Sigmund Freud und die Psychoanalyse

  • Auch bei der Traumdeutung von Freud hab ich das gleiche Problem wie bei allen anderen Traumdeutungsversuchen.
    Yen hat ja bereits geschrieben, dass das Thema zu allgemein betrachtet wird, Träume jedoch individuell sind und auch individuelle Aussagen treffen.
    Eine Traumdeutung ist als solches nicht möglich, wenn man die Person nicht genau kennt. Es ist meines Erachtens nach unmöglich zu sagen, dass ein bestimmtes Symbol im Traum bei allen Menschen auf der Welt das gleiche bedeutet. Jeder assoziiert doch z.B auch mit Freude etwas anderes, wenn man nun also einen fröhlichen Traum hat, sieht dieser bei jedem anders aus.
    Dennoch kann man natürlich in einem Gespräch mit einer Person gemeinsam ergründen, was der Traum bedeuten soll, dabei ist es wichtig die Assoziationen der Person zu bestimmten Symbolen zu kennen, ansonsten kann man nur raten.


    Grüße

  • Ich bin kein Freud-freund, aber ein Freund der Erforschung des Unterbewusstseins. Freud war vielleicht einer der ersten (wobei das man so nicht sagen kann) der die unterbewussten Vorgänge darüber aufgegriffen hat, aber in der Jetztzeit finde ich manche Freunsche Theorien einfach veraltet, was nicht heissen soll, dass sie damals nicht richtig waren.


    Das Haus im Traum, in dem der Dachstuhl brennt stellt den Kopf des Patienten dar...sowie der Keller der unter Wasser steht...die Gefahr: bis einem buchstäblich das Wasser bis zum Hals steht. Die einfache und sehr direkte Sprache des Unterbewusstseins.


    Ich geb da aber Kuttensau recht in Bezug Traumdeutung:


    Denn beispielsweise habe ich keineswegs sexuelle Fantasien (wie es ja oft erklärt wird), wenn ich von einem Pferd träume weil ich mich am Tag vorher damit beschäftigt habe.


    Ich habe schon vermehrt von Menschen geträumt denen ich nicht den Tod gewünscht habe, aber die einfach soweit aus meinem Leben verschwunden sind, dass ich geträumt habe, dass sie gestorben sind. Eine unterbewusste Botschaft damit abzuschliessen.

  • Ich weiss nicht, inwiefern ihr Freud's Werke kennt oder nicht, jedoch ist hier zu erwähnen, dass Freud die Individualität der Menschen nie geleugnet hat, im Gegenteil, er hat es mehrfach erwähnt. So sagt er beispielsweise bezüglich der Traumdeutung und Psychoanalyse


    Zitat

    Dazu bedarf es nun einer gewissen psychischen Vorbereitung des Kranken. Man strebt zweierlei bei ihm an, eine Steigerung seiner Aufmerksamkeit für seine psychischen Wahrnehmungen und eine Ausschaltung der Kritik, mit der er die ihm auftauchenden Gedanken sonst zu sichten pflegt. Zum Zwecke seiner Selbstbeobachtung mit gesammelter Aufmerksamkeit ist es vorteilhaft, daß er eine ruhige Lage einnimmt und die Augen schließt; den Verzicht auf die Kritik der wahrgenommenen Gedankenbildungen muß man ihm ausdrücklich auferlegen. Man sagt ihm also, der Erfolg der Psychoanalyse hänge davon ab, daß er alles beachtet und mitteilt, was ihm durch den Sinn geht, und nicht etwa sich verleiten läßt, den einen Einfall zu unterdrücken, weil er ihm unwichtig oder nicht zum Thema gehörig, den anderen, weil er ihm unsinnig erscheint. Er müsse sich völlig unparteiisch gegen seine Einfälle verhalten; denn gerade an dieser Kritik läge es, wenn es ihm sonst nicht gelänge, die gesuchte Auflösung des Traumes, der Zwangsidee u. dgl. zu finden.


