Aquatic Ape - die Wasseraffen-Theorie

  • Die Wasseraffen-Theorie besagt, dass unsere Vorfahren während der Menschwerdung einen gewissen Zeitraum amphibisch gelebt haben.


    Was auf den ersten Blick nach ziemlichem Blödsinn aussieht, entpuppt sich nach etwas Grübeln dann doch als ziemlich einleuchtend.
    Immerhin geht es ja nicht darum, dass unsere Vorfahren ausschließlich aquatisch gelebt haben, sondern dass sie ihren Lebensraum in Form von Flüssen, Seen und Meeren (hauptsächlich Uferregionen) auf das Wasser erweitert haben.


    Dazu gibt es sogar einige Indizien, die sich aus unserer Anatomie herauslesen lassen:


    • Der aufrechte Gang:
      Es gibt viele Theorien, woher der Aufrechte Gang kommt: Um einen besseren Überblick zu haben, oder um die Hände frei zu haben.
      Doch einige Forscher nehmen an, dass sie der aufrechte Gang beim Waten durch Wasser entwickelt hat. Das ist ziemlich naheliegend, da unsere nächsten Verwandten (Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang Utans) auch in einen Watgang (also aufrecht auf 2 Beinen und nicht auf allen 4en) verfallen, wenn sie Wasser durchqueren müssen (siehe "Wat-Affen-Hypothese).
      Dazu kommt noch, dass ein vermehrtes Schwimmen das Kippen des Beckens begünstigt haben könnte. So sind wir ja wesentlich stromlinienförmiger als unsere nächsten Verwandten.


    • das Unterhaut-Fettgewebe:
      Wir Menschen besitzen als einzige Primaten ein ausgeprägtes, in Ansätzen wärme-isolierendes Unterhaut-Fettgewebe. Sowas ist bei anderen Säugetieren nur bei Wasserlebenden Arten wie Walen, Robben und Manatees bekannt und nennt sich Speckschicht. Diese isoliert im Wasser viel besser als Fell.
      Unsere Babys haben einen ausgesprochen hohen Anteil an Fettgeweben. Besonders wenn man sie Säuglingen anderer Menschenaffen vergleicht, die wesentlich dünner mit wesentlich geringerem Anteil an Fettgewebe sind.
      Zudem ist die Dichte eines Menschen-Säuglings ziemlich gering - geringer als bei anderen landlebenden Säuglingen - wodurch es einen starken Auftrieb hat (so bescheuert das auch klingt :D ).
      All dass könnte man an eine Anpassung an Wasser sehen. Anders könnte man das Fettgewebe jedoch auch erklären: so meint die gängige Theorie ja, dass das Fettgewebe teil des komplizierten Klimatisierungs-Systems des Menschen ist und zudem als Energiereservenspeicher dient.


    • Der Tauchreflex:
      Neugeborene haben bis zu einem gewissen Alter den Reflex, dass sie die Luft anhalten, wenn das Gesicht mit Wasser in Berührung kommt.
      Zudem erlernen sie das Schwimmen sehr schnell.
      Beides wäre im Falle eines Lebens (teilweise) im Wasser nur förderlich.


      Auch bei Erwachsenen funktioniert der Tauchreflex noch. Die Atmung wird eingestellt und der Herzschlag verlangsamt.
      Ein Argument gegen die Wasseraffen-Theorie hierbei ist jedoch, dass auch andere Landsäuger einen ähnlichen Tauchreflex aufweisen.
      Wie das jedoch bei den Jungtieren aussieht weiß ich nicht.


    • Die großen Füße:
      Für ein an Land lebendes Tier haben wir überproportional große Füße. Damit weichen wir von der Regel ab.
      Behilflich sind uns diese natürlich auch beim aufrechten Gang. Jedoch passen die paddelähnlichen Latschen ja doch auch zu einer schwimmenden Fortbewegung.


    • Der Stimmritzenkrampf:
      ...verhindert das Einatmen von Flüssigkeiten durch Verkrampfen des Kehlkopfes. Dies wirkt sogar noch bei tiefer Bewustseinslosigkeit.
      Haben andere Säuger keinen Stimmritzenkrampf?


