Wir sind unsterblich - bis jetzt!

  • Hallo zusammen.


    Ich möchte eine offene Diskussion starten.


    Wir alle leben noch ob gesund oder nicht, wir sind bisher noch nicht gestorben. Obwohl wir wissen, dass wir eines Tages auch sterben werden, kennen wir dieses Gefühl nicht.


    Wahrscheinlich werden wir auch nie erfahren, dass wir gestorben sind oder werden es nicht wahrnehmen können.


    Also sollten wir doch keine Angst vom Tod haben, weil unser Bewusstsein zwar schmerz empfindet aber den Tod nicht spürt? Macht das uns nicht unsterblich? Zumindest für unser Bewusstsein..

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Dabei biegst du aber die Bedeutung von 'unsterblich' sehr. Ungestorben trifft es wohl eher in dem Fall.


    Ich kenne eher das Gefühl sehr wohl zu wissen dass ich sterblich bin und darum die Zeit bis sich das schließlich bewahrheitet so gut nutzen sollte wie möglich.


    Natürlich werden wir nie erfahren, dass wir Tod sind. Aber es kann durchaus sein dass wir uns darüber bewusst sein werden wenn wir dabei sein zu sterben.
    Angst vor dem Tod? Nein. Den Tod ignorieren? Nein. Der Tod (nicht unser eigener natürlich) ist Bestandteil des Lebens. Wir müssen akzeptieren dass er dazugehört.


    Nein, ich glaube nicht dass unser Bewusstsein oder irgend eine Seele von uns unsterblich ist. Vielleicht möchte jemand die Erinnerungen an uns und unsere Errungenschaften als soetwas bezeichnen. Und ja sowas kann viel länger leben als der Mensch - ob sowas unsterblich ist, ist eine andere Frage (Menschen vergessen letztendlich irgendwann)


    Ich glaube an die Idee, dass unser gesamter Denk, Empfindungs und Selbsterkennungsprozess etwas besonderes ist dass wahrscheinlich nie rein Wissenschaftlich erklärt werden wird (oder kann). Aber letztendlich ist es doch alles weltlich, fleischlisch. Wenn wir sterben, stirbt auch das was diese Prozesse ermöglicht und somit ist nichts mehr von uns da, außer dem was wir in der weltlichen Welt neben unserem Körper hinterlassen haben.

  • Gute Überlegung, kann ich nachempfinden bzw. mich mit identifizieren. Ein seltsamer Gedanke dass wir unsterblich sind, bis zum Tag unseres Todes, aber im Grunde ist es ja so.

    I wish that I could take you by the hand, lead you through blurry views and give you access to your own self.

  • andere Frage: Ist es dann nicht so, dass mit unserem Bewusstsein auch unsere Seele stirbt und somit unser Tod gar keine Bedeutung hat? Wir können schlussendlich nach dem Tod nichts mehr empfinden, zumindest nicht in der Art, in dem wir sie heute haben...

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    Erich Fromm

  • Macht das uns nicht unsterblich? Zumindest für unser Bewusstsein..


    Unser Bewusstsein kann unseren Tod nicht spüren, weil es danach weg ist. Wenn wir gestorben sind, gibt es kein Bewusstsein mehr, da auch nichts mehr da ist was man ohne funktionstüchtigen Körper wahrnehmen könnte.

    Ist es dann nicht so, dass mit unserem Bewusstsein auch unsere Seele stirbt und somit unser Tod gar keine Bedeutung hat? Wir können schlussendlich nach dem Tod nichts mehr empfinden, zumindest nicht in der Art, in dem wir sie heute haben...

    Ja tut es, und die Seele gibt es, in der Art wie du sie glaube ich meinst auch nicht.
    Aber unser Tod hat definitiv eine Bedeutung, nämlich das Ende unserer Wahrnehmung.


    Lg Black Cat

    Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
    [Hermann Hesse]

  • Black Cat


    Stell dir das ganze aus dieser Perspektive vor:


    Du spielst einige Monate lang Sims(kann auch ein x anderes Spiel sein) und erstellst dort deinen Karakter. Du versucht ihn so glücklich wie möglich zu machen und kümmerst sich um seinen virtuellen Wohlstand. Nehmen wir die Grenze zwischen virtuell und real einmal weg. Du spielst und spielst und eines Tages stirbt dein Karakter oder du hast genug vom Spiel und schaltest es aus und löschst die Daten. Ab diesem Augenblick hat ja das Spiel für dich keine Bedeutung mehr und du gehst raus, spielst ein anderes Spiel oder fängst mit einem neuen Karakter nochmal von vorn an.


