Glücklicher ohne Religion?

  • Ich habe nie behauptet, dass man die dann nicht haben kann. Aber ich denke eben einfach, weil ich es sehe, dass Menschen mit Glauben in Situationen, in denen es so richtig scheisse ist, insgesamt besser drauf sind als Menschen, die an gar nichts glauben. Das ist fuer mich schlicht eine Erfahrungssache. Deine Angst vor Glauben ist ja schon echt faszinierend. :)

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Deine Angst vor Glauben ist ja schon echt faszinierend. :)

    Ziemlich merkwürdige Schlussfolgerung, wenn mans genau nimmt. Wenn jemand in einer Diskussion deinen Standpunkt hinterfragt, hat er also Angst vor dem Inhalt deines Standpunktes. Auch neu.

    I think we have a duty to maintain the light of consciousness to make sure it continues into the future.
    Send me ur dankest memes

  • Tina


    Glauben kann man an Vieles, auch an das berühmte fliegende Spaghetti-Monster, oder wie ein Japanisches Sprichwort sagt, man kann auch zu dem Kopf einer Makrele beten, wenn es einem glücklich macht.


    Hier geht es aber um Religion. ;)
    Und wie wir schon festgestellt hatten, sind Religion und Glauben zwei paar verschiede Schuhe, auch wenn Religion irgendwie mit dem Glauben kokettiert :mrgreen: .


    So wieder halbwegs zum Thema:
    Natürlich ist es oft so, dass Religion ( besonders in unserem Land ) fast immer mit der ( christlichen ) Kirche gleichgesetzt wird.
    Mir persönlich stinkt es auch, wenn z.B. an Kindergärten dran steht: katholischer Kinderhort o.ä., obwohl so gut wie alles von der Allgemeinheit, also von dir, mir, Ali, Ranjid usw. bezahlt wird.
    Es sollte besser dran stehen, Kindergarten, kann aber auch Spuren von christlisch geprägtem Glauben enthalten ;)
    Oder das die katholischen/ev. "PurPur-Robenfront", also Bischöfe usw. nicht von ihrer Kirche, sondern wieder von der Allgemeinheit ( siehe oben ) ihre ca. 12.000 Euro Monatgehalt, trotz Dienstwagen mit Fahrer und günstige Dienstwohnung usw. erhalten.
    Die deutsche r-k-Kirche ist neben Rom die reichste der Welt, deren Besitz ( inklusive Imobilien etc. ) alleine in Deutschland, soweit ich weiß, auf eine halbe Billion Euro geschätzt wird.
    Überall wird immer wieder in den letzten Jahren vom sparen gesprochen, besonders bei Sozialleistungen und sozialen Einrichtungen etc. aber keiner der Herren und Damen der Regierung wagt sich mal an die längst überfällige Überarbeitung der Konkordatsverträge mit der Kirche,
    und deren damit verbundenen Zahlungsverpflichtungen ( jährlich in Milliardenhöhe ), die sich aus vordemokratischen Rechtstiteln herleiten. Beispielsweise aus dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 !!


    So eine raffgiere, geldgeile Organisation kann ich alleine aus Gewissensgründen ( und das hat nichts mehr mit den Kreuzzügen zu tun ;) ) nicht aktiv unterstützen und auch nicht an das Zeugs, mit dem sie seit vielen Jahrhunderten die Menschen verdummen, glauben, sorry.


    Soll jeder mit der Religion glücklich werden, nach deren Regeln er lebt, oder deren Riten er frönt, aber ich bin auch ohne Religion, ausgesprochen glücklich. 8-)


    Jack

  • Zitat

    Soll jeder mit der Religion glücklich werden, nach deren Regeln er lebt, oder deren Riten er frönt, aber ich bin auch ohne Religion, ausgesprochen glücklich


    Und wie schaut's mit Glaube aus? :)


    Zitat

    Mir persönlich stinkt es auch, wenn z.B. an Kindergärten dran steht: katholischer Kinderhort o.ä


    Naja, ist aber schon insofern sinnvoll, dass den Kindern dort eben der katholische Glaube vermittelt wird. Es ist mehr eine Warnung an jene, die das nicht moechten, als eine Info fuer die, denen das wichtig ist. Ich war auch in einem evangelischen Kindergarten, und wir hatten eine Reihe von Tuerken. Hat kein Schwein interessiert.