    • Die Nase:
      Im Gegensatz zu unseren Verwandten ist unsere Nase nach unten gebogen (bei einigen mehr als bei anderen).
      Dies ist für Strömungsverhältnisse doch ziemlich unpraktisch, da Luft stärker eingesaugt werden muss - es sei denn man denkt ans Tauchen: hierbei kann kein Wasser in die Nase fließen wenn wir uns nach vorne bewegen.


    • Häute zwischen Fingern:
      Der Mensch hat zwischen den Fingern und teils auch zwischen den Zehen dünne Häute, die als rudimentäre Schwimmhäute interpretiert werden könnten.
      Wie stark diese Häute nun ausgeprägt sind unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
      Bei mir persönlich sind diese Häute zwischen Daumen und Zeigefinger besonders ausgeprägt.
      Menschenaffen haben diese Häute übrigens nicht.


    • Die Nacktheit:
      Die gängige Theorie besagt, dass unsere Nacktheit ein Teil der ausgeklügelten Klimaregulierung ist. Jedoch hätte sie auch Vorteile bei einer Lebensweise im Wasser, bzw. könnte von dort herrühren.
      Nasses Fell erleichtert Erkältungen.


    • Die Salzausscheidung:
      Unsere Tränenflüssigkeit hat einen ziemlich hohen Salzgehalt, der so in der Regel nur bei Meeres-Säugern auftritt. Nur der Elefant hat einen höheren Salzgehalt. Aber bei dem gibts auch Theorien über marine Vorfahren.
      Auch unser Schweiß hat einen hohen Salzgehalt (besonders im Vergleich zu anderen Landsäugern).


      Diese Vergleichsweise hohe Salzausscheidung kann damit erklärt werden, dass sie den Salzhaushalt ausgleichen soll, der durch die Aufnahme von Futter aus dem Meer (Fische, Tang, Meeresfrüchte) ziemlich hoch werden könnte.


      Dieser Punkt ist für mich besonders interessant, da er quasi noch einen Schritt weiter geht und die amphibische Lebensweise von Seen und Flüssen an die Meeresküsten verschiebt.


    • Schwimmen und Tauchen allgemein:
      Der Mensch kann nicht nur sehr gut schwimmen, sondern ist auch im Vergleich zu anderen Landsäugern relativ schnell unterwegs. Da gibts nur wenige Arten, die uns im Wasser was vormachen.
      Auch Tauchen kann der Mensch vergleichsweise gut. Die Tauchzeit von 1 Minute beim Durchschnittsmenschen ist auch relativ viel. Wenn man sich dann noch die Apnoetaucher ansieht, dann merkt man doch schnell, dass wir da aus dem Raster fallen.


      Interessant ist auch, dass es den heutigen Menschen ja immer noch zum Wasser zieht. Gebadet wird ja gerne und überall - nicht nur im Sommer zur Abkühlung, sondern auch im Winter zum Spaß (Schwimmhallen, Spaßbäder, etc...).
      Das unterscheidet uns auch von den meisten anderen Primaten...


    In dem Zusammenhang wird auch gerne der Umstand als Indiz genommen, dass Fossilien früher Hominiden häufig in damals feuchten Gebieten gefunden werden.
    Jedoch ist dies mit Vorsicht zu genießen, da Sedimente von Seen und Flüssen die Fossilisation begünstigen.


    Das sich verschiedene Säuger dem Leben an das Wasser anpassen ist auch nix Neues. Man denke nur an die Amphibischen Fischotter oder Eisbären. Gerade letztere weisen doch extreme Unterschiede in Erscheinungsbild und Bau gegenüber ihren nächsten Verwandten, den Braunbären, auf.


