Genaue Erinnerungen mit 2 Jahren?

  • Hallo und guten Morgen!


    Meine Frage: kann man sich konkret an Sachen erinnern, die einem mit 2 Jahren passiert sind?


    Der Hintergrund ist folgender. Aufgrund diesem Ehec-Theater sind meine Mutter und ich auf meine damalige Krankheit (Hämolytisch-urämisches Syndrom zu sprechen gekommen. Ich hatte mich nie wirklich damit beschäftigt und auch bis zum heutigen Tag nicht gewusst, dass ich deswegen im Krankenhaus war (ich wurde in eine Klinik in Hamburg eingeflogen).
    Man muss dazu aber auch sagen, dass meine Mutter nie offen darüber gesprochen hat, was damals passiert ist und heute zum ersten Mal den Namen der Krankheit erwähnt hat.
    Naja, und aufgrund dessen werden mir gerade sehr viele Dinge klar.
    ZB. woher bestimmte Erinnerungen kommen, die ich bisher nie einzuordnen vermochte.
    ZB. folgende:
    Ich liege in einem Bett und plötzlich kommen mehrere Männer, schieben das Bett von der Wand weg und stellen sich kreisförmig um mich herum. Sie tun mir am Arm weh und ich beginne zu weinen. ich habe Angst.
    In einer anderen Erinnerung liege ich wieder in einem Bett. Der Raum ist dunkler als der davor und nicht so groß. Meine Mutter sitzt auf einem Stuhl an der gegenüber liegenden Wand. Ich will mich aufrichten, aber es geht nicht. Ich kann mich bewegen aber ich fühl mich sehr kraftlos. Das Bett kommt mir sehr hoch vor und etwas an der rechten Seite macht laute Geräusche.
    Dann habe ich noch zwei kleine Szenen an die ich mich erinnere: in der ersten sitze ich in einem Bett und spiele mit bunten Plastik(?)dingern die sich auf meiner Hand befinden und in der anderen stehe ich in einem großen Flur. Die Wände und Türen sind nicht weiß sondern haben einen schmutzig-orangen Ton. Ich drücke an einer Flügeltür, aber ich krieg sie nicht auf.


    Die Aufzählungen der Erinnerungen folgen keiner bestimmten Reihenfolge. ich kann nicht sagen, welche zuerst da war.


    Das kuriose: meine Mutter kann sich an keine der Szenen mehr konkret erinnern. Oder sie will es nicht.


    Was denkt ihr?
    Sind es Erinnerungen an damals oder bilde ich mir das ein? Es kommt mir aber so echt vor!


    Liebe Grüße,
    Corax

    "Man behauptet von mir, ich sei wahnsinnig - aber es ist doch die Frage, ob der Wahnsinn nicht die höchste Stufe der Durchgeistigung ist."

    -Edgar Allan Poe


    "Ausländer sollen anständiges Deutsch sprechen? Was ist "anständiges Deutsch"? Die meisten Kölner können schon in der Eifel nicht mehr nach dem Weg fragen."

    -Volker Pispers

  • Hi,


    also Grundlegend gibt es mit Sicherheit Leute die sich erinnern wie es war mit 2 Jahren. Nun, Deine Erinnerung, so wie Du sie beschreibst, kann schon so in etwa im Krankenhaus gewesen sein, wobei 2 jaehrige Kinder haben vermutlich eine andere Auffassugsgabe und deshalb ist es gut moeglich dass Deine Mutter eine andere Erinnerung hat als Du obwohl Ihr vielleicht beide Recht habt.


