RLP: Hobby-Schatzsucher macht einmaligen Fund und zerstört dabei Fundstelle

  • Ein Freizeit-Schatzsucher ist in Rheinland-Pfalz auf einen einmaligen Gold- und Silberschatz aus der spätrömischen Zeit gestoßen. Die Freude über den Fund ist groß, auch wenn solche Expeditionen für Privatpersonen eigentlich streng verboten sind.



    Einen wertvollen Gold- und Silberschatz aus spätrömischer Zeit hat ein Schatzsucher im Wald in Rheinland-Pfalz ausgegraben. Das berichteten die Behörden am Dienstag. Archäologen sprachen in Mainz von einem bundesweit einmaligen Fund. Der Wert der antiken Stücke liege bei weit mehr als einer Million Euro.
    Sie präsentierten goldene Verzierungen eines Gewands, einen Silberteller, eine Silberschale sowie Reste eines vergoldeten und versilberten Klappstuhls. Gefunden habe den "Barbarenschatz" ein sogenannter Raubgräber, der illegal ohne Genehmigung unterwegs war. Der Mann habe den Fundort im Wald bei Rülzheim bei seinen Grabungen zerstört.


    Weiterlesen: http://www.focus.de/wissen/men…en-schatz_id_3624563.html


    Interessantes Streitthema aktuell. Der Mann hat sich anscheinend schon öfter mit nem Metalldetektor, wie tausende andere Deutsche, auf hobbyarchäologische Touren begeben; jetzt hat er zufällig nen sensationellen Fund gemacht. Ohne professionelle Ausrüstung zerstört man hierbei teilweise historische Fundorte natürlich, und normalerweise findet man dabei auch nichts. Gegen den Mann wird jetzt ermittelt.
    Rechtfertigt der Zufallsfund seine Touren, oder ist das nichts anderes als Grabräuberei? Gehört der Typ bestraft, soll man Gnade vor Recht ergehen lassen weil er den Fund zumindest zu Teilen ans Land übergeben hat, oder sollte man ihm gar nen Finderlohn geben?


    Die übergebenen Teile des Fundes werden demnächst ausgestellt; sie sind deutschlandweit einzigartig.

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  • Gegen welches Gesetz verstoesst man genau bei solchen Aktionen?

    Artikel:
    "Die Suche mit einem Metalldetektor sei in Rheinland-Pfalz eine Ordnungswidrigkeit, die Entnahme archäologischer Funde ein Eigentumsdelikt, deren unterlassenes Melden eine Unterschlagung und ein Verkauf Hehlerei."

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  • Er gehoert in jedem Fall bestraft. Wer ein Gesetz uebertritt, muss bestraft werden, ganz einfach. Wenn jemand einen Kinderschaender totschlaegt werden auch einige applaudieren, aber man kann trotzdem nicht Gnade vor Recht ergehen lassen.


    Nehmen wir jetzt mal an er haette den Schatz ausgegraben und sofort die Behoerden informiert, dann denke ich koennte man die Ordnungswidrigkeit uebersehen, und auch einen Finderlohn wuerde ich fuer angebracht halten. Aber wenn er einen Teil des Schatzes behalten hat, das geht nicht.

    Tina

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  • Aber wenn er einen Teil des Schatzes behalten hat, das geht nicht.

    Ob er das hat, ist nicht geklärt; man sucht ihn ja noch, wies scheint. Was oben zu sehen ist, hat er anonym übergeben.
    Ich vermute auch einfach mal, da hier in Deutschland eigentlich alles irgendwem gehört, muss ich bei so ner Aktion immer auch erst irgendwo einbrechen und begehe schlussendlich halt Sachbeschädigung.


    aber man kann trotzdem nicht Gnade vor Recht ergehen lassen.

    Man lässt in ein Urteil aber immer auch die Umstände einfließen, sonst bräuchte es keine Richter, die Strafmaße abwägen. Hier in diesem Fall ist durch das Delikt ein gewaltiger Nutzen entstanden.

