Der Hunger- Die größte Waffe?

  • Guten Abend!
    Dieses Wochenende saß ich wie so oft mit ein paar Freunden in gemütlicher Runde. Und wie jeder das kennen wird, kommt man ja nach ein paar Bierchen dann auf Gott und die Welt zu sprechen. Jedenfalls gelangten wir irgendwann beim Thema Politik, Wirtschaftsformen und Terrorismus an. Ein Freund von mit behauptete dann, der Hunger sei doch die größte Waffe, die die Menschheit momentan besitzt. Nicht Al Quaida seien die schlimmsten Bösewichte, sondern die Menschen die zulassen, nein die Menschen die den strukturellen Hunger sogar organisieren, um aus ihm einen Vorteil zu erwirtschaften.
    Um ein paar Fakten zu nennen : Noch immer sterben täglich knapp 100.000 Menschen aufgrund von Hunger, oder seinen Folgen. Durchschnittlich verhungert alle sieben Sekunden ein Kind in Somalia, Brasilien, Irak oder Nordkorea.(Auch wenn viele Leute diese Zahlen wahrscheinlich kennen, ich wollte sie nochmal aufschreiben, denn man vergisst sie nur allzu schnell)
    In Europa gibt es eine Organisation namens Frontex. Sie soll angeblich die Außengrenzen der EU vor Flüchtlingen schützen. Frontex ist auf hohem technischem Stand, und anstatt das für Frontex ausgegebene Geld in besser ausgebildete Hilfen zu investieren, werden damit Flüchtlinge, die zu hunderten auf selbstgemachten Holzflößen ohne jegliche Überlebenschance versuchen in andere Länder zu flüchten abgefangen und sofort wieder zurück oder in unmenschliche Flüchtlingslager geschickt. Und das obwohl die weltweit produzierten Nahrungsmittel für knapp 12 Milliarden Menschen ausreichen würden. Aber nun zurück zu der eigentlichen Frage:
    Sind die Menschen die all dies entschuld sind wirklich schlimmer als "Terroristen im eigentlichen Sinne"?
    Ist der Hunger wirklich die schlimmste Waffe, und sollten wir uns lieber viel mehr um ihn kümmern, als darum das unsere Wirtschaft perfekt floriert und immer mehr steigt?
    Eure Meinung dazu würde mich interessieren


    mfg Black Cat

    Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
    [Hermann Hesse]

  • Die Frage ist, wärst du bereit einige dieser dritte Welt Kinder bei dir zuhause aufzunehmen und mit Nahrung zu versorgen? Wenn ja, wärst du sicher einer der wenigen, die meisten vermutlich nicht.


    Das ist aber eh nicht das Problem.


    Afrika ist ein reicher Kontinent ist und es wäre problemllos möglich das dort kein einziger hungern muß. Das Problem sind korrupte Militärdiktaturen, die lieber gegen ihren ebenso armen Nachbarstaat Krieg führen und die Entwicklungshilfen lieber für Waffen ausgeben.

  • Die Frage ist, wärst du bereit einige dieser dritte Welt Kinder bei dir zuhause aufzunehmen und mit Nahrung zu versorgen? Wenn ja, wärst du sicher einer der wenigen, die meisten vermutlich nicht.


    Wie du gesagt hast, dass ist eh nicht das Problem, denn eigentlich ist das ja überhaupt nicht nötig.


    Du hast schon ganz genau Recht, wenn du sagst das die Militärdiktaturen einen riesigen Anteil an den Hungersnöten haben. Das Kernproblem ist allerdings, dass das nicht der einzige Grund ist, sondern viele Faktoren zusammenspielen. Schlecht organisierte Hilfstruppen, multinationale Konzerne, Spekulationen mit den Grundnahrungsmitteln, ja selbst die Massentierhaltung mit ihren Feedlots tragen alle massig dazu bei, den Hunger in der Welt noch weiter auszubreiten. Und da beginnt eigentlich meine eigentliche Frage: Der Hunger tötet jeden Tag abertausende von Menschen. Für den Hunger sind wiederum Menschen , unter anderem auch sehr stark Leute aus der westlichen Welt verantwortlich, die beispielsweise durch Agrardumping ihren Gewinn daraus ziehen.


