Gender-Mainstreaming in der Sexualpädagogik

  • Hallo liebe Leute,


    Ich habe so ein Thema nicht gefunden aber mich würde interessieren, was ihr dazu zu sagen habt.


    Um konkrete Fragestellungen vorzugeben, falls jemand Bedarf an so etwas hat:


    Was haltet ihr von Gender Mainstreaming im Allgemeinen?


    Haltet ihr eine möglichst frühe sexuelle Aufklärung von Kindern und Jugendlichen für sinnvoll oder ist das einer individuellen Entfaltung des Kindes eher abträglich?
    Den Bezug zum Gender als soziale Identität würde mich im Besonderen interessieren, welche Meinung ihr da vertretet.


    Was haltet ihr vom Christopher Street Day?


    Ich werde später antworten, wenn ich mir eine Meinung gebildet habe, die ich vertreten kann!

    "To Paradise, the Arabs say, Satan could never find the way until the peacock let him in." -Charles Godfrey Leland

  • Um ganz ehrlich zu sein musste ich mich jetzt erstmal schlau machen, was "Gender Mainstreaming" ueberhaupt genau ist, und wenn ich ehrlich sein soll halte ich es fuer so gut wie unmoeglich und auch ein klein wenig ueberfluessig! Das ist ja wie der Blick in die Glaskugel! "Was koennte denn schiefgehen fuer Maenner, fuer Frauen?" Hallo? Problempraevention in allen Ehren, aber das geht mir dann doch ein wenig zu weit, zumal mir das zur Gleichstellung eher ein wenig kontraproduktiv vorkommt, wenn ich das Stadtplanungsbeispiel fuer Wien lese. Wieso ist es "frauengerechtes Wohnen", wenn die Wohnung in Rufweite zu Kinderspielzonen sind. Gibt's keine Maenner, die die Kinder erziehen?


    Zitat

    Haltet ihr eine möglichst frühe sexuelle Aufklärung von Kindern und Jugendlichen für sinnvoll oder ist das einer individuellen Entfaltung des Kindes eher abträglich?


    Sexuelle Aufklaerung sollte sich nach den Beduerfnissen des Kindes richten. Wenn es fragt, sollte man keinen Bloedsinn vom Klapperstorch erzaehlen. Wenn es nicht fragt, sollte man ihm die Aufklaerung nicht aufdraengen.


    Zitat

    Den Bezug zum Gender als soziale Identität würde mich im Besonderen interessieren, welche Meinung ihr da vertretet.


    Bevor ich mich dazu aeussere haette ich gerne etwas genauer erlaeutert, was Du mit "Gender als soziale Identitaet" meinst.


    Zitat

    Was haltet ihr vom Christopher Street Day?


    Best Party ever!

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Hier meine Meinung, obwohl ich mich noch nicht sehr eingehend damit
    beschäftigt habe. Bei meiner zugegeben kurzen Recherche kam
    folgendes haraus.


    Soweit ich das verstanden habe geht es darum, dass in der
    Vergangenheit Mädchen im Kindergarten und in der Schule besonders
    gefördert wurden, weil sie benachteiligt waren und deshalb
    schlechtere Noten als die Jungs hatten. Das hat zwar in dem Sinn
    gewirkt, dass die Mädchen dann tatsächlich bessere Noten bekamen als vorher,
    aber die Jungs wurden immer schlechter. Nicht nur von den Noten,
    sondern auch von den Verhaltensauffälligkeiten. Also sagten die
    Pädagogen, es darf nicht sein, dass nun die Jungs einseitig
    benachteiligt werden. Man überlegte, wie man das wieder ändern
    könnte und kam zu der Meinung, Mädchen und Jungs müssten völlig
    gleich behandelt werden. Zu dem Zweck bildete man mehr männliche
    Erzieher aus, damit auch Jungs wieder ein geschlechtsspezifisches
    Vorbild haben. Sie sollten auch wieder raufen dürfen ohne dass
    sofort eine weibliche Erzieherin dazwischen geht und die Jungs
    maßregelt. Statt dessen sollte ein männlicher Erzieher daneben
    stehen und einfach nur aufpassen, dass die Rangelei nicht ausartet.
    So sollten die Jungs in Zukunft selbst ihre Rangordung in der Gruppe
    festlegen. Aber dann sind wir doch wieder bei genau den alten
    Zuständen wie sie schon immer waren. Mädchen sind lieb und Jungs
    müssen auch mal handfest streiten um sich aufs Leben vorzubereiten
    damit aus ihnen keine Versager werden. Aber wie gesagt, ich habe
    mich gerade eben kurz ins Thema eingelesen. Ein bißchen komplexer
    als in den Zeitungsartikeln geschildert sollte das Konzept schon sein.