    LG

  • Deine Mutter hatte damals mit Sicherheit einen anderen Fokus auf die Dinge, die hat sich Sorgen um dich gemacht und nicht auf Details geachtet. Natürlich kann Sie sich an sowas nicht mehr erinnern. Ich selber kann mich nicht sehr gut an Dinge erinnern, die in meiner frühen Kindheit passiert sind. Es gibt aber ein Ereignis, das ich immernoch fühlen kann, obwohl ich damals erst sehr klein war. Ob das nun mal nachträglich irgendwie in meinen Kopf gekommen ist oder seit damals dort eingepflanzt sitzt, weiß ich nicht. Ich halte es aber durchaus für möglich, dass du dich daran erinnerst, wenn auch mit dem Blickwinkel eines Kleinkindes und etwas verfälscht durch Erfahrungen und Erlebnisse danach.

  • Zitat von Corbus Corax

    kann man sich konkret an Sachen erinnern, die einem mit 2 Jahren passiert sind?

    Interessante Frage, so sicher ist man sich da noch gar nicht. Der aktuelle Forschungstand sieht eher so aus, dass man sich als Erwachsener an prinzipiell gar nichts vor dem zweiten Lebensjahr tatsächlich erinnern kann; und sich die "Erinnerungen", falls vorhanden, alle nur aus den bekannten Gegebenheiten quasi "zusammenbastelt". Was sie für die betreffende Person aber nicht weniger echt macht.
    http://www.zeit.de/2010/45/Kindliche-Amnesie/seite-1
    Im frühen Alter funktioniert das Gedächtnis tatsächlich anders als später, allein schon dadurch, dass bei weitem noch nicht so viele Synapsen gebildet wurden. Und die Sache mit den Scheinerinnerungen wäre typisch menschlich, da wir ja auch sonst alles Unbekannte mit Bekanntem assoziieren, um es zu verstehen. Andererseits ist es aber durchaus möglich, in dem Alter nachhaltig traumatisiert zu werden - konkrete Erinnerungen warum, hat man dann aber trotzdem nicht.
    Erst ab 3 Jahren ist es dann definitiv möglich, Erinnerungen auch langfristig zu behalten. Wobei sich das von Mensch zu Mensch stark unterscheiden kann. Meine frühesten konkreten Erinnerungen kommen aus der Zeit als ich ungefähr 8 war, vermutlich weil ich da angefangen habe, meine ersten längeren Bücher zu lesen. Von meiner Einschulung habe ich keine Ahnung mehr.
    Ob deine Erinnerungen jetzt echt sind oder nicht, wird sich schwer nachprüfen lassen. Es wäre natürlich hilfreich, wenn deine Mutter deine Erinnerungen bestätigen oder dementieren könnte, aber zwingen kannst du sie wohl nicht. Wobei deine Erinnerungen schon reichlich Hollywood-mäßig wirken, wenn ich das mal sagen darf. ;) Muss nicht heißen dass sie deswegen falsch sind, aber Zweifel sind wohl durchaus angebracht. Vielleicht könnte man durch Hypnose mehr herausfinden, aber in der Branche gibt es ja leider übermäßig viele schwarze Schafe. Kommt natürlich auch drauf an, wie wichtig dir diese Erinnerung wirklich ist. ;)

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Also auch ich kenne die offizielle Annahme, so wie Rônin schreibt, daß man erst ab 3 Jahren eine Art Erinnerungsvermögen haben kann.


    Selbst glauben tue ich das nicht so richtig.
    Es gibt genug Beispiele, bei denen es z.b. mit Gesprächen zwischen meinen Eltern und mir passiert, daß ich sage: "Wißt ihr noch....?"
    Und meine Mum erstaunt sagt: "Das weißt Du noch? Da warst Du erst 2 1/2" , oder so.


    und sich die "Erinnerungen", falls vorhanden, alle nur aus den bekannten Gegebenheiten quasi "zusammenbastelt". Was sie für die betreffende Person aber nicht weniger echt macht.