    Nun im Vergleich zu unserem Leben.


    Solange wir Leben hat der Tod keine Bedeutung, denn wir wissen nicht, wann wir abgestellt werden und wann der Tod kommt. Deshalb können wir auf keine Art und Weise etwas nach dem Tod empfinden, denn unsere Wahrnehmung funktioniert nicht mehr.


    Daher denke ich, hatt der Tod aus dem Ich-sein betrachtet keine Bedeutung. Du kannst dir ja nach dem Tod auch nicht sagen "Scheisse ich hätte noch einige Sachen gerne im Leben noch erlebt."

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    Erich Fromm

  • Hi mostwanted!

    Ab diesem Augenblick hat ja das Spiel für dich keine Bedeutung mehr und du gehst raus, spielst ein anderes Spiel oder fängst mit einem neuen Karakter nochmal von vorn an.

    Das Beispiel mit Sims ist dahingehend anders, da du letztendlich selbst entscheidest wann du mit dem Spiel aufhörst, wann du deinen Charakter sterben lässt. Das heißt du wirkst selbst darauf ein, du kannst entscheiden wann er stirbt, und sein Todesdatum somit auch kurzfristig festlegen.
    In deinem eigenen Leben aber kannst du nur indirekt darauf einwirken, indem du beispielsweise möglichst gesund ernährst, nicht rauchst etc. Du bestimmst deinen Todeszeitpunkt also nicht selber, der ist unvorhersehbar und kann jederzeit eintreten.


    Solange wir Leben hat der Tod keine Bedeutung, denn wir wissen nicht, wann wir abgestellt werden und wann der Tod kommt. Deshalb können wir auf keine Art und Weise etwas nach dem Tod empfinden, denn unsere Wahrnehmung funktioniert nicht mehr.


    Natürlich hat der Tod auch während unserem Leben eine Bedeutung. Er ist die Begrenzung von Wahrnehmung und "Nichtwahrnehmung". Jeder wird sich eines Tages damit selbst konfrontieren müssen, dass er sterben wird und jeder hat auch die Gewissheit das es irgendwann vorbei ist.


    Du kannst dir ja nach dem Tod auch nicht sagen "Scheisse ich hätte noch einige Sachen gerne im Leben noch erlebt."


    Nein das kannst du nicht. Aber stell dir mal vor, du würdest unsterblich sein. Würdest du dein Leben nicht ganz anders leben als du es momentan tust? Viele Leute versuchen ihr Leben mit möglichst viel Glück zu füllen, und möglichst viel in einer kurzen Zeit zu erleben, weil sie nicht wissen wann sie sterben, aber wissen das der Tag irgendwann kommen wird.
    Würden sie allerdings unsterblich sein, ließen sie wahrscheinlich alles langsamer angehen, und würden erstmal über alle Unternehmungen reflektieren, somit ginge vielleicht auch ein Teil ihrer Spontanität verloren.
    Ich für meinen Teil würde immerhin vieles anders machen ;)


    Lg Black Cat

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    [Hermann Hesse]

  • Mit dem Sims Beispiel wollte ich uns eigentlich mit dem Karakter und nicht mit dem Spielenden identifizieren :) Das Spiel weiss ja auch nicht, wann es abgestellt wird.


    Meiner Meinung nach hat der Weg zum Tod bzw. unser Leben eine Bedeutung weil es den Tod gibt. Aber der Tod selbst hat doch deswegen keine Bedeutung, weil wir es nicht wahrnehmen können.


    Ein Beispiel aus unserem Leben ist die Arbeit. Wir gehen zwar zur Arbeit um unser Leben zu finanzieren, glücklich zu werden und eine sichere Zukunft haben usw. Auch hier hat ja die Arbeit selbst nicht grosse Bedeutung sondern eher die Schlussfolgerung daraus. Was man nämlich durch die Arbeit erreicht hat.


    Im Vergleich. Der Tod selbst hat keine Bedeutung aber alleine durch ihre Existent gewinnt unser Leben an Bedeutung.