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


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  • Hmm Jack, aber du setzt Religion per se, ja nun auch mit der katholischen Kirche gleich. Wirklich neutral ist das aber auch nicht, und entspricht auch wiederum nicht dem ursprünglichen Threadthema, oder?


    Sagen wir es doch mal andersherum, ist der Mensch per se, als neutrales Faktum, dazu verurteilt unglücklicher zu sein, wenn er einer Religion angehört? Egal welcher?


    Ich glaube dazu muss man doch erst mal festlegen:


    Was definiert eine Religion?


    - Es handelt sich um eine Gemeinschaft von Menschen, eine Glaubensgruppe
    - Es geht um eine höhere Entität/Instanz. Diese wird in der Regel als gut und/oder erstrebenswert angesehen
    - Das tägliche Leben wird durch eine Reihe mehr oder minder stark ausgeprägte Gebote geregelt oder reglementiert
    - Es gibt einige "Auserwählte" die als Lehrmeister/Anleiter/Berater dienen um die Mehrheit auf den richtigen Weg zu bringen oder dort zu halten


    Können wir uns auf diese Grundsätze einigen? Ich denke sie decken alle großen Weltreligionen ab (Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und treffen auch auf viele Naturreligionen zu)


    Und an Hand dieser Grundsätze kann man nun überlegen, wo kann ein Mensch unglücklich werden dadurch, das er einer Religion angehört.
    Ich glaube die letzten beiden Punkte und insbesondere der vorletzte Punkt sind da die entscheidenden, oder?


    Bewusst alles als Frage formuliert ;)

  • Zitat von silver"

    Hmm Jack, aber du setzt Religion per se, ja nun auch mit der katholischen Kirche gleich. Wirklich neutral ist das aber auch nicht, und entspricht auch wiederum nicht dem ursprünglichen Threadthema, oder?


    Sorry silver, aber das ist leider so nicht ganz richtig. ;)


    Wir hatten ja inzwischen, besonders durch die Intervention von Ragnarsson, festgestellt, dass eine Kirche eine Ausprägung einer Religion ist.
    Genau deshalb meine Einleitung:


    Zitat von "Jack"

    Natürlich ist es oft so, dass Religion ( besonders in unserem Land ) fast immer mit der ( christlichen ) Kirche gleichgesetzt wird.


    Und danach habe ich Beispielhaft aufgeführt, was mich z.B. an der kat./ev. Kirche stört usw.


    Ist das so verständlicher für dich ?


    Zitat von "silver"

    Sagen wir es doch mal andersherum, ist der Mensch per se, als neutrales Faktum, dazu verurteilt unglücklicher zu sein, wenn er einer Religion angehört? Egal welcher?


    Ähm nein, zumindest nicht zwangläufig! Das habe ich aber auch nicht behauptet, oder ?


    Zitat von "silver"

    Können wir uns auf diese Grundsätze einigen? Ich denke sie decken alle großen Weltreligionen ab (Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und treffen auch auf viele Naturreligionen zu)


    Gut oberflächlich gesehen, können wir uns gerne darauf einigen, und wenn wir das Wort Religionen durch das Wort Kirchen ersetzen.
    Allerdings bei Punkt vier muss man das : auf den richtigen Weg zu bringen, ebenfalls in "" setzen, da das von der Sichtweise und Interpretation der entsprechenden religiösen Schriften dieser religiösen Glaubensgemeinschaft abhängt.


    Zitat von "silver"

    Und an Hand dieser Grundsätze kann man nun überlegen, wo kann ein Mensch unglücklich werden dadurch, das er einer Religion angehört.
    Ich glaube die letzten beiden Punkte und insbesondere der vorletzte Punkt sind da die entscheidenden, oder?


    Jetzt musst du dich aber an die eigene Nase fassen, lieber silver.
    Die Frage des Thread´s lautet doch:
    Glücklicher ohne Religion ?
    Und nicht:
    Unglücklicher ohne Religion ?
    Oder etwa nicht ?