    Hm.....ich weiß eben nicht so recht....


    z.b. kann ich mich sehr gut daran erinnern, als ich Lungenentzündung hatte und ins Krankenhaus mußte. Da war ich noch nicht einmal 3.
    Da mußte ich mal mit der Schwester zum Blutabnehmen gehen und ich kann Dir bis ins Detail sagen, wie das Zimmer aussah, in das sie mich brachte.
    Ich mußte mich da auf eine Liege setzen. Hinter der Liege war ein Fenster in den Garten des Krankenhauses und neben der Liege hing so ein Plakat an der Wand, auf dem ein Mensch war, bei dem die Blutbahnen abgebildet waren.


    Auch kann ich mich erinnern, daß ich da im Krankenhaus Mittagsschlaf machen mußte (was ich haßte) und ich sehe heute noch vor mir, wie die Schwester reinkam und diese gelb-orangenen Vorhänge zu zog.


    Hm.


    Im Falle von Corvus Corax schließe ich mich der Aussage von Wireless an:


    Deine Mutter hatte damals mit Sicherheit einen anderen Fokus auf die Dinge, die hat sich Sorgen um dich gemacht und nicht auf Details geachtet


    Ich halte es aber durchaus für möglich, dass du dich daran erinnerst, wenn auch mit dem Blickwinkel eines Kleinkindes und etwas verfälscht durch Erfahrungen und Erlebnisse danach.


    ;)


    Lg Ricya

    _______________________________


    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Ich kann mich auch an Dinge erinnern, wo ich so 2.5 Jahre alt war. Von daher halte ich es durchaus für möglich. Ich glaube aber, dass das schon einschneidende Erlebnisse sein müssen. Bei mir war es die Geburt meines Bruders als ich 2.5 war (wo ich mich noch gut an mehrere Szenen im Krankenhaus erinnnern kann) oder eigene Krankheiten, bei welchen ich grosse Schmerzen hatte (Mittelohrentzündungen, Masern usw). Die Erlebnisse wurden mir alle bestätigt, wie es auch Ricya beschrieben hatte. Den Eltern ist teilweise glaube ich gar nicht bewusst, was so ein Kind alles speichern kann. ;)


    Ich bin tendenziell eher ein Mensch, welcher in der Vergangenheit lebt. Ich erinnere mich an viele Details aus meiner frühen Kindheit, teilweise sogar an (Alp-)träume, welche ich damals z.B. bei Fieber hatte. Diese sehe ich immer noch lebhaft vor mir. :pflaster:

    "Wer schweigt, stimmt nicht immer zu.
    Er hat nur manchmal keine Lust mit Idioten zu diskutieren."
    - Albert Einstein

  • kann mich den Erfahrungen der anderen nur anschließen.
    das erste an das ich mich bewusst erinnern kann war eine Situation im Park als mich meine Mutter auf einer karierten decke gewickelt hat, während mein Drecksack von Bruder mit Bauklötze unter den rücken gelegt hat.
    das war definitiv noch vor meinem dritten Geburtstag. ab dem alter von drei Jahren kann ich mich eigentlich durchgehend an alle großen Ereignisse entsinnen, verschwommen und definitiv anders als ich sie heute warnehmen würde aber die Erinnerungen sind da.

  • Zitat von Zeit.de

    »Die frühesten dauerhaften Erinnerungen sind zwischen dem Ende des zweiten und dem des dritten Lebensjahres möglich«, sagt der Hirnforscher Gerhard Roth.

