Politische Korrektheit - wann ist es gut und ab wann wird es lächerlich?

  • Es wird Zeit zu diesem Thema eine Diskussionsrunde zu eröffnen, da der Begriff der "PC" auch in den letzten Threads immer wieder erwähnt wurde.


    Die "politische Korrektheit" soll verhindern, daß sich Randgruppen, Minderheiten oder bestimmte Menschengruppen diskriminiert fühlen.
    An sich ja etwas gutes. Nur bekommt man in der letzten Zeit etwas das Gefühl, daß dies Überhand zu nehmen scheint. Wann ist es sinnvoll und ab wann fangen wir an uns selbst zu beschneiden?
    Wie seht Ihr das?


    Ich persönlich bin kein Fan der PC so wie sie letzten Jahre betrieben wird, da bin ich ganz ehrlich.
    Mir geht vieles einfach zu weit, da ich finde, daß ich in meinem üblichen Sprachgebrauch zu sehr bevormundet werde.


    Beispiel:
    Wir in Bayern sagen zum Colaweizen "Neger" und zum Weizen mit Limo "Russe".
    Es ist völlig üblich bei uns im Wirtshaus sein Getränk so zu bestellen.
    (Wird übrigens auch bei Wiki so bezeichnet ;) )
    http://de.wikipedia.org/wiki/Biermischgetr%C3%A4nk



    Zitat

    Neger
    unter anderem in München ein gebräuchlicher Name für Colaweizen. In nördlichen Regionen Deutschlands (wie Niedersachsen) entspricht „Neger“ allerdings auch einem Tablett mit zwölf Gläsern, in die wahlweise Cola mit Scotch oder Cola mit Rum gemischt wird.


    Russ
    auch Russe, Russ’n oder Russ'n-Maß ist ein Zitronenweizen bzw. Weizenradler. Üblicherweise ein Gemisch aus Weizenbier und Limonade (süßer Russ). Es wird vorwiegend in Süddeutschland ausgeschenkt.


    Jetzt erzähle ich Euch dazu zwei Geschichten, die sich in meiner Familie ereignet haben:


    Mein Cousin war in einer Pizzeria essen. Wie bei uns üblich bestellte er einen "Neger". Da sah ihn der Kellner völlig entrüstet an und begann ihn zu beschimpfen, ob er schon weiß, was politische Korrektheit ist und er sich schämen soll, daß er einen "Neger" bestellt.
    Mein Cousin hat das Lokal verlassen, daß Essen haben die sich behalten können.


    Zweiter Fall:
    Meine Eltern waren mit Verwandten in Österreich beim Wandern. In einer Berghütte kehrten sie zum Essen ein. Einer aus der Gruppe bestellte ein "Colaweizen". Da sagte der österreichische Kellner zu ihm: "Also einen Neger?" Der Bekannte sah ihn an und bejahte die Frage etwas perplex. Da grinste der Kellner und sagte: "ich weiß schon, daß ihr das in Deutschland nicht mehr sagen sollt. Ihr seid so herrlich mit Eurer politschen Korrektheit" und verschwand lachend.


    Wir werden also in anderen Ländern schon für unsere politische Überkorrektheit ausgelacht, na super!
    Wir machen uns also wieder einmal überall zum Affen, weil wir meinen korrekter als andere sein zu müssen.


    Nach wie vor verstehe ich auch das Problem nicht ganz.
    Wenn ich einen Mohrenkopf esse und ihn auch so benenne (der wurde ja wegen der politischen Korrektheit nun in "Schaumkuss" umbenannt), dann tue ich das doch nicht, weil ich im Hinterkopf habe, daß ich damit dunkelhäutige Leute beleidigen will. Darüber denke ich doch nicht einmal nach!
    Der heißt Mohrenkopf weil er eben mit dunkler Schokolade überzogen ist. Und weiter? Wo ist das Problem?


    Nirgends. Es werden Probleme gemacht, wo eigentlich keine sind.


    Und das Schlimme daran: ihr werdet sehen, daß dies noch die absonderlichsten Blüten treiben wird.


    Wenn ich jetzt mich als Beispiel nehme:
    ich bin nur 1,49 cm groß. Seit meiner Kindheit werde ich also als Zwerg bezeichnet. Viele Bekannte nennen mich heute noch "Kloane" oder "Zwergerl".
    Soll ich mich nun deshalb diskriminiert fühlen?
    Soll ich nun deshalb vor Gericht ziehen damit in Deutschland alle Gartenzwerge wegkommen, weil ich mich bei deren Betrachtung diskrimiert fühle?