    Ganz besonders interessant sind aber die Japanmakaken, bei denen wir direkt beobachten können, wie sich so eine Annäherung an den aquatischen Lebensraum vollzogen haben könnte.
    Japanmakaken sind die rotgesichtigen Kerlchen, die im Winter gerne mal in heiße Quellen hüpfen.
    Der Legende nach ist ihnen dieses Verhalten erst durch Menschen beigebracht worden. So haben die Affen wohl Mönche beobachtet, als diese in den heißen Quellen baden gingen.
    Viel wichtiger ist aber wohl das Affenweibchen Imo:
    1953 haben Forscher Süßkartoffeln auf dem Strand verteilt, um die Makaken ins freie zu locken. Dabei hat das Weibchen angefangen, die Kartoffeln in dem Salzwasser zu waschen und somit zu Salzen (das Waschen von Nahrung war schon bekannt, aber nicht in Salzwasser). Dies wurde von den anderen Affen beobachten und das Verhalten verbreitete sich in der Gruppe.
    Seit dem zieht es diese Gruppe ans Meer, wo sie jetzt hauptsächlich Leben, während Makaken das Meer eigentltich scheuen.
    Wiederholt sich hier die Evolution?


    Mein Fazit zu dieser Theorie:
    Sie ist verdammt interessant, wobei ich mir aber auch noch uneinig bin, was wirklich dran ist.
    Die Argumente dafür lassen sich zwar auch alle anders erklären, jedoch passen sie in ihrer Gesamtheit wirklich hervorragend zu einem amphibischen Leben.
    Ich persönlich kann es mir gut vorstellen, dass wir eine solche aquatische Phase durchgemacht haben.
    Was meint ihr?


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Hallo Davy!


    Vielen lieben Dank für deinen sehr informativen Beitrag zur Wasseraffentheorie!


    Mir sind noch weitere Punkte bekannt, die diese Theorie unterstützen.


    Zum einen leiden viele Menschen schon früh unter Krampfadern. Bei einer maritimen Lebensweise wären diese durch den erhöhte Umgebungsdruck des Wassers überhaupt kein Problem.
    Zudem entwickeln Menschen im Laufe der Jahre zahlreiche Rückenbeschwerden, welche sich auf die Belastung des bipedischen Gangs zurückführen lassen. Beim Waten oder Schwimmen durch's Wasser verringert sich das Gewicht durch den Auftrieb und somit der Druck auf die Wirbelsäule.
    Zum Vergleich: andere sich habituell bipedisch fortbewegende und mindestens ebenso schwere Tiere wie Strauße oder Kängurus haben derartige Probleme nicht.
    Und was tut wir gegen Gelenk- und Muskelbeschwerden? Richtig Kneipp-Kur und Schwimmtherapie.


    Das Waten auf zwei Beinen, welches durch einen hohen Wasserstand erzwungen wird, stellte vielleicht den entscheidenden Katalysator für den vollendeten aufrechten Gang dar.
    Auffallend ist zudem, dass wir Menschen die einzigen Hominiden sind, welche die Arme effektiv seitwärts bewegen können und diese Bewegung auch durch Muskeln unterstützen. Dies ist für das Schwimmen (dem Voranziehen im Wasser mit den Armen) sehr vorteilhaft. Diese Bewegung war es auch, die uns das kraftvolle Werfen von Steinen und Speeren ermöglichte.


    Liebe Grüße, Sina

    "Man behauptet von mir, ich sei wahnsinnig - aber es ist doch die Frage, ob der Wahnsinn nicht die höchste Stufe der Durchgeistigung ist."

    -Edgar Allan Poe


    "Ausländer sollen anständiges Deutsch sprechen? Was ist "anständiges Deutsch"? Die meisten Kölner können schon in der Eifel nicht mehr nach dem Weg fragen."

    -Volker Pispers

  • Danke für die Erweiterung, Corax!


    Zitat von Corax

    Zum einen leiden viele Menschen schon früh unter Krampfadern. Bei einer maritimen Lebensweise wären diese durch den erhöhte Umgebungsdruck des Wassers überhaupt kein Problem.

    Darüber habe mich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Entstehen Krampfadern durch einen zu hohen "Innendruck"?


    Zitat von Corax

    Zudem entwickeln Menschen im Laufe der Jahre zahlreiche Rückenbeschwerden, welche sich auf die Belastung des bipedischen Gangs zurückführen lassen. Beim Waten oder Schwimmen durch's Wasser verringert sich das Gewicht durch den Auftrieb und somit der Druck auf die Wirbelsäule.

