Traumatisches Erlebnis verarbeiten

  • Hallo alle zusammen,


    der Titel lässt erahnen, dass es um ein traumatisierendes Ereignis geht, das ich - leider - selbst miterleben musste. Ich erzähle Euch davon nicht, weil Aufmerksamkeit suche, sondern weil ich gern wissen möchte, ob Ihr schon Ähnliches erlebt habt, wie Ihr damit umgegangen seid oder umgeht und wie Ihr darüber denkt, wenn Ihr jetzt zurückblickt.


    Hinweis: Zarte Gemüter lesen besser nicht weiter und schließen diesen Thread wieder! Auch ohne Bilder kann die Erzählung erschrecken.



    Meine Fragen an Euch stehen ja oben. Ich denke, ich brauche diese nicht wiederholen.


    Ich bin gespannt auf Eure Antworten, da ich gerade jetzt sehr viel Wert auf verschiedene Ansichten und Perspektiven lege, da ich als mittelbar Betroffener wohl sehr subjektiv bin und wenig objektiv darüber nachdenken kann. Vielleicht lerne ich jedoch durch Euch, noch ein bisschen Distanz zu erlangen und die Sache neutraler zu sehen.


    Vielen Dank vorab für Eure Antworten.


    Gruß,


    ender[ ]

  • Hallo!


    Ich fühle mich hier direkt betroffen über deine Erfahrung und möchte dir einen Teil meiner Erfahrungen und Erkentnisse teilen:


    Ich habe meine Wehrpflicht (Schweiz) als Sanitätsunteroffizier vollbracht (respektive noch am ableisten) und durfte seither im zivilen in vielen Situationen erste Hilfe und erweiterte erste Hilfe leisten. Erst gerade vor 3 Wochen bin ich zufällig in eine Situation geraten, in der ich zum ersten Mal an einem 72-Jährigen meine Fähigkeiten in Herzmassage unter Beweis stellen durfte... Eine echt eigenartige Erfahrung, den Brustkorb eines alten Mannes einzudrücken, während man auf den Krankenwagen wartet und wie die Sekunden zu Minuten und zu Stunden zu werden scheinen! Dazu immer wieder die Schnappatmungen des Mannes, welche irgendwie den Lebenskampf noch zu untermalen versuchten!
    Darüber hinaus habe ich auch schon viele Situationen erlebt, in denen ich "gefühlt bis in die Knie im Blut stand". Aber auch einige witzige Situationen... wie die Schnittwunde eines 20-Jährigen an seinem Allerwertesten, bei welcher wir beide (Ich und Patient) in Gelächter verfallen mussten.


    Irgendwie scheine ich es mittlerweile etwas gewohnt zu sein, Gevatter Tod gegenüber zu stehen. Selbst bin ich ihm auch schon 4 mal von der Sense gesprungen, ein mal mit einem etwas schwer zu verdauenden Nahtoderlebnis. Irgendwie scheine ich solche Dinge magisch anzuziehen. Hier ein paar philosophische Anregungen von meiner Seite:


    Generell finde ich, wir machen uns viel zu wenige Gedanken über das Sterben für sich... Der Tod als Teil unseres Lebens scheinen wir irgendwie einfach zu verdrängen bis an den Punkt, wo es uns auf einmal betrifft, also wo auf einmal Verwandte sterben oder wir den Tod eines Menschen ansehen müssen. Irgendwie stilisieren wir uns unsere Welt so, als wenn der Tod gar nicht existieren würde! Und die moderne Medizin suggeriert uns dann auch noch, dass der Tod irgendwie besiegbar ist. Und doch... sterben müssen wir am Ende alle!


    Wir schätzen wohl in unserer Gesellschaft das Leben "über allem anderen". Was für mich irgendwie einen faden Beigeschmack hat! Haben unsere Urväter doch bereitwillig ihr Leben riskiert für Kämpfe um ihre Freiheit, oder für Kämpfe, welche diese Welt zu einem besseren Ort machen sollten! Was mich zur philosophischen Frage motivierte: Brauchen wir wirklich einen Grund, um zu leben, oder brauchen wir vieleicht nicht einfach vielmehr einen Grund, wofür es sich zu sterben lohnen würde?