    Sind also Menschen, die "den Hunger in der Welt ausbreiten" für euch gleichzustellen oder gar noch schlimmer als "Terroristen" die mit gezielter Waffengewalt versuchen Menschen zu töten? Und tragen wir hier, die wir nicht hungern müssen und denen es verhältnismäßig gesehen sehr gut geht alle einen Teil dazu bei, dass es so viel Hunger in der Welt gibt, indem wir die Globalisierung immer weiter voranschreiten lassen, und dafür sorgen das Bauern in der dritten Welt ihre eigene Ware zu mickrigsten Preisen verkaufen müssen?
    Das sind die Kernfragen in denen es mir in diesem Thread geht ;)


    Lg Black Cat

    Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
    [Hermann Hesse]

  • Hunger ist eine Waffe. Aber im Vergleich zu den anderen Waffen tötet sie nicht schnell und fällt nicht so auf. Ähnlich wie eine Zigarette...


    Solange unsere kapitalistische Welt auf Profitmaximierung aufgebaut ist, kann dieses Problem nicht gelöst werden. Fängt an endlich zu begreifen, dass unser System unmenschlich ist. Und Nein wir müssten verdammtnochmal keine Afrikaner bei uns zu Hause aufnehmen damit es denen besser geht! Globalisierung regeln, Profitmaximierung bekämpfen, unter anderem eine Lösung für die Börse finden, soziale Firmenstrukturen aufbauen, usw.


    Ach und nochwas: Ihr dürftet sogar eure Ipods behalten :) Vielleicht müsstet ihr dafür aber 100 Euro mehr bezahlen, aber dass wäre ja zu viel verlangt.. ;)


    Der Mensch denkt: "Solange ich nicht betroffen bin, ist es mir egal"

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Mir geht gerade ein wenig der Kamm hoch, aufgrund der Naivität und Kurzsichtigkeit.
    "Alle zusammenrücken? Alle ein bisschen mehr Geld ausgeben und das Problem über global vernetzte Firmen regeln? Fair Trade Schokolade fressen bis ich platze?"


    Ihr braucht nicht bis nach Afrika zu rennen um Leute zu finden, die über Aufmerksamkeit und einen Happen zu Essen dankbar sind. In Deutschland allein gibt es tausende Obdachlose. Stellt euch in eine Suppenküche, wenn der Aktionismus drängelt, aber ein schlechtes Gewissen einzureden, dass ich mich für die Salami auf dem Brot schämen soll, weil in Afrika Kinder verhungern finde ich leicht benebelt.


    Oder gründet selbst eine Organisation die Hilfsgüter nach Afrika schickt und sorgt dafür, dass ALLES ankommt und nicht nur die Sachspenden. Diejenigen die nörgeln, mit den Armen wedeln und sich wieder hinsetzen, wenn niemand mitzieht, sind nämlich genauso wenig hilfreich wie diejenigen, die von anfang an nichts gemacht haben!

    "Bei mir kommt kein Tropfen Alkohol auf den Tisch! Ich bin sehr vorsichtig beim Einschenken."


    "Wenn das Herz am rechten Fleck ist, spielt es keine Rolle wo der Kopf ist." - (Walter Raleigh vor seiner Enthauptung)

  • Moin !


    Ich sehe das ähnlich.
    Schon Diderot ( 1713-1784 ) sagte: Es wäre besser, an der Verhütung des Elends zu arbeiten, als die Zufluchtsplätze
    für die Elenden zu vermehren. ( Diderot )
    Es bringt im Endeffekt wenig, wenn man ständig die Welt retten will und die Armen der Welt füttert, denn ... morgen haben sie wieder Hunger.
    Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn bei Katastrophen spontane Hilfprojekte ins Leben gerufen werden.
    Doch wenn, dann finde ich Hilfsorganisationen gut, die den Betroffenen zeigen und lehren wie man sich selbst hilft und maximal die ( ersten ) Mittel, wie Gerätschaften etc. dafür zur Verfügung stellt.


