Das deutsche Schulsystem

  • Wie findet ihr das deutsche Schulsystem?
    In den letzten Jahren fand ja angeblich eine große Umwälzung stand. Die katastrophalen Ergebnisse der Pisa-Studie (Wikipedia; die OECD-Seite) sind vielfach durch die Medien gegangen, in den letzten Jahren kamen immer mehr Diskussionen auf – G8 wurde eingeführt, kontrovers diskutiert, es gibt immer mehr Ganztagsschulen, auch die Einführung einer kompletten Gesamtschule ohne Unterteilung wurde mal verlangt.
    Viele Schüler klagen darüber, dass ihnen alles zu viel wird, und auch generell wird an dem deutschen Schulsystem kein gutes Haar gelassen. Natürlich gibt es auch relativ alternative Schulsysteme, die kaum Beachtung finden: Waldorfschulen (die ja zu gerne als Schulen verschrieen werden, in denen man den lieben langen Tag nur seinen Namen tanzt), Montessori-Schulen..


    Was haltet ihr vom deutschen Schulsystem? Gut oder katastrophal? Was wäre euer Favorit, was die Schulsysteme angeht? Finnland schnitt in der Pisa-Studie ja immer sehr gut ab – aber China auch; zwei Schulsysteme, wie sie wohl gegensätzlicher nicht sein können. Wonach bewertet ihr, was gut ist und was nicht und wie sehr wart ihr mit eurer Schulbildung zufrieden?

  • Hi Farbwechsel,


    ein sehr komplexes Thema :) .


    Das finnische Schulsystem ist ein gutes, auch wenn es z.B. in Ländern wie Deutschland, Frankreich, bis auf wenige Teile daraus, kaum anwendbar ist.
    Grund sind die hohen Sprachbarrieren, gegen die Einwanderungländer, wie Deutschland und Frankreich, nun mal leider zu kämpfen haben.
    Ein einheitliches "Lehrnziel" ist nur erreichbar, wenn fast alle, so ziemlich die gleichen kommunikativen Kenntnisse/Voraussetzungen haben.
    Die wenigen Kinder mit "unterdurchschnittlichen" Voraussetzungen, schaffen es entweder mittels der vorhandenen Fördermaßnahmen, oder fallen durch das Raster, was in Ländern wie Finnland,
    die keine typischen Einwanderungsländer sind, etwa so glaube ich "nur" 1-2% ausmachen.
    Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so ausschaut, aber das finnische und das chinesiche sind sich gar nicht mal so unähnlich, denn auch das finnische geht eigentlich nach dem Prinzip: friss oder stirb.
    Das fällt halt nicht so auf, da es in Finnland nicht so viele "Durchfälle" gibt, wie beispielsweise bei uns ;) .


    Das deutsche Schulsystem ist nur in den Grundzielen strukturiert, an sonsten gibt es genauso viele unterschiedliche Auslegungen, wie es Bundesländer gibt :? .
    Z.B. das Prinzip der Chancengleichheit ist von der Grundidee her etwas wirklich gutes, hat aber auch entscheidende Nachteile.
    Wenn du als Lehrer konkret und konsequent dieses Prinzip umsetzen willst, dann sitzt man nicht selten zwischen den Stühlen.
    Auf der einen Seite möchte man, auch den lehrnschwachen, teilweise auch lehrnunwilligen Kindern die selben Chancen für die Zukunft geben wie allen anderen, nur senkt man damit zwangsläufig das Lehrntempo
    und damit einhergehend, meistens das Lehrnniveau. Die Leidtragenden sind dann oft die intelligenteren, lehrwilligen Kinder.
    Ein weiterer oft nicht beachteter Effekt ( besonders in den ersten 6 Klassen ) ist, dass Kinder, welche vorher gute Noten hatten, plötzlich schlechter werden, nicht unbedingt weil sie sich dem geistigen Niveau der schwächeren Kinder
    anpassen, sondern um die selbe Häufigkeit der Zuwendung der Lehrer(innen) zu bekommen, wie die tatsächlich schwächeren .... ein Teufelskreis :( .


