Das Quagga-Projekt


  • Hallo heute möchte ich euch einmal das Quagga-Projekt vorstellen. Es ist ein etwas spezielleres Projekt und ich habe mich damit ein wenig befasst. Fangen wir mal mit den grundlegenden Dingen an.


    Das Quagga
    Das Quagga starb in etwa während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Ausrottung aus. Generell ist die Rückzüchtung ausgestorbener Tierarten nicht möglich da das gesamte Genmaterial verloren gegangen ist. Ist ja auch logisch, wer denkt schon daran dass wenn er z.B den Dogo ausrottet dass man ihn später eventuell wiedergebrauchen wird und sichert deshalb Genmaterial. Aber das ausgestorbene Quagga war gar keine eigene Art, wie einige Wissenschaftler ursprünglich angenommen haben. Wie Gentests ergeben haben, ist das Quagga eine Unterart des Steppen-Zebras

    Das Quagga-Projekt

    Wissenschaftler gründeten 1986 den Quagga Projektausschuß. Man hoffte dass man durch selektive Züchtung ausgewählter, frei lebender, Tiere die Quagga Gene so zu konzentrieren, dass dadurch eine den ursprünglichen Quaggas ähnliche Population entsteht.


    Beim Quagga-Projekt versucht man eine Population von Steppenzebras zu züchten die in ihrem Aussehen und auch genetich (natürlich nicht identisch) den Quggas ähnlich sind. Jede vorhandene Zebraart weist große Variationen auf und schließen Tiere mit ein, die einige Eigenschaften der Quaggas, zum Beispiel eine bräunliche Grundfarbe, geringe Steifenmuster und einen weißen Schweif haben. Durch konservierten Fellen wird allerdings offenkundig dass diese ehemalige Unterart große Unterschiede im Vergleich zum Steppenzebras aufwies.


    Meine Meinung
    Im Grunde genommen kann man sagen dass das Quagga kein richtiges Quagga ist, es aber äußerlich und auch genetisch dem Quagge sehr ähnelt. Was haltet ihr davon und wie seht ihr dieses Projekt an? Ich finde dass dieses Projekt sehr viel potential bietet, es allerdings höchstwahrscheinlich einmalig sein wird und nicht auf andere Tierarten übertragbar ist.


    Quelle: Quaggaproject.org | kwagga.de

    Mit der Schwerkraft verhält es sich wie mit dem Wahnsinn. Manchmal reicht schon ein kleiner Schubser!

  • Wie ich schon im anderen Thread erwähnte es ist halt nicht das "Original", daher vergeblich. Auch wenn es im Grunde genommen nur eine Variante einer noch existierenden Art (Steppenzebra) ist.
    Wir werden also nicht einfach so verschwundene Arten zurückholen können.


    Ähnlich könnte es auch mit Tigerarten usw sein. z.B. Bali-Tiger oder Kaspischer Tiger (wobei noch die Frage ist ob es nicht doch nur der Sibirische Tiger war).


    Für Auerochse und Beutelwolf sehe ich da komplett schwarz

  • Danke für die Infos Joker.


    Ich denke es läuft, wie du schon sagtest, nur darauf hinaus, etwas zu züchten, was "ähnlich" ist, also so aussieht, als ob. Ist wie bei einer Filmkulisse. Aber die Eigenarten eines Tieres, wie seine Widerstandskraft gegen Krankheiten und Witterungen, Charakterzüge, etc. lassen sich so natürlich nicht reproduzieren. Die elementaren Eigenschaften des Tieres bzw. der Tierart sind verloren und lassen sich auch durch eine Rückzüchtung nicht wieder ans Tageslicht fördern.
    Ob solch ein Projekt dann noch wirklich Sinn macht, steht auf einem anderen Blatt. Es wirkt dann mehr so, als ob es sich lediglich um Anschauungsobjekte handelt, tauglich um sie in Zoos auszustellen. Aber eine Integration in die freie Wildbahn würde nur wieder eine Zurückmischung ergeben.
    Und da durch die Kombination von genetischen Faktoren und deren Aufsummierung vermutlich auch der Genpool dieser Nachzüchtungen in sich sehr klein ist, ist damit zu rechnen das die Qualität der enthaltenen Gene eher angegriffen ist und bei einer Zurückmischung diese Störfaktoren dann in die restlichen Gruppen integriert werden.

  • Toller Thread, danke!
    Dieses Projekt war mir so noch gar nicht bekannt...