    Darüber hinaus ist für mich klar, dass vor dem Ende jeder gleichberechtigt ist. Beim Ableben darf jeder mit sich selbst seinen Frieden schliessen und in aller Ruhe loslassen... Das Wissen verschafft mir eine unglaubliche innere Ruhe im Umgang mit dem Tod! Wie ein Pfarrer mal treffend an einer Beerdigung sagt: "Der Tote steht bereits mit seinem inneren Frieden im Jenseits! Unsere Trauer ist lediglich Ausdruck unseres eigenen Verlustes!"


    Dazu vieleicht zum Schluss: Lass dich nicht von dir selbst irritieren. Die Bilder in deinem Kopf mögen für dich "schrecklich" wirken. "Schrecklichkeit" ist aber nur ein Ausdruck unseres moralisch wertenden Verstandes. Dem Tod oder dem Universum sind deine Gefühle aber fremd! Was du gesehen hast, ist etwas, was eigentlich alltäglich geschieht... und dieser Situation liegen keine Emotionen zugrunde! Hege deshalb keinen Zorn, keine Wut und auch kein Mitleid! Es ist einfach nur das "Ende" was du dort gesehen hast! Vieleicht tust du dir aber auch Mühe damit, dass du schlicht nichts machen konntest... Ich persönlich halte es für mich sinnvoll, Sinnvolles zu tun! Das heisst, ich schaue nicht weg, wenn es einem Freund schlecht zu gehen scheint! Und ich helfe auch sofort auf der Strasse jemandem, der Hilfe bedarf... Irgendwie sind wir Menschen doch alle etwas auch für unsere Mitmenschen verantwortlich! Auch wenn andere das nicht tuen würden, ich tue es! So schlafe ich Abends besser und es verleiht mir das Gefühl. etwas getan zu haben! Veränderung beginnt immer bei einem selbst!


    mfg Vivajohn

  • Guten Morgen,


    bei deiner Schilderung fällt mir ein Erlebnis ein, dass ich vor ein paar Jahren hatte. Damals musste ich jeden Morgen mit dem Zug zur Arbeit in die Nachbarstadt fahren. Morgens denkt man ja meist an nicht viel, und so waren die Fahrgäste alle ziemlich verwirrt, als der Zug plötzlich anhielt. Es ruckelte sogar. Nach etwa 10 Minuten kam die Durchsage, es habe einen Personenschaden gegeben. Also warteten wir, und warteten. Es war ziemlich still im Zug, bis ein Kind, ein kleines Mädchen, seine kleine zarte Stimme zu seiner Mutter wandte: "Mama, warum räumen die den Idioten nicht einfach weg, damit wir weiterfahren können. Der ist doch tot, warum müssen wir hier warten?"


    Eine sehr surreale Situation. Lass dich nicht von dem Typen, der sein Leben beenden wollte, runter ziehen. Du hättest es nicht ändern können. Stattdessen hat er dir noch Leid angetan, Du bist quasi ein Opfer, es gibt keinen Grund, sich schuldig oder schlecht zu fühlen.


    Beste Grüße,


    DocMaT

  • Hallo Endercube


    ich denke mit deiner Einstellung das du am Freitod des Mannes keine Schuld trägst und du es auch nicht hättest verhindern können, stehst du schon ganz gut dar. Das ist eine gesunde Einstellung und so wie du schreibst, scheinst du es ja auch zu verarbeiten. Das dich das beschäftigt, so von einem Moment auf den anderen mit dem Tod konfrontiert zu sein, unbesehen.


