Gibt es Talent?

  • Die Frage danach was Talent ist, stelle ich mir in letzter Zeit wiedr oft. Für mich ist jemand mit Talent einer, der etwas niederschreibt bzw. kreiert, ohne lange nachzudenken, und sich dabei von seiner eigenen Kreation leiten lässt. Ich denke da z.B. an Autoren wie Stephen King, die am Anfang ihrer Geschichten meist selbst noch nicht wissen, wo sie das Abenteuer und ihre Figuren hinführen werden, und dennoch die Worte flüssig zu Papier bringen und dann einfach fertig mit ihrer Arbeit sind; wenn es auch manchmal natürlich trotzdem oder gerade deswegen kreative Burnouts gibt; die Muse küsst einfach nicht mehr.
    Dann gibt es noch die Künstler, die für die Erschaffung eines Werkes knallhart kalkulieren, analysieren und perfektionieren müssen, noch bevor sie überhaupt anfangen zu schreiben. Ich denke da an Autoren wie z.B. Tolkien, die sehr viel Zeit zum Schreiben brauchen und sich pemanent nachkorrigieren; gefühlt niemals fertig werden mit ihrer Arbeit.


    Ich selbst zähle mich nicht als Typ Talent, sondern als Typ Analytiker - gerade bei Romanen würde ich sehr gerne einfach im King-Stil drauflosschreiben (seine Vor- und Nachworte haben mich sehr inspiriert), aber dafür eigne ich mich einfach nicht; irgendwann gehts einfach nicht mehr. Aktuell arbeite ich an meinem Roman mithilfe der Schneeflocken-Methode (Credits für die Empfehlung an Exo), die eben für talentlose Menschen wie mich perfekt geeignet ist, da sie ein großes Maß an Planung verlangt. Einem echten Talent würde vermutlich gerade in Angesicht der vielen Vorarbeit der Spaß vergehen; immerhin könnte es auch einfach drauflosschreiben, wenn es wollte.


    Auch für mein Gedicht (Schleichwerbung ftw) habe ich vergleichsweise lange gebraucht, habe sehr oft korrigiert und musste kalkulieren was jetzt stilistisch am besten passt (weil mir die Worte eben einfach nicht von alleine fließen wollen) und habe am Schluss trotzdem weit weniger erreicht als ich wollte.
    Gut, vielleicht habe ich ja ein Talent fürs kalkulieren; diese Arbeit, die Feilerei (bis zur abschließenden Frage der Zeilenaufteilung) hat mir wie gesagt trotz der notwendigen Anstrengung Spaß gemacht. Aber ich schweife gerade ziemlich ab. :mrgreen:

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Zitat von "Ragnarsson"

    Und genau das denke ich eben nicht. Wenn man sich mal die grossen Sportler ansieht. Einen Oliver Kahn, Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Lionell Messi, um nur mal ein paar wenige zu nennen. Das sind alles Menschen die einen unglaublichen Ehrgeiz haben oder hatten. Die haben in der Zeit nur für ihren Sport gelebt. Man kann diese Leidenschaft und den Ehrgeiz eventuell als Talent ansehen, aber die Leistung die sie erbracht haben oder erbringen konnten sehe ich als reinen Lohn für sehr sehr viel harte Arbeit.


    Ich sehe das wieder etwas anders :mrgreen: Talent schließt keinesfalls harte Arbeit aus.
    Aber durch harte Arbeit kannst du niemals das selbe Können eines sehr Talentieren erreichen.
    Nur ein Beispiel:
    Schach. Bei diesem Spiel kannst du durch auswendiglernen der Theorie und durch viel Spielen eine gewisse Stärke erreichen.
    Aber ab einem gewissen Level kannst du lernen und üben so viel du willst, du würdest niemals z.B: einen Bobby Fischer besiegen, denn der hatte EBEN ein wahnsinns Schachtalent.
    Im normalen Leben war er zwar eher weniger als normal begabt, aber im Schach ....
    Ich weiß das, denn ich habe gerade eine Biographie über ihn gelesen :mrgreen: . Im Übrigen hat dieser Bobby Fischer trotz seines unglaublichen Talent´s ebenfalls hart gearbeitet, um noch besser zu werden und war dennoch fast nie zufrieden, oder gerade deshalb .... :ratlos:


    Jack

  • Talent könnte die einem Menschen eigene Befähigung mit Leichtigkeit, Ergebnisse hinsichtlich der Arbeit an der Materie hinsichtlich des Fähigkeitsgegenstandes zu vollbringen, sein, wobei fähig hier nur Können heißt. Ein Könner unterscheidet sich von einem nur oberflächlich Wissenden, darin, dass er nicht in die Tiefen eines Fähigkeitsgegnstandes eindringen kann, um ihn zu verändern.


    Ein Talent unterscheidet sich aber von einer Fähigkeit aufgrund der Flinkheit und Geschicklichkeit, mit der die Arbeit an einem Gegenstand wie z. B. einer wissenschaftlichen Beschreibung der Realität geschieht. Ein Talent im Sinne einer Person, der diese Befähigung zugeschrieben wird, unterscheidet sich von der Befähigung eines Genies jedoch anhand des Grades der Arbeit am Gegenstand der Arbeit, z. B. einem Kunstwerk. Während ein Talent eine Neukombination der ursprünglichen Messlatte des Bereichs seines Schaffens bewirkt, kann die Messlatte durch ein Genie gesprengt werden, da es über die Neukombination hinaus einen Sprung macht und etwas schafft, was noch weitere Elemente hinzufügt, die noch nie dagewesen waren und damit ist das Genie nicht messbar und erkennbar. Es kann nur wirken.