    Und dementsprechend war meine Aussage doch eindeutig :


    Zitat von "Jack"

    Soll jeder mit der Religion glücklich werden, nach deren Regeln er lebt, oder deren Riten er frönt, aber ich bin auch ohne Religion, ausgesprochen glücklich.


    Die Frage des Thread´s habe ich, um es auf den Punkt zu bringen, doch eindeutig mit: Ja ! beantwortet, oder siehst du das anders ?


    Und nun komm doch bitte mal auf den Punkt, was du mit deinem "bewusst als Fragen formuliertem bezweckst". ;)


    Jack

  • Wenn man das hat! Wenn man aber alles verliert, dann hat man entweder nichts, oder eben seinen Glauben!


    Du kannst aber auch Deinen eigenen Glauben entwickeln, z.B. an Dich!


    Und sie haben diese Ruhe und Zufriedenheit durch ihren bedingungslosen Gottesglauben! Du wuensche ich mir dann haeufig, eben einfach glauben zu koennen, auch wenn ich diese Leute als naiv wahrnehme. Im Gegenzug nehme ich Leute wie mich, die skeptisch und eben weniger glaeubig sind, als zynisch und manchmal ins Negative tendierend wahr.


    Nein, freu Dich das Du alles in Frage stellst. Ein stetig rotierendes Hirn ist ein Geschenk. Die Alternative wäre eine emotionale Gleichschaltung. Genau das ist Religion. Es ist manchmal schwierig, aber gut das Du so bist. Stay Tuned! Dein immer waberndes, nachdenkliche, zynische Hirn ist ein Geschenk.



    wo kann ein Mensch unglücklich werden dadurch, das er einer Religion angehört.


    Da gibt es unzählige Beispiele:
    -Ehrenmord
    -darf nicht zum Arzt gehen
    -darf trotz Vergewaltigung nicht abtreiben
    -darf nicht den Menschen heiraten, den man liebt
    -darf keinen Kontakt zu anderen Religionen haben
    -kein Reißverschluss


    etc. etc. etc.
    Sind alles kleine Einzelfälle, gibt aber ein großes Ganzes!


    LG
    Ltkilgor

    Toleranz ist ein Beweis des Mißtrauens gegen ein eigenes Ideal.
    Nietzsche
    Es gibt Dinge, die sind so falsch, daß noch nicht einmal das absolute Gegenteil richtig ist.
    Karl Kraus

  • Zitat


    Du kannst aber auch Deinen eigenen Glauben entwickeln, z.B. an Dich!


    Ich weiss nicht, ob mir das persoenlich ausreichen wuerde. Ich haette gerne ein gewisses Urvertrauen, wie man es als Kind in die Eltern hat. :)

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Das Urvertrauen in die Eltern kann aber zerstört werden, zum Beispiel, wenn diese das Kind misshandeln oder missbrauchen. Genauso kann das Vertrauen in einen allmächtigen, gütigen Gott zerstört werden, wenn man einen extremen Schicksalsschlag (oder gar mehrere) erlebt. Passiert so etwas nicht, ist das mit dem Glauben natürlich eine schöne Sache.


    Ich kann es jedenfalls nicht richtig nachvollziehen, wenn jemand trotz großem Unglück oder wenn er schreckliches Leid anderer miterlebt, an dem Glauben an einen guten (allmächtigen) Gott festhalten kann. Ist das wirklich unerschütterliches Vertrauen darauf, dass auch das Schlimmste einen Sinn hat? Ist es der Versuch, sich das Negative schönzureden, um nicht in ein Loch zu fallen, weil man sonst erkennen müsste, dass es der Welt egal ist, wie es dem einzelnen geht? Oder ist es nicht eher die Angst, dass Leid und Unglück tatsächlich der Wunsch des allmächtigen Gottes sind und er sehr unangenehm werden könnte, wenn er erführe, dass man ihm das übelnimmt?