    Ich habe in dem Bereich etwas tiefer gehende Erfahrungen, nach knapp 10 Jahren Arbeit auf einer kardiologischen Station war der Tod für mich etwas normales, ja allgegenwärtiges geworden. Einer der Gründe, "der Welt in weiß" den Rücken zu kehren. Obwohl ich im Monat zwischen 3 und 10 verstorbenen hatte (plus die vom RTW) und so rechnerisch fast 1000 zusammen kamen, kann ich mich nur an eigentlich 3 Tote richtig erinnern.
    Der erste war auch mein allererster. Ich war 14, hatte gerade im Krankenhaus angefangen, meine 2. Woche und half einen verstorbenen Patienten von der Intensivstation wegzubringen. Er war sowieso sehr dick, zusätzlich aber in den Bauchraum verblutet, so das der Bauch wie ein Globus nach oben stand und sich der Deckel des Zinksargs (Silberpfeil) nicht schloss. Wir haben dann zusätzlich ein Laken darüber gehangen.
    Problematisch wurde es im Aufzug, wo andere Besucher anwesend waren und genau in diesem Moment eine Hand aus der Wanne herausrutschte. Die Gesichter sprachen Bände.


    Der zweite Tote den ich erinnere ist auch mein schlimmster. Ein 10jähriger Junge der auf Transplantation wartete und es nicht mehr geschafft hat. Ihm ging es immer schlechter und er starb in meinen Armen weil seine Mutter mal eben nach Hause war, nach den kleineren Geschwistern sehen, sonst war sie immer an seinem Bett. Da bin ich dann eingesprungen und hab ihm hinüber geholfen. Und wenn dir ein Kind bis zum letzten Atemzug in die Augen schaut, da heulst du danach Rotz und Wasser.


    Die dritte Tote war schließlich eine alte Frau, die über Jahre hinweg immer wieder unser Patient war und keine sehr nette. Schließlich war sie präfinal und allen, auch ihr, war klar, das war es jetzt. Irgendwann sprach sie mich mit schwacher Stimme an, das sie so gerne nochmal Zitroneneis essen würde. Was ich ihr dann auch, trotz allem was vorher war, besorgt habe. Sie hat nicht viel davon gegessen, nur den Geschmack genossen, aber sie hat sich tief und ehrlich bedankt. Und sagte dann, das sie früher wohl manchmal echt fies war. Ich hab ihr das bestätigt aber auch gesagt, das das jetzt egal sei. Und dann haben wir uns die Hand gegeben und kurz danach ist sie auch eingeschlafen.
    Ich hab sie dann danach auch fertig gemacht und bin zur Beerdigung. Sie hat mich schließlich, wenn auch sporadisch, ein Stück meines Lebens begleitet.


    Der Tod ist etwas normales und gehört dazu. Wir vergessen nur leider zu gern, das wir eben nicht unsterblich sind.

  • Endercube, ich denke -wie Silvercloud- deine Einstellung ist die Richtige, sofern denn ehrlich.
    Das ganze ist grade ein paar Tage her, da ist es normal, dass man daran noch ein wenig zu knabbern hat. Wer hätte das nicht? Immerhin ist so ein Sprung vor den Zug nicht nur eine sehr verzeifelte sondern auch eine sehr 'matschige' Angelegenheit, deren Bilder man sicherlich nicht so schnell vergisst.
    Du hast immerhin die letzten Momente eines Menschenlebens beobachtet.


    Wir haben letztes Jahr im Rahmes des Gesundheitsunterrichts sowohl ein Hospiz als auch eine Demenzstation besucht und ich muss ehrlich gestehen, dass es durchaus schlimmere Arten zu sterben gibt, als sich vor den Zug zu werfen.
    Endstadium Demenz ist etwas, das ich nichtmal meinen schlimmsten Feinden wuenschen würde.
    Es war grausam mit anzusehen, wie die alten Frauen dort in ihren Betten lagen und nicht einmal mitbekommen haben, wie wir dort im Zimmer standen und uns 'umgesehen' haben.
    Keine von Ihnen hatte noch Kontrolle über sich. In keinster Weise.
    Kleine Schluckübungen waren das Einzige was sie noch machen konnten.