    Was die frühe sexuelle Aufklärung betrifft würde ich sagen, dass
    man sich nach den Bedürfnissen der Kinder richten soll, wobei das in
    der Schule wohl so individuell nicht möglich ist. Da gibt es den
    Lehrplan und daran muss der Lehrer sich dann halten. Während
    meiner Schulzeit hatten wir mit 14 Aufklärungsunterricht, das fand
    ich in Ordnung. Aber das war 1974, seitdem ist viel Wasser die
    Weser runtergeflossen wie man hier sagt. Da ich keine Kinder habe
    weiß ich nicht, ob das heutzutage immer noch angebracht oder
    bereits zu spät ist.


    CSD ist okay, auch als Mahnung an Diskriminierung, nicht nur zum
    feiern.


    Den allgemeinen Gender-Mainstream wie ich ihn in der Verkörperung
    von Conchita Wurst sehe finde ich übertrieben. Der gerade
    verstorbene David Bowie hat das Spiel mit den Identitäten zwar zur
    Kunstform erhoben, und nicht nur er, und auch jemand der außerhalb
    des Rampenlichtes steht soll sich sexuell so orientieren wie er
    möchte ohne dadurch Nachteile zu haben, aber im Moment kommt es
    mir so vor, als wenn man/frau sich dafür rechtferigen muss ganz
    normal und durchschnittlich zu sein. Das kann natürlich daran liegen,
    dass sich eine Minderheit nun erstmal outet um öffentlich anerkannt
    zu werden. Aber mich nervt es halt. Vor allem wenn Conchita Wurst in
    einem Interview sagt, dass er/sie sich in so unbequeme Korsetts
    zwängen muss um so schicke Kleider tragen zu können, dass er/sie
    das nur mit Schmerzmitteln erträgt. Das kommt mir dann doch
    ziemlich hohl vor.


    Bezug zum Gender als soziale Identität? Meinst Du damit, wie sehr
    das Geschlecht die soziale Identität beeinflusst? Ich kann da nur von
    mir sprechen. Trotz aller Gleichberechtigung fühlte ich mit in erster
    Linie als Frau und nicht als Neutrum oder eine "geschlechtliche
    Doppelnatur". Und das finde ich für mich auch gut so. An dieser
    Stelle möchte ich nochmal auf die Kindererziehung zurückkommen.
    Ich glaube, man kann Kinder so erziehen, dass sie erstmal klare
    Orientierungsregeln bekommen, was für Kinder wichtig ist, ohne sie
    dabei fest auf ein bestimmtes geschlechtsspezifisches soziales
    Rollenverhalten festzulegen. Ich bin zwar kein Pädagoge und kann
    kein Konzept dafür vorlegen, aber ich denke, wenn man entspannt
    daran geht, dann dürfte das kein Problem sein. Vor allem müsste man
    dazu auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes eingehen. Es gibt
    lebhafte Mädchen und schüchterne Jungs. Wenn nun im Kindergarten
    2 Jungs oder ein Junge und ein Mädchen oder 2 Mädchen miteinander
    raufen, müsste das lebhaftere Kind gebremst und das schüchterne
    Kind ermutigt werden, unabhängig vom Geschlecht.


    Soweit meine laienhafte unausgereifte Meinung.