    Ich halte darum eine Einstellung, die einem auch Zweifel erlaubt, für gesünder als den (in frommen Gesellschaften auch moralischen) Druck, alles (Schlimme), was geschieht, einem unergründlichen Ratschluss eines trotzdem guten Gottes zuschreiben zu müssen oder gar der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen eines Fehlers in einem früheren Leben. Der Zwang, glauben zu müssen, was die Mehrheit als genehm abgesegnet hat, macht jedenfalls eher unglücklich als glücklich. Nicht umsonst wurden vor 800 Jahren Abweichler mit den barbarischsten Strafen bedroht.

  • Zitat

    Das Urvertrauen in die Eltern kann aber zerstört werden, zum Beispiel, wenn diese das Kind misshandeln oder missbrauchen. Genauso kann das Vertrauen in einen allmächtigen, gütigen Gott zerstört werden, wenn man einen extremen Schicksalsschlag (oder gar mehrere) erlebt. Passiert so etwas nicht, ist das mit dem Glauben natürlich eine schöne Sache.


    Ja, natuerlich kann das passieren. Aber tiefglaeubige Menschen lassen sich ihr Urvertrauen eben nicht zerstoeren.


    Zitat

    Ist das wirklich unerschütterliches Vertrauen darauf, dass auch das Schlimmste einen Sinn hat?


    Ja. Es ist diese Sache von wegen "Gottes Wege sind unergruendlich". Wie das Beispiel meiner Schwiegermutter. Jeder andere haette mit Gott gehadert. Sie nicht. Wobei viele Leute dann auch ganz einfach nicht davon ausgehen, dass Gott fuer die Schicksalsschlaege verantwortlich ist, sondern dass er es ist, der ihnen hilft, sie zu ueberstehen.

    Tina

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  • Wenn Gott allmächtig ist, dann ist er auch für Schicksalsschläge verantwortlich, zumindest für die, für die kein Mensch verantwortlich ist. Dann dem Betroffenen nur seelisch "beizustehen", wäre für mich, als wenn ein Feuerwehrmann einen Hausbrand nicht verhindert, obwohl er es könnte, und den Bewohnern sagt: "Ich könnte euch zwar retten, schließlich bin ich Feuerwehrmann. Aber ich glaube, ihr habt mehr davon, wenn ich es nicht tue und euch stattdessen mein Mitgefühl ausdrücke." Klingt vielleicht extrem, wäre aber in meinen Augen vergleichbar. Mit dem Unterschied, dass man den Feuerwehrmann wegen unterlassener Hilfeleistung belangen könnte.


    Aber jeder hat wohl eine andere Einstellung. Wenn deine Schwiegermutter trotz Schicksalsschlägen an ihrem Glauben festhalten kann, ist sie zu beneiden. Andere Leute wie ich können das nicht, und ich möchte mich auch nicht moralisch dazu genötigt fühlen müssen.


    Andererseits habe ich mit Schicksalsschlägen und einem guten Gott keinerlei Probleme, solange ich ihm nicht Allmacht zubilligen muss. So entwickelt wohl jeder (vorausgesetzt, dass es in seiner Gesellschaft gestattet ist) den Glauben, mit dem er zurechtkommen kann. Bewusst an etwas glauben wollen, nur weil man glaubt, damit glücklicher zu sein, kann man sowieso nicht.

  • Zitat

    Aber jeder hat wohl eine andere Einstellung. Wenn deine Schwiegermutter trotz Schicksalsschlägen an ihrem Glauben festhalten kann, ist sie zu beneiden. Andere Leute wie ich können das nicht


    Meine Rede!


    Dieses ganze Problem haben sie ja im Film "Bruce Allmaechtig" sehr elegant geloest....freier Wille. :)

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Also ich bin Atheistin und meine Mum hat mich und meine jüngere Schwester auch nie Taufen lassen, worüber ich auch ziemlich froh bin. Ich glaube nicht an Gott und hab auch noch nie daran geglaubt, was aber nicht zu allen meiner Familienmitgliedern zutrifft, da die meisten Evangelisch getauft sind aber wir gehen nicht in die Kirche oder sowas. Ich hab nichts gegen Leute die daran glauben und lasse sie auch mit ihrem glauben (denn jeder wie er will). Mir selber fiele es aber sehr schwer an so etwas zu glauben da es meine Meinung ist, dass die Kirche auf gewisse Weise eine der größten Sekten ist die es gibt.
    Aber würde es einen Gott geben, würde er dann all den Scheiß wie Hunger oder den Tod unschuldiger zulassen? :(
    Ich rate dir das zu tun was du für richtig hältst :)