    Rein theoretisch kann sich also jeder wegen irgendetwas auf den Schlips getreten fühlen. Wie weit werden die Kreise um die politische Korrekheit also noch gezogen werden?


    Lg Ricya

    _______________________________


    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Es gibt Menschen die sich durch Äusserungen wie "Neger" oder "Kanacke" verletzt fühlen. Du kannst anscheinend mit "Zwerg" umgehen. Menschen sind halt individuell.


    Political Corectness ist nicht Schönrederei und Ausblenderei von Informationen und Fakten nur damit jemand nicht diskriminiert wird, sondern dass man die Möglichkeit, jemanden zu diskriminieren gar nicht möchte. Wir sind alle auf dem selben Boot und sollen irgendwie klar kommen damit.


    Übrigens beginnt das Ganze bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen und nicht in der Handlung selbst. Wenn ich mich durch jemanden alleine wegen seiner Herkunft / sexuelle Orientierungen u.ä gestört fühle, dann kann ich noch so politisch korrekt sein.


    Und nicht ernst gemeinte Korrektheit ist keine Korrektheit.

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Ich denke auch, man kann alles übertreiben. Es ist leider anscheinend ein großes Problem der Deutschen, das sie sich leidenschaftlich gerne in Selbstzerfleischung ergehen, wenn es um PK geht.


    Leider ufert das immer mehr aus und die Menschen haben die beklopptesten Ideen, siehe Linkenchef und Sonne Mond und Sterne Fest. Der Mann kann doch nicht alle Latten im Zaun haben.


    An sich wäre so viel geballter Schwachsinn ja auch lustig, aber wenn er wie bei uns in Deutschland zur Selbstverleugnung führt (Oh ich darf doch nicht stolz sein auf mein Land, nachher fühlt sich ein Ausländer davon beeinträchtigt!), dann geht es eindeutig zu weit. Die Deutschen haben inzwischen so gut wie NULL Verbundenheit zu ihrem Land, zumindest jene, die sich öffentlich äußern, wer etwas positives über Deutschland sagt, wird direkt stigmatisiert und in die rechte Ecke geschoben.


    Ich sch*** auf politische Korrektheit, ich sage was ich denke und das lasse ich mir garantiert nicht von ein paar durchgeknallten Vollidioten verbieten.

  • Grüße und guten Morgen,


    ich bin der Meinung, dass politische Korrektheit keinen Sinn hat, wenn sie nur um ihrer selbst Willen beachtet wird.
    Ein Mensch sollte eigentlich ganz von selbst darauf kommen, dass man keine anderen Menschen diskriminiert; da Vorschriften zu machen, verschleiert nur das Problem.
    Sprich, ich sage auch noch Mohrenkopf zu dem Schaumdings, würde aber nie auf die Idee kommen, das einem Menschen an den Kopf zu werfen. Also das Wort.
    Ich denke, es kommt darauf an, ob eine Bezeichnung als Beleidigung gedacht ist oder als ganz normales Wort. Das macht den Unterschied.


    Oder müssen wir ab morgen zum Bauernbrot "Teigzubereitung nach Landwirt-Art" sagen? Schließlich heisst es ja "dumm wie Brot", und Bauer dient an manchen Orten auch als Schimpfwort.


    Richtig schlimm finde ich das große I innerhalb von Worten. Wenn ich sage "ich gehe zum Arzt", dann ist es mir egal, ob das ein er oder eine sie ist. Genauso beim Dachdecker. Es kümmert mich nicht, ob da Frauen oder Männer auf dem Haus rumkrabbeln. Berufsbezeichnungen sind für mich geschlechtslos. Und müssten sich dann nicht eigentlich eher Männer auf den Schlips getreten fühlen, da das grammatikalische männliche Geschlecht eigentlich damit sächlich wird, wenn es keine spezielle weibliche Bezeichnung gibt? Neulich wagte ich es, in einer Arbeitsgruppe das Wort "man" zu benutzen, und wurde von einem weiblichen Menschen dafür böse zurechtgewiesen. Es müßte "frau und man" heissen. Oder, noch besser, nur frau. Meine Frage, warum denn "frau" ihren letzten Buchstaben behalten dürfe und "man" ein n verlöre, und ob es sich bei "man" nicht eher um eine Herleitung von einem alten Wortstamm handele, brachte mir nur böse Blicke ein. Inzwischen komme ich mir durch die ständige Unterstellung, ich würde meine Zeit damit verbringen, meine Mitmenschen zu dikriminieren, selbst fast diskriminiert vor. Frau kennt mich nicht, hat mich nie gesehen, aber dadurch, dass ich einen xy-Chromosomensatz habe, bin ich von Natur aus ein böser gewalttätiger Unterdrücker. Oder wie muss ich das verstehen? Wenns aber darum geht, schwere Dinge zu tragen, dann bin ich plötzlich gefragt und kein böser Menschen... MenschInnenfresser mehr...