  • Soweit ich das bis dato richtig verstanden habe, gibt es neben dem biologischen Geschlecht, das im Normalfall eindeutig ist, auch ein soziales Geschlecht oder Identität, also als was man sich fühlt. Meine Frage dazu: Inwieweit macht es Sinn, Kinder und Jugendliche mit dieser Sache zu konfrontieren und es ihnen beizubringen, dass Mann nicht unbedingt gleich Mann ist und vice versa bezüglich der Frau oder ob es besser ist, sie ihre eigenen Erfahrungen diesbezüglich machen zu lassen und worin die Ursache zu finden ist, als welches Geschlecht man sich identifiziert.


    Zu dem Punkt habe ich eine eindeutige Meinung. Ich halte eine sexuelle Aufklärung für wichtig. Die sollte aber primär im Elternhaus erfolgen. Für die Fälle, in denen die Eltern dem nicht nachkommen, sollte die schulische Sexualaufklärung mit der Pubertät, also dann, wenn es Zeit wird, zu beginnen. Vorher halte ich es für nicht allzu sinnvoll, da erst ab dem genannten Zeitpunkt eine sexuelle Orientierung und ein gesteigertes Interesse in sexuellen Kontakten besteht. Damit meine ich jetzt tiefergehende sexuelle Kontakte, dass Mann einen Penis und die Frau eine Vagina hat ist vollkommen natürlich und offensichtlich, das schadet keinem Kind wenn man es ihnen sagt, falls sie fragen. Dasselbe gilt für, wo die Kinder herkommen oder sowas halt. Genauso halte ich vermittelte Stereotype über Mann und Frau für sehr schädlich. Zum Beispiel, Männer müssen hart sein, dürfen keine Gefühle zeigen, Jungs spielen nicht mit Puppen usw und für Frauen, entsprechend, dass sie sensibler sind, Frauen sorgen für das Kind usw. Das sind einfach Verallgemeinerungen die so nicht richtig sind.


    Ich glaube, dass es geschlechterspezifische Unterschiede gibt. Offensichtlich. Durch die genetischen Unterschiede folgen auch hormonelle und anatomische Unterschiede, die sich in einer unter anderem anderen Gehirnstruktur ausprägen. Diese genetische Präposition ist aber nur tendenziell und das jeweilige Spektrum der Geschlechter überlappt sich weitgehend. Daher halte ich es für falsch zu sagen, Mann ist so und Frau ist so. Zwingt man dem Kind ein Geschlecht auf, entstehen Konflikte, die sich später negativ ausprägen könnten. Eine vollkommene unisexuelle Erziehung erachte ich aber auch als falsch. Die Erziehung sollte sich nicht nach dem Geschlecht des Kindes richten, sondern nach seinen Interessen. Wenn die eigene Tochter also nur mit Bagger spielen will, sollte man sie lassen und nicht krampfhaft versuchen sie mit Puppen spielen zu lassen. Man kann es anbieten aber es sollte keinesfalls erzwungen werden.


    Sollte man jetzt Kindern frühzeitig beibringen, was es alles für Gender (im sozialen Sinne) gibt, führt das nur zu Verwirrung und Problemen. Die Kinder wären verunsichert und würden wieder mit Stereotypen konfrontiert.
    Fühlt es sich als Junge sehr feminin würde ihm vermittelt, es sei falsch, es wäre kein richtiger Mann, sondern irgendwas anderes nur nicht männlich. Das führt meiner Meinung nach zu Konflikten im Kind und damit wieder zu Problemen.

    "To Paradise, the Arabs say, Satan could never find the way until the peacock let him in." -Charles Godfrey Leland

    2 Mal editiert, zuletzt von Knurzhart ()

  • @ Knurzhart
    Was ich in meinem letzten Absatz vor dem Schlusssatz rüberzubringen versucht habe, deckt sich inhaltlich mit dem, was Du geschrieben hast. Bloß hast Du es besser und differenzierter ausgedrückt als ich.

  • @ Knurzhart
    An Dopplungen habe ich gar nicht gedacht, ich habe mich einfach nur gefreut, dass ich bei Dir meine eigenen Gedanken nochmal in besserer Form und ausführlicher nachlesen konnte.