    Stimmt!
    Damals in Bio hieß es bei uns noch, dass der Mensch noch nicht perfekt an den Aufrechten Gang angepasst ist und daher Rückenprobleme entwickelt.
    Aber vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass uns die Entlastung durch lange Wat- und Schwimmphasen einfach fehlt.
    Definitiv ne Überlegung wert! :readit:


    Zitat von Corax

    Zum Vergleich: andere sich habituell bipedisch fortbewegende und mindestens ebenso schwere Tiere wie Strauße oder Kängurus haben derartige Probleme nicht.

    Da passt der Vergleich jetzt aber leider nicht.
    Das Känguru ist ja nicht rein bipedisch. Beim aufrechten Stehen stützt es sich mit dem Schwanz ab (verlagert also auch einen Teil des Schwerpunktes nach hinten), und beim Langsamen vorwärts bewegen nutzt es alle 4 Beine + Schwanz. Nur beim Schnellen Hüpfen werden rein die Hinterbeine genutzt. Das hält sich im Rahmen und das Känguru hat ja genug Entlastungsmöglichkeiten.
    Der Strauß geht zwar auch nur auf 2 Beinen, läuft aber nicht aufrecht, sondern immernoch "horizontal".


    Aber deine Beispiele bringen mich auf einen anderen Aufrechtgeher: den Pinguin!
    Nehmen wir jetzt mal den Kaiserpinguin mit 1,20m und 40 Kilo.
    Der (oder Pinguine allgemein) hat seinen aufrechten Gang doch auch seiner marinen Lebensweise zu verdanken (Stromlinienförmigkeit).
    Und Trotz der Verhältnismäßig enormen größe scheint er auch keine Rückenprobleme zu bekommen, da er seinen Aufrechten Gang durch Entlastungsphasen im Wasser unterstützt...


    Edith:  Dirk :
    Seitenhieb wegen der Meermaid-Doku? Oder ernst gemeint?


    lg Davy

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  • Hallo Davy, nein ich meine das Ernst, ich spinne jetzt mal rum. Wenn es früher Menschen gab, die im Wasser lebten und mit Delphinen und Tümmlern harmonierten oder gar zumsammen lebten quasi koexistierten oder vielleicht sogar symbiotisch zusammenlebten, würde das nicht erklären, wieso Delphine so unverständlich freundlich zu Menschwen sind? Vielleicht erinnern oder vielleicht ist es angeborenes Verhalten, das Menschen mit Delphinen zusammenleben und sie deshalb so auf uns fixiert sind bzw. uns verteidgen und helfen. Das meine ich echt ernst.

  • Dirk, du solltest dir wirklich mal die Mermaid-Moku ansehen, die ich im Filmbereich gepostet habe! :D


    Zitat von Dirk

    Wenn es früher Menschen gab, die im Wasser lebten und mit Delphinen und Tümmlern harmonierten oder gar zumsammen lebten quasi koexistierten oder vielleicht sogar symbiotisch zusammenlebten,

    Würde aber bedeuten, dass diese aquatische Phase des Menschen wirklich an die Meeresküsten anzusiedeln ist, und nicht nur an Flüssen und Seen...


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Klingt ein wenig nach Sommerlochtheorie oder gar nach UL.


    Aufrecht gehen kommt von Savannenbewohnern, in offenen Landschaften war das sinnvoll wenn man die körperlichen Voraussetzungen dazu hat. Unsere Vorfahren werden zwar auch in Gewässernähe gelebt haben, von einer amphibischen Lebensweise kann man da aber noch lange nicht reden. Fellrückgang hat mit Schweiß zu tun.


    Krampfadern und Rückenprobleme sind klassische Zivilisationserkrankungen bzw. Arbeitsschäden usw.


    Bei der Delphinfreundlichkeit muss man auch Romantikgeschichten von Tatsachen trennen. Die Wissenschaft ist sich da noch nicht ganz einig, allerdings vermutet man dass der Mensch einfach nicht ins Beute/Feindschema der Tiere passt und die Freundlichkeit eher Neugier/Erkundung ist.

  • Fellrückgang hat mit Schweiß zu tun.