    In einem Vorstellungsgespräch wurde ich, von einem rein weiblichen Auditorium, eine halbe Stunde lang ausgefragt, wie und ob ich denn mit Frauen zusammen arbeiten könnte. Alleine solche Fragen zu stellen finde ich schon unglaublich. Auf vielen Ebenen.


    Nunja,


    DocMaT

  • Da muß ich dir leider beipflichten. Es gab doch mal tatsächlich einen Antrag, das man in Zukunft nur noch Mitgliederinnen sagen solle. *Kopf trifft Tischkante*


    Zu solch einem Schwachsinn, kann ich nur eins sagen "Gib mir mal bitte die Salzstreuerin!"

  • Grüße und guten Morgen,


    ich bin der Meinung, dass politische Korrektheit keinen Sinn hat, wenn sie nur um ihrer selbst Willen beachtet wird.
    Ein Mensch sollte eigentlich ganz von selbst darauf kommen, dass man keine anderen Menschen diskriminiert; da Vorschriften zu machen, verschleiert nur das Problem.
    Sprich, ich sage auch noch Mohrenkopf zu dem Schaumdings, würde aber nie auf die Idee kommen, das einem Menschen an den Kopf zu werfen. Also das Wort.
    Ich denke, es kommt darauf an, ob eine Bezeichnung als Beleidigung gedacht ist oder als ganz normales Wort. Das macht den Unterschied.


    Ja, genau das sehe ich auch so. ;)


    Und nicht ernst gemeinte Korrektheit ist keine Korrektheit.


    Da liegt aber ja gerade der Hase im Pfeffer.....
    Wenn es mir auf einmal vorgeschrieben wird, was ich sagen darf und was nicht, dann ist es irgendwann wirklich keine ernstgemeinte Korrektheit mehr. Im Gegenteil, es fördert Vorurteile, Unverständnis und Wut.


    Ich erinnere an den Thread von mir zum Thema Veggie-Day. Die meisten waren dagegen mit der Begründung das man sich ja nicht vorschreiben lassen will, was man zu essen hat.
    Wenn einem aber unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit der eigene Sprachgebrauch vorgeschrieben wird, ist das in Ordnung?


    Ich finde nicht. Wir in Bayern sagen halt "Neger" zum ColaWeizen und wir sagen auch "Weiber" anstatt Frauen.....das hat nichts damit zu tun jemanden zu beleidigen sondern es ist einfach regionaler Sprachgebrauch. Man sollte da schon unterscheiden....


    Du kannst anscheinend mit "Zwerg" umgehen. Menschen sind halt individuell.


    Deshalb meine Frage:
    Ich kann mit "Zwerg" umgehen....tausend andere kleine Menschen nicht.....sollen wir also wirklich Gartenzwerge verbieten? ;)


    Es gibt Menschen die sich durch Äusserungen wie "Neger" oder "Kanacke" verletzt fühlen.


    Ja, aber wo fängt´s an und wo hört´s auf?
    DocMat hat ja auch das Beispiel mit dem Bauernbrot gebracht.
    Muß nun wirklich alles wirklich umbenannt werden was seit Jahrzehnten, ja manchmal sogar seit Jahrhunderten so betitelt wird, nur weil sich einige dran stoßen?


    Ich sehe da ein Faß ohne Boden, denn dann darf bald gar nichts mehr irgendwie heißen weil man damit ja immer jemanden auf die Füße treten könnte.
    Ich weiß nicht, ob das ein erstrebenswertes Ziel ist.
    Für mich persönlich nicht!