  • Zitat

    Soweit ich das verstanden habe geht es darum, dass in der
    Vergangenheit Mädchen im Kindergarten und in der Schule besonders
    gefördert wurden, weil sie benachteiligt waren und deshalb
    schlechtere Noten als die Jungs hatten. Das hat zwar in dem Sinn
    gewirkt, dass die Mädchen dann tatsächlich bessere Noten bekamen als vorher,
    aber die Jungs wurden immer schlechter


    Hae, was? :) In welchem Jahrhundert soll das so gewesen sein?


    Zitat

    Meine Frage dazu: Inwieweit macht es Sinn, Kinder und Jugendliche mit dieser Sache zu konfrontieren und es ihnen beizubringen, dass Mann nicht unbedingt gleich Mann ist und vice versa bezüglich der Frau oder ob es besser ist, sie ihre eigenen Erfahrungen diesbezüglich machen zu lassen und worin die Ursache zu finden ist, als welches Geschlecht man sich identifiziert.


    Das Erwachsene immer so kompliziert denken in Dingen, die fuer Kinder ganz einfach und selbstverstaendlich sind! Was soll man ihnen da beibringen? Es reicht voll und ganz aus, nicht auszurasten, wenn Max mit Puppen spielen will, sich an Karneval als Prinzessin verkleiden moechte oder Pink liebt. Es reicht vollkommen, Kindern keine Rollenklischees beizubringen ("Sowas macht ein Maedchen/Junge nicht"), sondern sie einfach so sein zu lassen wie sie sind!


    Ist im Grund ja das, was Du selbst auch schon gesagt hast.

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • @ Tina


    Genau darum geht es mir auch. In meiner Empfindung und die ist subjektiv, spielt das Thema in der Gesellschaft eine immer größere Rolle, die sich schrittweise auch auf die Kinder beziehungsweise auf deren Erziehung ausweitet. Meiner Meinung nach ein Schritt in die falsche Richtung.

    "To Paradise, the Arabs say, Satan could never find the way until the peacock let him in." -Charles Godfrey Leland

  • ich finde Gleichberechtigung muss in der Gesellschaft anfangen, also von unten nach oben! Nicht von der Regierung mit Gesetzen erzwungen werden.
    Was nützen Gesetze, die eh schwachsinnig sind, wenn in der Gesellschaft immer noch eine Frau, wenn sie sich sexuell gleich verhält wie ein Mann die totale Schlampe ist,
    während er zum Helden erkoren wird?
    Oder wenn ein Mann der beschliesst Hausmann zu sein, in der Kneipe der Weichling ist? Solange wir dies nicht aus dem Kopf bekommen finde ich, nützen alle Gesetze nichts.
    Solange ich nicht Ernst genommen werde als Fussball Fan, nur weil ich mit einem Trikot von Turbine Potsdamm herumlaufe, und man dann denkt, der hat keine Ahnung von Fussball,
    nur weil ich Frauenfussball dem Männerfussball vorziehe, kann man nicht von Gleichberechtigung sprechen.
    Und das kann man auch nicht mit Gesetzen ändern, sowas muss wie gesagt von unten nach oben passieren. Vom Volk muss das kommen.
    Da nützten solche Aufklärungssachen in der Schule auch nicht viel. Denn was nützt es einem Mädchen in der Schule zu sagen, du kannst alles werden was ein Mann werden will, wenn sie
    dann in der Gesellschaft für die gleiche Leistung nicht die gleiche Anerkennung bekommt wie ein Mann? Selbst wenn sie gleich viel Geld verdient, es muss doch auch die Anerkennung
    die gleiche sein.

  • Nur ist es unsagbar schwierig vorgefestigte Meinungen zu verändern. Vor allem wenn sie schon ein Leben lang erlernt und vorgelebt wurden. Ohne einen äußeren Anreiz wird das kaum geschehen.

    "To Paradise, the Arabs say, Satan could never find the way until the peacock let him in." -Charles Godfrey Leland

  • Was haltet ihr von Gender Mainstreaming im Allgemeinen?


    Allgemein finde ich es sinnvoll, sich bewusst zu machen, welche gesellschaftlichen Rollen Männer und Frauen in der Gesellschaft einnehmen können oder sollen. Ich halte es auch für sinnvoll, Jugendliche dahingehend zu sensibilisieren.