    Silvercloud, die Geschichte des Kindes erinnert mich sehr an die Geschichte einer Mutter aus dem Hospiz.
    Sie war sehr lang sehr krank aber Zuhause. Nachdem sie dann ins Hospiz kam starb sie innerhalb von einem oder zwei Tagen, mit den Worten, dass sie Zuhause nie hätte sterben koennen wegen der Kinder.
    Und laut Pädagogin soll das wohl sehr oft der Fall sein, dass Menschen im Hospiz 'schnell' sterben, da sie dort endlich los lassen koennen.



    just my 2 Cent

  • Zitat

    Silvercloud, die Geschichte des Kindes erinnert mich sehr an die Geschichte einer Mutter aus dem Hospiz.
    Sie war sehr lang sehr krank aber Zuhause. Nachdem sie dann ins Hospiz kam starb sie innerhalb von einem oder zwei Tagen, mit den Worten, dass sie Zuhause nie hätte sterben koennen wegen der Kinder.
    Und laut Pädagogin soll das wohl sehr oft der Fall sein, dass Menschen im Hospiz 'schnell' sterben, da sie dort endlich los lassen koennen.


    Es muss nichtmal woanders sein. Oft hilft es sehr, wenn die Familienmitglieder aus dem Zimmer gehen. So war es bei meiner Urgrossmutter und bei einer Bekannten.

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Ich denke grade bei Muettern von jungen Kindern -so war es in dem Fall- reicht es nicht, wenn die Angehörigen aus dem Zimmer gehen, da das Verantwortungsgefühl so hoch ist den Kindern gegenüber.

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten. Mit solcher Resonanz hätte ich bei diesem doch sehr bedrückenden Thema nicht gerechnet.


    Vivajohn :
    Hat sich für dich in solchen extremen Momenten deine Zeitwahrnehmung geändert? Viele sagen, dass man solche Momente langsamer und bewusster wahrnimmt, aber bei mir war es genauso schnell wie immer, das hat mich in dem Augenblick sogar etwas irritiert. Die Frage gilt übrigens auch allen anderen.


    DocMaT :
    Hat das Kind wirklich "Idiot" gesagt? Das klingt, als ob für es der Tod des Mannes etwas normales sei. Das ist für mich offen gestanden sogar etwas erschreckender als der Gedanke an eine Leiche neben dem Zug.


    silvercloud :
    Das sind ein paar krasse Fälle, die du da erlebt hast. Selbst die Zahl von 1000 Toten, die du in dieser Zeit "erlebt" hast, rüttelt nicht daran (für mich).
    Du sagst, korrekterweise, dass der Tod etwas Alltägliches ist, das wir zu schnell vergessen. Das stimmt soweit. Ich für meinen Teil bin mir dessen jedoch früh bewusst geworden und habe oft und viel über den Tod nachgedacht, doch erst seit diesem einschneidenden Erlebnis glaube ich erst wirklich zu wissen, was "Tod" bedeutet und dass es mehr ist als das "Nichts", das war, bevor wir geboren wurden.


    MurphysLaw :
    Ja, meine Einstellung und Ansicht ist sehr ehrlich. Ich habe den Thread ja auch nicht eröffnet, um mich zu profilieren. Mir war klar, dass noch einige Leute hier Dinge erlebt haben, die meine noch "übertreffen".
    Dass Menschen im Hospoz schneller sterben, hängt sicher auch damit zusammen, dass sie von Problemen und ihren Sorgen loslassen können. Ich denke aber auch, dass es damit zusammenhängt, dass sie sich wohler fühlen, weil sie sich in Sicherheit fühlen, da Ärzte in der Nähe sind. Dadurch lässt der Wille etwas nach und der Tod kann schleichen "Oberhand gewinnen". Was denkst du?


    Tina :
    Hast du schon von Fällen gehört, wo es ausreichte, dass Familienangehörige den Raum verlassen mussten? Wenn ich nicht irre, war es zumindest früher (vor vielleicht 150 Jahren) so, dass, wenn ein Familienangehöriger, in der Regel die Großeltern, dem Tod nahe waren, die restlichen Familienmitglieder anwesend waren und der/die Scheidende seinen Frieden finden konnte, weil seine Familie bei ihm war.