    Für mich die beste Schulform ist die Ganztagsschule. Integrationskinder bekommen die Möglichkeit sich nicht nur unter ihres gleichen ( sprachlch gesehen ) zu bewegen, und lernen so schneller die Landessprache.
    Bekommen eher den "unvorhergenommenen" Blick in die "andere" Kultur. So erhöht sich nicht nur tatsächlich auf spieklerischem Wege die Chancengleichheit, sondern es lösen sich auch einige andere "Integrationprobleme" einfach und effektiver.
    Letztendlich kommt es allen zu Gute. Das Sozialverhalten bessert sich und die Motivation zu lernen und den (lehrn)schwächeren zu helfen, ist weitaus größer, untereinander.


    Die Probleme die ich sehe, sind zum einen die Finanzierung und zum zweiten die Akzeptanz derer für die es am sinnvollsten wäre, nämich die Familien mit Migrationshintergrund ...., aber damit sind wir wieder bei ganz anderen Problemen :( .


    Jack

  • Hey-Hey,
    also ich bin im großen und ganzen zufrieden mit dem deutschen Schulsystem. Wobei mich aber schon länger stört dass , zumindest hier in Nordrhein-Westfalen nach nur 4 Schuljahren, in die weiterführende Schule (Gymnasium etc.) kommt. Ich finde dass dadurch in gewisser Weise schon das Schicksal des Schülers "zerstört" wird. Ich finde ja das man erst nach ca. 5-6 Schuljahren in die weiterführende Schule kommt, da ist man ja schon ein bisschen Erwachsener. Ich meine wenn du ein Chef bei irgend einer Firma wärst würdest du wohl eher den Gymnasiast nehmen als den Hauptschüler ,oder?

  • Ich hüte mich vor Vergleichen mit anderen Ländern und deren Schulsystemen ohne das vor Ort jemals erlebt zu haben. Diese Studien sollte man auch nicht allzu ernst nehmen. Deutschland ist eines der Innovationsländer, führend in zahlreichen Industriesparten-letztlich kann so schlecht dann ein Schulsystem gar nicht sein. Als englische und französische Schüler bei uns damals waren, empfand ich deren Schilderungen vom Schulalltag ganz schön heftig. Ich finde es z.B nicht gut, wenn man Kinder von morgens 9 bis mittags 17 Uhr in der Schule braten lässt. Zwei italienische Mütter berichteten mir, dass das italienische Ssystem viel besser sei, die Kinder werden weniger belastet, gehen gerne hin. Ihr ältester Sohn war bis 14 in Italien auf der Schule und bekam bei uns dann enorme Probleme. Das dreigliedrige Schulsytem bei uns finde ich gar nicht schlecht. Die Trennung in der vierten Klasse finde ich in Ordnung-das Argument mit dem "manche sind da eben noch nicht so weit" zieht bei mir nicht, denn man muss im Leben immer zu einem bestimmten Zeitpunkt einen gewissen Leistungsgrad aufweisen, basta. Alle aus NRW sollen doch am besten mal nach BW oder Bayern kommen, dann wären die alle auf der Hauptschule und das Wechselthema in Klasse 4 wäre vom Tisch.

  • das Argument mit dem "manche sind da eben noch nicht so weit" zieht bei mir nicht, denn man muss im Leben immer zu einem bestimmten Zeitpunkt einen gewissen Leistungsgrad aufweisen, basta.

    Ist das Ironie? Es handelt sich hierbei um Kinder; da gehts noch nicht mal ausschließlich um den Leistungsgrad, sondern auch schlicht und einfach um den Reifegrad - in dem Alter kann sich daran schon innerhalb von ein paar Monaten was ändern; aber nach der frühen Aufteilung in die drei Systeme wirste da ja gewissermaßen vollständig in bestimmte Schemen "reingezüchtet". Aus Minimalunterschieden werden große Unterschiede; das kanns auch nicht sein. Fünfte oder sechste Klasse fände ich da erheblich sinniger, oder vielleicht sowas wie ein ein- oder zweijähriger Übergang zwischen Grundschule und Mittelschule; der Einschnitt ist da aktuell schon extremst, das hab ich noch gut in Erinnerung. Es soll niemandem was vorgekaut werden; aber wenn man ein paar Millionen unterschiedliche Kinder mal pauschal auf drei verschiedene Systeme aufteilt und erwartet, dass sie sich anpassen, kanns da auch Schwierigkeiten geben. Das System sollte sich ja eher dem Menschen anpassen als andersrum; immerhin ist es auch für den Menschen gemacht.