    Das kann man so nicht stehen lassen. Hast du mal ein Pferd nach der Arbeit gesehen? Wenn man da mit dem Schweißmesser entlang streicht, schüttet der Schweiß an dem Tier runter wie ein Regenguss. Dennoch haben diese Tiere durchgehend Fell (mit Ausnahme der Nase, dort befinden sich lediglich kurze weiche Tasthaare).


    Okay, ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und gehe mal die Säugetiere durch, die, neben uns Menschen, kein Fell haben (auch keine Borsten).
    Spontan fallen mir da folgende ein
    -Flusspferde
    -Walartige
    -Seekühe
    Na, fällt was auf?


    @ Davy: entschuldige bitte, ich hätte deutlicher ausführen sollen, dass ich mich bei den Kängurus und Straußen auf die Krampfadern bezog. ;)
    Rückenprobleme können Strauße ohnehin nicht bekommen, da sie, wie die meisten Vögel, eine starre Wirbelsäule im Bereich der miteinander verwachsenen Brustpartie haben.


    Noch eine sehr vorsichtige Anmerkung. Sich von salzigen Meerestieren ernährende Tiere verfügen meist über spezielle Drüsen zum Ausscheiden von Salz (http://de.wikipedia.org/wiki/Salzdr%C3%BCse).
    Ziehen wir jetzt den Menschen zum Vergleich heran, wird klar dass wir sogar sehr viele Möglichkeiten haben, Salz auszuscheiden. Zum einen, wie alle anderen Tiere über den Urin, dann zu einem Großteil über den Schweiß und dann haben wir noch die Tränendrüsen und die Mund- und Rachenschleimhäute. Hier müsste man aber zusätzlich prüfen, wie sich der Salzgehalt dieser Ausscheidungen bei anderen Tieren verhält.


    Hochinteressant ist diese Theorie allemal!


    Ach ja, jetzt kommt's ja erst noch. ;)
    http://www.spiegel.de/wissensc…mpel-finger-a-876315.html
    Von Meeresfrüchten zu Schrumpelfingern.


    Gruß, Sina

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  • Klingt ein wenig nach Sommerlochtheorie oder gar nach UL.

    Es doch keine UL! Es ist eine Wissenschaftliche Theorie.
    Und Sommerloch-Theorie? Die Theorie wurde 1960 publiziert (aufgestellt vermutlich schon 1930). Das ist aber ein verdammt langes Sommerloch... :P


    Aufrecht gehen kommt von Savannenbewohnern, in offenen Landschaften war das sinnvoll wenn man die körperlichen Voraussetzungen dazu hat.

    Du redest ja grade so, als wäre das bewiesene Tatsache.
    Genau genommen ist es doch auch nur eine Theorie, dass sich der Aufrechte Gang aus der Ausblick-Position entwickelt hat.


    Unsere Vorfahren werden zwar auch in Gewässernähe gelebt haben, von einer amphibischen Lebensweise kann man da aber noch lange nicht reden

    Und hier schon wieder. Woher willst du das denn genau wissen?
    Alles nur Theorie...


    Fellrückgang hat mit Schweiß zu tun.

    Auch nur ne Theorie (wie ich im Eingangspost auch schon geschrieben habe).
    Aber grade hier ist doch Corax Einwand interessant, dass Pferde auch schwitzen. Hornträger, Kamele und andere Primaten schwitzen übrigens auch (und haben alle auch Fell)...


    Krampfadern und Rückenprobleme sind klassische Zivilisationserkrankungen bzw. Arbeitsschäden usw.

    Sowas sagt sich immer schnell. Aber ist es auch wirklich so?
    Grade bei Rückenschmerzen kann ich mir gut Vorstellen, dass unsere Spezies die schon immer hatte.