    Also ist er sich stets bewusst, dass es viele Informationen vom Patienten braucht, um, wie er es nennt, 'die gesuchte Auflösung des Traumes', zu finden. In seinem Werk "Traumdeutung" versuchte er die Ursachen für die typischen Träume zu klären. Er hat nicht versucht, eine allgemeine Formel für Traumdeutung aufzubauen.

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Das stimmt schon Most.
    Dennoch denke ich hier, das die Traumdeutung nie real sein kann, heißt man wirklich davon ausgehen kann, das der Traum realitätsnah gedeutet wird. Zum Beispiel hat Freud die Sexualität des Menschen in fast allen Bereichen hervorgehoben, so auch im Traum.
    Das war zeitweise eine richtige Gefahr innerhalb der Psychiatrie, so wurden Kinderträume falsch interpretiert und oft wurde hinter etwas harmlosen gleich ein Gewaltverbrechen vermutet.
    Weil ein Kind von einem Wolf (oder großen Hund) träumte... Der Wolf das Symbol der männlichen Dominanz...


    Die Traumdeutung (Oneirologie) hat keine ausreichende Grundlage um den Realitätszustand der Person zu deuten.
    Freud ging davon aus, das der Menschliche Verdrängungsmechanismus eine Art Zensur darstellt und der Traum diese Zensur aufhebt.


    Allerdings kritisiere ich Jung noch mehr, weil er wirklich eine Art Katalog zusammen stellte, der in Esoterischen Kreisen noch immer Bestand hat. Da ist der Mensch an sich uninteressant, hier ist nur die Symbolwirksamkeit von Bedeutung... Gruselig...


    Grüße von Yen.

  • Die Fehlinterpretationen haben aber mit Freud nicht viel zu tun. Wie oben auch schon erwähnt, hat Freud die Individualität des Menschen sehr ernst genommen.


    Meiner Meinung nach hat Freud es geschafft, ein Wissen weiterzugeben, dass wenn man es versteht, seine eigenen Träume deuten kann, weil man nur selbst genügend Informationen hat, um einem Traum eine Bedeutung zu geben. Auch hier kann man natürlich dann nicht jeden Traum deuten, kann aber zumindest vermuten, was da in einem Vorgegangen sein muss oder in welche Richtung es geht.


    Zitat

    Carl Gustav Jung verstand den Traum als unmittelbar deutlich werdende Darstellung der inneren Wirklichkeit des Träumenden, d. h. es bedürfe von diesem keiner freien Assoziationen, um den Traum verstehen zu können.


    Das ist eigentlich genau das Gegenteil der Aussagen von Freud. Finde ich persönlich einfach krank..

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Traumdeutungen sind immer etwas individuelles aber vor allem auch etwas Gesellschaftliches, da der Mensch sein Leben lang mit einer Symbolik aufwächst und diese sich auch im Unterbewusstsein veranktern. In der Kultur und in der Religion werden die selben Smyboliken und Verknüpfungen geschaffen, weswegen man eine allgemeine Grundlage schon hat, die aber durch die Individualität der Menschen gefärbt und beeinflusst wird. Es ist also beides von Nöten, sowohl eine Grundlage (wie von Freud gegeben) als auch das individuelle Wesen eines Menschen.

    Fürchte dich nicht vor dem Mann mit vielen Narben, sondern fürchte den, der sie Verursacht hat.

  • Ich gebe euch beiden recht.
    C.G. Jung war ein Nachahmer - oje hoffentlich setz ich mich jetzt nicht in die Nesseln ;)
    Er hat die Grundideen von Freud geklaut mal kurz gemixt und dann als teils seine eigenen Ideen verkauft.
    Naja er ist ein Thema für sich. Ich kann den Großteil seiner Arbeiten jedenfalls nicht Psychologisch wertvoll werten.