    Ob Unterricht was bringt, hängt meiner Erfahrung nach massivst bis vollständig vom Lehrer und vom Lehrstil ab. Ich hatte Religionslehrer, bei denen ich mir im Nachhinein (und auch währenddessen :mrgreen: ) dachte, dass ich das ganze Jahr eigentlich auch schlafend hätte verbringen können; und ich hatte Religionslehrer, bei denen man geordnete Diskussionen über allerlei Moralthemen und auch ernsthafte Religionswissenschaft führen konnte, und danach das Gefühl hatte, nicht 45 Minuten seiner Lebenszeit unwiderbringlich ins Klo gespült zu haben. Das trifft eigentlich auf alle Fächer zu... auf meiner Realschule haben sich die Lehrer so gut wie alle auf dem Sozialkompetenz- und Intelligenzlevel von Toastbroten bewegt; auf dem Berufskolleg hatte ich dann fast nen Kulturschock von den ganzen Gestalten, die fähig und willens waren, einem tatsächlich was beizubringen bzw. nen Dialog zu führen.
    Soll heißen - ohne Lehrer bringt auch das beste Schulsystem nix. Irgendwie möchte es mir scheinen, dass Lehrer höherer Schulen da oft ne bessere Ausbildung genossen haben, während man dann z.B. an vielen Hauptschulen Chaos vorfindet, weil die Schüler für die Gesellschaft ja eh egal sind. Wie gesagt; so kommts mir zumindest manchmal vor...


    Außerdem könnte man meiner Meinung nach weit mehr Geld in das Bildungssystem insgesamt stecken; ne wichtigere Zukunftsressource gibts ja wohl nicht... mir fallen da zig andere Bereiche ein, von denen ich da ohne zu zögern was abzwacken würde.

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Zitat

    das kanns auch nicht sein. Fünfte oder sechste Klasse fände ich da erheblich sinniger, oder vielleicht sowas wie ein ein- oder zweijähriger Übergang zwischen Grundschule und Mittelschule


    nannte sich orientierungsstufe. gab es und wurde 2004 irrwitzigerweise abgeschafft. jedenfalls in niedersachsen. wie sich das in anderen bundesländern verhält, weiß ich gerade nicht.
    ich bin für eine unbedingte wiedereinführung, weil eine orientierung, nach der 4ten klasse, einfach nicht möglich ist. die kinder werden in formen gepresst, in denen sie nur schrumpfen können. die wenigstens wachsen über diese form hinaus und erleben, statt erfolg, nur demotivierende misserfolge.

    auf cjbarnes geh ich gar nicht erst ein. ich hoffe inständig, dass er keine kinder hat, die nach dem prinzip "friss oder stirb" leben müssen.
    willkommen in der burn out gesellschaft.

  • Soll heißen - ohne Lehrer bringt auch das beste Schulsystem nix. Irgendwie möchte es mir scheinen, dass Lehrer höherer Schulen da oft ne bessere Ausbildung genossen haben, während man dann z.B. an vielen Hauptschulen Chaos vorfindet, weil die Schüler für die Gesellschaft ja eh egal sind. Wie gesagt; so kommts mir zumindest manchmal vor...


