Der Mapinguari - lebendes Fossil im Amazonasdschungel?

  • Vom Megatherium, einem 6 Meter hohen und 3 Tonnen schweren Riesenfaultier aus dem Pleistozän in Südamerika, hat ja der ein oder andere vielleicht schon gehört, es ist ja unter anderem auch in der BBC-Dokumentation "Die Erben der Saurier" erwähnt worden. Allerdings soll laut einem Mythos der Cario-Indianer ein Exemplar das Aussterben der Art vor 10 000 Jahren überlebt haben und jetzt sein Dasein in einer Höhle im Amazonasdschungel fristet. Man sagt, der "Mapinguari" ernähre sich von pflanzlicher und tierischer Nahrung. Es soll aufgerichtet 6 bis 7 Fuß, also etwa 2 Meter hoch sein, langes, rotes oder schwarzes Fell haben und angeblich nur ein Auge und einen Mund auf Höhe seines Magens besitzen. Sein Name bedeutet übersetzt etwa brüllendes Tier oder stinkende Bestie.
    Die Mythologie der Cario erzählt, dass der Mapinguari vor langer Zeit ein Schamane war, der das ewige Leben entdeckte. Dies entzürnte jedoch die Götter, sodass er damit bestraft wurde, sein ganzes Leben in der Gestalt dieses Tieres zu fristen.
    Die Cario haben auch schon Versuche unternommen, den Mapinguari zur Strecke zu bringen, dies kostete jedoch einige erfahrene Jäger das Leben, da das Fell des Tieres mit Pfeilen und Kugeln nicht durchschlagen werden konnte.
    Hierbei ergibt sich auch schon eine Parallele zu den Riesenfaultieren des Pleistozän: Man fand heraus, dass in ihr Fell kleine, harte Knochenplatten eingefasst waren, die praktisch die Funktion eines Kettenpanzers übernahmen. Dass die Größe des Mapinguari sich so deutlich von der des Megatheriums, seines vermutlichen Vorfahrens, unterscheidet, lässt sich dadurch begründen, dass Tierarten, die auf freien Flächen wie Savannen, Steppen oder der Pampa leben, größere Körpermaße aufweisen als Tiere, die in Waldgebieten beheimatet sind. So sind beispielsweise Sumatra-Nashörner, die im indonesischen Regenwald leben, kleiner als ihre afrikanischen Verwandten aus der Savanne.
    Sollte das Mapinguari überhaupt existieren, dann wäre diese Tierart mit Sicherheit vom Aussterben bedroht und müsste im ohnehin schon bedrohten Lebensraum Regenwald besonders geschützt werden, um ihren Bestand zu sichern.
    Ob es sich allerdings tatsächlich um ein lebendes Fossil handelt oder doch nur um eine Legende, muss noch ermittelt werden, und zwar möglichst vor dem Aussterben dieser Tierart.



    Quellen:

    Denn die einen sind im Dunkeln
    und die andern sind im Licht
    und man siehet die im Lichte
    die im Dunkeln sieht man nicht.


    - Bertolt Brecht, Dreigroschenoper

  • Lebendes Fossil klingt immer so reißerisch. Wenn etwas lebt ist es offensichtlich kein Fossil, und wurde zuvor fälschlicherweise als rein solches angenommen.


    Also darf ich das so verstehen, dass es da vor Ort Berichte über eine unbestätigte Tierart gibt (Ähnlich wie beim Sasquatch oder Chupacabra) und der Erklärungsversuch dann ist, dass es sich um ein lebendes Exemplar eines Riesenfaultiers handeln könnte?
    Klar ist das möglich, aber irgendwie fällt bei solchen Kryptiden immer auf, dass dann halt doch niemand klare Fotos/Videos oder so zu haben scheint. Und anhand der Beschreibung ist es ja tatsächlich nicht verwunderlich, dass man auf jede lokale Tierlegende irgendwas Ausgestorbenes finden kann, was so ähnlich ist - weils einfach unglaublich viele ausgestorbene Tierarten gibt.
    Wie bei Nessie, wo es ja Erklärungsversuche gab, dass sie ein überlebender Plesiosaurier ist, und mittlerweile kann man eigentlich davon ausgehen, dass es sie nie gab.


    Könnte ja nicht schaden, da mal n paar Forscher hinzuschicken.