    Lg Ricya

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    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Ist genau das gleiche wie Zigeunerschnitzel, das in Hannover Schnitzel Balkan Art heißt; für mich persönlich ist das kompletter Schwachsinn, zu mal sich Sinti und Roma jahrhundertelang selber als Zigeuner sprich Fahrendes Volk genannt haben.


    Diskriminierung ist eine Sache, aber wer setzt den Maßstab an dafür? Sonst landen wir irgendwann noch da, das dummes Schwein unter Strafe steht, nicht weil es eine Beleidigung wäre, sondern weil militante Tierschützer einen anzeigen, wegen Verunglimpfung eines Paarhufers.


    Brauchen tun wir eine politische Korrektheit nicht, denn der gesunde Menschenverstand sagt einem schon, wo eine Beleidigung anfängt und die eigene Meinung endet.

  • denn der gesunde Menschenverstand sagt einem schon, wo eine Beleidigung anfängt und die eigene Meinung endet.


    Ganz meine Meinung!


    Wenn ich zu einem dunkelhäutigen Mitmenschen sage: "Du dummes Negerschwein!" -> dann ist es eine üble Beleidigung und das geht ja mal gar nicht!
    Wenn ich aber sage: "Ich gehe in die Speisekammer und hole mir einen Mohrenkopf." -> wen beleidige oder verletze ich denn dann da?


    Ich rede da ja von einem Produkt und meine keine Bevölkerungsgruppe damit. Das ist doch ein riesen Unterschied.


    Man könnte ja rein theoretisch dann auch so weit gehen und den Kindern im Kindergarten verbieten daß sie, wenn sie Bilder malen, chinesische Kinder gelb und indianische rot malen.
    Auch das ist gruppeneingrenzend und könnte irgendwen verletzen.
    Man sollte die Kirche im Dorf lassen und unterscheiden.


    Im übrigen macht sich kein anderes Land außer Deutschland so viele Gedanken zur politischen Korrektheit. Warum muß also der Deutsche immer gleich bei allem so übertreiben?


    Lg Ricya

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    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Hallo!


    Also auch bei uns in Österreich ist es nicht wirklich viel anders mit dieser Politischen Korrektheit...


    Hier ist zum Beispiel das Negerbrot (Schokolade mit Erdnüssen) nicht mehr erlaubt. In einem Gschäft in Wien habe ich es jedoch wieder entdeckt. Heißt nun Nägerbrot. Naja...
    Oder immer wieder diese Diskussionen um "Zigeunerschnitzel" oder "Mohr im Hemd" - ich persönlich halte das für völlig lächerlich. Es fühlt sich doch auch kein Frankfurter beleidigt, weil bei uns die Würstchen so heißen und genausowenig kratzt es einen Wiener, dass die Würstchen in Deutschland und sogar weit darüberhinaus Wiener heißen.
    Ich stelle mir gerade vor, dass ein Schwarzer/Dunkelhäutiger/Farbiger/Maximalpigmentierter (was ist nun überhaupt korrekt???) einen HotDog erfindet und dazu "Bleichgesicht im Schlafsack" sagt... ich weiß nun nicht wie es euch geht, aber würdet ihr euch davon irgendwie betroffen oder verletzt fühlen? Ich, ganz ehrlich gesagt, nicht!


    Was dieses Gendern betrifft... da wird auch wirklich oft zu viel übertrieben. Ja, auch in Österreich. Hierzulande wurde per 1.1.2012 der Text der Bundeshymne geändert. <gendermodus_an> Der/Die eine oder andere von euch UserInnen wird sicherlich davon etwas mitbekommen haben <gendermodus_aus>
    Im Text hieß es jedenfalls "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne". Und klar, da musste natürlich ein geschlechtsneutraler Text her. Nach vielen vielen Jahren und vielen vielen Diskussionen (ja, auch das österreichische Parlament hat extrem viel Zeit und Ausdauer, wenn es um solch fundamentale Angelegenheiten geht), hat man sich auf die Änderung "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" geeinigt. Interessanterweise stammt der ursprüngliche Text "Großer Väter, freier Söhne" sogar von einer Frau! Was die sich dabei wohl gedacht hat? Wie auch immer... ich habe dieses "Heimat großer Söhne" immer als Allegorie für sämtliche Abkömmlinge Österreichs betrachtet - völlig egal ob Mann, Frau oder Kind.