    Ich glaube nicht, dass das an der Ausbildung an sich liegt. Eher an der Tatsache, dass man in dem Lehramtsstudium nicht allzu viel auf die Praxis vorbereitet wird. Und ohne hier jemandem auf den Schlips treten zu wollen, es ist ja doch häufig so, dass sich auf Hauptschulen viele Kinder mit Problemen - damit meine ich keine Lernprobleme, sondern hauptsächlich familiäre Probleme - finden, weil die eben durch ihre familiäre Situation nicht ausreichend gefördert werden, um es auf dem Gymnasium zu schaffen. Und der Umgang mit solchen Situationen wird meiner Meinung nach im Lehramtsstudium viel zu wenig eingearbeitet. Am Gymnasium, wo man eher davon ausgehen kann, dass die Kinder da ein halbwegs geordnetes Leben haben und auch durch ihre Eltern gefördert werden, ist dieses Defizit dann nicht so spürbar wie bei Lehrern, die mit Menschen umgehen müssen, die vielleicht von ihrem Vater vergewaltigt werden und deshalb in der Schule überhaupt nicht klarkommen (das kann natürlich auch auf dem Gymnasium passieren, keine Frage).
    Ich fürchte, man müsste da die Pädagogik noch mehr und stärker in das Studium einbinden und auch den Praxisbezug.



    Eine Einteilung in die Schulen ab der 6. Klasse fände ich auch wesentlich sinnvoller - klar kristallisiert sich das bei einigen schon in der 4. Klasse heraus, aber das muss nicht unbedingt so sein. Und von der Hauptschule höher zu steigen, wird einem nicht sehr leicht gemacht.

  • Zitat von "Farbwechsel"

    Ich glaube nicht, dass das an der Ausbildung an sich liegt. Eher an der Tatsache, dass man in dem Lehramtsstudium nicht allzu viel auf die Praxis vorbereitet wird.


    Da gebe ich dir zwar Recht, aber nicht vorbehaltlos.
    Die Praxis kommt in der Referendarzeit. Allerdings findet die Praxis nicht, oder nicht ausreichend, im Hinblick auf familiäre Probleme statt, was auch nicht machbar ist.
    Ein Lehrer soll Lehrstoff vermitteln und kann, wenn er Probleme bei einem Schüler erkennt, welche augenscheinlich aus dem familiären Umfeld kommen, an entsprechende Stellen darauf hinweisen, vermitteln usw. z.B. zu Psychologen, Polizei oder sonst wo.
    Man kann der Schule und damit den Lehrkräften nicht alles auf Auge drücken. Lehren, Erziehen und noch familiäre Probleme lösen, sorry aber das ist nicht möglich.
    Viele wissen überhaupt nicht, was an den Schulen abgeht.
    Wenn du als Lehrer einem Schüler zu recht eine Fünf gibst, musst du heute damit rechnen, dass die Eltern mi einem Anwalt anrücken ...


    Zitat von "Farbwechsel"

    Ich fürchte, man müsste da die Pädagogik noch mehr und stärker in das Studium einbinden und auch den Praxisbezug.


    Ein wenig schon, aber wie schon oben erwähnt: Man kann den Lehrer teilweise schon etwas mehr zumuten, aber definitiv nicht alles aufdrücken, sonst wird das Lehramt-Studium endlos.


    Jack

  • nannte sich orientierungsstufe. gab es und wurde 2004 irrwitzigerweise abgeschafft. jedenfalls in niedersachsen. wie sich das in anderen bundesländern verhält, weiß ich gerade nicht.



    Nur kurze Info, weil es mich gerade betrifft ;) :


    Meine Tochter wird nächstes Schuljahr (also nach der 4. Klasse) auf die Realschule gehen. Dort werden dann in der 5. und 6. Klasse noch die Grundfächer gelehrt.
    Eine Entscheidung dazu, welchen Lehrzweig die Schüler einmal nehmen möchten, muß erst nach der 6. also im Übergang zur 7. Klasse erfolgen, da erst ab der 7. dann die Wahlfächer unterrichtet werden.


    Das finde ich eigentlich ganz OK so, muß ich sagen.