    Generell finde ich es ja sehr spannend, wie andere Völker mit dem Tod umgehen. In den USA z.B. werden bei der Beerdigung manchmal Schüsse in die Luft abgegeben (absurd im Grunde, dass am Grab eines Toten mit Todeswerkzeugen salutiert wird - fast schon zynisch), Bei manchen Urstämmen und Eingeborenen werden nach dem Ableben eines Stammesmitgliedes Feiern abgehalten, wo getanzt, gesungen, gelacht und sich gefreut wird - jedoch nicht darüber, dass der Verstorbene endlich tot sei, sondern aus Dankbarkeit, dass man so viel Zeit mit ihm/ihr verbringen durfte. Immerhin wird man diese Person (und das muss man sich mal vor Augen halten) nie wieder treffen. Zumindest nicht in diesem Leben. Statt zu trauern, sehe ich es also auch so, sollte man lieber die positiven Erinnerungen an diese Person hochhalten und unvergessen machen, etwa durch Aufschreiben. Ich denke generell, dass es hilft, wenn man über den Tod schreibt, weil man dann intensiver darüber nachdenken kann, als wenn man redet, einfach deswegen, weil man nicht unter dem sozialen Druck steht, zum Schluss zu kommen, dass der andere auch wieder etwas sagen kann.


    Danke nochmal an alle.


    Gruß,


    ender[ ]

  • Zitat

    Hast du schon von Fällen gehört, wo es ausreichte, dass Familienangehörige den Raum verlassen mussten? Wenn ich nicht irre, was es zumindest früher (vor vielleicht 150 Jahren) so, dass, wenn ein Familienangehöriger, in der Regel die Großeltern, dem Tod nahe waren, die restlichen Familienmitglieder anwesend waren und der/die Scheidende seinen Frieden finden konnte, weil seine Familie bei ihm war.


    Niemand wird tatsaechlich von den Angehoerigen verlangen, dass sie gehen sollen. In manchen Faellen ist es auch tatsaechlich so, dass der Sterbende regelrecht abwartet, bis eine bestimmte Person anwesend ist, und erst dann gehen kann. Das war bei meinem Grosscousin so. Er ist recht jung in einem Hospiz an Krebs gestorben und hat an seinem Sterbetag gewartet, bis seine Tochter aus der Schule kam und bei ihm war. Erst dann ist er eingeschlafen.


    Weit haeufiger habe ich aber den umgekehrten Fall gehoert. Das ist jetzt natuerlich nur aus meinem engeren Kreis, aber gerade weil es so gehaeuft auftritt finde ich es schon interessant.


    Der erste Fall war wie gesagt meine Urgrossmutter. Sie lag im Sterben, und meine Grossmutter war die ganze Zeit bei ihr, bis der gerufene Arzt zu ihr sagte: "Die Frau kann ja gar nicht sterben solange Sie dabei sind, Sie halten sie ja fest. Machen Sie doch mal einen Spaziergang." Meine Oma zog sich also an und ging die Treppe hinunter. Als sie unten aus dem Haus auf die Strasse getreten ist, hat der Arzt sie von oben aus dem Fenster zurueckgerufen. Da war meine Urgrossmutter schon gestorben.


    Der zweite Fall war ein Maedchen, das zusammen mit meiner Nichte auf der Krebsstation lag. Sie war wirklich schwer krank und alle wussten, es war nur eine Frage der Zeit. Ihre Eltern haben sich abgewechselt, Tag und Nacht bei ihr gewacht. Dann ist ihr Vater einmal kurz eingenickt. In der Zeit, in der er geschlafen hat, ist sie gestorben.


    Meine Grosstante hatte auch die ganze Familie versammelt. Gestorben ist sie in dem Moment, in dem wir alle kurz in der Kueche waren.


    Natuerlich kann das auch alles nur Zufall sein. Aber ich hoere es haeufig, dass manche Leute einfach nicht sterben koennen, wenn ihnen nahe Angehoerige zusehen.

