Nachkriegsmärchen

  • Bezug nehmend auf den 2. Weltkrieg Thread möchte ich hier mal
    über etwas debattieren, das etwas kontroverser ist. Vorab möchte
    ich allerdings zwei Sachen klar stellen.



    • Es geht mir nicht darum alle Deutschen zu Verbrechern zu
      machen.


    • Revisionisten und ähnliche Spinner die meinen jetzt eine
      Plattform für ihren braunen Dung zu finden, mögen bitte einfach
      weiter klicken. Ich kann euch so viel versprechen, ihr würdet euch
      höchstens lächerlich machen.




    Also dann fangen wir mal an mit Punkt 1.




    These: „Wir haben Glück das das Attentat vom 20. Juni
    gescheitert ist“



    Recht provokant, ich weiß. Aber sehen wir uns mal die
    Hintergründe an. Es fällt mir irgendwie schwer zu glauben das die
    Verschwörer alle mehr oder weniger zur selben Zeit Gewissensbisse
    bekommen habe, zufälliger Weise auch zu dem Zeitpunkt als der Krieg
    offensichtlich verloren war, nämlich 1943. Fakt ist auch das
    Stauffenberg einer der Nutznießer der Hitler-Politik war der somit
    vier Jahre lang den Krieg mitgetragen hat und die deutschen als
    Herrenrasse ansahen. Und auch die Restlichen der Verschwörer
    rekrutierte sich aus den selben Kreisen. So bezweifle ich ernsthaft
    das es darum ging die Demokratie wieder her zu stellen. Es ging darum
    mit Hitler das Hindernis für einen Waffenstillstand aus dem Weg zu
    räumen. Doch was wäre passiert wenn es tatsächlich funktioniert
    hätte? Hätten sie die Konzentrationslager geöffnet und gesagt
    „Nichts für Ungut Jungs.“ Wohl eher nicht. Der selbe
    Machtapparat hätte sich weiterhin gehalten, vielleicht wäre sogar
    Bormann der nächste Führer geworden. Geändert hätte sich nichts,
    außer das vielleicht der Krieg geendet hätte. Somit war es nötig
    das Deutschland endgültig militärisch besiegt wurde was zwar noch
    einmal viele Tote forderte aber vielleicht die bessere Alternative
    wäre als weitere zwanzig bis dreißig Jahre Nationalsozialismus.


    Ich denke das man das auch auf Alliierter Seite so gesehen hat,
    trotzdem werden diese Leute heute als Gewissensmenschen gefeiert.
    Aber wieso eigentlich? Und wieso weiß jeder wer Stauffenberg ist,
    aber sicherlich weiß kaum jemand wer Assner, Mylius, Kordt und noch
    so einige mehr sind ohne zu googlen. Obwohl sie alle das selbe getan
    haben, zum Teil sogar als Selbstmordattentäter.



    Doch im Zuge des kalten Krieges und der Wiederbewaffnung brauchte
    man eine militärische Tradition auf die man zurück greifen konnte.
    Im Osten berief man sich auf den kommunistischen Widerstand und das
    NKWD (auch wenn das wohl nicht unbedingt Kommunisten waren) berufen.
    Das konnte man natürlich im Westen nicht. Und so wurde die Wehrmacht
    zur sauberen Armee erklärt und Stauffenberg wurde ihre
    Galleonsfigur. Zwar hat sich der erste Mythos langsam gelegt, aber
    Stauffenberg wird noch immer als Held gefeiert. Vielleicht doch nicht
    ganz zu Recht.



    Bezug nehmen darauf gleich die zweite These.


    „Es war ein großer Zaubertrick alle Nazis auf einmal
    verschwinden zu lassen.“



    Wir kennen ja sicherlich die alten Geschichten. Als die Alliierten
    in Deutschland einrückten, gab es keine Nazis mehr. Niemand war
    dabei gewesen und keiner hatte irgendetwas gewusst. Fakt ist aber das
    vor allem die Bildungselite welche überlebt hatte sich durchaus
    zumindest mit dem System arrangiert hatte. Das stellte die Westmächte
    vor ein paar Probleme (im Osten hatte es man da einfacher da man
    einfach eine Diktatur durch die andere ersetzt hatte. Deshalb ging es
    dort auch zunächst besser voran aber dazu später mehr in einem
    anderen Thread, wenn der hier gut läuft und nicht von irgendwelchen
    Braunhemden gehijacked wird. In der BRD konnte man aber nicht
    irgendeinen dahergelaufenen Dachdecker zum Kanzler machen), denn ohne
    Akademiker kann man schlechterdings ein demokratisches System
    aufbauen. Sie können ja nicht nur Willy Brandt aufstellen und die
    meisten anderen Akademiker, welche den Krieg überlebt hatten, waren
    entweder tot oder dauerhaft im Ausland. Also startete man den
    Entnazifizierungsprozess wo schneller Persilscheine ausgestellt
    wurden als man „Heil Hitler“ brüllen konnte. So setzte sich die
    CDU zu Beginn fast ausschließlich aus Hitlers Steigbügelhaltern
    zusammen und Männer wie Kiesinger konnten Bundeskanzler werden. Als
    Paradebeispiel dafür kann sicherlich Albert Speer angesehen werden.
    Der musste zwar 20 Jahre absitzen, wurde (und wird) aber noch immer
    als der „gute Nazi“ verklärt. Im Film und Fernsehen wird er
    immer noch als Mahner dargestellt (vgl. der Untergang oder die Filme
    über die Nürnberger Prozesse). Wie das nun bei „Speer und Er“
    ist kann ich nicht sagen, da ich mir „Kommisar Rex“ als Hitler
    nicht antun wollte. Aber selbst wenn da ein differenzierteres Bild
    dargestellt wird, ist das maximal ein Tropfen auf dem heißen Stein.
    Speer wurde, genau wie Stauffenberg dazu genutzt das eigene Gewissen
    zu reinigen (wenn er ein guter Nazi war, war ich auch ein guter Nazi)
    und gleichzeitig um zu rechtfertigen wieso man den selben Gesellen
    die vor ein paar Jahren noch Hitler zugejubelt haben nun die Führung
    des deutschen Staates überlasst.



    Soweit erstmal die Fakten (meiner Meinung nach) Nun natürlich die
    Frage wie das zu bewerten ist. Und das ist recht schwierig. So ungern
    ich es auch zugebe, man brauchte und braucht die CDU für ein
    pluralistisches Meinungsbild und auch damals zumindest noch die
    Bundeswehr. Deshalb bin ich mir nicht sicher ob es die falsche
    Entscheidung war die Vergangenheit zu übersehen um die Zukunft zu
    sichern. Ob es allerdings komplett richtig war, weiß ich auch nicht.

  • Wow, den ersten Gedankengang zum gesch. Attentat habe ich noch NIE gehört und war zuerst abgeneigt, aber einige ARgumente klingen recht vernünftig, gar nachvollziehbar! WOmöglich konnte der nationalsoz. Geist nur durch eine bedingungslose Kapitulation ausgetrieben werden.