    Und wenn ich einmal ehrlich sein darf.......ich bin ja eigentlich ein Verfechter von Ganztagesschulen. ;)
    (was an der künftigen Realschule meiner Tochter sogar angeboten wird)
    Montags bis Donnerstags bis 16 Uhr Schule, Freitags bis 13 Uhr.
    Mittagessen in der Schule, dann Nachmittags gemeinsames Abarbeiten der Hausaufgabe, nochmaliges gemeinsames Durchgehen des Schulstoffes an diesem Tag, und in den restlichen Stunden Wahlfächer, z.b. Sport, Kunst, Musik oder ähnliches. Dafür ist es dann aber so, daß wenn die Kinder um 16 Uhr nach Hause kommen, das Thema Schule erledigt ist.


    Ich sehe darin den Vorteil, daß durch das gemeinsame Zusammensitzen bei den Hausaufgaben und des Lernstoffes Leistungsschwächere Kinder von den Besseren profitieren können.
    Noch dazu ist ja immer eine Lehrkraft vor Ort, die den Kindern helfend zur Seite steht.


    Man hat nämlich als Eltern das Problem, daß man den Kindern daheim irgendwann bei den Hausaufgaben und den Lernaufgaben nicht mehr helfen kann, weil man es
    a: nicht mehr weiß (zu lange her)
    b: sich der Schulstoff seit damals auch wesentlich verändert hat.


    So würden Fragen oder Verständnisprobleme schon in der Schule selbst geklärt.


    Auch positiv daran finde ich, daß man eben Nachmittags Wahlfächer belegen kann, die zwar nichts mit den Schulnoten zu tun haben, aber welche einem je nach Hobby zur Verfügung stehen und man so in der Schule selbst mit seinen Freunden das tun kann, was einem Spaß macht.
    Wenn ich jetzt meine Tochter nehme: die geht einmal pro Woche zu einer Tanzruppe und einmal pro Woche zum Gitarrenunterricht.


    Ich muß sie immer dort hin fahren und bezahlen muß man sowas ja auch.


    So würde alles über die Schule organisiert und man weiß, daß die Kinder unter Aufsicht stehen und trotzdem das machen, was ihnen Spaß macht.


    Aber das ist wohl alles Ansichtssache. ;)


    Lg Ricya

    _______________________________


    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Mir greifen heutzutage die lieben Elterlein viel zu sehr in das ganze ein. Da werden Kinder schon früh in zig Nachhilfen geschickt, die Mutti schleimt dreimal bei allen Lehrern vor, nur damit man ja erreicht, dass das Kleinkevin aufs Gymi kommt. Der spätere Split in die 3 Schulformen scheint mir ein weiterer Versuch manipulierender Eltern zu sein. "Lern ich halt mit dem Grützkopp noch mal ein Jahr länger", irgendwann schafft er es eine Stufe höher. Da lob ich mir die gute alte Zeit, wo Papa auf dem Sessel sass, sein Bierchen zischte und der Junior ma selbst guckn musste. Mir scheint wir haben nur noch Kinder, die weit weg von Ihrer eigenen tatsächlichen Leistungsgrenze, wie hochgedopt, herumexistieren.

  • Mir greifen heutzutage die lieben Elterlein viel zu sehr in das ganze ein.

    So ein Scheiß aber auch; da macht man Kinder, und dann muss man sich auch noch um deren Erziehung kümmern... Sperrow hat schon recht; die eigentliche Erziehung können die Lehrer nicht übernehmen. Im Klassenzimmer kannst du nichts übers Leben lernen, das gebietet einfach die Logik (obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass es nicht zuviel verlangt wäre, wenn ein Lehrer zumindest eine vage Ahnung vom Universum außerhalb des Klassenzimmers hat).
    Das hat dann auch nix mit Einmischung oder Eingreifen zu tun; es geht einfach darum, dass jeder für die Kinder das tut, wozu er in der Lage ist... immerhin werden wir zu einem großen Teil auch durch unser Umfeld zu dem was wir sind; und gerade die Eltern hätten da doch Idealbedingungen um positiv (und auch negativ) in die Entwicklung ihres Kindes einzugreifen, nein? Auch Selbstständigkeit muss erst gelernt werden; ein Mensch bringt zwar von Geburt an weit mehr Lernfähigkeit, aber dafür auch weit weniger instinktive Grundkenntnisse als andere Tiere mit.
    Unvorteilhaft natürlich, wenn die Eltern solche sind, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als von Allem und Jedem was zu fordern, und sich seltenst selbst zu was aufgefordert fühlen. :D

