Was passiert, wenn die Erde aufhört sich zu drehen?

  • Gerade diese Frage in einer Zeitung gelesen, dachte ich, dass es doch eine Diskussion hier im Forum Wert ist.



    So ich habe zwar kein fundiertes naturwissenschaftliches Wissen, jedoch nehme ich an, dass jegliche Kreisläufe sich auf der Erde verändern würden, was Folgen für alles hätte. Tiere würden aussterben, vielleicht würden neue Arten entstehen, doch schlussendlich denke ich, dass kein Leben mehr auf der Welt existieren könnte, weil sich das Gleichgewicht kippen würde.


    Was denkt ihr? :)


    Edit Ricya: Titel korrigiert!

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Mostwanted,


    mein Kompliment, mal wirklich ein schönes Thema. Mir fallen auch direkt so viele Dinge ein. Meeresströmungen die versiegen, Luftströmungen, also globale, die nicht mehr rotieren, aber ich glaube am schlimmsten ist der Verlust des magnetischen Schildes, der durch die Erdrotation gespeist wird. Das heißt die Elementarstrahlung der Sonne trifft uns dann ungebremst. Zweitens wird dann ja eine Erdhalbkugel permanent beleuchtet. Das ist für Pflanzen und Tiere nicht besonders gut, wäre aber noch zu verkraften. Viel schlimmer ist aber, das diese Seite sich aufheizt, während die andere Seite abkühlt und in ewiger Nacht versinkt. Das wiederum bekommt Pflanzen und Tieren und auch dem Menschen gar nicht.
    Leben wäre wohl nur noch in einem schmalen Mittelstreifen zwischen den beiden Seiten im Zwielicht möglich. Dummerweise kreist die Erde aber weiter um die Sonne, so das sich dieser Bereich verschiebt. Überleben wäre also nur für eine extrem mobile und kleine Gesellschaft möglich, die ihre Ressourcen inklusive Pflanzen und allem mitführt.
    Das Leben an sich wird aber weiter auf der Erde bestehen. Schon jetzt gibt es Tiere, die einen Halbjahresrhytmus haben. Ähnliches wäre dann hier zu erwarten.

  • Hmmm gute Frage, was sich alles ändern würde :?


    Auf jeden Fall würden sich die Lebewesen auf der "dunklen Seite" der Erde warscheinlich ziemlich verändern, sprich die Augen werden eher unwichtig, dafür werden Geruchs und Hörsinn stark verbessert, eben für die Jagd im dunklen .


    Für die Menschen auf der dunklen Seite wäre es auch sicher schlimm, sie benötigen einerseits viel mehr Strom für Lichtquellen und sowieso werden die blass werden wie ne Weißwurst :D


    Hingegen auf der hellen Seite würde sich dann sicher viel Strom aus Solar-Technologie ziehen lassen . Aber den ganzen "Tag" Licht ausgesetzt zu sein fänd ich besser als ständig im düsteren zu sitzen ;) Noch zu bedenken, wäre, dass bei Regionen ja dann dauerhaft Abendrot ist :/


    Insgesamt kann ich mir ein Leben ohne den Tag-Nacht Rythmus nicht vorstellen .

  • Nabend,


    wenn die Erde aufhört sich zu drehen, würde alles in Richtung der ehemaligen Drehung gerissen. Massenträgheit und so. Wir bewegen uns ja irre schnell. Alles würde überflutet und dem Erdboden gleich gemacht. Größere Lebewesen würden einfach zerrissen werden.
    Danach hätten wir eine ziemlich heisse Erdseite, und eine sehr kalte. Das Leben könnte sich vielleicht an der Übergangszone wieder erholen. Den Menschen könnte das egal, die gäbe es nicht mehr. Wir würden buchstäblich weggefegt.


    Grüße,


    DocMaT

  • Zitat von Nachdenker

    kam schonmal auf N24 "Der Tag an dem die Erde stillstand".

    Naa, kriegen wir noch mehr Infos aus dir herausgekitzelt? Zum Beispiel zu welchen Ergebnisse N24 in der Doku kam? ;)


    Zitat von DocMat

    wenn die Erde aufhört sich zu drehen, würde alles in Richtung der ehemaligen Drehung gerissen. Massenträgheit und so. Wir bewegen uns ja irre schnell.

    Na, ich geh mal davon aus, dass wir nicht abrupt stoppen, sondern uns langsam ausdrehen. Ich könnte mir jetzt nichts vorstellen, wass die Drehbewegung abruppt stoppen könnte...