    Zitat

    Haltet ihr eine möglichst frühe sexuelle Aufklärung von Kindern und Jugendlichen für sinnvoll oder ist das einer individuellen Entfaltung des Kindes eher abträglich?
    Den Bezug zum Gender als soziale Identität würde mich im Besonderen interessieren, welche Meinung ihr da vertretet.


    Ich weiß nicht, was daran nicht sinnvoll sein soll. Auch heutzutage gibt es noch viele Kinder, die nicht von ihren Eltern aufgeklärt wurden. Ich selbst wurde in der 3. Klasse aufgeklärt, da gab es auch schon ein Mädchen, das bereits ihre Periode hatte. Wenn die Kinder geistig in der Lage sind, es zu verstehen, halte ich das durchaus für sinnvoll. Die Kinder haben da auch eine ganz natürliche Neugier, was das angeht.
    Auch die Kinder mit dem, was einen Mann und eine Frau ausmacht, zu konfrontieren, halte ich für sinnvoll. Ich hatte in der Grundschule, in der ich arbeite, den Fall, dass ein Junge sehr lange Haare hatte und auch gerne etwas weiblicher unterwegs war. Teilweise wurde er dadurch (sogar von den Lehrern) blöd angemacht. Wieso nicht solche Verhaltensweisen thematisieren?


    Zitat

    Was haltet ihr vom Christopher Street Day?


    Mir persönlich ist es zu bunt da, aber allgemein finde ich das eine feine Sache.

  • mir fällt da ein Beispiel ein, Lara Gut hatte die Schiabfahrt gewonnen, und hat dann auf Facebook ein Bild von sich gepostet, in Unterwäsche. Sie wollte zeigen, wie stolz sie auf ihre Beine ist, die ihr den Sieg gebracht haben. Ich hab dann drunter kommentiert, wie schön ihre Beine sind.
    Die nachträglichen Beiträge waren dann mehr so in die Richtung, woow zischen diesen Beinen möchte ich auch mal etwas stecken.
    Und da ging mir ein Licht auf, solange Männer Frauen immer nur sofort in die eine Ecke stecken, und eine Frau wenn sie so ein Bild postet sofort zum Sex objekt wird, wird sich nichts ändern.
    Aber ist nicht nur ein Fehler von den Männern, den die Frauen meinten, man müsse sich nicht so darstellen. Wieso nicht? Wieso darf eine Frau nicht ihre Beine zeigen, wenn sie damit etwas Aussergewöhnliches geleistet hat? Ich denke bei einem Mann wäre sowas kein Problem gewesen.
    Da wird die Frau egal wie viel sie leistet nie Anerkennung für das bekommen was sie leistet, sondern immer nur in die eine Ecke gedrängt.
    Und wie gesagt, ich denke nicht dass man sowas in der Schule ändern kann. Da muss man schon in der Werbung und eben im Sozialen Umfeld beginnen.
    Ich hab mir geschworen, zu versuchen nächstes mal die Leistung anzuerkennen und nicht zu schreiben wie schön die Beine sind. Fängt ja bei mir an.
    Ich kann ja da etwas ändern, indem ich die Leistung einer Frau anerkenne und nicht nur die Schönheit ihrer Beine. Das ist zwar viel Arbeit, aber nur so funktioniert es. Denke ich.

  • @ Tina
    Die Erklärung was Gender-Mainstream eigentlich ist habe ich auf www.spiegel.de/spiegel/a-457053.html und den dort angegebenen Links gelesen.


    @ Schneemännchen
    Gesetzesänderungen können auch ein Umdenken bewirken. Bei Deinem Beispiel von einer Frau die sich sexuell offensiv verhält war es früher so, dass sie vom Gericht automatisch eine Mitschuld wenn nicht sogar die alleinige Schuld bekam. Das war ein Freibrief für Sexismus. Dann wurden die Gesetze geändert, Strafe drohte und daraus entstand ein Umdenken. Mit der Gesetzesänderung allein ist es natürlich nicht getan. Das von Dir geforderte Umdenken von unten muss Hand in Hand mit den Gesetzesänderungen gehen. Beides ist gleich wichtig. Deine Einstellung zu den Beinen von Lara Gut find ich - gut.

