weil Ethik, wie gesagt, immer mit bewussten Lebewesen verbunden ist ("Rezipienten") die in diesem Fall fehlen, solange das Bewusstsein nicht ausgebildet ist. Das eigentliche ethische Problem wird in die Zukunft projeziert, es ist die, auch in deinem Zitat genannte, Befürchtung, dass sich die Gesellschaft ein Selektionsdenken zu eigen macht, in dem "kranke" Menschen ausgefiltert werden. Die Frage ist also, ob die PID diese negative Entwicklung herbeiführt, bzw. befördert, oder nicht (erst dann würde es auch zum ethischen Problem werden). Da wir hier von einer zukunftsgerichteten Entwicklung sprechen, kann darauf niemand eine klare Antwort geben, und man kommt auch mit rationalen Argumenten kaum weiter. Man kann diese Frage nur insofern rationalisieren, indem man bestimmte Parameter zur Beurteilung heranzieht, zum Beispiel: gab es in der Geschichte vergleichbare Situationen? Wie logisch zwingend ist die Entwicklung? Wenn man in einer erdbebengefährdeten Region ein Atomkraftwerk an eine Küste baut und es nicht ausreichend gegen Tsunamis schützt, dann ist die Befürchtung, dass es zu Unfällen kommen kann, naheliegend. Weniger naheliegend ist diese Befürchtung, wenn man ein gut gesichertes Atomkraftwerk irgendwo in die Landschaft baut - die Bewertung dieser Gefahr, auch das Abwägen von Nutzen und Kosten (im Sinne von Gefahrenpotenzial), unterliegt dann lediglich dem Empfinden des Einzelnen, und entweder wird die Frage demokratisch entschieden (eine Idealsituation, die selten vorkommt) oder jemand setzt seine Vorstellungen hegemonial durch. In jedem Fall aber kommt man mit logischen Argumenten wenig weiter, solange man keine Anhaltspunkte hat, die eine rationale Bewertung erlauben. Gerade in solchen Fällen würde sich möglicherweise eine stärkere Umsetzung von direkter Demokratie anbieten.
    Im Falle der PID sehe ich die Entwicklung zum "Designer-Baby" oder zum Selektionsdenken als nicht besonders logisch (wenn auch möglich!) an, aber ich kann keine Maximen ableiten, die eine allgemeine Beurteilung erlauben würden. Ich persönlich gewichte den Nutzen höher als die mögliche Gefahr - eine andere Person kann das anders sehen, aber wir können unsere Vorstellungen immer nur hegemonial durchsetzen, nie diskursiv-rational. Natürlich bräuchte man, wenn die PID erlaubt würde, strenge rechtliche Kriterien, die eindeutig festlegen, wann ein solcher Eingriff gestattet ist und wann nicht - wenn diese Regelungen erfolgen, dann ist für Missbrauch ebenso viel oder wenig Platz wie z.B. bei Abtreibungen. Ich befürworte die PID auch nur bei schweren Erbkrankheiten - eine Rot-Grün-Schwäche wäre mir als Kriterium dann doch zu wenig. Aber nicht aufgrund unmittelbarer ethischer Bedenken (s.o.), sondern weil dann die Entwicklung hin zum Negativen nach meiner Einschätzung wahrscheinlicher werden würde.


    santiago

  • Ich denke auch nicht, dass alleine der Gedanke, die PID könnte missbraucht werden, zu einem Verbot führen sollte. Man kann so gut wie jede Erfindung oder jedes wissenschaftliche Verfahren missbrauchen. Psychopharmaka verändern die Wahrnehmung von Menschen, man könnte diese Medikamente missbrauchen um Menschen zu beeinflussen oder außer Gefecht zu setzen. Feuerwaffen töten Menschen. Autos fahren Menschen zu Tode. Viele Sachen auf dieser Welt stellen eine Gefahr da. Doch trotzdem ist der Nutzen größer als die Gefahr. Und so ist es auch mit der PID. Ist es nicht ehrenwerter einem gesunden Menschen das Leben zu schenken als eine Fehlgeburt oder ein Kind mit schweren Behinderungen zu riskieren?


    Und nochmal: aktuell ist es nicht möglich ein Designer-Baby zu erzeugen. Warum über eine hypothetische Gefahr diskutieren, wenn man doch jetzt damit etwas Gutes machen kann?