    LG. Mrs. Misery :angel:

  • Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn die Leute an etwas glauben, aber Religionsgemeinschaften sollte man meiner Meinung nach abschaffen. Sobald ein Religionslehrer seinen Gläubigen etwas vorpredigt, wird er dadurch automatisch in die Lage versetzt diese zu manipulieren. Menschen sind dann am gefährlichsten, wenn sie dem Wahn oder Fanatismus verfallen. Gerade dieses Risiko ist akut gegeben.
    Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn der dritte Weltkrieg von religiösen Fanatikern entfesselt wird. Ohne Religion würde es viel weniger Probleme geben und die Leute würden besser miteinander klarkommen.

    Hassen ist ein positiver Lebensstrom: das Verlangen nach Vernichtung, Angriff, der vom Kern ausgeht.
    (Oswald Spengler)

  • Zitat von Gargoyle

    Ohne Religion würde es viel weniger Probleme geben und die Leute würden besser miteinander klarkommen.


    Da liegst du falsch, denke ich. Unser Verhalten allgemein wird auf Grund von moralischen Ansichten und Grenzen reglementiert. Das du z.B. jemanden, der dich nervt, nicht einfach umbringst wie die berühmte Fliege.
    Nun, woher kommen diese moralsichen "Grund"-Sätze, die jeder Mensch in sich trägt? Initial und als erstes von den Religionen. Der Satz "Du sollst nicht töten" oder "Schlägt dich einer auf die Linke, halt ihm auch die Rechte hin" (keine Rache), stammen aus Religionen.
    Unser Strafrechtssystem setzt nicht auf Rache, sondern auf Behandlung und Reintegration auf (mit ein Grund das der Ruf nach härteren/längeren Strafen Blödsinn ist).


    Das einfachste und probateste Mittel um allgemeine und ja auch richtige moralische Grundsätze einer großen Gruppe von Menschen mitzugeben, die ein Zusammenleben einer größeren, unverwandten Gruppe erst ermöglichen, ist die Religion.


    Was du anführst sind einzelne, extremistische Strömungen innerhalb einer Religion. Das es diese aber auch ohne Religion oder sogar unter bewusster Ausklammerung der Religion geben kann, zeigten das 3. Reich als erstes und im Anschluss daran die UDSSR und deren Satelliten-Staaten. Was innerhalb dieser Länder, in denen Religion unterdrückt wurde, geschah ist nicht besser als das, was im Namen der Religion woanders und zu anderen Zeiten geschah und geschieht.


    Keine Religion ist von sich aus gewalttätig, sondern nur der Mensch, der sie in seinem Sinn interpretiert um eben die moralischen Gebote die ihn einschränken zu umgehen.

  • Daß die Religion die Moral erfunden hat ist auch nicht ganz richtig. Soziales Zusammenleben lässt sich sogar im Tierreich beobachten. Auch unsere Vorfahren wären wahrscheinlich schon längst ausgestorben, hätten diese sich ständig die Schädel eingehauen. Daß die Gesetze wie z.B. Strafrecht auf religiöse Regeln zurückzuführen sind, ist zwar richtig, allerdings wären diese früher oder später auch ohne die Religion eingeführt.


    Daß es ohne Religion weniger Kriege geben würde, darf auch angezweifelt werden. Somit ist so ziemlich jeder Konflikt nichts anderes als ein Streit über Ressourcen, Kontrolle über Ressourcen bzw auch Kampf um Lebensraum usw.
    Selbst islamistische Terroristen/Rebellen sind nichts anderes als indoktrinierte Söldner, auch wenn das viele nicht wirklich wissen.

  • Erstmal ein Hallo ans Forum, bin neu hier :mrgreen:


    Mich selber würde ich zwar nicht als Gegner der Religion betrachten, aber halte sie trotzdem für gefährlich.