    Zitat von Nachdenker

    Wie ich schon im anderen Thread erwähnte es ist halt nicht das "Original", daher vergeblich.

    Im anderen Thread gings um Klonen, hier um Abbildzüchtung. Mal davon ab, dass du das im anderen Thread auch schon durcheinander gehauen hast: Das Ziel ist eben nicht die Selbe Art wieder zu schaffen, sondern eine, die der Ausgestorbenen so nahe wie Möglich kommt.
    Und das Ganze ist eben nicht vergeblich, weil man ja gar nicht versucht, die ausgestorbene Art wieder hinzubekommen.
    Erweitertes Ziel ist die (Halb-)Auswilderungen in ehemaligen Gebieten, um so eine Stellvertreter-Funktion einzunehmen, damit das Ökosystem dort nach der Ausrottung der eigentlichen Art nicht noch weiter geschädigt wird; bestenfalls sich wieder erholt.
    Und dieses Vorgehen finde ich persönlich sehr löblich!


    Zitat von Silver

    Aber die Eigenarten eines Tieres, wie seine Widerstandskraft gegen Krankheiten und Witterungen, Charakterzüge, etc. lassen sich so natürlich nicht reproduzieren.

    Na da lehnst du dich aber weit aus dem Fenster.
    Widerstandskraft, Charakterzüge etc. lassen sich theoretisch ebenso ähnlich heranzüchten, wie Aussehen und Größe. Bei solchen Abbild-Züchtungsversuchen sind das zumeist auch Faktoren, auf die geachtet wird.


    Zitat von Silver

    Es wirkt dann mehr so, als ob es sich lediglich um Anschauungsobjekte handelt, tauglich um sie in Zoos auszustellen.

    Nein. Vergleiche hierzu andere Abbildzüchtungen und Rewilding-Projekte (Heckrind, Bergwisent, Konik, etc).


    Zitat von Silver

    Aber eine Integration in die freie Wildbahn würde nur wieder eine Zurückmischung ergeben.

    Das stellt in diesem Fall in der Tat ein Problem dar. Halbwilde Haltung wäre da eine Alternative, also großfläche abgesteckte Areale, in denen die Tiere frei leben können, aber räumlich von der anderen Art getrennt sind.


    Zitat von Silver

    Und da durch die Kombination von genetischen Faktoren und deren Aufsummierung vermutlich auch der Genpool dieser Nachzüchtungen in sich sehr klein ist, ist damit zu rechnen das die Qualität der enthaltenen Gene eher angegriffen ist und bei einer Zurückmischung diese Störfaktoren dann in die restlichen Gruppen integriert werden.

    Das ist aber nicht unbedingt zwingend. Oder wie siehts mit dem Wisent aus?


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Ja Davy wie sieht es mit dem Wisent aus? Wir haben ein Tier, was so aussieht. Aber entspricht dieses Tier in seinem Genpol wirklich dem, wie es früher einmal war? Der Genpool ist ja etwas, was in langer Zeit entstanden ist. Und maßgeblich durch die Umwelt beeinflusst. Wie soll so etwas durch Züchtung reproduziert werden, wenn das Original fehlt?
    Es weiß schlicht keiner, ob die Kopie der Vorlage entspricht. Und bei Tieren, die kaum erforscht waren/sind, wer will schon sagen ob die Abbildzüchtung denn in Verhalten und Widerstandsfähigkeit dem Original entspricht?

  • Moment, jetzt haust du hier 2 Paar Schuhe durcheinander.


    Mit Wisent meinte ich das Wisent allgemein, also die noch lebende echte Art Flachlandwisent, und nicht das Bergwisent (wie weiter oben angesprochen).
    Das Flachlandwisent ist keine Abbildzüchtung sondern wirklich die alte, immer noch existierende Art. Also ist es heutzutage auch wirklich das Tier, was früher schon existierte. Das Original, wenn du es so willst.
    Was ich hier mit Genpool meinte ist, dass die gesamte heute lebende Wisentpopulation aus nur 12 Tieren gezüchtet wurde.
    Das zeigt doch, dass es auch möglich ist aus einem kleinen Genpool eine Art zu erhalten. Warum nicht auch beim Quagga 2.0?


    Das Bergwisen ist sozusagen die Abbildzüchtung. Wobei auch nicht wirklich. Die heute lebenden "Bergwisente" sind Hybriden aus Berg- und Flachlandwisent. Und doch werden sie wieder dort angesiedelt, wo das Bergwisent früher beheimatet war. Einfach weil es das beste ist, was dem früheren Standpunkt am nächsten kommt. Rewilding.