  • @ Farbwechsel


    Zitat

    Auch die Kinder mit dem, was einen Mann und eine Frau ausmacht, zu konfrontieren, halte ich für sinnvoll. Ich hatte in der Grundschule, in der ich arbeite, den Fall, dass ein Junge sehr lange Haare hatte und auch gerne etwas weiblicher unterwegs war. Teilweise wurde er dadurch (sogar von den Lehrern) blöd angemacht. Wieso nicht solche Verhaltensweisen thematisieren?


    Inwiefern ist das sinnvoll? Führt nicht gerade die Definition von Mann und Frau, auf Grundlage von stereotypischen Merkmalen, die erstmal gar nichts mit dem Geschlecht zu tun haben, zu dem Problem?
    Ich möchte das ganz klar von der sexuellen, biologischen Aufklärung abgrenzen.

    "To Paradise, the Arabs say, Satan could never find the way until the peacock let him in." -Charles Godfrey Leland

  • Zitat

    Genau darum geht es mir auch. In meiner Empfindung und die ist subjektiv, spielt das Thema in der Gesellschaft eine immer größere Rolle, die sich schrittweise auch auf die Kinder beziehungsweise auf deren Erziehung ausweitet. Meiner Meinung nach ein Schritt in die falsche Richtung.


    Es ist halt leider ein Teufelskreis! Mit Vorurteilen und Rollenklischees wird kein Kind geboren, das kommt von den Eltern. Die Eltern muessten die Kinder unterstuetzen, egal wie sie sich verhalten - ob nun der Geschlechterrolle gerecht oder nicht. Tun sie aber meistens nicht, weil die meisten Eltern ja selbst mit dem Rollenklischee aufgewachsen sind. Ich denke, dieser Verhalten, das Rollenbild, wird sich langsam und stueckweise ueber jahrzehnte aendern. Von heute auf Morgen durch die Einfuehrung von Gesetzen erreicht man das nicht. Aber es ist natuerlich wichtig, dass der Staat eine Geschlechtergleichberechtigung vorlebt.


    Zitat

    Die nachträglichen Beiträge waren dann mehr so in die Richtung, woow zischen diesen Beinen möchte ich auch mal etwas stecken.


    Leider normal! Sobald man als Frau im Internet ein Bild von sich postet (IRGENDEINS! Nichtmal eins im Bikini oder mit Ausschnitt oder wie auch immer...irgendeins mit weniger als einer Burka!), gehen die meisten Maenner sofort davon aus, dass man Sex sucht. So ist das. Das Internet wurde fuer Sex erfunden. Zumindest denken das viele!


    Zitat

    Die Erklärung was Gender-Mainstream eigentlich ist habe ich auf http://www.spiegel.de/spiegel/a-457053.html und den dort angegebenen Links gelesen.


    Also wenn ich mal aus meiner persoenlichen Erfahrung sprechen darf....ich habe das anders erlebt! Gut, meine Schulzeit liegt jetzt auch schon 15 Jahre zurueck, aber bei uns waren allgemein die Maedchen besser als die Jungs, zumindest in der Grundschule. Spaeter dann im Gymnasium hat sich das eingependelt, und alle waren in etwa gleich gut. Natuerlich gab es welche, die allgemein besser waren als andere, ist ja logisch, aber das war ganz und gar nicht geschlechterspezifisch!


    Zitat

    Inwiefern ist das sinnvoll? Führt nicht gerade die Definition von Mann und Frau, auf Grundlage von stereotypischen Merkmalen, die erstmal gar nichts mit dem Geschlecht zu tun haben, zu dem Problem?


    Dieses Problem kommt aber, wie ich oben schon erwaehnt habe, von zu Hause. Die meisten Kinder werden mit Rollenklischees im Elternhaus konfrontiert und nicht in der Schule. Waere also durchaus sinnvoll, da in der Schule gegenzusteuern.

    Tina

    Wenn Du Hufe hoerst, dann erwarte zuerst einmal Pferde, keine Zentauren!


    Jeder, der an Telekinese glaubt, hebt bitte meine Hand!