    Millitärherrschaft und Terrorregime uvm. empfinde ich, so hart es klingt, als regionales Problem, welches wir nicht verhindern können.
    Kaum hat man den einen Machthaber weggejagt, steht der nächste schon auf der Matte.


    Jüngstes Beispiel dafür:
    Auf die Frage warum die Uno in Libyen eingreift und in Syrien nicht, kam ganz banal die Antwort, dass China und Russland ihr Veto eingelegt haben.
    Grund: Weil man aufgrund der Nähe Syriens zum Irak und damit Iran etc. sich unsicher ist, wer danach an die Macht kommen würde.
    Ergo lässt man aus politischen Gründen die gnadenlose Morderei in Syrien vom Assadregime achselzuckend zu.


    Wenn ich so etwas lese, dann kümmere ich mich doch lieber, wie Zensur schon sagte, um das genügend vorhandene Elend hier in Deutschland.

    Womit man auch immer schreibt, das Wunder bleibt das Selbe:
    Schrift macht die Gedanken sichtbar, so dass man sie dauernd verfügbar hat.
    Da ist nichts als Text, Zeile für Zeile. Doch im Kopf entsteht eine ganze Welt, Voller Schönheit, Dramatik, Leidenschaft.
    ( Autor unbekannt )

  • Hallo Zensur.
    Mir geht es hier keineswegs darum, dem Ottonormalverbraucher ein schlechtes Gewissen dafür einzureden, dass er seine Lebensmittel möglichst günstig einkaufen möchte. Es geht mir auch nicht darum, dass jetzt sofort jeder losrennt, nur noch Fair- Trade- Produkte kauft, und seine komplette Lebenskraft darauf verwendet, eine gemeinnützige Hilfsorganisation zu gründen, die dafür sorgt, dass alles in den bedürftigen Ländern ankommt. (auch wenn das natürlich äußerst lobenswert wäre :P )


    Es geht mir lediglich darum, die Ungerechtigkeit des Weltmarktes noch einmal dingfest zu machen, und zu zeigen, wie die Menschen darunter leiden, und wie einfach man dies verhindern könnte. Der "normale" Mensch kann in dieser Hinsicht und Situation sowieso nicht viel ausrichten. Die meisten Organisationen werden ja eh staatlich finanziert, und wenn man nicht gerade Milliadär ist und somit auch nicht in der Lage ist Ressourcen zu beschaffen, und Mitarbeiter zu bezahlen, nützt auch der Gute Wille leider herzlich wenig.


    Aber worauf es mir ankommt ist unter anderem auch der Widerspruch der staatlichen Hilfsorganisationen an sich. Den Mitarbeitern mache ich hiermit auf keinen Fall einen Vorwurf, die leisten harte und gute Arbeit, und tun alles menschenmögliche um wenigstens ein paar Menschen zu helfen. Allerdings ist es doch ungerecht, wenn die europäischen Staaten ihren Bauern Unmengen an staatlichen Subventionen zahlen, um ihnen einen massigen Export an Waren in die südliche Hemisphäre zu ermöglichen. Dort werden dann die europäischen Produkte für einen weitaus günstigeren Preis angeboten, als die Produkte der einheimischen Bauern, die ihre Arbeit meistens noch mit bloßer Hand erledigen. Der Preis für europäische Waren liegt meistens bei einem drittel des Preises, die ein einheimischer Bauer haben möchte. Und der arbeitet oft länger als 18 Stunden am Tag unter härtesten Bedingungen.


    Und für mich sind die Menschen die so etwas ermöglichen Mörder, und in diesem Punkt stimme ich mit mostwanted auch vollkommen überein:


    Hunger ist eine Waffe. Aber im Vergleich zu den anderen Waffen tötet sie nicht schnell und fällt nicht so auf. Ähnlich wie eine Zigarette...


    Das Millionen von Menschen aufgrund von Hunger sterben wird den meisten Menschen wohl bekannt sein, die näheren Gründe allerdings nicht. Ich heiße hier definitiv keine Terroristen gut, aber der Hunger ist für mich eine Waffe. Und sie tötet mehr Menschen, als alle Terroristen auf der Welt zusammen jemals töten könnten. Nur leider wird viel zu oft vergessen, dass hinter dem Hunger auch Menschen stecken, die allerdings ja nur indirekt töten, nicht so wie Terroristen.