    Noch eine sehr vorsichtige Anmerkung. Sich von salzigen Meerestieren ernährende Tiere verfügen meist über spezielle Drüsen zum Ausscheiden von Salz

    So vorsichtig brauchst das gar nicht anmerken.
    Das ist definitiv ein weiteres Indiz/Argument.
    Dazu habe ich im Eingangspost ja auch schon was geschrieben:

    Die Salzausscheidung:
    Unsere Tränenflüssigkeit hat einen ziemlich hohen Salzgehalt, der so in der Regel nur bei Meeres-Säugern auftritt. Nur der Elefant hat einen höheren Salzgehalt. Aber bei dem gibts auch Theorien über marine Vorfahren.
    Auch unser Schweiß hat einen hohen Salzgehalt (besonders im Vergleich zu anderen Landsäugern).


    Diese Vergleichsweise hohe Salzausscheidung kann damit erklärt werden, dass sie den Salzhaushalt ausgleichen soll, der durch die Aufnahme von Futter aus dem Meer (Fische, Tang, Meeresfrüchte) ziemlich hoch werden könnte.


    Dieser Punkt ist für mich besonders interessant, da er quasi noch einen Schritt weiter geht und die amphibische Lebensweise von Seen und Flüssen an die Meeresküsten verschiebt.

    Nur der Elefant ist das einzige Landlebende Säugetier, dessen Tränen salziger sind als unsere. ;)


    Ach ja, jetzt kommt's ja erst noch.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensc…r-a-876315.html
    Von Meeresfrüchten zu Schrumpelfingern.

    Verdammt interessant!


    Diese Theorie wird für mich, so blödsinnig sie am Anfang auch klang, immer wahrscheinlicher...


    lg Davy


    PS: Sina, ich hab mal deinen Wiki-Link gefixt. ;)

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Recht viel habe ich dazu eigentlich nicht zu sagen da mir das ganze zu sehr in die Tiefe geht und ich nicht wirklich Zeit habe mich in die einzelnen Punkte einzulesen, aber einer der Punkte stört mich gewaltig.


    Zitat von Davy Jones

    Der Tauchreflex:
    Neugeborene haben bis zu einem gewissen Alter den Reflex, dass sie die Luft anhalten, wenn das Gesicht mit Wasser in Berührung kommt.
    Zudem erlernen sie das Schwimmen sehr schnell.
    Beides wäre im Falle eines Lebens (teilweise) im Wasser nur förderlich.

    Hat das nicht eher damit zu tun das wir unsere ersten 9 "Lebens"-Monate im "Wasser" verbringen.
    Gerade das mit dem "Luft anhalten" ist in der Fruchtblase extremst notwendig. Und schwimmen an sich kann mann das ja noch nicht wirklich nennen, das ist doch eher ein Auftreiben wegen des Körperbaus (viel Fett) gepaart mit leichten Bewegungen.


    Ansonsten klingt die Theorie ziemlich interessant. ;)

    Ich kenn keinen sicheren Weg zum Erfolg, nur einen zum sicheren Misserfolg - es jedem recht machen zu wollen. "Platon"

  • Die Savannentheorie stützt sich durchaus auf Fossilien, die der "Wasseraffen" hingegen nicht. Davon abgesehen würden Primaten den überhaupt einen guten Wassersäuger abgeben? Ich zweifle da doch ein wenig.


    Das Salzwasserschlucken/-trinken ist für Menschen durchaus problematisch und spricht schonmal gegen eine "Meerestauglichkeit". Das Ausscheiden alleine ist nicht ausreichend.


    Wegen Krampfadern bin ich bereits operiert worden, Ursache mangelnde durchblutungsförderne Bewegung und Ernährung spielt auch ne Rolle. Die heutigen Arbeitsschutzbedingungen bzg Heben von Sachen kommen nicht von ungefähr.

  • at das nicht eher damit zu tun das wir unsere ersten 9 "Lebens"-Monate im "Wasser" verbringen.
    Gerade das mit dem "Luft anhalten" ist in der Fruchtblase extremst notwendig.

    Hmm, daran hab ich noch nicht gedacht.
    Aber warum sollte der Reflex dann noch nach der Geburt erhalten bleiben (so ca. 10 Monate danach)?


    Und schwimmen an sich kann mann das ja noch nicht wirklich nennen, das ist doch eher ein Auftreiben wegen des Körperbaus (viel Fett) gepaart mit leichten Bewegungen.