    Klar kriegt man den Urzustand nie wieder hin, jedoch kommt man so dicht wie möglich ran. Und das ist besser als gar nix. ;)


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Auch mal wieder was dazu gelernt, wußte gar nicht daß es 2 verschiedene Wisent gibt, allerdings ist mir bekannt daß das Wisent allerdings durch Zoohaltung gerettet wurde. Und wird daher häufig als Argument bei Pro Zoo genutzt.


    Trotzdem bin ich von Rückzüchtungen auch nicht wirklich überzeugt, es ist halt nicht die selbe Art und ob das Bergwisent oder Quagga tatsächlich so für das Ökosystem benötigt wird, ist auch schwer beweisbar.
    Damit will ich Artensterben nicht relativieren, jede ausgestorbene Art ist ein Verlust für die faszinierende Artenvielfalt der Erde und Artenschutz ist daher nötig.


    Zur Wildreservaten:
    Im TV erzählte mal ein Veritinär aus Südafrika der Krügernationalpark z.B. sei heute auch nicht viel mehr als ein besserer Zoo.

  • Interessant was für Diskussionen hier entstehen. *g*


    Ich finde aber auch dass es gefährlich ist, wenn man solche Möglichkeiten besitzt. Man kann ja einfach sagen dass wir eh DNA-Vorräte haben oder wir genau wissen wie das Wisent oder andere Tiere aufgebaut sind, und deshalb ohne Gefahr auf Ausrottung töten kann. Man hat ja die Reserven, wie seht ihr das?

    Mit der Schwerkraft verhält es sich wie mit dem Wahnsinn. Manchmal reicht schon ein kleiner Schubser!

  • Ja es existieren "Artenreserven" die alleine helfen aber auch nicht viel weiter. Übrigends die größte Ausrottungsgefahr ist allerdings nicht Jagd oder Wildfängerei (für illegalen Exotenhandel) sondern Lebensraumvernichtung z.B. durch Agrarwirtschaft oder Bauprojekte usw.
    Solange das Problem nicht gelöst braucht man sich über Arterhaltung auch keine Gedanken mehr machen.


    Der Hauptgrund warum Zoos gar nicht oder ganz selten auswildern ist, weil man nicht genau weiß wo man die hinbringen soll. So entstehen z.B. auch zweifelhafte Projekte wie chinesische Tiger in Südafrika auszuwildern.

  • Zitat von Nachdenker

    Trotzdem bin ich von Rückzüchtungen auch nicht wirklich überzeugt, es ist halt nicht die selbe Art und ob das Bergwisent oder Quagga tatsächlich so für das Ökosystem benötigt wird, ist auch schwer beweisbar.

    Nö, das ist eigentlich gar nicht so schwer beweisbar.
    Jedes Tier ist wichtig für sein Ökosystem.
    Verschwindet das Tier, wird der freie Platz entweder von einer anderen Art mit ähnlichem Job ausgefüllt (wie beispielsweise beim Steppenzebra, dass den Platz des Quagga eingenommen hat), oder aber die Umwelt verändert sich (wie zum Beispiel die explodierenden Wild-Populationen in Deutschland durch den fehlenden Wolf).
    Ein ganz eindeutiger Beweis ist übrigens (und ja, ich komm mir schon blöd vor den ständig zu erwähnen) Oostvaadersplassen. Wiederherstellung des Urzustandes der Landschaft durch Rewilding. Man macht sozusagen die Veränderung des Ökosystems durch Ausrotten/ Vertreiben verschiedener Arten rückgängig.


    Zitat von Nachdenker

    Zur Wildreservaten:
    Im TV erzählte mal ein Veritinär aus Südafrika der Krügernationalpark z.B. sei heute auch nicht viel mehr als ein besserer Zoo.

    Ähm ja, das ist ein Wildreservat - und noch dazu das weltweit bekannteste und prestigueträchtigste.
    Ein denkbar schlechter Standpunkt, um von dort aus hochzurechnen. ;)


    Zitat von Nachdenker

    Damit will ich Artensterben nicht relativieren, jede ausgestorbene Art ist ein Verlust für die faszinierende Artenvielfalt der Erde und Artenschutz ist daher nötig.

