Die Liebe zum Elternhaus

  • Hi Leute,
    Ich bin nach längerer Zeit mal wieder am Start und möchte endlich mal Antworten auf das haben, was mich schon so lange beschäftigt :( .


    Wer jetzt kein Bock auf so eine schnulzige Story hat, dem empfehle ich einen anderen Thread. Ich bitte alle anderen, alles sehr aufmerksam und ernsthaft bis zum Schluss zu lesen :) .


    Also: Kennt ihr das, wenn ihr so ein Haus oder einen Raum betretet, euch kurz umschaut und sofort eine besondere Atmosphäre spürt, die über dem Haus/Raum liegt? Diese Atmosphäre kann angenehm, mystisch, unangenehm oder überwältigend sein. Ausgerechnet in meinem Elternhaus, in dem ich die ersten 8 1/2 Jahre meines Lebens verbrachte, verspürte ich ständig diese unerklärbare Atmosphäre, und zwar war diese überwältigend und mystisch zugleich, ich fühlte mich dort mehr als glücklich, im gesamten Haus und auch in einem Umkreis von 20 Metern.


    Ich lebte also ständig von dieser Atmosphäre umgeben, mein Elternhaus hat meine Kindheit mehr als geprägt!


    Das ganze Haus war praktisch von dieser Atmosphäre umgeben, und ich kann mir nicht erklären, ob meine Zuneigung zu dem Haus noch normal oder schon krankhaft ist :? .


    Meine Kindheit war aus der Sicht von Außenstehenden total unspektakulär: Morgens ging's in den Kindergarten, später eben in die Schule. Mittags war ich wieder zu Hause. Aber die meiste Zeit habe ich immer drinnen verbracht, oder höchstens mal im Garten. Irgendwelche Unternehmungen mit Freunden oder Sonstiges kam selten vor. Aber ich war nicht wirklich einsam oder sonst dergleichen. Ich wollte das genau so haben und daran war ich gewohnt! Ich war schon damals so sensibel, wie ich heute noch bin. Das hat auch dazu geführt, dass es im Garten einen Baum gab, den ich als Lieblingsbaum bezeichnet hatte. Doch eines Tages wurden so spezielle Leute angeheuert, mit dem Auftrag, meinen geliebten Baum abzusägen, nur weil er die Sonne versperrte. Was meint ihr, wie ich ausgeflippt bin! Den ganzen Tag über habe ich nur geheult, und das habe ich in meiner Kindheit so gut wie nie.


    Das Haus wurde Mitte der 90er gebaut. Mein Opa hat dabei übrigens geholfen. Meine Eltern sind dann aus einer kleinen engen Wohnung in dieses Haus gezogen. Anfangs hielten sie dort noch zwei Katzen - die sie aber meinen Großeltern geschenkt hatten, als meine Mutter schwanger mit mir war. Die Katzen sind inzwischen beide tot, das ist aber Nebensache. Schließlich kam ich auf die Welt und weiß, dass ich schon als Kleinkind diese Atmosphäre verspürte!


    Das besagte Haus steht auf einem Berg. Zwar gibt es noch ein paar andere Häuser, es befindet sich aber sonst mitten in der Natur, viele Bäume drum herum. Ich sag euch, ein Ort zum Wohlfühlen! Und die Atmosphäre blieb auch, egal welche Jahreszeit herrschte, wie das Wetter war, welche Tageszeit wir hatten... Sie blieb bestehen und war von nichts abhängig.


    Mit dem Haus verbinde ich so viele Geschichten. Zum Beispiel, als mein Vater noch in Elternzeit war, hat er morgens/vormittags oft Formel1 geschaut. Ich war zwar erst 2, 3 Jahre alt, habe aber mitgeschaut und gleichzeitig die Atmosphäre auf mich wirken lassen. Das war nur eines, nur als Beispiel, es gibt noch mehr! :P


    Als 2006 meine Schwester kam, hatte sie anfangs nur ihren Laufstall als "Rückzugsort". Doch je größer sie wurde, desto mehr Platz brauchte sie. Also wechselte ich mein Zimmer und zog in das Zimmer, das vorher meine Mutter zum Zurückziehen benutzt hatte. Wir hatten beide also ein Kinderzimmer.