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  • Rechtfertigt der Zufallsfund seine Touren, oder ist das nichts anderes als Grabräuberei?

    Definitiv letzteres, denn ohne eine professionelle Ausgrabung verliert so ein Fund massiv an wissenschaftlicher Aussagekraft. Raubgräber sind in der Regel auf möglichst "tolle" Funde aus. Archäologen sind aber an der Gesamtheit der Funde und Befunde interessiert. Dazu gehören auch unscheinbare Keramikscherben, Knochen, organische Reste etc. Das allermeiste davon geht bei einem unprofessionellen Durchwühlen des Bodens unweigerlich verloren.


    Zitat

    Gehört der Typ bestraft, soll man Gnade vor Recht ergehen lassen weil er
    den Fund zumindest zu Teilen ans Land übergeben hat, oder sollte man
    ihm gar nen Finderlohn geben?

    Dazu gibt es in den 16 Bundesländern ganz unterschiedliche Regeln. Jedoch ist es meines Wissens nirgendwo erlaubt, einfach so zu graben ohne zumindest den Besitzer des Grundstücks um Erlaubnis zu fragen. Außerdem gibt es eigentlich überall die Möglichkeit, sich in Zusammenarbeit mit den Landesdenkmalämtern als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger zu engagieren. Wer heimlich auf eigene Faust loszieht, hat kein ernsthaftes Interesse an der Erforschung und Bewahrung der Vergangenheit und gehört damit zu Recht bestraft.


    Tina
    Solche Aktionen werden von den Denkmalschutzgesetzen der einzelnen Bundesländern geregelt.

    Das Glück des Forschers besteht nicht darin, eine Wahrheit zu besitzen, sondern die Wahrheit zu erringen.
    - Max Planck -

  • Zitat

    Man lässt in ein Urteil aber immer auch die Umstände einfließen, sonst bräuchte es keine Richter, die Strafmaße abwägen. Hier in diesem Fall ist durch das Delikt ein gewaltiger Nutzen entstanden.


    Na also wenn bei jedem Delikt eine Schaden-Nutzen-Rechnung aufgestellt wuerde, wo kaemen wir da hin? Mal angenommen eine Stadt hat irgendwo ein baufaelliges leerstehendes Gebaeude stehen, und das Geld fehlt um es abzureissen. Wenn ich dann nachts hingehe und es anstecke, so dass das Gebaeude nicht nur weg ist, sondern die Stadt auch noch eine Versicherungssumme dafuer erhaelt, muss ich dann nicht wegen Brandstiftung bestraft werden, weil die Stadt einen Nutzen aus meinem Delikt hat ziehen koennen?

    Tina

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  • Wenn ich dann nachts hingehe und es anstecke, so dass das Gebaeude nicht nur weg ist, sondern die Stadt auch noch eine Versicherungssumme dafuer erhaelt, muss ich dann nicht wegen Brandstiftung bestraft werden, weil die Stadt einen Nutzen aus meinem Delikt hat ziehen koennen?

    Abgewägt wird immer, du wirst ja auch für nen Totschlag anders bestraft als für nen Mord, obwohl du in beiden Fällen nen Menschen tötest. Außerdem spricht der Gesetzgeber immer auch von den sogenannten minderschweren Fällen.
    Soll heißen, rein logisch betrachtet, ja, ich hielte es für angemessen, die Zerstörung eines leeren Gebäudes, das nächste Woche abgerissen werden sollte, geringer zu sanktionieren, als die Zerstörung eines bewohnten Mehrfamilienhauses; und ich denke, dass das auch der Fall wäre.


    Aber ja, der Typ hier hatte halt tatsächlich nur ein Schweineglück bei seiner Aktion. Vergleichbar, wie wenn ich nen Laden ausraube, und dabei zufällig feststelle, dass dieser Drogen verkauft.