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Es geht mir nicht darum sich nicht um Kinder zu kuemmern. Nein, nein...es geht mir um diese biestigen Eltern, die den Nachwuchs zu 3 verschiedenen Nachhilfelehrern, die die Schulreferate der Kids selbst machen, die Lehrer bedrängen und beschwatzen-und das alles um Ihren Zögling ins Gymnasium zu bringen. Wo ist da die Gerechtigkeit für andere Kinder, wo a. entweder kein Geld für die ganzen Fördermaßnahmen da ist oder b. die Eltern arbeiten müssen und sich darum gar nicht kümmern können.
    Letztlich muss ich zugeben schiebt die Ganztagesschule diesem ganzen Zirkus etwas den Riegel vor und bietet wohl auch mehr Chancengleichheit. Da ich die Schule nie mochte, habe ich halt etwas Probleme damit schon die Kleinsten bis 16, 17 Uhr da reinzupacken. Ich habe die Zeit ab 14 Uhr genossen, nach der ich alles gemacht habe, ausser natürlich etwas für die Schule. Nachmittagsunterricht war damals eine Art Folter für den kleinen CJ.

  • Sperrow hat schon recht; die eigentliche Erziehung können die Lehrer nicht übernehmen. Im Klassenzimmer kannst du nichts übers Leben lernen, das gebietet einfach die Logik (obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass es nicht zuviel verlangt wäre, wenn ein Lehrer zumindest eine vage Ahnung vom Universum außerhalb des Klassenzimmers hat).


    Dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Schule ist eine sehr wichtige Instanz, um Gruppengefüge zu lernen. Freundschaften werden geschlossen, man muss in Gruppen zusammenarbeiten, lernen, auf die Bedürfnisse anderer Rücksicht zu nehmen (nicht sprechen, wenn jemand anderer spricht) und man lernt diskutieren, ohne persönlich zu werden. Das hat schon eine enorme Bedeutung; natürlich keine derartige wie das bewusste Erziehen von moralischen Werten.


    Zitat


    Man kann der Schule und damit den Lehrkräften nicht alles auf Auge drücken. Lehren, Erziehen und noch familiäre Probleme lösen, sorry aber das ist nicht möglich.
    Viele wissen überhaupt nicht, was an den Schulen abgeht.
    Wenn du als Lehrer einem Schüler zu recht eine Fünf gibst, musst du heute damit rechnen, dass die Eltern mi einem Anwalt anrücken ...


    Da stimme ich natürlich zu. Ein Lehrer kann und darf nicht alles übernehmen. Aber gerade an Hauptschulen ist es ja leider oft so, dass die Eltern sich nicht wirklich um die Erziehung ihrer Kinder kümmern. (Wie gesagt, ich möchte hier nicht grundsätzlich urteilen) Und da bleibt einem als Lehrer nichts anderes übrig, als entweder zu versuchen, diese Lücke zu kompensieren oder aber keinen vernünftigen Unterricht führen zu können. Da viele Lehrer das nicht können bzw. verständlicherweise auch nicht wollen, kommen eben solche Zustände zustande.


    Es geht mir nicht darum sich nicht um Kinder zu kuemmern. Nein, nein...es geht mir um diese biestigen Eltern, die den Nachwuchs zu 3 verschiedenen Nachhilfelehrern, die die Schulreferate der Kids selbst machen, die Lehrer bedrängen und beschwatzen-und das alles um Ihren Zögling ins Gymnasium zu bringen. Wo ist da die Gerechtigkeit für andere Kinder, wo a. entweder kein Geld für die ganzen Fördermaßnahmen da ist oder b. die Eltern arbeiten müssen und sich darum gar nicht kümmern können.


    Chancengleichheit wird man halt nie erreichen.