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  • Naja, aber soweit ich das mitgekriegt habe, ist grade in Südamerika die Wahrscheinlichkeit dass diese Tiere überlebt haben bis zur menschlichen Besiedlung des Kontinents nicht sooo unwahrscheinlich. Ein Plesiosaurier ist ja nur nicht drin weil die schon seit Jahrmillionen ausgestorben sind, diese Riesenfaultiere erst mit dem quartären Massenaussterben (ich hoffe ich werfe nichts durcheinander). Da Südamerika als Kontinent recht lange unberührt blieb von wirklichen Entdeckerzivilisationen (mal abgesehn von den Atzteken und Maya, die auch mal ihre Landesgrenzen verlassen haben), könnte es schon sein, dass irgendwo im tiefsten Dschungel noch seltsame Viecher überlebt haben. Ob es diese Tiere bis heute geschafft haben... Ich denke eher nicht. Ein solch großes Tier wäre mittlerweile wohl doch mal zumindest von glaubwürdigen Zeugen und nicht nur von Ureinwohnern, Paraforschern und einigen Einheimischen entdeckt worden.

    'Sag mal, was meinst du, wie weit die Sterne da oben von uns entfernt sind? Sind sie genauso weit weg wie der Mond, oder sind sie uns näher?'
    'Du meinst die Löcher im Himmel? Die hat der Mann im Mond mit seiner Mondnadel reingepiekst, damit die Sonne durchscheinen kann, die dahinter schläft.'


    Walter Moers ~ Der Schrecksenmeister



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    Johann Wolfgang von Goethe ~ Faust, der Tragödie erster Teil

  • Und ob "lebendes Fossil" reißerisch klingt, lässt sich diskutieren, der Ausdruck ist allerdings keinem Journalisten-Hirn entsprungen, sondern stammt aus der Biologie und bezeichnet Lebensformen, die:

    • einer ergeschichtlich alten Tier-/Pflanzengruppe angehören (nicht unbedingt gegeben)


    • im System der heute existierenden Arten eine isolierte Stellung haben (realtiv isoliert: Aus der Überfamilie der Megatherioidea ist heute nur noch ein Familie übrig)


    • im Gegensatz zu ihren Vorfahren ein geografisch sehr eigegrenztes Verbreitungsgebiet haben (vorzeitliche Riesenfaultiere wurden in ganz Amerika gefunden, vom Mapinguari wird nur in Südamerika berichtet)


    • ihr Aussehen im Laufe der Zeit kaum verändert haben und dementsprechend altertümliche Merkmale besitzen (Knochenplättchen im Fell)


    Quellen:
    Wikipedia
    Lebendes Fossil
    Systematik der Faultiere
    Megatherium

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  • Riesenfaultier und Plesiosaurier sind in tatsächlich schwer vergleichbar. Zu Nessie gibt es noch andere Theorien, da hatten wir aber schon einen Thread zu.


    Beim Riesenfaultier da ist die Wahrwahrscheinlichkeit schon wieder ganz anders.


    Hätte das Mapinguari entdeckt werden müssen? Nicht unbedingt, der potienzielle Lebensraum ist riesig, ist das Tier dazu noch selten, also die Populationsdichte gering, wird ein Entdecken noch mehr zur Glückssache. Es sei denn man überwacht die gesammte Gegend mit Wärmebildgerätdrohnen, um auch durch Laub/Geäst schauen zu können, bzw auch in der Nacht/Nebel was zu finden. Nur glaube ich nicht daß die Zoologen darin investieren werden, bzw das Forschungsbudget dafür bekommen.


    Man bedenke daß in Südamerika noch "vor kurzem" das Riesen-Pekari nachgewiesen wurde und es halten sich noch glaubwürdige Gerüchte über eine weitere Tapirart (bisher nur Flachlandtapir/Tapir und Bergtapir, der schwarzweiße Schabrackentapir stammt aus Südostasien) und die Zwergseekuh.

  • Wieso kann man das nicht vergleichen; den Quastenflosser gibts bereits deutlich länger als den Plesiosaurier, und der hat ja auch heimlich, still und leise bis zu seiner Wiederentdeckung gelebt. Und Loch Ness ist groß, wenn man bedenkt, dass es lange Zeit keine Seismo-Sonstwas-Geräte gab, um festzustellen, ob da drin irgendwo was ist.