    Freud hat uns was in die Hand gegeben, womit wir arbeiten können - jep, sehe ich auch so. ABER er hat auch genug Material eingebaut um das Ganze sehr individuell zu mischen, genau so wie man es mag. Die Esoterik profitiert von Freud und Steiner.
    Beide Männer haben gutes geschaffen und letztendlich Tor und Tür für Leute geöffnet die sich der Theorien auf materieller Ebene bedienen.
    Schaut euch mal in den Buchläden um, was da alles im Namen der beiden Männer gedruckt ist.
    Und genauso handhabt es sich bei der Traumdeutung.


    Eigentlich können wir nicht mehr von dem Ausgehen, was Freud uns in die Hand gab. Wir müssen von dem ausgehen, was er uns nicht gab...


    Liebe Grüße Yen.

  • Interessantes von Erich Fromm (Schüler von Sigmund Freud) über den Traum


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    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Zitat von MaraFarina

    Die Wissenschaft ist weiter ratlos, was den Traum angeht


    Hallo MaraFarina,


    erstmal willkommen bei uns. Du hast dich ja schon recht umfangreich zu verschiedenen Träumen geäußert. Leider immer recht kurz, es wäre schön, wenn du mal mehr als immer nur einen Satz schreiben könntest. Bei dem obigen Zitat kann ich dir jedoch nicht zustimmen. Was Träume sind und wie sie zustande kommen ist wissenschaftlich schon recht genau geklärt. Und das sie eigentlich keine wirklich Bedeutung haben, sondern nur ein Spiegel dessen sind, was wir am Tag verarbeiten und erlebt haben. Daher solltest du mit solchen pauschalisierten Aussagen recht vorsichtig sein.

  • Willst du hier ne Auflistung haben, wer welche These aufgestellt hat und was davon widerlegt wurde?
    Und wer ist dieser etc?

    "Just because you can't dance, doesn't mean you shouldn't dance" (Alcohol)



    "Good deeds are like pissing yourself in dark pants. Warm feeling, but no one notices." (Jacob Taylor)



  • Ich gehe mal davon aus, du hast dein Ansinnen bereits wie in deinem Thread-Titel formuliert, bei Google eingegeben?


    Ansonsten finde ich, dass dein Begehr nicht konkret genug formuliert ist, ohne dass es für denjenigen, der dir deinen Wunsch erfüllt, mit einem Haufen Arbeit verbunden wäre.


    Ich möchte deinen Wunsch nach Information nicht als naiv bezeichnen, aber um mich bereit zu erklären, dir dabei behilflich zu sein, wünschte ich mir, du würdest dich auf zumindest einen bestimmten Bereich in der Psychologie beschränken; respektive eine bestimmte Person.
    Oder du erklärst mir, worauf dein Projekt hinauslaufen soll.

    "Just because you can't dance, doesn't mean you shouldn't dance" (Alcohol)



    "Good deeds are like pissing yourself in dark pants. Warm feeling, but no one notices." (Jacob Taylor)



  • Freud hat diverse Theorien ohne viele Grundlagen aufgestellt; die waren teilweise schon immer umstritten, da bedarf es dann auch keiner Widerlegungen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Penisneid
    https://de.wikipedia.org/wiki/…ychosexuellen_Entwicklung
    https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dipuskonflikt
    Und so weiter. Die Psychoanalyse ist ne ziemliche Shitshow, und man sollte den Kram nicht mit praktischer Psychologie verwechseln.

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Zitat von Ronin

    Die Psychoanalyse ist ne ziemliche Shitshow


    Woher kommt diese Meinung? Sie ist mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss und in vielen Dingen sehe ich das auch anders, aber als Hilfsmittel und Einstieg ist sie durchaus geeignet. Das die Postulate von Freud heutzutage alle überarbeitet worden sind, ist klar. Aber das ist ja bei allen wissenschaftlichen Hilfsmodellen so und zeichnet Wissenschaft aus.