    Ich hoffe, dass ich meine Meinung gut genug schildern konnte.. :)


    Lg

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    Erich Fromm

  • Der Tod selbst hat keine Bedeutung aber alleine durch ihre Existent gewinnt unser Leben an Bedeutung.


    Aber genau deswegen bedeutet er sehr wohl etwas. Er hat nämlich die Bedeutung, unserem Leben eine Bedeutung zu geben.
    Würden wir von deinem Standpunkt aus weiter denken, wäre fast alles was wir tun ohne Bedeutung, da viele Dinge einfach nur dazu da sind, um uns im Nachhinein tolle Momente und ein Gefühl von Glück zu beschaffen. Beispielsweise wären unsere Freunde bedeutungslos, weil sie uns letztendlich Freude spenden, und unser Leben lebenswert machen.
    Hier passt dein Beispiel mit der Arbeit auch wieder. Denn du gehst letztendlich davon aus, dass alle Dinge die wir tun nur zur Bedeutung des eigenen Lebens beitragen.
    Wenn man so denkt, hat eigentlich nur das eigene Leben eine Bedeutung - Alles andere ist nur dafür da um ihm eine Bedeutung zu geben.


    Lg Black Cat

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  • Fabs hat es schon ganz richtig gesagt: wir sind nicht unsterblich, sondern ungestorben. Die "Unsterblichkeit" weist immer über das Jetzt hinaus und impliziert eine Kontinuität, und wenn man "Sterblichkeit", wie es gemeinhin üblich ist, als zeitliche Begrenztheit des Seins und praktische Realisierbarkeit des Nicht-Seins-Zustandes definiert, dann heißt "Unsterblichkeit", dass diese Realisierbarkeit nicht gegeben ist, das Sein also eine Kontinuität besitzt, in der die Negation seines Zustandes ausgeschlossen ist. Wir sind demnach nicht unsterblich, aber wir sind in der Tat immer lebendig - das ist ein Unterschied. Verweist die Sterblichkeit auf den Prozess des Sterbens, bei dem es sich also um eine Negation des Lebenszustandes handelt, bezieht sich die Lebendigkeit direkt auf diesen unmittelbaren Lebenszustand. Da ein Ich nicht mehr existiert, wenn dieses Ich gestorben ist, kann es auch nicht tot sein, gemäß Epikur: Wo ich bin, da ist der Tod nicht, und wo der Tod ist, da bin ich nicht mehr. Tot sein können demnach zur zwei Dinge: der physische Körper in der Negation seines Vitalzustandes und die soziale Person, die sich als Projektion anderer Bewusstseine manifestiert.


    santiago

  • Eine sehr interessanten Ansicht, ad_santiago :thumbsup: .


    ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man es so pauschalieren darf.
    Meinen Ansicht nach, bilden zwar Körper und Geist im normalen Fall eine Einheit, doch kann man das auch im Zustand des Todes so nennen ?
    Das Bewußtsein, der Geist, daß was den Menschen ausmacht, ist heute immer noch nicht, soweit es mir bekannten ist, exakt definiert.
    Wie es entsteht, was es genau ist, bzw. darstellt.
    Mit den chemischen und elektrischen Reaktionen und Vorgängen im Gehirn mag es zu tun haben, aber ist das alles ?
    Wenn der Körper stirbt, stirbt dann das Bewußtsein ebenso ?
    Wenn der Geist stirbt, das Bewußte im Menschen abhanden kommten, nur noch die Leibeshüllen existiert, ist dann der Mensch schon tot, oder lebt er noch ?
    Im medizinischen Sinne wird er dann noch leben, oder am leben erhalten, natürlich. Doch wenn die körperlichen Reaktionen nur noch auf Reflexen und Automatismen basierten.
    Es gibt Meinungen die besagen, daß Bewußtsein Energie ist, oder eine (noch) unbekannte Form von Energie ist.
    In der Physik lernen wir, daß Energie nicht verlorenen geht, ...


    Grüße
    Ikarus

  • Ja ja, der Energieerhaltungssatz schon wieder. Irgendwie komme ich mich wie ein Papagei vor, der immer das gleiche sagt aber nie gehört wird. Also auf ein neues:
    Die Physik sagt aber auch, dass die Entropie in einem geschlossenen System zunimmt, also dass Energie in "niederwertige" Energie umgewandelt wird. Also z.B. Bewegungsenergie beim Bremsen in Wärmenergie. Wenn der Geist eine Energie ist, dann wird der zweite Hauptsatz der Thermodynamik auch da gelten, oder warum nur der erste Satz?