    Was ich damit sagen will: Politische Korrektheit sollte meines Erachtens im Kopf und nicht als Wort in irgendeiner Hymne oder auf einer Speisekarte passieren.


    lg,
    Botrytis

  • Nun ist nicht alle PC auch gesetzlich vorgeschrieben. Beispiel: Zigeunerschnitzel. Das steht bei meinem "Stammgriechen" und anderen Lokalen immer noch so auf der Karte. Es gibt auch kein Gesetz das die Bezeichnung verbietet, lediglich Imagegründe haben bei einigen großen Firmen zu Umformulierungen geführt. Und angeblich bestehen die Sinti sogar darauf den Begriff Zigeuner beizubehalten.


    Beim "Neger" ist auch immer noch nicht richtig klar ob es was mit Rassismus zu tun hat. Es kommt angeblich noch aus dem Kolonialismus. Wobei Kolonialismus nicht gleich Kolonialismus war. Meine Eltern die früher mal in Afrika mehrmals Urlaub machten erzählten mir mal Franzosen/Engländer wären dort noch verhasst, Deutsche hingegen regelrecht beliebt.


    Was feministische Aspekte betrifft so sind mir da auch keine gesetzlichen Neuerungen bekannt.


    Ansonsten muss ich da DocMat zustimmen: die PC alleine wird so etwas wie Fremdenhass usw. nicht abschaffen.

  • Mich stört weniger, dass sich Leute durch Ausdrücke wieder Negerkuss/Mohrenkopf, Zigeunersauce etc. angegriffen fühlen.
    Mich stört, dass Leute die NICHT betroffen sind, sprich: Weiße Inländer ohne Migrationshintergrund, bei dem Thema am meisten die Schnauze aufreißen.


    Ich weiß nicht wie es bei euch in Deutschland ist. Aber bei KEINER Diskussion über das Thema bisher, hab ich einen Schwarzen, Araber oder Roma gesehen/gehört.
    Ich hab wirklich ungelogen, NUR Inländer darüber reden hören.
    Und das find ich echt dumm.


    Ich hab nen Freund den ich seit der Schulzeit kenne, der selber Bosnier ist.
    Der nennt sich selbst Jugo, macht Witze über Cevapcici usw.
    Und zwar nicht aus Selbstschutz, sondern weils einfach lustige, passende Klischees sind.


    Wir sollten unseren Kindern nicht beibringen "Du darfst nicht Neger sagen, weil das verboten ist!"
    Wir sollten unseren Kindern beibringen "Du solltest nicht Neger sagen, weil sich dadurch manche Schwarze wirklich verletzt und beleidigt fühlen und weil es für manche ausdrückt, dass sie alle ablehenswert sind wegen ihrer Hautfarbe!"


    Wir dürfen nicht Leute erziehen die von Dogmen geprägt sind.
    Wir MÜSSEN Leute erziehen, die einfach reflektieren können und sich in den anderen hineinversetzen können.

    Von 100 Menschen kann man sich 99 nicht aussuchen.


    ~~~


    Today I'll tell you a story about a man who drowned in the cold waters of the ocean after the loss of someone he loved. This is the story of a man who died twice.

  • Wir sollten unseren Kindern nicht beibringen "Du darfst nicht Neger sagen, weil das verboten ist!"
    Wir sollten unseren Kindern beibringen "Du solltest nicht Neger sagen, weil sich dadurch manche Schwarze wirklich verletzt und beleidigt fühlen und weil es für manche ausdrückt, dass sie alle ablehenswert sind wegen ihrer Hautfarbe!"


    Das ist ein guter Ansatz, Claxan.
    Genau darauf will ich auch irgendwo hinaus.


    Politische Korrektheit sollte meines Erachtens im Kopf und nicht als Wort in irgendeiner Hymne oder auf einer Speisekarte passieren.


    Auch dem stimme ich zu.


    die PC alleine wird so etwas wie Fremdenhass usw. nicht abschaffen.


    Im Gegenteil! Ich denke mir halt, daß übertriebene politische Korrektheit Fremdenhass sogar schüren kann.
    Wenn der Bürger zu sehr bevormundet wird, kommt zuerst Unverständnis, dann Wut. Und auf wen geht die Wut dann wieder zurück?
    Richtig, auf diejenigen die die politische Korrektheit eigentlich "schützen" sollte.
    Es dauert nicht lang, dann kommen Meinungen wie: "wegen DENEN wird nun alles umbenannt, wegen DENEN wird dieses und jenes verboten, wegen DENEN darf ich nicht mehr reden wie ich will......"
    Sehr kontraproduktiv, wie ich finde.