  • Ich bin froh, dass wir mehr und mehr an nen Punkt kommen, an dem die ursprüngliche Psychoanalyse breit als Esoterik verstanden wird, obwohl es noch immer genug Leute, selbst Psychologen, gibt, die den Kram mit Psychologie verwechseln. "Aus dem Arsch ziehen" ist bei Freud btw keine Übertreibung, Zeug wie Penisneid, Psychosexuelle Entwicklung oder der Ödipuskomplex wurde von dem Mann alles ohne jede Grundlage und Beschäftigung mit Menschen erfunden.
    Wir hätten heute ohne den Kram die moderne Psychologie halt nicht, ebenso wie wir die moderne Wissenschaft nicht ohne Newtons Alchemie hätten.
    Ich mein, was ist nachweislich richtig an Freuds Psychosexueller Entwicklung? Das ist ne rhetorische Frage. Kinder stecken sich gerne Zeug in den Mund; von darauf auf die Existenz von Freuds Oraler Phase zu schließen ist vergleichbar damit, von der Existenz von Schwarzen darauf zu schließen, dass Voodoo funktioniert.
    Okay, das Feld in der Reihenfolge durchzunehmen, in der es sich historisch entwickelt hat, macht einerseits Sinn - hat aber andererseits auch Nachteile. Ich nannte ja grad das Alchemie-Beispiel; stellt euch vor, man beschäftigt sich im Fach Naturwissenschaften erstmal n Jahr lang mit Element-Magie und dem Stein der Weisen (Henning Brand hat auf der Suche danach Phosphor entdeckt, indem er ihn aus Pisse erzeugt hat), bevor dann irgendwann im nächsten Jahr die darauf basierende moderne Chemie drankommt.
    Mit Alchemie hat man sich dann halt n volles Jahr länger und früher beschäftigt.
    Man sollte die Ursprünge kennen, aber irgendwie kommts mir so vor, als könnte man die problemlos auch immer dann einstreuen, wenn man das eigentliche Thema mit seinen aktuellen Kenntnisständen durchnimmt.
    Selbst das Drei-Instanzen-Modell ist essentiell Esoterik. Es ist schonmal hilfreich, wenn es auch nur einen Hinweis darauf gibt, dass ne Theorie zutreffen könnte.
    https://de.wikipedia.org/wiki/…e#Qualit%C3%A4tskriterien
    Ganz interessant bei der Beschäftigung mit Theorien ist auch immer das Spaghettimonster oder Russells Teekanne, die simpel erklären, wieso man nicht einfach ne random Behauptung aufstellen kann, und die dann einfach so lange als valide deklariert, bis sie widerlegt wurde. Alles, was argumentativ in der Art des Spaghettimonsters oder der Teekanne funktioniert, geht schnell in Richtung Esoterik.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Russells_Teekanne
    https://de.wikipedia.org/wiki/…ster#Idee_und_Verbreitung


    Erklärung, wieso speziell das Instanzenmodell sich nicht qualifiziert: https://www.quora.com/Is-Freud…perego-and-Id-falsifiable
    Kein ernsthafter Psychologe akzeptiert das Instanzenmodell als was anderes als ne Metapher - Freud hingegen glaubte daran, dass er knallhart Recht hat und die Psyche wirklich so funktioniert. Er hatte dafür keine Rechtfertigung.
    Die moderne Psychologie ist, u.a. weil so Kram weiterhin gehandelt wird, bekannt als das am schwächsten entwickelte Feld der Wissenschaft. Die Qualitätsansprüche an Thesen, Diagnosen, Klassifizierungen, Therapien, Ausbildung usw. sind gering as fuck. Wir wissen mehr über den Mittelpunkt des Universums als über den menschlichen Verstand.

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  • Dazu auch: Freud hat so ziemlich jedes seiner Konzepte unter massivem Einfluss von Kokain erdacht.
    https://www.vice.com/en_uk/art…the-work-of-sigmund-freud
    Wäre er ne leicht andere Person gewesen, hätte er stattdessen psychologischen Horror geschrieben - konkurrent zu H. P. Lovecraft.

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