    Der Flügelschlag eines Schmetterlings über der Karibik kann einen Wirbelsturm in China auslösen.
    Tötet alle Schmetterlinge!

  • Unser bewusstsein entsteht durch zahlreiche verknüpfungen im gehirn, durch das funktionieren unserer synapsen, selbst komatöse patienten haben noch eine art bewusstsein gehabt, denn als sie wieder erwachten, konnten sie sich an dinge erinnern, die während des "hirntodes" abliefen. Ich denke, gibt es noch frequenzen, die man mit herkömmlichen eegs nicht nachweisen kann, ein experiment in einem PET wäre interessant. Dort kann man den stoffwechsel im hirn beobachten, ohne energie kann unserer hirn nicht arbeiten.
    Unser hirn schaltet im schlaf ja auch auf sparmodus und ganz andere areale arbeiten dann zusammen und verarbeiten erlebtes. Ich denke, ein normal funktionierendes gehirn ist eine datenbank voller erinnerunmgen, die unterschiedlich abgespeichert werden, die uns aber ausmachen. Wir bewerten das erfahrene und diese erinnerung dient dem lernen...usw. Wenn ein mensch klinisch tot ist, dann auch, weil seine hirnfunktion erloschen ist, sprich seine erinnerungen und erfahrungen nicht mehr bewusst abrufbar sind. Da erinnerungen durch gefühle verstärkt werden, erfahren manche dinge mehr wichtigkiet und wertigkeit. Ich könnte mir vorstellen, dass sowas wie starke gefühle gebunden an erfahrungen weiterhin als eine art energie fortbestehen. Vielleicht als eine form von energie, die in gemäuern gespeichert wird...und insofern lebt ein teil schon irgendwie weiter. Aber das sind nur meine gedanken dazu. Für mich ist die ssele eines menschen die gesamtheit seiner erfahrungen verbunden mit starken emotionen. Wer fühlt, der lebt. Wer lebt, der fühlt. Wer nicht mehr fühlen kann, ist seelisch abgestorben, man könnte auch sagen, dass eine enorme erschöpfung mental und emotional dazu führt. Von daher denke ich, dass die seele eines menschen auch schon während des lebens absterben kann, bzw. abstumpft....;-)

  • Es spielt keine so große Rolle, wo das Bewusstsein herkommt. Der Punkt ist, dass man zwischen den Begriffspaaren Leben/Tod und Existenz/Inexistenz unterscheiden muss - das ist nicht das selbe. Das Ich - das in erster Linie Ich-Bewusstsein ist, also können wir statt vom Ich ganz allgemein auch vom Bewusstsein sprechen - kann nicht tot sein, sondern nur inexistent. Ein totes Bewusstsein wäre immer noch ein Bewusstsein, so wie ein toter Körper noch immer ein Körper ist. Das Merkmal des tot-seins erfordert also einen Träger dieses Todesmerkmales: tot zu sein heißt nicht, inexistent zu sein, sondern fortzuexistieren in der Negation des Lebenszustandes. Unabhängig davon, wie das Ich entsteht oder ob es den Tod des Körpers überdauert - es ist so lange existent, bis es aufhört, zu existieren, und wenn es nicht mehr existiert, dann ist es nicht tot, sondern inexistent. Man könnte nun einwenden, dass man "Tod" mit "Nichtexistenz" gleichstellen könnte, aber demnach müsste ein toter Körper mit seinem Tod auch gänzlich verschwinden, was nicht der Fall ist. Das Problem ist hier, dass man Qualitäten, die aus der Beobachtung von Objekten entstehen, auf etwas zu übertragen versucht, das immer nur als Subjekt (und nie als Objekt) zugänglich ist, weswegen es mit seiner Negation auch in keiner Form fortexistieren kann. Demnach kann auch eine Person nie tot sein, sondern immer nur die Person in der Projektion eines äußeren Beobachters, also als Vorstellung (ich habe das soziale Person genannt) - die Vorstellung existiert als tote Person fort, hört aber nicht auf zu existieren, darum gibt es tote Personen - oder auch tote Menschen, wenn man den Menschen nur als geistigen Menschen betrachtet - immer nur als Objekte, nie aber als Subjekte. Man mag das nun für eine sprachliche Spitzfindigkeit halten, aber tatsächlich dürften wir einen großen Teil unserer Angst vor dem Tod ebendieser Verwischung der Bedeutungsebenen zu schulden haben: es ist die Vorstellung, dass das Ich tot sein könne, so wie die Objekte, die wir beobachten, tot sind. Tatsächlich können wir aber nur leben, denn wenn wir nicht mehr leben, gibt es auch kein "wir" mehr. Um es mit Seneca zu sagen: Non mortem timemus, sed cogitationem mortis (Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes).