    Naja, diese "leichten Bewegungen" kommen Schwimmbewegungen aber schon nahe.
    Guck mal hier ab ca. 1:40:
    http://www.youtube.com/watch?v=bxSKb85EBb8


    lg Davy

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  • Ach ja, das Salzthema hattest du ja schon erwähnt, man, bin ich heute schusselig... ;)


    Es gab mal eine nette Dokumentation zu diesem Thema. Sie hießt glaube ich, "Das Geheimnis des aufrechten Gangs". Dort wurden beide gängigen Theorien zum aufrechten Gang ausführlich erläutert und eine Lanze für die Aquatic Ape-Theorie gebrochen. Fand ich sehr interessant.
    Es scheint, als wäre dieser Dokumentation ein Buch voran gegangen:
    http://www.amazon.de/Das-Gehei…s-Evolution/dp/3406516068


    Ach, wollte der Link nicht? Dann danke für's fixen. ;)


    Zitat von Nachdenker

    Das Salzwasserschlucken/-trinken ist für Menschen durchaus problematisch


    Ein Löffel Salzist auch für eine Möwe tödlich, da eine derartige Menge nicht so schnell abgebaut werden kann. Man muss das Beispiel ja nicht ins Unrealistische verzerren.


    Ich denke, den psychologischen Effekt darf man hierbei auch nicht außer Acht lassen, auch wenn er viel zu oft als sentimntaler Quatsch unter den Teppich gekehrt wird. Mir fällt dazu ein, dass unser Ausbilder damals sagte: "Mit einem Flusslauf oder Wasserfall in einem Tiergehege kann man nie etwas falsch machen. Sich bewegendes Wasser reißt den Blick der Besucher sofort an sich." Was nichts anderes als eine Marketingstrategie sein sollte, zeigt mir, dass Wasser die Menschen förmlich anzieht.
    Erst vorgestern dachte ich darüber nach, warum ich eigentlich an den Strand gehe um Spaß zu haben, obwohl ich nie richtig ins Wasser gehe, wegen der dreckigen Nordsee. Im Gras in der Sonne liegen kann ich schließlich auch zuhause. Seltsam, oder? Ich kam zu dem Schluss, dass es einfach die Nähe des Meeres sein muss. Der Geruch und die Geräusche.
    Und welches Kind kommt trocken an einer Pfütze vorbei? ;)
    Und die meisten würden nach einem großzügigen Lottogewinn ein Plätzchen auf einer einsamen Insel der Savanne vorziehen. Es gibt übrigens auch mehr Insel-Wallpaper im Internet, als Savannen-Wallpaper. :D
    Meeresrauschen wird von den meisten Menschen als sehr angenehm empfunden.


    Gibt es dazu noch mehr Meinungen?


    Gruß, Sina

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    -Volker Pispers

  • Es scheint, als wäre dieser Dokumentation ein Buch voran gegangen:
    http://www.amazon.de/Das-Geheimnis-aufre…n/dp/3406516068

    Brrrrr, gesalzene Preise für gebrauchte Exemplare. :?
    Werd mich die Tage mal anderweitig nach dem Buch umsehen.


    Hier übrigens der Plot zur Doku (die ich auch verpasst hab :| ):
    http://www.arte.tv/de/programm/244,em=043843-000.html
    Auch das werd ich im Auge behalten! Danke für die Infos!


    Ich denke, den psychologischen Effekt darf man hierbei auch nicht außer Acht lassen.

    Hierbei wird ja vielfach argumentiert, dass es den Menschen generell zu Wasserstellen zieht.
    Dabei fällt aber das Meer raus, da das Wasser für uns ja nicht genießbar ist. Aber warum ist "Urlaub am Meer" denn so beliebt? ;)
    Ich finde den Gedanken, dass es uns hier zu unseren Wurzeln zieht, sehr schön.


    Nebenbei ist die Salzige Meeresluft auch noch gesundheitsfördern. Meine Allergie zum Beispiel setzt immer komplett aus, solange ich mich an der Küste aufhalte...


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Meeresurlaub assozieren wir mit Erhohlung, schönes Wetter und auch mit Sex (knappe Badesachen z.B.). Von natürlichen Instinkten zum Meer würde ich aber trotzdem noch nicht sprechen.