    Doch wir wurden beide immer älter. Mein Zimmer war zehn qm2 groß, das meiner Schwester noch kleiner. Also beschlossen meine Eltern, dass wir umziehen mussten. Sie hatten auch schon eine Siedlung im Visier, die auch im selben Ort lag. Außerdem wohnten dort viele Kinder, mit denen ich und meine Schwester spielen sollten. Denn dort oben lebten wir ja recht abgeschieden. Im Nachhinein kann ich jedoch behaupten, dass Abgeschiedenheit nicht immer schlecht ist, im Gegenteil...


    Ständig kamen also irgendwelche wildfremden Leute zu einer Hausbesichtigung, in der Hoffnung, dass es jemanden gäbe, der es uns abkaufen und drin wohnen wollte. Doch das dauerte sehr lange, was ich nicht nachvollziehen kann... Ich wollte die ganzen Leute gar nicht erst im Haus haben, weil ich mich dadurch gestört fühlte. Aber ein siebenjähriger Milchbubi hat ja nichts zu melden :X .


    Irgendwann gab es dann einen Mann, dem das Haus gefiel und er kaufte das Haus. Die Bauarbeiten für das neue Haus starteten und ich war auch ganz aufgeregt, da ich annahm, dieses Haus würde mir genauso gut gefallen, da ich ja vorher nirgendwo anders gewohnt hatte.


    Anfang Dezember 2010 war es dann soweit: Wir zogen in den Neubau und unser altes Haus war futsch.


    Die ersten paar Wochen verspürte ich in dem neuen Haus auch eine mystische Atmosphäre, die sich aber leider nach ein paar Wochen legte. Vermutlich lag das auch viel mehr an diesem "Neuheits-Geruch" und der Aufregung. In diesem Haus lebe ich ja auch heute noch, aber es gibt so viele Nachteile daran. Und damit meine ich nicht nur die fehlende Atmosphäre, sondern auch die Lage (zwar auch auf dem Land und in Waldnähe, aber eben nicht das Gleiche). Außerdem waren die Nachbarskinder, mit denen wir ja spielen sollten, fast alle zu jung für mich, viele waren jetzt auch nicht so mein Typ... Und die kleineren laufen hier täglich rum und schreien wie die Beklopptem. Und an der Straße, die an der Siedlung verläuft, fahren oft Motorradfahrer und andere Krach machende Fahrzeuge vorbei - auch nachts. Dann mähen die Leute von der Stadt hier regelmäßig die Grünflächen, bin gerade neulich morgens von dem Geräusch von irgend so einer verfluchten Maschine aufgewacht, das Geräusch war nervtötend, laut und hörte einfach nicht auf. :evil: :evil: :evil: :evil: :evil: :evil:


    Natürlich finde ich das jetzige Haus nicht wirklich "scheiße", doch verglichen mit meinem Elternhaus, das ich vergöttert habe, ist das hier schon eine Art Flop. Ich bin ein sehr stiller und in sich gekehrter Mensch, der die Stille auch zu Hause braucht, doch hier gibt's die einfach nicht!


    Es ist um einiges größer und weiträumiger als mein Elternhaus. Aber eben null gemütlich. Meine Schwester liebt das jetzige Haus ja - sie braucht Action und liebt den Luxus, kommt mit den Kindern hier gut klar und liebt alles Große und Tolle. Ich bin da mit meiner Meinung so ziemlich alleine und würde alles dafür tun, in mein Elternhaus zurückziehen zu können, bzw. die Zeit zurückdrehen. Aber das geht natürlich nicht, das Haus wurde uns abgekauft und gehört uns nicht mehr.


    Ich will mich ja auch nicht ausheulen oder sagen, dass ich unglücklich bin, das bin ich nicht. Ich würde nur so unfassbar gerne in mein Elternhaus zurück, das ist aktuell echt mein sehnlichster Wunsch. Aber natürlich geht das nicht.


    So richtig erzählt, wie euphorisch mich mein Elternhaus gemacht hat, habe ich nie jemandem. Früher war ich wohl zu klein, um mein Anliegen genauer zu erklären, und heute ist es eh zu spät, um es rückgängig zu machen.