    santiago

  • Der tod unseres körpers wird in 3 stadien eingeteilt. Die verwesung wird von in uns aktiven enzymen im darm eingeleitet. Nur unsere gebeine verwesen nicht, also bleibt ein teil unseres körpers wohl unsterblich, wenn er nicht verbrannt wird (auch da bleibt asche übrig) oder er in die nahrungskette wilder tiere übergeht.


    http://bestatterweblog.de/arch…tadien-der-Verwesung/2600


    Unser bewusstsein hört auf zu existieren, wenn das hirn aufhört zu arbeiten und zwar vollständig. Das jeder von anderen vollständig anders wahrgenommen wird, ist doch klar und in den erinnerungen eines anderen menschen lebt man als dessen projektion auch ewig weiter, bis dieser stibt. Es gibt für mich nur ein ich und wenn es durch krankheiten, wie alsheimer oder geistige behinderung durch hirnentzündungen oder hypoxie verändert wird, existiert auch mein zuvor dagewesenes ich nicht mehr. Sofern sich eine persönlichkietsveränderung vollzieht, die das denken und fühlen so stark beeinflusst würde ich davon sprechen, dass mein altes ich nicht mehr existent ist. Jedoch bekomme ich das dann nicht mehr mit, sondern meine umwelt, die mich als ein charakteristisches individuum wahrnahmen. Es gibt in der psychiatrie sogar ein symptom des Ich- verlustes, dieses betrifft psychotiker und borderliner, teilweise auch alzheimerpatienten. Hier verändert sich die hirnchemie derart, dass ein normales interagieren der neurotransmitter nicht mehr gegeben ist, man denkt und fühlt anders, man bewertet auch anders. Gleiches passiert auch bei einer vergiftung z.b. durch alkohol oder blei. Wenn ich also davon ausgehe, dass ich-bewusstsein sich aufgrund neurologischer veränderungen auch verändern kann, dann gehe ich auch davon aus, dass bei hirntod mein ich-bewusstsein und das, was mich ausmachte nicht mehr existiert. Ich bin nicht mehr in der lage in die welt zu projezieren, zu denken, zu fühlen.

  • Durchaus richtig, darum ging es mir aber nicht. Das Thema dieses Threads ist ja nicht die Frage nach dem Entstehen und Wesen von Ich-Konstruktionen und Bewusstsein; mostwanteds Ansatz (und meiner) ist eher sprachphilosophisch. Die biologischen Rahmenbedingungen sind da zweitrangig (oder sogar irrelevant), wenn auch interessant. Sowas sollte aber m.E. in einem eigenen Thread behandelt werden, damit die unterschiedlichen Interpretationsebenen nicht vermischt werden.

  • Ok.

    Zitat

    Also sollten wir doch keine Angst vom Tod haben, weil unser Bewusstsein
    zwar schmerz empfindet aber den Tod nicht spürt? Macht das uns nicht
    unsterblich? Zumindest für unser Bewusstsein..