    Weite Landschaften wie die Savanne verbindet man wohl mit Öde, Mancheiner aber auch mit Freiheit und Entdecken.

  • @ Lilliana: das ist ein sehr interessanter Artikel! Danke dafür! :thumbup:


    ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist aber ich kann alle Zehen waagerecht von einander abspreizen. Also Großer Zeh und kleiner Zeh weit zu den Seiten und die mittleren Zehen in einem gleichmäßigen Abstand zueinander. Quasi wie einen Fächer (keine Angst, Schwimmhäute habe ich nicht!). :D
    Hab gehört, dass das nicht jeder kann. Wer's auch kann, bitte melden! :mrgreen:
    Vielleicht hatte dieses Talent ja mal eine sinnvolle Funktion? ZB. das Aufspannen von Schwimmhäuten?


    Gruß, SIna

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  • Corvus Corax


    Schön, dass du ihn auch interessant findest. :)
    Nix zu danken. Bin ja froh, wenn ich auch mal was beitragen kann. :)


    Darüber habe mich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Entstehen Krampfadern durch einen zu hohen "Innendruck"?

    Im Prinzip ja.
    Sie entstehen bespielsweise durch langes stehen oder sitzen.Wenn das umliegende Gewebe zu wenig Druck aufbaut und die Muskelpumpe in den Beinen nicht ausreichend aktiviert wird, kann das Blut nicht adäquat zurück zum Herzen gepumpt werden und versackt in den Venen. Dadruch dehnen sich die Venen immer weiter aus und die Venenklappen können sich nicht mehr richtig schließen.
    Der Köper versucht diesen Vorgang zu kompensieren, indem er das Blut über die oberflächlichen Beinvenen abtransportiert.
    Das Resultat sind kleine ( teils auch recht große) unschöne Besenreiser. :/




    Ich habe noch ein Beispiel für den Übergang von Affen an eine semi-amphibische Lebensweise gefunden:


    Der Javaneraffe (Macaca fascicularis):
    Er kommt in Südostasien,Thailand,Indonesien und den Philippinen vor und gehörtwohl einer Pavianat an.
    Er lebt in Wäldern, die in der Nähe von Gewässern liegen. Er schwimmt und taucht häufig mit geöffneten Augen.
    Zu seiner Lieblingsnahrung gehören Krabben, die am Strand ausgegraben und gewaschen werden.

  • Als ich die Überschrift gelesen habe und nicht auf den Threadersteller achtete dachte ich mir zuerst was wohl nun wieder für Schwachsinn kommt, aber der Wikipedia Artikel hat mich sofort gepackt und ich habe ihn ganz gelesen. Wirklich sehr interessant!


    Nun ich habe mal in einer Doku über den Ursprung des Menschen gesehen, dass sich der Homo Sapiens wohl Anfangs in der Nähe des Meeres aufgehalten hat und sich entlang der Küste ausbreitete, da das Meer als zusätzliche Nahrungsquelle diente.
    Irgendwann im Urlaub am Meer wo ich absolut glücklich war weil es dort so superschön war fiel mir plötzlich wieder diese Doku ein und ich sah einen Zusammenhang.
    Ich dachte mir dass die Liebe zum Meer wohl sehr tief verwurzelt ist. Vielleicht sogar noch verwurzelter als ich damals dachte.
    Ich denke es ist etwas an der vorher erwähnten Meer-Urlaubstheorie dran.


    Etwas anderes was mir noch einfällt ist die Attraktivität von Schwimmern.
    Wenn man Leute fragt welche Sportler die schönsten sind dann wird meistens gesagt "Schwimmer" oder "Sprinter" und beides passt gut auf biologische Attraktivität Selektion. (keine Ahnung wie ich das nennen soll^^)


    Es gibt unzählige andere Sportarten, die zwar vielleicht eigentlich biologisch und evolutionär gesehen attraktiv sein müssten, es aber nicht sind, wie
    Dauerläufer, Strongmans (nicht Bodybuilder sondern die, die Truckreifen umdrehen etc.),