    Zum Beispiel würde ein Talent eine Skulptur ähnlich schöner als die von Michel Angelo kreieren, indem es die Proportionen von Skulpturen in ein harmonischeres Gleichgewicht setzt. Ein Genie jedoch würde nicht die Proportionen zum Ausgang der Schönheit seines Werkes machen, sondern die Wirklichkeit, weil es mehr sieht als das Talent und jedes andere Genie. Ein Gott unter den Künstlern würde jedoch das abbilden, was für jeden schön ist.



    Ein Talent in der Wissenschaft ist jemand, der mit Leichtigkeit die Zusammenhänge der Wissenschaft versteht und die Widersprüche löst, ein Genie jedoch erkennt in den Widersprüchen die Fehler der Wissenschaft und arbeitet nicht an deren Verbesserung, sondern betreibt seine ganze eigene Wissenschaft.


    So würde ein Talent versuchen, die Quantenphysik und die Relativitätstheorie zu vereinheitlichen, ein Genie jedoch würde die Logik der Wissenschaft und ihrer Fehler erkennen und nicht an einem fehlerhaften System mitarbeiten, denn ein Genie kann nicht irren, auch wenn es notwendiger Weise für irre gehalten wird.

  • Wenn ich mal in der Schule war (ich war selten in der Schule), meinten meine Lehrer ich sei Talentiert. Mein IQ ist wohl überdurchschnittlich hoch, aber ich selbst bin selten zufrieden mit meiner Arbeit. Beim Schreiben denke ich nicht nach, ich schreibe und so entstehen Geschichten, ich halte mich selten an literarische Vorgaben, noch halte ich mich an irgendeinen vorgegebenen Schreibstil. Ich denke schon das da mein Talent ist. Manchmal bin ich selbst verwirrt, wenn ich meine Schreibseleien lese und überrascht feststelle: "Meine Güte und das habe ich geschrieben?" oft passiert das, wenn ich Jahrelange im sogenannten "Keller" (ein Ordner auf meinem PC, der besagt: das Zeug könnte irgendwann mal Potential haben für einen Roman..) gelegene Texte auskrame und lese.
    Wenn ich Schreibe dann kommen die Geschichten aus meinem Kopf, sie formen sich selbst, werden zu Personen, zu Erfahrungen, Hintergründe. Ich arbeite selten anhand von Matrixen. Wenn ich einen Roman schreibe komme ich irgendwann an den Punkt, mir die Namen notieren zu müssen und die jeweilige Beziehung untereinander und das Geburtsdatum, Adressen der Protagonisten, meistens geschieht das irgendwann in der Mitte des Romans und dann gibt es genauso meistens erst mal einen Cut.


    Das holt mich raus aus dem Schreiben, dann muss ich anhalten und abwarten. Vielleicht nur ein paar Stunden oder Tage, vielleicht auch ein halbes Jahr. Ein Roman oder eine Kurzgeschichte entsteht oft innerhalb kürzester Zeit, eine Geschichte manchmal nur an drei Tagen und Nächten. Ich schlafe dann nicht, bin für kaum jemanden zu erreichen, ich vergesse das Essen und trinken und bin danach total ausgepowert aber irgendwie super Glücklich, das ist mein ganz normaler Workoholik, den ich hin und wieder brauche wie andere einen guten Wein.
    Ohne schreiben bin ich nur ein halber Mensch.


    Früher habe ich gemalt, Zeichnungen erstellt, Leute portraitiert, ganze Welten an die Wände gepinselt. Das war eine Zeit die ich wohl brauchte. Zeichnen ist für mich Vergangenheit, das Schreiben hält jetzt schon so lange an, seit dem ich schreiben kann. Ich habe meine ersten Geschichten mit 5 verfasst. Kleine Gedichte die ich meiner Oma schenkte. Mit 10 habe ich meinen ersten Roman geschrieben. Natürlich alles mit der Hand. Ich habe erst spät das Glück eines PCs kennen gelernt, erst mit 32. Ab da war das mein Metier. Hier fühle ich mich irgendwie zuhause. Ich kann ohne Haus sein, auf der Straße leben, aber ich muss schreiben können, sonst geh ich ein... Interessanter weise habe ich gerade festgestellt das es mir schwer fällt über mein Schreiben zu schreiben ;)


    Ich denke das es talentierte Menschen gibt, es gibt Menschen die einfach das tun müssen, was in ihnen steckt, dabei spielt es keine Rolle was es ist. Es zieht einen an, es lässt einen nicht mehr schlafen, man ist süchtig danach. Und es gibt kein Zurück.


    Grüße von Yen.

  • Ich habe glaube ich auch ein paar Talente. Ich kann Menschen zum Lachen bringen, ja mein Humor ist schon merkwürdig, aber wer damit klarkommt, liebt ihn.


    Meine eigentlichen Talente sind das Schreiben, seien es Gedichte, Geschichten oder Liedertexte. Irgendwann will ich nicht, sondern WERDE ich einen Roman schreiben, das weiß ich hundertprozentig.


    Ich kann oft am besten schreiben, wenn ich depressiv bin oder mich etwas sehr stark beschäftigt. Ich habe letztes Jahr angefangen, besonders verrückte Träume auf ein Diktiergerät zu sprechen. Mal schauen, was dabei rumkommt. :)