    Zuerst einmal müssten wir klären, was nicht mehr drehen (im Bezug zur Sonne) bedeutet.
    Fall A: Würde die Erde vollkommen starr um die Sonne kreisen, dann gäbe es immernoch einen Tag-Nacht-Rhythmus. Dieser würde dann halt ein Jahr lang dauern.
    Fall B: Wenn sich die Erde allerdings mit der Sonne mitdrehen würde, dann würde grundsätzlich eine Seitedauerhaft der Sonne zugewandt sein, während die Andere auf Ewig im Schatten liegt (also Amerika im ewigen Tag, Asien in der ewigen Nacht).


    Danach kommt die Frage, wie stark sich eine der Sonne zugewandete Erdseite überhaupt aufheizen kann.
    Von welchen Temperaturen reden wir denn bei Fall B? Würden diese poteziell immer weiter steigen? Wo ist Schluss? (gleiche Fragestellung gilt natürlich auch im negativen für die Abgewandte Seite)
    Bei Fall A dürften die Temperaturen ja nicht so drastisch sein, da sich das ganze innerhalb eines Jahres ja wieder abkühlen würde.


    Was aber definitiv zu den unwirtlichen Temperaturen hinzu kommen würde wären (besonders bei Fall B) starke Stürme zwischen Tag- und Nachtseite, hervorgerufen durch den Temperaturunterschied. Diese würden auch den Schmalen Streifen Erde mit angenehmer Temperatur sehr unwirtlich machen...


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Na dann krame ich mal ich in TV-Erinnerungen. Tatsächlich käme die Erde langsam zum stehen. Es kommt bei Tagesseite auf ca. 6 Monate Sonnenschein mit unerträglicher Hitze und auf der Nachtseite bei gleicher Länge zu polarähnlicher Kälte. Menschen überleben es, aber nicht alle, und dann nur in der gemäßigten Dämmerzone. Daß auch Flora und Fauna sich nicht so schnell umstellen kann ist klar. Bereits vorher kommt es aber schon zu enormen Ausdehnungen der Tag/Nachtzeiten mit enormen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Menschen. Bei Helligkeit schlafen wird nicht jeder können, bei Dunkelheit aktiv sein wird auch nicht einfacher, vor allem da ja jetzt schon viele mit Winterdepressionen zu tun haben.

  • Schönes Thema, wirklich.


    Grundsätzlich hat Davy mit seinem Beitrag aber eigentlich alles erklärt was passieren würde.
    Das wäre ein noch krasserer Einschnitt in die Evolution als die Meteoriteneinschläge, oder die Detonation vom Yellowstone. Alles müsste sich ändern. Aber wenn ich so darüber nachdenke wäre das der Tod für so ziemlich jedes Lebewesen hier. Die Meeresströmungen würden zum erliegen kommen, zumindest "vorrübergehend" bis sich ein neues Gleichgewicht eingestellt hat. Da würde unsere Nahrungskette bereits kollabieren. Das Phytoplankton würde nicht mehr durch die Strömungen mitgerissen werden etc. Dadurch würden bereits viele Lebewesen verenden. Das überträgt sich auch auf's Land, kaum eine höher entwickelte Spezies könnte sich schnell genug anpassen und würde durch den 6 monatigen oder permanenten, im Falle der gebundenen Rotation, Winter und Sommer kaputt gehen. Wir Menschen könnten es durch unser Hirn schaffen. Entsprechende "Bunker" auf der Sonnenseite würden vor der Hitze schützen und diese Bunker wären auch für den Winter geeignet. Problematisch wird dann aber in jedem Fall die Versorgung mit Nahrung. Viele Nutztiere wären nicht mehr da, oder diese würden horrende Preise auf den Märkten erreichen -> und wir kennen ja den Menschen und seine Gier.


    Bei unseren lieben Insekten, den Spinnentieren und so sehe ich da eher keine Probleme. Zum einen wegen der hohen Reproduktionsrate und zum andere ist es evident, dass diese Spezies teilweise schon mehrere Dutzend millionen Jahre hier rumwandern.

  • Ich denke ein Problem ist auch das versiegen der Ströme sowohl der maritimen als auch der Luftströmungen.


    Würd die Erde aufhören zu kreisen würde das sicher extreme auswirkungen auf die Bewegungen der Luft und des Wasseres haben.
    Große Ströme würden aufhören zu fliesen und die Wassermassen würden mit sicherheit auch ihre momentane Betten und Wege verlassen.