    Und genau das meine ich damit. Es ist richtig, daß man Rücksicht auf Andere nehmen sollte, ja sogar MUß. Niemand sollte ungerechtfertigt beleidigt oder bewußt diskriminiert werden.
    Das ist eine logische Sache, die jedem Selbsverständlich sein sollte.
    Politische Korrektheit wird da nicht helfen. Wer z.b. aus Fremdenhass zu einem anderen Menschen "Nigger" sagt, der wird das auch mit politischer Korrektheit tun.
    Und da ist es auch wurscht ob eine Süßigkeit nun Mohrenkopf heißt oder nicht. ;)


    Wenn die politische Korrektheit zu stark Überhand nimmt, beschneiden wir uns irgendwann selbst in Aussprache und Meinungsfreiheit.
    Nützen wird es aber nichts, denn es wird IMMER jemanden geben, der gegen alle Menschen ist, die anders sind, wie er und es wird deshalb auch immer wieder Gruppierungen geben, die solche, andere Menschen diskriminieren werden.


    Lg Ricya

    _______________________________


    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Ich finde politische Korrektheit wird einfach komplett übertrieben. Wenn ich das Wort als Beleidigung verwende um jemanden auf den es zutrifft zu beleidigen, verstehe ich das derjenige sich aufregt. Wenn ich es allerdings schlicht verwende, weil es in den Zusammenhang passt, dann tue ich das, politische Korrektheit hin oder her.


    Beispiel: Ihr alle habt sicher schonmal mitbekommen wie sich manche Jugendliche unterhalten (Alda, Digga bla etc.). Letztens hat so einer versucht mich in einer Kneipe vollzulabbern und ich meinte zu ihm:"Kannst du mal mit diesem komischen Kanakgelabber aufhören?". Der ist dann instant an die Decke gegangen, weil er ja türkische Vorfahren hat. Wohlgemerkt hat er mit der türkischen Kultur garnichts zu tun, ausser das halt mal seine Großeltern(!) irgendwann hier eingewandert sind. Sich wegen so einem Unfug aufzuregen, ist schlicht dämlich, einfach weil Kanake eigentlich nichtmal was mit den Türken zutun hat.


    Anderes Beispiel: Ich habe eine Freundin die Schwarz ist und die bei mir ein paar Tage übernachtet hat. Sie hatte so einige Ansprüche und dann hab ich irgendwann gemeint:"Bin ich dein Neger oder was?". Sie konnte drüber lachen, wobei ich auch einen Schwarzen kenne der sowas garnicht lustig findet.


    Es ist lächerlich, dass die Deutschen immernoch diese dämlichen Vorurteile von vor über 70 Jahren anhängen. In anderen Ländern wird sowas belächelt, hier ist man Nazi.


    Mal ausserhalb dieser Hautfarben und Herkunftsspezifischen Dinger. Ich kenne jemanden der im Rollstuhl sitzt, mit dem wir genausoviel Spaß machen, wie untereinander. Ich bin dicker als die anderen, deshalb werd ich deswegen gefoppt. Er wird gefoppt mit so Dingern wie:"Ja wenn du das so gut kannst, dann steh mal auf und machs!". Alles Super! Nur wenn wir in der Öffentlichkeit sind werden wir oft dumm von der Seite angemacht weil wir ihn ja damit "verarschen" dass er behindert ist. Bei sowas sehe ich das Problem eher darin, dass die Leute denken, nur weil jemand anders ist, dem das Läppchen weghalten zu müssen. Durch solche Dinger fühlt sich derjenige tausend mal mehr ausgeschlossen, als wenn er einfach in die Gruppe integriert ist, mit foppen und auch mal Späße machen, die manche als "unter der Gürtellinie" erachten.


    Mir ist natürlich klar, dass jetzt viele dazu eine andere Meinung haben. Ausserdem ist mir klar, dass in öffentlichen Medien etc. es sich eben einfach korrekter anhört, wenn man sagt:"Ein Mann dunklen Hauttyps" als "Ein Neger". Grad bei offizielen Anlässen, gilt es sowas zu vermeiden. Aber im Privatleben, ist diese einfach eine übertriebene Geste, vor allem im Freundeskreis. Wenn ich schon höre, dass manche sich nicht trauen zu sagen:"Er ist Türke" sondern lieber:"Er ist ein Immigrant türkischer Herkunft" hört das ganze doch einfach auf.