  • Zitat

    Vorher halte ich es für nicht allzu sinnvoll, da erst ab dem genannten Zeitpunkt eine sexuelle Orientierung und ein gesteigertes Interesse in sexuellen Kontakten besteht.


    Also hier liegst du schon mal falsch. Kinder sind von Geburt an sexuelle Wesen und haben entsprechende Gefühle. Viele Kinder leben ihre eigene, kindliche Sexualität, ungehemt aus, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Diese ist allerdings total unterschiedlich zu dem, was wir als Erwachsene unter Sexualität verstehen. Für Kinder zählt in dieser Hinsicht weder das Geschlecht, noch der optische Reiz, sondern nur die reine Erlebens- und Gefühlswelt. Wenn Kinder wissen, das sie unsanktioniert diesen Gefühlen nachgehen können, werden alle Kinder über kurz oder lang anfangen sich erst selbst zu stimulieren und danach das gleiche untereinander zu tun. Die Paarungen ob nun Junge-Junge oder Junge-Mädchen oder Mädchen-Mädchen sind dabei den Kindern vollkommen egal.


    Zitat

    Damit meine ich jetzt tiefergehende sexuelle Kontakte, dass Mann einen Penis und die Frau eine Vagina hat ist vollkommen natürlich und offensichtlich, das schadet keinem Kind wenn man es ihnen sagt, falls sie fragen

    .
    Eigentlich ist es schlimm, das unsere Gesellschaft schon so verklemmt ist, das Kinder danach fragen müssen. Kleinkinder die nackt herumrennen stellen von alleine fest, das es bei anderen anders ausssieht. Diese Neugier haben alle Kinder, man darf sie nur nicht wegsanktionieren.



    Zitat

    Genauso halte ich vermittelte Stereotype über Mann und Frau für sehr schädlich. Zum Beispiel, Männer müssen hart sein, dürfen keine Gefühle zeigen, Jungs spielen nicht mit Puppen usw und für Frauen, entsprechend, dass sie sensibler sind, Frauen sorgen für das Kind usw. Das sind einfach Verallgemeinerungen die so nicht richtig sind.


    Auch hier widerspreche ich als geouteter schwuler Mann. Die Emanzipationsbewegung der 70er und 80er versuchte teilweise sogar mit Zwang die Jungs z.B. dazu zu bringen mit Puppen zu spielen, und Mädchen mit Lego. Wir sind aber keine neutralen Wesen, die mal so oder so können. Das menschliche Gehirn, das ja nun mal ausschlaggebend für die Persönlichkeit ist, wird bereits im Mutterleib durch die unterschiedlichen Geschlechtshormone unterschiedlich gebaut. Und eben deswegen brauchen Jungen auch "robustere" Spiele als Mädchen z.B.


    Wichtig ist hierbei eher, das Jungs und Mädchen auch immer die Alternative angeboten bekommen müssen, wenn sie denn wollen. Wir sind aber ein Produkt einer mehr als 10.000jährigen evolutionären und anthropologischen Entwicklung. Ich finde den Versuch der letzten Jahrzehnte dort steuern eingreifen zu wollen, gelinde gesagt, Blödsinn.


    Ein Junge mit einem männlichen Gehirn muss immer ein Junge sein dürfen. Jungen haben entwicklungspsychologisch einen viel geringeren Wortschatz. Warum? Weil der "Mann" für seine Tätigkeit des Jagens und des Verteidigens kein Sprachvermögen benötigt. Er muss sich mit Zeichen verständigen können. Klingt einfach, aber so einfach ist es.


    Ich finde die Versuche von Erzieherinnen immer amüsant, wenn sie kleine Jungen auffordern sich zu unterhalten, was sie am anderen stört und wieso sie sich geprügelt haben. Läßt man die Jungs gewähren, tragen sie das aus und sind danach wieder die besten Freunde.


    Das man Kindern frühzeitig zeigt, das es Sexualität gibt, das Sexualität und der nackte menschliche Körper nichts schlimmes oder anrüchiges sind, halte ich nicht nur für richtig, sondern für wichtig. Ein Kind, das sich für Sexualität, sexuelle Erfahrungen und Nacktheit nicht schämt, ist vor potentiellem Missbrauch viel geschützter als ein Kind, für das das Mysterium der Sexualität ein großes Geheimnis ist. Genauso wie Kinder von kleinauf wissen sollten, das es auch andere Lebensformen und Paarungen gibt.