    Ihr braucht nicht bis nach Afrika zu rennen um Leute zu finden, die über Aufmerksamkeit und einen Happen zu Essen dankbar sind. In Deutschland allein gibt es tausende Obdachlose.


    Das ist mir auch bekannt. Aber das vermindert das Problem auch noch lange nicht besser.
    Hier in Deutschland muss den Menschen auch geholfen werden, dass ist klar. Aber die Menschen hier haben es meist leichter Hilfe zu erhalten, als in Afrika oder anderen Ländern. Ich möchte nicht bestreiten, dass den Menschen hier nicht genau so geholfen werden muss, wie den Menschen in den anderen Teilen der Welt, Mensch ist Mensch. Aber in Afrika, Korea, Indien etc. hat all dies ein noch unvorstellbareres Maß angenommen, mit Tendenz nach oben.


    Doch wenn, dann finde ich Hilfsorganisationen gut, die den Betroffenen zeigen und lehren wie man sich selbst hilft und maximal die ( ersten ) Mittel, wie Gerätschaften etc. dafür zur Verfügung stellt.


    Den Ansatz finde ich klasse, allerdings ist es für mich ein kleines bisschen zu hart ausgedrückt ;) .
    Sich selbst zeigen und lehren wie man sich hilft muss man den Bauern wohl kaum, die arbeiten hart genug. Nur die Bedingungen muss man ihnen nunmal erleichtern. Hier in Europa und in den USA, wo die entsprechenden Hilfsmittel zur Verfügung stehen werden auf einem Hektar Land rund zehn Tonnen Getreide erzeugt. Bei einem armen Bauer ohne Gerätschaften, der noch nichtmals Zugtiere besitzt sind es durchschnittlich 600 Kilo. Ich muss allerdings hinzufügen, dass ich den Ansatz mit den Gerätschaften auch für vernünftiger halte, als die hungernden täglich zu ernähren. Ideal wäre es natürlich, wenn sie sich so stark entwickeln würden, dass sie bald mit westlichen Ländern mithalten können, was die Produktionmenge angeht. Doch das ist wohl eher utopisch.


    Lg Black Cat

    Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
    [Hermann Hesse]

  • Kommt drauf an, was mit Hunger gemeint ist. Hunger als Gefühl, dass man etwas zu essen haben muss, weil man sich schwach fühlt? Das ist ein schlimmes Gefühl, und ich habe wie wohl die meisten Menschen in Deutschland, die nie obdachlos waren, keine Ahnung von Hunger als allgegenwärtiges Gefühl, als Dauerzustand. Ich habe nur eine leichte Ahnung davon, weil man für viele OPs nüchtern sein muss und ich mich nach einer besonders schlecht fühlte, nach gut 24 Stunden ohne Essen oder Wasser.


    Wenn man allerdings hört, was viele Menschen, die in den Nachkriegstagen Kinder waren, berichten, komme ich zu dem Schluss, dass der Mangel an Nahrung zwar schlimm war und man froh über jedes kleine Stückchen Brot war, aber dass es sehr viel leichter zu ertragen war als vorher. Es gab keine Bombenangriffe mehr, man musste nicht mehr zu jeder Sekunde des Tages darauf gefasst sein, in den nächsten Bunker zu flüchten, und das Töten war vorbei.
    Diese Menschen hatten wieder Hoffnung und dachten an den Aufbau einer besseren Zukunft.


    Aber das haben Menschen in vielen Diktaturen nicht. Kaum Ausbildung, wenig Absicherung, das Wissen, unterdrückt zu werden und trotz aller Bemühungen nicht genug zu essen, weder für sich selbst noch für die Kinder, die immer am meisten leiden müssen. Und ich kann aus Sicht eines derart leidenden Menschen gut nachvollziehen, dass man sehr viel dafür tun würde, um jeden Tag genügend zu essen zu haben. Insofern sehe ich durchaus die Macht bei Menschen, die den Hunger beeinflussen oder sogar kontrollieren können.