    Mfg Kryton

    Wenn jedermann mit mir übereinstimmt, habe ich stets das Gefühl, dass ich unrecht habe.
    Oscar Wilde

  • Hallo,


    ich melde mich mal wieder zu diesem Thema, da es an Ostern ein paar Aussagen zur Problematik gab:


    Die christlichen Kirchen haben sich wieder gegen die PID ausgesprochen. So warnte Kardinal Reinhard Marx z.B. vor einer "Ideologie des gelingenden Lebens" und meinte, dass es keinen "Anspruch auf ein "perfektes Leben" gäbe.
    Der evangelische bayerische Landesbischof meinte, dass Leid auch durch Gentests oder durch die Sterbehilfe nicht verhindert werden könne. Eine Welt ohne Leid gäbe es nicht. Was ich an diesen Meinungen ein bisschen merkwürdig finde ist, dass doch eigentlich eine Kirche das Ziel haben sollte, dass es den Menschen gut geht. Wenn ich die Einstellung vertrete, dass es keine Welt ohne Leid gibt und dass Gott keine perfekte Welt vorgesehen hat, warum überhaupt helfen? Das würde doch Krankenhäuser oder soziale Einrichtungen völlig überflüssig machen. Wer entscheidet denn, wann Hilfe gut und wann schlecht ist? Was wäre denn so verwerflich daran, wenn es eine Welt ohne Erbkrankheiten gäbe?


    Besonders verwerflich finde ich folgende Aussage des Dresdner Bischofs Joachim Reinelt: "Ostern ist das Fest des Lebens, PID dient der Kultur des Todes." Was hat PID mit Tod zu tun? Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, führt auch ein Verbot der PID zu Tod, da es bei genetisch vorbelasteten Paaren eben häufig zu Todgeburten kommen kann. Und ist der Tod eines Fötus im Mutterleib oder der Tod eines nur wenigen Tage alten Babys nicht schlimmer als das Entsorgen von befruchteten Zellen in einem sehr, sehr frühen Stadium? Ich finde schon...


    Was ich auch nicht in Ordnung finde, ist, dass jetzt auch Ärzte wie der Vizepräsident der Ärztekammer Montgomery in ihren Argumenten gegen die PID das Wort "Gott" benutzen. Man sollte religiöse und wissenschaftliche Aspekte klar trennen und wenn jetzt auch die ärztliche Seite mit Gott argumentiert, kann daraus keine neutrale Meinung geschaffen werden.


    Mit freundlichen Grüßen
    Kryton


    Quellen:


    http://www.google.com/hostedne…110277edfc46d692e8c30d.91
    http://www.sueddeutsche.de/J5s…Keine-Welt-ohne-Leid.html
    http://www.sueddeutsche.de/pol…-entscheidung-1.1085505-2
    http://www.n24.de/news/newsitem_6833985.html

    Wenn jedermann mit mir übereinstimmt, habe ich stets das Gefühl, dass ich unrecht habe.
    Oscar Wilde

  • Naja - da treffen eben auch zwei Menschenbilder aufeinander; einmal das wissenschaftlich-reduktionistische Menschenbild, das uns als Produkte natürlicher Prozesse versteht, und einmal das Bild vom Menschen als Ebenbild Gottes, dessen Wert sich schon allein aus seinem Menschsein (das zugleich dann immer Gott-sein ist) ergibt. Gott ist in diesem Fall multipler absoluter Bezugspunkt: einmal als Maßstab für den ethischen Wert ("absoluter Mensch") und einmal als Maßstab für die Natur ("absolute Natur"): ein Eingriff sowohl in das Mensch-sein als auch in das Natur-sein verbietet sich demnach, weil es zugleich ein Eingriff in das Gottgeschaffene wäre. Die Argumentationsweise ist inhaltlich ein wenig mit dem "naturalistischen Fehlschluss" verwandt. Leider sind die Religionen hier aber schon immer etwas inkosequent gewesen, aber das habe ich ja anderen Diskussionsteilnehmern schon vergeblich klarzumachen versucht: Widerspruchslosigkeit lässt sich nur im Rückgriff auf die Ratio erreichen und nicht durch das Festkleben an vermeintlichen "Werten", die keine sind. Das reduktionistische Prinzip auf den Menschen anzuwenden heißt immer eine Gratwanderung zu begehen, aber von einem gewissen Erkenntnispunkt an gibt es kein zurück - und zumindest in diesem Fall ist das Ergebnis eines rationaleren Ansatzes wohl auch das menschenfreundlichere.


    santiago