  • @ Farbwechsel
    Inwiefern ist das sinnvoll? Führt nicht gerade die Definition von Mann und Frau, auf Grundlage von stereotypischen Merkmalen, die erstmal gar nichts mit dem Geschlecht zu tun haben, zu dem Problem?
    Ich möchte das ganz klar von der sexuellen, biologischen Aufklärung abgrenzen.


    Solche Stereotypen führen zum Problem, ja, wieso sollte man also nicht über sie reden dürfen? ich halte das für eine gute Idee, diese Stereotypen abzubauen.

  • Zitat

    Also hier liegst du schon mal falsch. Kinder sind von Geburt an sexuelle Wesen und haben entsprechende Gefühle. Viele Kinder leben ihre eigene, kindliche Sexualität, ungehemt aus, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Diese ist allerdings total unterschiedlich zu dem, was wir als Erwachsene unter Sexualität verstehen. Für Kinder zählt in dieser Hinsicht weder das Geschlecht, noch der optische Reiz, sondern nur die reine Erlebens- und Gefühlswelt. Wenn Kinder wissen, das sie unsanktioniert diesen Gefühlen nachgehen können, werden alle Kinder über kurz oder lang anfangen sich erst selbst zu stimulieren und danach das gleiche untereinander zu tun.

    Hast du dafür was zum nachschauen? Ich weiß, dass Kinder schon sehr jung Phasen durchmachen, in denen sie sich für ihren Körper interessieren. Das es aber durch sexuellen Stimulus verursacht wird, wäre mir neu. Ich hab's immer als die normale Neugier für alle Dinge interpretiert.



    Zitat


    Auch hier widerspreche ich als geouteter schwuler Mann. Die Emanzipationsbewegung der 70er und 80er versuchte teilweise sogar mit Zwang die Jungs z.B. dazu zu bringen mit Puppen zu spielen, und Mädchen mit Lego. Wir sind aber keine neutralen Wesen, die mal so oder so können.

    Da war ich auch drauf eingegangen. Klar gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau. Aber die individuelle Entwicklung ist so flexibel, dass man vom Geschlecht her nicht auf den Charakter und die persönlichen Neigungen und Vorlieben schließen kann. Es sind allerdings Tendenzen erkennbar, die aber nicht zu einer verallgemeinernden Definition führen sollte, da sie der Realität nicht gerecht wird. Mann und Frau kann man beide als Kreise darstellen, die aber eine große Schnittmenge besitzen, gerade auch weil hormonelle Einflüsse fließend sind und nicht absolut.





    Zitat

    Jungen haben entwicklungspsychologisch einen viel geringeren Wortschatz. Warum? Weil der "Mann" für seine Tätigkeit des Jagens und des Verteidigens kein Sprachvermögen benötigt. Er muss sich mit Zeichen verständigen können. Klingt einfach, aber so einfach ist es.

    Das halte ich für eine Fehleinschätzung. Wir müssen nicht mehr jagen und verteidigen. Männer können ebenso eloquent sein wie Frauen und mitunter genauso viel reden. Damit wären wir wieder bei Klischees die durch die Erziehung aufrecht erhalten werden.





    Zitat

    Ich finde die Versuche von Erzieherinnen immer amüsant, wenn sie kleine Jungen auffordern sich zu unterhalten

    Das ist ja auch ein Versuch gegen die innere Neigung anzukämpfen. Aber es gibt eben auch Jungs, die wollen sich lieber unterhalten und Mädchen, die wollen raufen. Das sollte man ebenso behandeln, als wenn zwei Jungs sich raufen und nicht mit Argumenten kommen wie: "Sowas macht ein Mädchen aber nicht!" sondern eher: "So verhält man sich nicht!", falls die Rauferei in einen Kampf ausartet.

    "To Paradise, the Arabs say, Satan could never find the way until the peacock let him in." -Charles Godfrey Leland