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  • Zitat

    Soll heißen, rein logisch betrachtet, ja, ich hielte es für angemessen, die Zerstörung eines leeren Gebäudes, das nächste Woche abgerissen werden sollte, geringer zu sanktionieren, als die Zerstörung eines bewohnten Mehrfamilienhauses; und ich denke, dass das auch der Fall wäre.


    Ja natuerlich. Heisst aber nicht, dass man deswegen voellig straffrei ausgehen sollte. Zumal die Abwaegung ja auch nicht aus dem Grund erfolgen wuerde, dass die Stadt einen Nutzen daraus gezogen hat, sondern daraus, dass ich bewusst niemanden gefaehrdet habe bei dem Beispiel mit der Brandstiftung.

    Tina

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  • Hi


    Das Problem bei solchen Sondengängern ist auch das sie Teils fahrlässig mit dem Leben Anderer umgehen.
    Viele suchen nach Orden und anderen Ehrenabzeichen.(Die als Orginal richtig was wert sind) .Dabei wird sehr oft Munition etc freigelegt und liegen gelassen.
    Kommt ja immer wieder vor das irgendwelche Leute dann beim spazieren gehen freigelegte Granaten und sowas finden.


    Zum Topic


    Ich denke der hat das abgegeben weil als Laie ist es relativ schwer solche Funde loszuschlagen.
    Da die Fundstücke Museumscharakter haben wären sie nur für Museen interessant und die meisten Museen verlangen einen Nachweis woher solche Funde stammen.
    Klar kann man so etwas auch bei Ebay verhöckern, nur zieht man dann unnötig Aufmerkamkeit auf sich und erziehlt auch nicht die Preise die man vielleicht gerne haben möchte.


    Da es sich um einen wahrscheinlich denkmalgeschützen Schatz handeln wird, steht dem Finder wohl nur ein Finderlohn zu. Diesen wird er aber wahrscheinlich nicht ausgezahlt bekommen.
    Einfach kann man sagen, findet man was gehört die Hälfte demjenigen dem der Grund gehört und die andere Hälfte dem Finder.Ausnahmen sind aber halt historische,kulturelle,archäologische wichtige Funde.
    Bei diesen hat das jeweilige Bundesland meistens ein "Aneignungsrecht" und man bekommt nur einen Finderlohn.

    But now the rains weep o'er his hall,
    with no one there to hear.
    Yes now the rains weep o'er his hall,
    and not a soul to hear.

  • Tut mir Leid wenn ich euch ein bisschen korrigieren muss. Seit 01.01.2014 gilt in Deutschland, das alle Funde die im Boden gemacht werden unabhängig davon, wem der Boden gehört in den Besitz des Bundeslandes übergehen.
    Bereits seit mehreren Jahren ist geregelt, das es für archäologische Funde keinen Finderlohn gibt. Der Gesetzgeber verlangt die komplette Übergabe ohne finanziellen Ausgleich.
    So hat im Jahr 2013 eine 11jährige Schülerin beim Spielen im Wald einen Münzschatz entdeckt, der mehrere Millionen Euro wert ist und hat nichts! dafür bekommen. Das Museum schließlich hat ihr eine Münze geschenkt als Anerkennung sowie lebenslang kostenlosen Eintritt.


    Jeder der also privat sondiert, ist ein Raubgräber. Deswegen werden Sondengänger tagsüber auch gerne von den Ordnungsämtern kontrolliert und des Geländes verwiesen.

  • Zitat

    Jeder der also privat sondiert, ist ein Raubgräber. Deswegen werden Sondengänger tagsüber auch gerne von den Ordnungsämtern kontrolliert und des Geländes verwiesen.


    Typisch deutsch. Wenn ich der Meinung bin in meiner Freizeit mit ner Sonde rum zu rennen , dann ist das doch meine Sache. Theoretisch gehört das was ich finden würde eigentlich mir solange es nicht auf einem Privatbesitz ist sondern im öffentlichen Raum. So ist mein Rechtsverständnis. Aber das ist echt typisch sobald man was wertvolles findet soll man es abgeben. Wäre bei den Amerikanern undenkbar.