    Dem stimme ich ja zu.
    Nur wenn wir es schon geschafft haben eine Art auszurotten, dann sollen wir auch gefälligst Schadensbegrenzung vornehmen und nicht einfach sagen "Scheiße, aber ist passiert. Das Kind ist im Brunnen. Gucken wir lieber in einen anderen Wald..."


    Zitat von Joker

    Ich finde aber auch dass es gefährlich ist, wenn man solche Möglichkeiten besitzt. Man kann ja einfach sagen dass wir eh DNA-Vorräte haben oder wir genau wissen wie das Wisent oder andere Tiere aufgebaut sind, und deshalb ohne Gefahr auf Ausrottung töten kann. Man hat ja die Reserven, wie seht ihr das?

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht worauf du hinaus willst.
    Bei Rück- und Abbildzüchtungen hat man keine DNA vorrätig. Im Gegenteil, Die ist weg. Man versucht nur (auf sehr mühevolle Art und Weise) so nahe wie möglich wieder ran zu kommen.


    Zitat von Joker

    Ohne Lebensraum wohin mit der Tierart? Bringt doch eh nix.

    Gefährliche Formulierung! ;)
    "Bringt doch eh nix" heißt Resignation.
    Da muss man anders ran gehen: wenn man die Möglichkeit hat erstmal Tiere wieder auszuwildern, dann finden sich auch leichter Lebensräume. Da spielt die Politik ne Rolle...


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • @Davy


    Ich meinte damit dass wenn man einmal die DNA von den verschiedensten Tieren hat, und die dann da durch klonen kann, muss man keine Acht mehr darauf geben dass diese aussterben man hat die DNA ja vorrätig und somit auch das Tier.


    Ich war in Eile, hatte keine Zeit auszuformulieren. Ich meinte damit lediglich dass wenn man keine Lebensräume mehr für das Tier besitzt weil diese alle vom Menschen besetzt werden, dann bringt es nichts wenn man ein Tier wieder versucht Rückzuzüchten weil man ja keinen geeigneten Lebensraum mehr hat. Das wäre nur Unfair gegenüber dem Tier.

    Mit der Schwerkraft verhält es sich wie mit dem Wahnsinn. Manchmal reicht schon ein kleiner Schubser!

  • Noch nicht.. kann sich sehr schnell ändern und wir in Deutschland haben keinerlei Kontrolle über Afrika oder so wo gerade diese Ausbeuterei und Wilderei statt findet.

    Mit der Schwerkraft verhält es sich wie mit dem Wahnsinn. Manchmal reicht schon ein kleiner Schubser!

  • Dafür haben wir hier selbst Lebensräume, die es zu schützen und zu erhalten gibt.
    Vielleicht einfach mal da anfangen und nicht immer gleich in Afrika rumstochern. ;)


    Aber jetzt mal Butter bei die Fische, Joker. Ich lese bei dir nur noch eine negative Grundstimmung raus. Glaubst du wirlich es ist schon Hopfen und Malz verloren, also egal was und ob überhaupt wir was tun...?


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther

  • Also ich glaube schon dass wir etwas dagegen tun können aber die Frage die mich quält ist eher was genau? Wir, die Vernünftigen haben doch keine Kontrolle über Ausbeuter, oder? Da hindert uns unter anderem das Gesetz.


    Zitat


    Aber jetzt mal Butter bei die Fische, Joker. Ich lese bei dir nur noch
    eine negative Grundstimmung raus. Glaubst du wirlich es ist schon Hopfen
    und Malz verloren, also egal was und ob überhaupt wir was tun...?

    Ich lasse mich derzeit ein wenig von meinen Gefühlen beeinflussen. :x


    Zitat

    Ein ganz eindeutiger Beweis ist übrigens (und ja, ich komm mir schon
    blöd vor den ständig zu erwähnen) Oostvaadersplassen. Wiederherstellung
    des Urzustandes der Landschaft durch Rewilding. Man macht sozusagen die
    Veränderung des Ökosystems durch Ausrotten/ Vertreiben verschiedener
    Arten rückgängig.

    Um noch einmal darauf zurück zu kommen. Woher weiß man denn dass die Art vorher dort nicht gelebt hat? Außer jetzt durch Beobachtung? Sagen wir der Mensch war 200 Jahr lang vor Ort, hat immer wieder geforscht etc. Kann man dann das Ökosystem vor Ort wieder auf den Status von vor 200 Jahren zurück setzen oder sogar noch früher?

    Mit der Schwerkraft verhält es sich wie mit dem Wahnsinn. Manchmal reicht schon ein kleiner Schubser!