    Um zu Ricyas Beispiel zurück zu kommen, das die Bayern zu nem Gespritzten (Saarländer Ausdruck für ein Colabier) Neger sagen, das ist ja ein Eigenname. Wenn ich mit Nachnamen Kanak heißen würde, wäre ich ja auch nicht beleidigt, wenn man jemand mit meinem Namen anspricht.

    'Sag mal, was meinst du, wie weit die Sterne da oben von uns entfernt sind? Sind sie genauso weit weg wie der Mond, oder sind sie uns näher?'
    'Du meinst die Löcher im Himmel? Die hat der Mann im Mond mit seiner Mondnadel reingepiekst, damit die Sonne durchscheinen kann, die dahinter schläft.'


    Walter Moers ~ Der Schrecksenmeister



    Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor


    Johann Wolfgang von Goethe ~ Faust, der Tragödie erster Teil

  • Zitat

    Anderes Beispiel: Ich habe eine Freundin die Schwarz ist und die bei mir ein paar Tage übernachtet hat. Sie hatte so einige Ansprüche und dann hab ich irgendwann gemeint:"Bin ich dein Neger oder was?".


    :what::thumbdown:

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • Du magst davon halten was du möchtest mostwanted, in unserem Sprachgebrauch ist das einfach ein geflügeltes Wort. Ich benutze es und fühle mich dafür auch nicht schlecht, ich habe mit der Kolonialzeit und der Sklaverei nichts am Hut und werde mich nicht daran aufhängen. Ausserdem erscheint es mir oft so, dass Menschen die einer Minderheit angehören oftmal politische Unkorrektheit verziehen bekommen, wo bei anderen direkt mit der Axt dreingeschlagen wird. Wenn ein Schwarzer Neger sagt, ist das okay, und wenn ich es tue gibts den empörten Aufschrei? Das ist Doppelmoral in höchster Vollendung.

    'Sag mal, was meinst du, wie weit die Sterne da oben von uns entfernt sind? Sind sie genauso weit weg wie der Mond, oder sind sie uns näher?'
    'Du meinst die Löcher im Himmel? Die hat der Mann im Mond mit seiner Mondnadel reingepiekst, damit die Sonne durchscheinen kann, die dahinter schläft.'


    Walter Moers ~ Der Schrecksenmeister



    Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor


    Johann Wolfgang von Goethe ~ Faust, der Tragödie erster Teil

  • für mich persönlich ist das kompletter Schwachsinn, zu mal sich Sinti und Roma jahrhundertelang selber als Zigeuner sprich Fahrendes Volk genannt haben.

    Dass "Zigeuner" dem "fahrenden Volk" ("Zieh-Gauner") entspricht, ist unhaltbarer Mythos. Die genaue Bedeutung ist nicht wirklich belegbar, da es aus dem Rotwelschen stammt. Das Rotwelsche war eine Art Geheimsprache des "fahrenden Volkes". In diesem Sinne kommen wir auch gleich zu den Itakern (was meine italienischen Bekannten als Beleidigung auffassen würden), wobei das rotwelsche "Katzlmacher" erst eine Beleidigung ausmacht, die Italiener betreffend. Der Begriff "Katzlmacher" als Bezeichnung für Italiener ist in den ländlichen bayerischen Gegenden wieder nach dem 2.WK aufgekommen, nachdem Mussolini das Bündnis mit Hitler gebrochen hat. Im Rotwelschen bedeutet "Katzlmacher" Lügner/Betrüger. Und Mussolini hat es geschafft, dieses Wort für seine Leute zu "pachten", da das Rotwelsche so gut wie ausgestorben ist.


    Als Buchtipp trotzdem, was zwar nix mit den Zigeunern zu tun hat (weil das Wort im Buch nicht vor kommt): "Lexikon der populären Sprachirrtümer", ISBN 9-783492-250733
    Das macht zumindest neugierig auf Wortherkunft und dem Rotwelschen und dem Welschen.
    Wenn man mit dem Autor Kontakt aufnehmen will, dann möchte er es lieber in Schriftform (Meine E-Mail hat er damals zwar trotzdem beantwortet - aber mit dem Hinweis auf Schriftform.).