    Was haltet ihr denn von alternativen Schulkonzepten? Beziehungsweise, wer kennt sich mit diesen aus?

  • Na ja, eine etwas bessere Chancengleichheit würde sich schon ergeben, je länger am Tag die Kinder in der Schule sind. Die Pisa und OECD Studien haben ja bestätigt, dass in Deutschland eine besondere Ungerechtigkeit bez. der Chancen herrsche. Und es fällt natürlich schon auf, dass bei uns Kinder aus wohlsituiertem Häuselein selten auf der Haupt- oder Realschule rumhocken. Ich habe vor 4 Monaten einen Bericht im TV gesehen, wo es um diesen verbissenen Kampf vieler Eltern geht das Kind aufs Gymnasium zu bugsieren. Es war ekelerregend-ein Zahnarzt, der eine sehr verträumte und wenig begabte Tochter hatte, liess überhaupt nullundnix aus, damit der Sprössling aufs Gymnasium kommt. Ich bekam fast das Kotzen. Genau hier gehört von den Lehrern, Rektoren der Riegel vorgeschoben. Ich sprach mit Deutschen, die in der Türkei, in Holland, Frankreich, USA zur Schule gingen. Keiner kannte von dort so einen Verhandlungsbazar wie er in Deutschland stattfindet. Zum Thema zurückkehrend: Ich denke in anderen Ländern werden Entscheidungen von Lehrern, Rektoren einfach auch mehr aktzeptiert-hier wird über jede einzelne Note, jeden Mist rumdiskutiert.

  • Ich sprach mit Deutschen, die in der Türkei, in Holland, Frankreich, USA zur Schule gingen. Keiner kannte von dort so einen Verhandlungsbazar wie er in Deutschland stattfindet


    Soweit ich informiert bin, gibt es in der Türkei, den USA und auch in Frankreich zumindest mehrere Jahre lang eine gemeinsame Schule; ein Durchboxen ist da also gar nicht möglich, weil man von vornherein auf die gleiche Schule geht.


    Das mit den Ungerechtigkeiten stimmt selbstverständlich und ist etwas, was man auf jeden Fall verändern muss. Daher ja auch meine Ausgangsfrage. Es kann nicht sein, dass Bildung von der gesellschaftlichen Schicht bestimmt wird.

  • ich möchte einfach mal die These in den Raum werfen, dass die Schulform Makulatur ist. Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gemeinschaftsschule, Gymnasium - In NRW haben wir ein sehr differenziertes Schulsystem. Allerdings spielt das gar keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr das Investitionsvolumen, das in die Bildung fließt. Wir brauchen mehr Lehrer und, wie es andere Nationen erfolgreich vormachen, Psychologen und Sozialpädagogen an unseren Schulen. Alle drei Bereiche kosten erheblich mehr Geld, verkleinern allerdings die Klassenstärke und intensivieren die Betreuung. Wenn eine nahe Schülerbetreuung gegeben ist, spielt die Schulform keine Rolle mehr. Dann ist es egal, ob unser Schulsystem achtgliedrig oder eingliedrig ist. Schulformen an sich sind nur Ideologie. Da Ideologie nichts kostet, können die Parteien sich das prima auf die Fahnen schreiben. Investitionen hingegen erfordern hartes Cash, und da hört der Spaß auf. Was verrückt ist, denn die Bildungsrendite ist im Schulbereich (im Gegensatz zum Hochschulbereich) enorm.

  • Das mit den Ungerechtigkeiten stimmt selbstverständlich


    Diese Behauptung stimmt nicht. Es gibt keine Studie, die das belegt. Gerade im Bildungsbereich sollte man Studien mit besonderer Vorsicht genießen und auf die jeweiligen Auftraggeber achten. Es gibt Studien, die diese These widerlegen und belegen, aber beide Seiten haben bisher keine signifikanten Aussagen getätigt. Dieses Thema ist sehr differenziert und man sollte dieser Komplexität schon gerecht werden, um hier zu konstruktiven Ergebnissen zu kommen... ;-)