    Besonders das Thema Moral hat mich nun dazu bewegt, selber einen Beitrag zuzusteuern.
    Natürlich propagieren Religionen sehr mit dem Thema Moral und viele dieser moralischen Dinge sind auch vom Grundsatz her Richtig. Allerdings ist es oftmals auch nur die Moral der einzelnen Religion. Soll heißen, es wird den Gläubigen eine Moral aufgezwungen. Das Problem dabei ist, dass diese Moral nicht den Werten der einzelnen Anhänger entspricht, sondern diese sich nur daran halten, weil sie Angst haben ausgetoßen zu werden, oder vielleicht sogar den Tod zu finden.
    Nehmen wir mal die Gegenseite. Leute wie mich die nicht an Religionen glauben und auch nicht an einen Gott in der Form, wie unsere größten Religionen in anpreisen. Ich selber würde niemals auf die Idee kommen anderen Menschen aus Spaß Schaden zuzufügen und ich wette vielen anderen Menschen hier (bzw ich hoffe allen hier) geht das genau so. Aber meine Moral kommt nicht von Gott oder der Religion, sondern einfach durch einen gesunden Menschenverstand. Hätte ich diese Moral nur durch die Kirche gehabt, säße ich jetzt als Agnostiker wohl den Rest meines Lebens unter Gewahrsam. Denn dann könnte ich ja nach Lust und Laune verletzen und töten, wenn meine Religion es mir nicht mehr verbieten kann...aber nein, ich will das ja nicht.
    Also meine Frage: Wäre es nicht furchtbar, wenn wir Menschen nur nett miteinander umgehen, weil Gott das so von uns will???


    In meinen Augen ein grausiger Gedanke. Gewaltbereite Menschen gab es schon immer und wird es auch immer geben. Viele von ihnen waren in Religionen.
    Ergo konnten sie sich nicht so ausleben...aber es gibt ja Schlupflöcher!
    Wobei wir beim nächsten Punkt wären. Denn diese Ganzen Moralvorstellungen und Gebote wie zb. die 10 Gebote, gelten in ihrem Ursprung nur für Anhänger der eigenen Religion. Wenn Moses (der bekanntlich Jude war) als sagt: Du sollst nicht töten! Dann heißt das im Klartext "Du sollst keine anderen Juden töten". Und Zack, konnte jeder der gerne Meuscheln wollte seine Gewalt an Gläubigen einer anderen Religion auslassen. Der größte Teil des Alten Testaments handelt vom Genozid an Andersgläubigen Völkern. Also Töten und plündern im Namen Gottes!
    Klar, das ganze ist mitlerweile ein weilchen her. Aber wie sieht es heute aus?
    Natürlich sind weite Teile der religiösen Menschen nicht Gewaltbereit und lassen andere Religionen neben sich leben. Aber es gibt immernoch mehr als genug die das nicht so sehen. Wie oft hört man von Morden aus religiösem Anlass, auchnoch 2014!
    Und das nicht nur in Muslimischen Ländern, sonder auch in christlichen Ländern wie z.B. in den USA. Noch heutzutage werden weltweit Angehörige anderer Glaubesnrichtungen, Andersdenkende, Randgruppen, Atheisten und ganz besonders Homosexuelle und Frauen aufs übelste diskriminiert, wenn nicht sogar getötet, weil irgendjemand irgendwann mal gesagt hat, das solche Dinge nicht in Gottes Willen liegen.
    Natürlich tolerieren die meißten Anhänger mitlerweile sehr viel, aber dennoch sind es viel zu wenige. Alle anderen lässen ihre Wut an oben genannten Gruppen raus, denn schließlich haben sie Gottes segen.