    Im Gegenteil! Ich denke mir halt, daß übertriebene politische Korrektheit Fremdenhass sogar schüren kann.

    Manche würden es selektive Wahrnehmung nennen. Aber nichts anderes stelle ich jeden Tag fest. Selbst mich kann ich dabei nicht ausnehmen.

  • Zitat

    Wenn ein Schwarzer Neger sagt, ist das okay, und wenn ich es tue gibts den empörten Aufschrei? Das ist Doppelmoral in höchster Vollendung.


    Wenn du dich selbst als Arschloch betitelst, dann ist das in Ordnung, wenn das aber ein anderer tut, dann ist das ein Problem? Wenn nicht, dann lass es mich bitte wissen.

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm

  • @Mosti,


    mich würde jetzt mal interessieren, wieso Du diesen Satz

    Anderes Beispiel: Ich habe eine Freundin die Schwarz ist und die bei mir ein paar Tage übernachtet hat. Sie hatte so einige Ansprüche und dann hab ich irgendwann gemeint:"Bin ich dein Neger oder was?"


    mit Deinen Smilies so negativ bewertest.


    Steckst Du in der Haut der Freundin? Warum denkst Du beurteilen zu können ab wann etwas für jemanden als Beleidigung gilt und wann nicht?
    Warum kann es denn nicht sein, daß die Freundin das wirklich als Scherz empfindet?


    Und genau das stört mich auch an der ganzen politischen Korrektheit....warum glauben die Deutschen zu wissen, ab wann sich. z.b. ein Schwarzer beledigt fühlt. Oder ab wann sich ein behinderter Mensch beleidigt fühlt, oder ein Zigeuner, ein Kleinwüchsiger....etc. Es gibt überall Menschen die finden das als beleidigend während andere das lockerer sehen und auch mit Humor nehmen. Wie kann man da beurteilen was für wen falsch und richtig ist?


    Ich finde das Konquistatore in gewissem Sinne sogar recht hat:


    Bei sowas sehe ich das Problem eher darin, dass die Leute denken, nur weil jemand anders ist, dem das Läppchen weghalten zu müssen. Durch solche Dinger fühlt sich derjenige tausend mal mehr ausgeschlossen, als wenn er einfach in die Gruppe integriert ist, mit foppen und auch mal Späße machen, die manche als "unter der Gürtellinie" erachten.


    je mehr Gedöns man um die politische Korrektheit macht umso mehr werden diese Menschen erst recht zu Randgruppen.


    Lg Ricya

    _______________________________


    Newton ist tot, Einstein ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht.......

  • Steckst Du in der Haut der Freundin? Warum denkst Du beurteilen zu können ab wann etwas für jemanden als Beleidigung gilt und wann nicht?
    Warum kann es denn nicht sein, daß die Freundin das wirklich als Scherz empfindet?


    Nein, aber Diskriminierung beginnt schon in der Sprache. Deswegen bin ich der Meinung, dass man gewisse Angewohnheiten wegtrainieren sollte.


    Ich habe früher Bezeichnungen wie "schwul", "Schwuchtel" oder "homo" sehr oft als synonym für in der Bedeutung negative Adjektive verwendet (dumm, schlecht, u. ä). Eigentlich fühlte sich dadurch niemand gekränkt, bis ein Homosexueller der empfindlich für solche im Kern homophobe Äusserungen sich verletzt fühlte. Mich hat das damals ziemlich beschäftigt, weil ich nichts gegen Homosexualität hatte und habe und trotzdem etwas als negativ darstellte, was nicht negativ war. Diese Angewohnheit habe ich mir wegtrainiert, da wie erwähnt, Diskriminierung in der Sprache beginnt.


    Wenn man jetzt sagt "Bin ich dein Neger, oder was?", dann wird "Neger" als Synonym für "Sklave" verwendet. Das finde ich überhaupt nicht in Ordnung. Und wenn Gang und Gäbe sein sollte, solche Äusserungen zu verwenden, dann sollte man das auch hinterfragen.


    Das hat nicht zwingend mit politischer Korrektheit zu tun, sondern ist eher eine Frage des Anstands.

    „Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen ..., die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit "totzuschlagen", die sie ständig zu sparen versuchen.“


    „Vor allem müssen die Gesellschaftsformen, die der Liebe in Wege stehen, durch solche ersetzt werden, die sie fördern.“


    „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung".“


    Erich Fromm