    Das Ende des zweiten Lebensjahres wird bekanntlich durch den zweiten Geburtstag markiert - was bedeutet, dass eine Erinnerung mit zweieinhalb absolut nicht unwahrscheinlich ist.
    Je jünger man zum Zeitpunkt der Erinnerung aber war, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Erinnerung tatsächlich unverfälscht geblieben ist. An viele Dinge erinnert man sich ja selbst nach einem Monat nicht mehr besonders detailliert. Einfach weil Erinnerungen durch subjektive Eindrück verfälscht werden können. Ein Mensch macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen, und nach diesen Erfahrungen beurteilt er auch alles was passiert. Diese Fähigkeit ist meistens immens wichtig, kann aber auch zu Vorurteilen oder eben Subjektivität führen.
    Und zwar ganz besonders, wenn es sich um eine Erinnerung aus der Kindheit handelt. Ein Kind achtet auf völlig andere Dinge als ein Erwachsener; der Erwachsene muss seine Erinnerungen also "auffüllen" - mit den Dingen, von denen er weiß, dass sie zu dem Zeitpunkt eigentlich passiert sein müssen. Auch wenn keine tatsächliche Erinnerung an gewisse Details besteht, sorgt der menschliche Erfahrungsschatz dafür, dass sie hinzugefügt werden. Und dabei kann es dann auch passieren, dass so eine Erinnerung im Nachhinein umgedeutet, und völlig anders bewertet wird.
    Soviel zu konkreten Erinnerungen. Verschwommene Erinnerungen an bestimmte, intensive Gefühle, Eindrücke (Bilder, Gerüche) oder dergleichen können natürlich noch weiter zurückreichen. Und auch hier besteht die Gefahr, dass man diese fragmentarischen Gefühle und Eindrücke mit Situationen verbindet, an die man sich zwar nicht mehr selbst erinnern kann, von denen man aber weiß, dass sie geschehen sind.
    Ich denke also, dass solche frühen Erinnerungen nicht von ungefähr kommen, also keinesfalls eine reine Erfindung des Geistes sind - ich denke aber auch, dass solche Erinnerungen teilweise massiv verfälscht sein, oder eben nicht der tatsächlichen Erinnerung, sondern größtenteils dem Erfahrungsschatz entspringen können.

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  • Überhaupt meine 1. Erinnerung an meine Kindheit war, das ich unter dem Küchentisch saß. Meine Großmutter saß am Küchentisch. Sie steckte mir eine Frucht in meinem Mund. Da ich aber nicht wußte, was sie mir in den Mund stecken wollte, preßte ich meine Lippen zusammen und wollte diese nicht essen. Sie sagte zu mir, dass ich es nehmen soll, sie sckt süß. Dann ließ ich es zu.
    Es war eine Erdbeere.
    Ich muss wohl so 2 1/2 oder 3 Jahre gewesen sein. Auch kann ich mich noch genau erinnern, wie es aussah in der Küche.


    Eine andere Erinnerung: Ich lag im Bett. Durch die weit geöffnete Küchentür sah ich meine Großmutter hantieren. Sie kochte Rote Bete. Es war noch früh am Morgen. Da muß ich 3 oder 4 Jahre alt gewesen sein.


    Das sind die frühsten Kindheitserinnerungen...

    Warum produziert die niederbayerische Filmgruppe gern Filme?


    "Weil wir auch Extremsituationen im Film durchleben können, die wir aber im wirklichen Leben nicht erleben möchten".

  • Ab dem 18. Monat beginnen Kinder damit, sich als "ich" wahrzunehmen, das heißt sie entwickeln ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen sich selbst und ihrer räumlichen und sozialen Umgebung. Deswegen beginnt auch in dieser Zeit die bewusste Aufnahme an Informationen und Eindrücken. Es ist also auf jeden Fall möglich, dass man sich an Dinge erinnert, die man damals erlebt hat, auch wenn diese Erinnerungen etwas verschwommen sind. Die Verarbeitung ist auch von Mensch zu Mensch und zwischen den Geschlechtern unterschiedlich. Der Elitepartner Test, eine durchgeführte Studie vom Portal, zum Thema Unterschiede zwischen Mann und Frau hat ergeben, dass die stärkere Symmetrie des weiblichen Gehirns mit der Fähigkeit zur Empathie in Zusammenhang gebracht werden kann - wodurch auch ein spezifisches Rollenverhalten entstehen kann (und zwar sehr früh in der Entwicklung). Frühkindliche Erinnerungen sind daher bei Frauen eher emotional gesteuert - wohingegen sich Männer eher an Räumlichkeiten erinnern. Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber gibt schon eine Richtung vor.