    Unser bewusstsein spürt auch oft den schmerz nicht, z.b. bei schockzuständen oder psychischen traumata, viele verletzten sich, damit sie überhaupt wieder ewtwas spüren. Das schmerzempfinden ist ausgelöst durch bestimmte stoffe im hirn, wenn diese nicht mehr funktionieren lebt man doch auch trotzdem weiter, oder??? Obwohl man davon ausgehen lkann, dass dieser zustand die hölle auf erden sein muss, wenn man nichts mehr spürt, wenn man wie in trance kein heiss und kalt unterscheiden kann, keine freude und keinen schmerz, keine wut und keinen hass. Es geht vielen menschen so und sie empfinden sich gefangen in einem toten körper. Dabei ist es ihre ssele, die abgestumpft ist. Alle diese vorgänge kann man im PET oder eeg nachweisen. Die gehirnchemie verändert sich. Heisst es also, dass ich unsterblich bin, nur weil ich keinen schnerz mehr empfinden kann, oder weil ich den tod nicht mehr spüren kann??? Niemand hat eine vorstellung, wie es sich anfühlt, tot zu sein, aber sicher gibt es menschen, die beschreiben können, wie es sich anfühlt, wenn man einen todeskampf kämpft und das denke ich, ist es, wovor man am meisten angst hat, nicht vor dem tod, sondern vor dem sterben!!!


    Wie beängstigend sich ein mensch in einem leblosen körper fühlt, haben schon so einige opfer von falsch dosierten narkosen erfahren können, auch schon totgeglaubte menschen, die wiederbelebt wurden, berichten von ihren erfahrungen, dem weissen licht usw. letzendlich ist das alles eine art chemischer explosion im hirn, eine andere energiebereitstellung, so als würde ein stern erlischen und kurz zuvor sein letztes licht abgeben.


    Ich denke nicht, dass es erstrebenswert wäre, sich unsterblich zu nennen, nur weil man nichts mehr spürt. Das ist wohl eine andere ebene der wahrnehmung, wenn man von wahrnehmung sprechen kann, denn in dem moment, in dem du eben nichts mehr spürst, nimmst du auch sonst nichts mehr wahr, also spürst du auch das nichtspüren nicht mehr.
    Mir kommt eine erinnerung aus meiner frühesten kindheit, ich konnte mir damals schon nicht vorstellen, wie es sich wohl anfühlt, wenn man nicht mehr da ist. Ich viel in ein loch, eine art vakuum und sah mich in den tiefen das alls schweben. Im nichts sozusagen, vielleicht sollten wir in diesem zusammenhang vom nichts reden und nicht von unsterblichkeit. ;-)

  • Zumindest das Ich-Bewusstsein täuscht sich vor, unsterblich zu sein, weil es das Gefühl nicht kennt, tod zu sein.


    Klar leben wir in einer sterblichen Welt, wo jeder sterben wird und auch sollte, denn sonst hätte ja unser Leben kein Sinn. Es geht hier lediglich darum, dass unser Bewusstsein das Tod-Sein bzw. das "nicht-funktionieren" unseres Körpers nicht kennt, weil genau ab dem Zeitpunkt, wo unser Körper nicht mehr funktioniert, schaltet auch das Bewusstsein aus.


    Andersich


    Menschen haben meines Erachtens nicht Angst vor dem Sterben sondern eher vor dem Tod. Weil unser Bewusstsein eben sich nicht vorstellen kann, nicht mehr zu funktionieren.


    Das weisse Licht(o.ä) dagegen, ist etwas, worüber man lange diskutieren kann. Ich will nichts ausschliessen, aber meiner Meinung nach ist auch hier wieder unser Gehirn im Einsatz, das uns etwas Vorspielt.

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Warum solltem an unsterblich sein, nur weil man nicht weiss wie es ist gestorben zu sein? Das ist doch Humbug. Und die Angst vor dem Tod sein hat nur wenig mit der Angst vor dem Ungewissen zu tun. Da spielt viel viel viel mehr mit hinein.

    Fürchte dich nicht vor dem Mann mit vielen Narben, sondern fürchte den, der sie Verursacht hat.

  • Zitat

    Zumindest das Ich-Bewusstsein täuscht sich vor, unsterblich zu sein, weil es das Gefühl nicht kennt, tod zu sein.


    Ich verweise nochmal auf meine obigen Postings. Das Wort Unsterblichkeit beinhaltet eine Realisierbarkeit innerhalb der zeitlichen Dimension. Niemand hält sich für unsterblich, weil wir aus der Beobachtung und Erfahrung von anderen eben diese Realisierbarkeit des Sterbens einzuschätzen wissen. Bevor man solche Fragen ernsthaft diskutiert, muss man sich ein wenig über die Bedeutung von Wörtern im allgemeinen Sprachgebrauch informieren. Ist nicht als Vorwurf gemeint, sondern nur als allgemeiner Hinweis.