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Vielen Dank Tina,


    deine Erzählungen lassen für mich den Schluss zu, dass Menschen offenbar ein Problem mit der Anwesenheit anderer Menschen haben können. Das wiederum macht meiner Ansicht nacht deutlich, wie sehr doch der Geist über den Körper herrscht. Das ist in der Tat ausgesprochen erstaunlich, schließlich litten die Menschen in den von dir geschilderten Fällen an Krankheiten und nicht einfach an Altersschwäche. Ihr Geist hat also durch das Wissen, dass bestimmte Personen anwesend sind, eine Art Blockade gegen die Krankheiten geschaffen und diese zumindest kurzzeitig "besiegt".
    Vielleicht ist das auch Grund dafür, warum viele der ältesten Menschen der Welt in sehr einfachen Völkern und Kulturen (z.B. in Eingeborenenstämmen oder in Wüsten oder Einöden) leben, wo ihr Überleben davon abhängt, dass ihre Familien bei ihnen sind, damit sie aufeinander gegenseitig aufpassen und sich umsorgen können. Menschen in Zivilisationen verbringen in der Regel deutlich weniger Zeit mit ihren Familien und den Menschen, die ihnen nahestehen.


    ender[ ]

  • Zitat

    Ihr Geist hat also durch das Wissen, dass bestimmte Personen anwesend sind, eine Art Blockade gegen die Krankheiten geschaffen und diese zumindest kurzzeitig "besiegt".


    So wuerde ich das nicht sehen. Ich halte das fuer dasselbe Phaenomen wie wenn man sich krampfhaft wach haelt aus irgendeinem Grund, da geht ziemlich sicher dasselbe im Koerper vor. Fuer viele Menschen ist Sterben vielleicht etwas aehnlich Privates wie zur Toilette gehen. Dabei laesst man sich auch ungern beobachten. :)

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Nochmal zum Thema "Tod in anderen Kulturen":
    Ich finde es toll, wie viele Kulturen mit dem Tod umgehen. Besonders wenn sie den Tod als etwas positives feiern und dieses Thema nicht hinter Schloss und Riegel halten.
    Ich finde in unsrer Deutschen Kultur wird der Tod tabuisiert und als etwas sehr negatives angesehn. Das bekommt man von klein auf eingetrichtert. Der Tod ist etwas schreckliches.
    Aber warum belegt man etwas so unausweichliches mit sovielen negativen Emotionen?


    Ich bekomm schon Beklemmungen wenn ich nur dran denke, dass ich irgendwann mal sterben muss und verdraenge das Thema sofort wieder.
    Eigentlich sehr schade, denn das wird es mir definitiv irgendwann, wenn es soweit ist, nicht einfacher machen damit umzugehen.


    Andere Kulturkreise haben es da wohl deutlich einfacher.

    Niveau ist keine Handcreme...
    "Ich habe nur Recht, wenn Zensur gerade nicht online ist!"

    Einmal editiert, zuletzt von MurphysLaw ()

  • Entschuldige die lange Reaktionszeit! Hatte in letzter Zeit sehr viel um die Ohren und bin irgendwie nicht mehr dazu gekommen, hier im Forum was zu schreiben!

    Zitat

    Vivajohn :
    Hat sich für dich in solchen extremen Momenten deine Zeitwahrnehmung geändert? Viele sagen, dass man solche Momente langsamer und bewusster wahrnimmt, aber bei mir war es genauso schnell wie immer, das hat mich in dem Augenblick sogar etwas irritiert. Die Frage gilt übrigens auch allen anderen.

    Ja, die Zeitwahrnehmung fängt völlig an zu spinnen! Grundsätzlich kann ich sagen: Die Zeit verläuft gefühlt je langsamer, je mehr man der Situation ausgeliefert ist und nichts tun kann! Da werden Sekunden zu Minuten und Minuten zu Stunden!


    Wenn man viel tun kann, vergeht die Zeit allerdings wie im Flug!


    Eigenartige Geschichte! Vieleicht ein eine Art "Rettungsinstinkt" des Gehirns, um in gefährlichen Situationen "mehr" denken zu können und so die besten Möglichkeiten auszuwählen!


    mfg Vivajohn