    Ich finde das hat nichts mit Moral zu tun, sonden mit Angst nach dem Motto "Wenn ich jetzt meinen Nachbarn schlage, der die gleiche Religion hat, bestraft Gott mich dafür, aber zum Glück hat das Nachbarland eine andere Religion, dann kann ich da ja Menschen beschimpfen, verletzen oder töten, weil die denken ja eh falsch"
    Bei einem einzelnen wäre das vielleicht nicht so tragisch, doch in vielen Gegenden hält die Bevölkerung Menschen die anders denken für minderwertig, weil ihre religion ihnen das gesagt hat.
    Gefährlich wird es ab dem Punkt wenn irgendwer, der viel Macht in einem Land hat und noch mehr haben möchte sich dann denkt: "Das Nachbarland hat gute Ressourcen, die will ich haben. Aber meine Leute werden nicht für meine Macht töten gehen, also erzähle ich ihnen, dass diese Menschen ihre Religion beleidigt haben"


    Ich hoffe mir werden jetzt einige Zustimmen, das Moral nichts mit Religion zu tun hat. Denn wer gut sein will, wird gut sein und wer böse sein will böse, wenn auch über Umwege!


    Ach und zu Adolf Hitler. Zwar war er laut Belegen nicht gläubig, hat aber seine Armeen und Bevölkerung öffentlich trotzdem unter Gottes Namen kämpfen lassen. Es wurde immer propagiert, dass die deutschen von Gott auserwählt wurden, um die Erde zu reinigen.


    Soviel erstmal zu meiner Ansicht zum Thema Religion ;)

    "Was ohne Beweis behauptet werden kann, kann auch ohne Beweis abgelehnt werden." - Christopher Hitchens



    Wer weiß muss nicht glauben.

  • Nachdenker


    Ja, es lassen sich in der Natur bei Tieren auch soziale Verhaltensweisen beobachten. Aber erschreckender Weise gerade bei höheren Tieren, wie z.B. Schimpansen und Elefanten, gibt es auch ein weit verbreitetes Verhalten, das wir als asozial und unmoralisch bezeichnen würden, wie das Töten von Kindern oder das Überfallen von Artgenossen (z.B. bei Schimpansen), dabei kommt es sogar zum Gebrauch von Steinen und Knüppeln als Waffen.


    Estebenjo


    Ja, natürlich impft Religion moralische Werte über Angst vor Sanktionen ein, nichts anderes tut unser Strafgesetzbuch. Nehmen wir die Steuerhinterziehung, die viele für moralisch vertretbar halten, so lange bis sie bedroht sind entdeckt zu werden und sich dann selbst anzeigen.
    Ähnliches gilt für weitergehendes Verhalten. Wäre uns als wir Kinder waren nicht eingeimpft worden, das man nicht tötet, wir hätten keine moralischen Skrupel.
    Natürlich gab es vorher schon moralisches Empfinden innerhalb eines Familienverbundes (schrieb ich bereits), aber diese Moral bezog sich nicht auf Menschen außerhalb dieses Familienverbunds. Warum nun wendet man in einem Familienverbund moralische bzw. soziale Verhaltensweisen an? Weil man sonst von der Gruppe verstossen wird, man wird ausgeschlossen/verbannt. Also erfolgt auch hier die moralische Reglementierung über die Androhung von Sanktionen.


    Ich verweise da gerne auf das Stanford Experiment und die damit verwandten Experimente, wo Menschen, denen versichert wurde keinerlei Sanktionen befürchten zu müssen und unmoralisches Verhalten gesellschaftlich in diesem Moment akzeptiert und notwendig sei, gefoltert und unterdrückt haben.
    Du kennst das Experiment, wo den Probanden erzählt wurde, das sie den Lernerfolg von für sie nicht sichtbaren Kandidaten kontrollieren und im Bedarfsfall durch Stromstöße sanktionieren sollten? Nun diese Menschen haben ihren Testkandidaten (die sie nicht sahen, nur hörten) Stromstöße in schon gefährlicher Stärke verpasst und wurden mit Bettelrufen und auch Kindern konfrontiert. Und die meisten Probanden haben bestraft und gefoltert.
    Soviel zu der Moral, die wir in uns tragen. Moral ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit für das Zusammenleben, jedoch immer aufgeimpft und nie aus uns selber heraus. Natürlich ist unser Intellekt in der Lage, ein gewisses notwendiges Verhalten für ein Zusammenleben zu erkennen und anzuwenden. Jedoch, das Tier ins uns überwiegt schnell.