  • Diese Behauptung stimmt nicht. Es gibt keine Studie, die das belegt. Gerade im Bildungsbereich sollte man Studien mit besonderer Vorsicht genießen und auf die jeweiligen Auftraggeber achten. Es gibt Studien, die diese These widerlegen und belegen, aber beide Seiten haben bisher keine signifikanten Aussagen getätigt. Dieses Thema ist sehr differenziert und man sollte dieser Komplexität schon gerecht werden, um hier zu konstruktiven Ergebnissen zu kommen... ;-)


    Ich bezog mich hierbei auch nicht so sehr auf Studien, sondern vielmehr auf meine Beobachtungen und denen von einigen anderen, unter anderem (Hauptschul)lehrern. Mag sein, dass es etwas ungeschickt formuliert ist, aber ich persönlich bin mir sehr sicher, dass es da durchaus einen Zusammenhang gibt.

  • Dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Schule ist eine sehr wichtige Instanz, um Gruppengefüge zu lernen.

    Fragt sich aber auch, wieviel von dieser Entwicklung im Klassenzimmer, und wieviel auf dem Schulhof stattfindet. Gerade Lehrern merkt man ja sehr oft an, dass sie das Klassenzimmer so gut wie nie verlassen haben - Schule, Studium, referendieren, Schule. Und an solchen Lehrern merkt man dann auch, dass das eben als Vorbereitung nicht wirklich ausreicht. Schule folgt, wie du auch gesagt hast, festen Regeln - die Gesellschaft aber nicht. Aber gut; auf die Realität kann man sich ja auch schlecht theoretisch vorbereiten. :mrgreen:
    Übrigens; gerade den Punkt mit den zivilisierten Diskussionen halte ich für recht wichtig. Bis zum Berufskolleg hat Schule bei mir ja eher so funktioniert, dass der Lehrer geredet und die Schüler geschlafen haben; ich persönlich habe später den Unterricht bevorzugt, in dem man als Schüler mit seiner Meinung tatsächlich ernst genommen wurde. Wobei aber natürlich auch das nicht als allgemeingültig genommen werden kann; in Japan z.B. wird meines Wissens auch fast nur referiert, und wer nicht aufpasst, hat Pech gehabt... das scheint relativ gut zu funktionieren. Wobei dort auch die Mentalität in vielen Punkten anders ist - viele der internationalen Systeme würden gnadenlos floppen, wenn du sie woanders einsetzen würdest.

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Fragt sich aber auch, wieviel von dieser Entwicklung im Klassenzimmer, und wieviel auf dem Schulhof stattfindet.


    Die Pausen gehören eben auch mehr oder weniger zur Persönlichkeitsbildung; von daher kann man das schon als Schulbildung bezeichnen.


    Wobei aber natürlich auch das nicht als allgemeingültig genommen werden kann; in Japan z.B. wird meines Wissens auch fast nur referiert, und wer nicht aufpasst, hat Pech gehabt... das scheint relativ gut zu funktionieren. Wobei dort auch die Mentalität in vielen Punkten anders ist - viele der internationalen Systeme würden gnadenlos floppen, wenn du sie woanders einsetzen würdest.


    Es ist ja immer die Frage, was man jemandem beibringen möchte. Stumpfe Formeln usw. kann man Menschen sehr gut mit Wiederholen und Referieren einprügeln, aber ich würde behaupten, dass soziale Fähigkeiten dabei zu einem großen Teil auf der Strecke bleiben. Wie du bereits sagtest, die Mentalität ist im asiatischen Raum eine völlig andere, da spielt Leistung eine sehr große Rolle und Freizeit eine eher nebensächliche. Glücklich sind die Menschen damit aber sicher nicht. Tauschen würde ich nicht wollen, denke ich. ;)
    Man muss auch bedenken, dass die PISA-Studie bei weitem nicht ausreicht, um tatsächlich die Fähigkeiten, die ein 15Jähriger seinem Entwicklungsstand nach haben sollte, zu beurteilen - die PISA-Studie prüft ja keine sozialen oder moralischen Kompetenzen.