    Just Sayin; es gibt ja fast überall irgendwelche Geschichten über legendäre Tiere, und aus heutigem Standpunkt wird einem zu jedem davon auch pauschal irgendwas ähnliches einfallen, was es in der Realität gibt oder gab. Klar ist es insgesamt wahrscheinlicher, dass da irgendwo ein Riesenfaultier rumläuft als ein Tyrannosaurus Rex, aber schlussendlich haste da ne vage Schilderung eines haarigen etwas, die man so auch vom Bigfoot und Sasquatch kennt - die ja teilweise gerne mit ausgestorbenen Affenarten erklärt werden, weils passen könnte.


    Dann steht man jetzt bei "Kann sein, muss aber nicht". Aber man kanns ja mal weiter verfolgen.


    Zu lebenden Fossilien sagt Wiki:


    Zitat

    Der – sprachlich paradoxe[3] – Terminus wurde von Charles Darwin in die Literatur eingeführt.

    K, dann möchte ich in der Hinsicht mit Charles Darwin konträr gehen und seine ungenaue Begriffsfindung kritisieren.

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  • Quastenflosser leben aber im Meer und man hat sie auch eigentlich echt durchgehend gefangen an den Pazifikküsten. Soweit ich weiß waren die einheimischen Fischer ganz erstaunt als man ihnen erzählt hat, dass die Viecher schon ewig als ausgestorben gelten, weil das für sie nur ein Fisch wie jeder andere war. Am Loch Ness müsste aber ja ne Überlebensfähige Population sein ;)


    Das Mapinguari ist so ein Vieh das wirklich recht genau von den Ureinwohner beschrieben wird und auch von Einheimischen auf Zeichnungen erkannt wird, bzw. sie korrigieren die Zeichnungen sogar teilweise für die Forscher.

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  • Plesiosaurier ein Großreptil das selbst Lederschildkröte sowie in den Tropen heimischen Krokodile, Warane und Riesenschlangen übertreffen würde, auf der gemäßigten Nordhalbkugel?
    Extrem unwahrscheinlich.


    Das Mapinguari sei, laut meines Wissenstands, auch etwas kleiner als das bekanntere ausgestorbene Megatherium, da gab es nämlich verschiedene Arten. Den "Beschreibungen" nach ist eventuell ähnlich groß wie ein Tapir oder etwas größer.
    Die Tiere liefen auch nicht ständig aufgerichtet herum, sondern nur wenn sie sich an den Bäumen zu schaffen, sollen aber auch gelegentlich Fleisch gefressen haben.


    Mapinguari in den weiten des südamerikanischen Regenwald, halte ich schon für wahrscheinlicher als riesige Reptilien in kalten Gewässern.

  • und es halten sich noch glaubwürdige Gerüchte über eine weitere Tapirart (bisher nur Flachlandtapir/Tapir und Bergtapir, der schwarzweiße Schabrackentapir stammt aus Südostasien)

    Du bist da nicht ganz auf aktuellem Stand.
    Das Tierchen ist seit Anfang des Jahres kein Gerücht mehr. Folge mir!


    Und anhand der Beschreibung ist es ja tatsächlich nicht verwunderlich, dass man auf jede lokale Tierlegende irgendwas Ausgestorbenes finden kann, was so ähnlich ist - weils einfach unglaublich viele ausgestorbene Tierarten gibt.

    Das ist doch ein ganz normales Vorgehen.
    Zumindest bei mir. Wenn ich irgendwo was von einem Kryptiden höre, dann guck ich doch erstmal, ob es da in der Gegend ein Tier gibt, was dem nahe kommt. Gibt's keines, dann guck ich ob's irgendwo anders ein Tier gibt, was dem nahe kommt, und ob es sinnvoll und möglich wäre, dass es eingewandert ist. Passt auch da nix, dann kommen halt die ausgestorbenen Kollegen in den Fokus. Was gab es mal in der Gegend, was dem Kryptiden nahe kommt.
    Je länger ausgestorben, desto unwahrscheinlich wird's natürlich...


    Beim Mapinguari find ich halt die Parallele der "undurchdringlichen" Haut interessant. Das passt schon zu dem beim Riesenfaultier nachgewiesenen Knorpel-Kettenhemd.


    lg Davy

    "Das Problem mit Zitaten im Internet ist die Tatsache das ihre Echtheit sich nicht verifizieren läßt" - Martin Luther