  • Nein Tak, was du in öffentlichem Boden findest, gehört nicht dir sondern der Allgemeinheit. Nach Herzenslust buddeln darft du nur auf deinem persönlichen Grund und Boden. Und wie ich schon oben schrieb: Archäologie ist nicht das planlose Buddeln nach möglichst tollen Funden sondern das genaue Dokumentieren von Funden und Befunden in ihrem Gesamtzusammenhang. So etwas setzt eine Ausbildung vorraus. Wer planlos buddelt zerstört mehr als er bewahrt.

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  • Siehst du Takwando,


    daran sieht man dein mangelndes Rechtsverständnis. Wenn du etwas findest, was im Boden begraben liegt, dann gehört es weder dir, noch hast du einen Rechtsanspruch darauf. Woher soll der auch stammen? Du hast es weder verloren noch dort abgelegt und vergraben. Du hast es nur gesucht, bzw. gefunden.
    Und damit eben nicht jeder wild die Kulturschätze unseres Landes plündert und raubt, genau deswegen gibt es Gesetze die ganz klar regeln, das nichts von dem was du im Boden findest, noch nicht mal wenn dir der Boden gehört, deins ist, sondern dem Volk und damit dem deutschen Staat gehört. Wenn du also Funde raubst und nicht abgibst, ist das schlicht und ergreifend Diebstahl an der Allgemeinheit.

  • Zitat

    daran sieht man dein mangelndes Rechtsverständnis.


    Das kommt auf die jeweiligen Gesetze an. Es gibt auch Länder wo dem Finder der Fund gehört. Und sind wir doch mal ehrlich Welchen Rechtsanspruch hat den ein Archäologe oder der Staat an Gold ? " eigentlich auch keinen größeren" wenn wir mal ehrlich sind.

  • Zitat

    Es gibt auch Länder wo dem Finder der Fund gehört.


    Aber in Deutschland ist das nunmal nicht so. Ich finde es allerdings ziemlich krass, dass es nichtmal einen Finderlohn gibt! Soweit ich weiss, hat das Paar, dass Oetzi entdeckt hat, in der Tat einen Finderlohn bekommen.

    Tina

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  • Klar kann man hier mit Rechtsverständnis und Moral anfangen, aber ich kanns durchaus nachvollziehen, dass einer, der nen Sensationsfund macht, und genau weiß, dass er nichts dafür kriegen wird, erstmal nachdenkt, bevor er das an den selbstbestimmten "rechtmäßigen Eigentümer" übergibt. Soll heißen, klar "It belongs in a Museum".
    Aber ich sags mal so; wenn ich meinen Geldbeutel verliere, und mir den einer wiederbringt, werde ich dem auch ne Entlohnung für den Aufwand geben; obwohl das Ding in dem Fall vorher sogar tatsächlich bereits mir gehört hat.
    Da greift dann statt Rechtsverständnis auch Höflichkeit und Anerkennung; wiederum Begriffe, die du in der Bürokratie weniger findest. Warum eigentlich? Macht das Zusammenleben angenehmer.

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  • Ja ich bin auch der Meinung einen angemessenen Finderlohn solltes es geben. Wenn das in ein Museum gestellt wird machen die damit Geld. Das heißt Jemand opfert seine Freizeit findet etwas und der Staat eignet es sich an und verdient daran. Und hat eigentlich auch nicht mehr Anspruch darauf als der Finder , sitzt halt nur am längeren Hebel da er seine Gesetze so gestalten kann wie er will.

  • Zitat

    Wenn das in ein Museum gestellt wird machen die damit Geld.


    Nunja, erfahrungsgemaess machen die meisten Museen weit weniger Geld, als der Unterhalt der Raeumlichkeiten verschlingt und sind auf Spenden und Steuern angewiesen. Ein Museum ist in der Regel kein gewinnbringender Betrieb, wenn es sich nicht grade um den Louvre handelt, und selbst da bin ich mir nicht sicher.

    Tina

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