    Interessant wäre sicher auch die Auflösung der Pole und das Neubilden eines neuen großen Poles auf der von Sonne abgewandten Seite. Dieser Pol dürfte wesentlich größer werden und westenlich mehr Wasserbinden als die bisherigen.
    Die der Sonne Zugewandte Seite dürfte auser der starken Hitze und der stehenden Luft auch sehr bald Probleme mit Wasserknappheit bekommen.


    Wie sich ein stehen bleiben der Erde auf die Verschiebung der Platten oder die Seismischen aktivitäten auswirken würde kann wohl nur gerate werden. Kommt vermutlich auf den Grund an. Ich denke mal ohne Rotation dürfte der Kern auch wesentlich abkühlen wenn die Reibungs/Bewegungserngie fehlt. Ohne Bewegung müsste es an den Plattengrenzen schnell zu großen Ausbürchen kommen und dann sehr bald zu keinen mehr da das Magma wohl eher in tieferen schichten heiß bleiben wird und nicht mehr zur Oberfläche dringen wird.

  • Ein sehr interessantes Thema!


    Ich stelle es mir auch so vor:


    -Die Erde würde/könnte sich "austrudeln". Licht von Tag zu Nacht würde von Monat zu Monat zunehmen, d.h. in den ersten Wochen nur Tageslicht. Das würde sich ändern bis hin zum Stillstand (Fall A wie Davy schon schrieb)
    Das wäre der sog. Endpunkt. Dann wäre auf der einen Seite der Erde nur Tag, wogegen auf der anderen Seite nur Nacht wäre. Ob dieses Geschehen sich auf auf die Zeit auswirken könnte? Villt. ein ganz anderes Zeitgefühl der Menschen?
    Die Temperaturen stelle ich mir so vor, würden ganz allmählich ins Extreme gehen - bis zum Tag zur maßlosen Hitze, Nacht extreme Kälte, die wir uns jetzt nicht vorstellen können...
    Auch der Meeresspiegel würde sich evtl. verändern, obwohl Ebbe und Flut nicht mehr existieren. Doch könnte ich mir vorstellen, dass einige Teile von Festland überspült werden könnten, während Teile der Meeresboden zutage treten könnten.
    die Atmosphäre würde sich auch allmählich auflösen.
    Noch eine gewisse Zeit könnten die Menschen, Flora und die Fauna überleben, bis alles auf Null steht.


    Was für ein grausiger Gedanke !! :shock:

    Warum produziert die niederbayerische Filmgruppe gern Filme?


    "Weil wir auch Extremsituationen im Film durchleben können, die wir aber im wirklichen Leben nicht erleben möchten".

  • Vielleicht denke ich jetzt falsch, aber es gäbe auch bei Stillstand einen Tag-Nacht-Rhytmus.
    Da die Erde sich um die Sonne dreht, würde nie die selbe Seite der Sonne zugewandt sein. Ein Tag wäre dann nicht mehr 24 Stunden lang sondern 8760 Stunden, also 365 Tage. Ein Jahr halt.
    Das würde bedeuten ein halbes Jahr Tageslicht, ein halbes Jahr Nacht.


    Das würde so ziemlich alles Leben auf der Welt auslöschen vermute ich stark, da es bereits nach einem Zyklus keine (oder nur sehr sehr wenige) Pflanzen mehr geben würde.
    Auf einer Seite der Erde würde man schier verbrennen und auf der anderen erfrieren. Das würde auch nur ein kleiner Bruchteil der Lebewesen überleben, vielleicht Kellerasseln und Kakerlaken.


    Allerdings ist gut vorstellbar, dass sich neue Lebensformen entwickeln würden.

  • Da denkst du tatsächlich falsch. Denn bei diesem Szenario würde sich die Erde ja noch um ihre eigene Achse drehen, es wäre nur eine Eigenrotation genau so lang wie die Dauer für eine Umdrehung um die Sonne. Bei fehlender Eigenrotation müsste immer der selbe Punkt der Erde in Drehrichtung um die Sonne zeigen, somit wäre eine Seite der Erde permanent der Sonne zugewandt und die andere permanent in Dunkelheit gehüllt.

    Das Glück des Forschers besteht nicht darin, eine Wahrheit zu besitzen, sondern die Wahrheit zu erringen.
    - Max Planck -

  • Also ich habe jetzt mal ganz banal zwei Golfbälle genommen, den einen auf den Tisch gelegt und den anderen starr ohne Rotation um den "Sonnenball" gedreht und da hat sich die zugenwadte Seite immer geändert.
    Um die selbe Stelle immer der Sonne zuzuwenden müsste sich die Erde minimal drehen.


    Bestes Beispiel ist doch der Mond. Der dreht sich genau so schnell um die eigene Achse, wie er braucht um die Erde zu umrunden. Darum ist uns immer eine Seite zugewandt. Und genau so müsste es auch die Erde machen.
    Sie müsste sich in genau einem Jahr einmal (in richtiger Richung) um die eigene Achse drehen. Nur so könnte immer die gleiche Seite der Sonne zugewandt sein.

  • Naja, ein halbes Jahr Nacht und ein halbes Jahr Tag stimmt ja so auch nicht. Die Erde ist ja keine platte Scheibe, sondern doch mehr ein Ball bzw leicht oval geformt (wie zur Hölle nennt man einen ovalen Körper?). Ergo wäre es eher so, dass man die Hälfte vom Jahr Dämmerung hat, dann ein Viertel halt Sonne und ein Viertel Nacht. Ob das jetzt mathematisch genauso stimmt, habe ich nicht ausgerechnet, aber mein Logikverständnis sagt mir, dass es logischer klingt, als die Theorie, dass auf der einen Seite BAM hell ist das halbe Jahr und dann direkt BAM dunkel ;)

    'Sag mal, was meinst du, wie weit die Sterne da oben von uns entfernt sind? Sind sie genauso weit weg wie der Mond, oder sind sie uns näher?'
    'Du meinst die Löcher im Himmel? Die hat der Mann im Mond mit seiner Mondnadel reingepiekst, damit die Sonne durchscheinen kann, die dahinter schläft.'


    Walter Moers ~ Der Schrecksenmeister



    Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor


    Johann Wolfgang von Goethe ~ Faust, der Tragödie erster Teil

  • Sehr gut, danke für die Aufklärung silvercloud.


    Zudem, sollte die Erde aufhören sich zu drehen, halte ich das Leben hier für relativ unmöglich. Pflanzen würden zum großen Teil eingehen und keine Tierherden mehr ernähren können, somit überleben nur Kleinstorganismen, zu welchen wir definitiv nicht gehören. Die eine Seite der Erde würde vereisen, die andere Seite austrocknen und die Möglichkeit wäre gegeben, dass die Wassermassen am Ende schlichtweg zu gering sind um großflächiges Leben zu ermöglichen.

    'Sag mal, was meinst du, wie weit die Sterne da oben von uns entfernt sind? Sind sie genauso weit weg wie der Mond, oder sind sie uns näher?'
    'Du meinst die Löcher im Himmel? Die hat der Mann im Mond mit seiner Mondnadel reingepiekst, damit die Sonne durchscheinen kann, die dahinter schläft.'


    Walter Moers ~ Der Schrecksenmeister



    Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor


    Johann Wolfgang von Goethe ~ Faust, der Tragödie erster Teil

  • Menirules
    Bei deinem Beispiel mit den Golfbällen schaust du ja quasi von außen auf das System, du brauchst aber einen festen Bezugspunkt innerhalb des Systems und das ist die Umlaufbahn. Auf der Erde beginnt ein neuer Tag, wenn bspw. in Greenwich Mitternacht ist, d. h. wenn Greenich genau 90° von der Umlaufbahn bzw. 180° von der Sonne wegzeigt. Der Tag endet, wenn Greenwich wieder die gleiche Position einnimmt. Beim Mond hingegen bewegt sich nichts relativ zur Umlaufbahn. Darum zeigt er uns immer die selbe Seite. Er hat somit keine Eigenrotation mehr. Bei einem 1:1-Verhältnis von Eigenrotation und Umlaufzeit müsste er uns im Sommer seine Vorderseite und im Winter seine Rückseite zeigen.

    Das Glück des Forschers besteht nicht darin, eine Wahrheit zu besitzen, sondern die Wahrheit zu erringen.
    - Max Planck -

  • Naja, ein halbes Jahr Nacht und ein halbes Jahr Tag stimmt ja so auch nicht. Die Erde ist ja keine platte Scheibe, sondern doch mehr ein Ball bzw leicht oval geformt (wie zur Hölle nennt man einen ovalen Körper?). Ergo wäre es eher so, dass man die Hälfte vom Jahr Dämmerung hat, dann ein Viertel halt Sonne und ein Viertel Nacht. Ob das jetzt mathematisch genauso stimmt, habe ich nicht ausgerechnet, aber mein Logikverständnis sagt mir, dass es logischer klingt, als die Theorie, dass auf der einen Seite BAM hell ist das halbe Jahr und dann direkt BAM dunkel ;)


    Ja logo, so war das auch nicht gemeint.
    Ich meinte dass es ein halbes Jahr mehr oder weniger Hell ist und ein halbes Jahr dunkel bis stockfinster.