    Meine Fragen sind jetzt:


    • Gibt es unter euch noch jemanden mit ähnlichen Erfahrungen?
    • Ist meine Liebe zu diesem Haus noch normal?
    • Woher kommt diese mystisch-überwältigende Atmosphäre?


    Ich möchte euch bloß bitten, mich nicht als Spinner, psychisch Gestörter, oder diese Atmosphäre als Einbildung abzustempeln. Für mich ist es etwas Wunderschönes, in diesem Haus gelebt zu haben.


    LG Spukjäger

  • Also, ich würde mal nicht sagen, dass du komplett am Rad drehst^^



    Ähnliche Erfahrungen hab ich selber mal nicht, oder jedenfalls nichts, was mir so spontan einfällt.


    Deine Liebe zum Haus ist sicherlich nachzuvollziehen, du hast ja sehr lange dort gelebt und warst sehr glücklich dort. Wenn jemandem etwas sehr gut gefällt, in deinem Fall dein Haus, mit Garten und Umgebung zum Wohlfühlen, dann kann man sich schon sehr "hingezogen" fühlen.


    Du hast sicherlich gute Erinnerungen daran. Das mit dem Baum würde ich auch nicht so eng sehen. Nehme mal an, du hast sicherlich oft beim Baum gespielt, eventuell darauf rumgeklettert, etc. Wenn man da einige gute Erinnerungen hat und viel Spaß hatte, dann kann es einem schon das Herz brechen, wenn man ihn wegmacht. Ich kann mich erinnern, bevor ich mit meiner Familie umgezogen bin, hatten wir im Garten ebenfalls einen großen Baum, auf den mein älterer Bruder gerne geklettert ist usw. Man musste ihn jedoch umsägen, da seine Äste zu weit an die Fenster im oberen Bereich des Hauses gingen, waren schon knapp dran, denke ich.
    Wie auch immer, er war damals auch sehr traurig.


    Was du mit mystisch-überwältigende Atmosphäre meinst, weiß ich nicht ganz, aber ich denke, ich kann ungefähr nachvollziehen, was du meinst. Manchmal kommt man ja irgendwo hin, sieht irgendwas, wo man sich gleich wohl fühlt, bzw. auch überwältigt fühlen kann. Nehme an, das kommt immer auf den Eindruck an, den man kriegt.


    Dass die Atmosphäre fehlt, ist auch leicht zu beantworten. Es war zwar früher "dein Haus", aber nun ist es anders, auch wenn du wieder darin lebst. Es hat sich komplett verändert, es ist zwar das gleiche Haus, gleichzeitig jedoch nicht, da es nicht wie damals ist. Bzw. jetzt ist es ja ein Neubau ..
    An die veränderte Umgebung wirst du dich auch gewöhnen müssen.


    Zum Thema, bevor ich ganz abschweife, ob deine Liebe zum Haus noch "normal" ist, ich würde sagen, vielleicht ungewöhnlich, aber nicht unnormal. Die Welt ist schließlich groß und da wirst du garantiert nicht der Einzige sein.

  • Hey, danke für deine Antwort, und dass du mich nicht für verrückt erklärst :D .
    Zur Atmosphäre kann ich folgendes sagen: Es ist vergleichbar mit einer Droge, die Glücksgefühle auslöst. In diesem Fall war mein Haus die "Droge". Es ist eine Art abnormale Euphorie gewesen, die ich verspürte, gleichzeitig aber war da dieses mystische, ich kann es echt nicht in Worte fassen.
    Ich bin schon immer sehr empfänglich gewesen. Mein Elternhaus ist ja nicht der einzige Ort, an dem ich außergewöhnliche Empfindungen hatte. In meiner Schule beispielsweise gibt es einen Klassenraum, und als ich diesen zum ersten Mal betreten hatte, konnte ich eine recht unheimliche und bedrückende Atmosphäre spüren. In der restlichen Schule fühle ich mich voll wohl. Zum Glück habe ich in diesem Raum kein Unterricht :P .


    Mir fällt gerade noch ein, dass ich Veränderungen über alles hasse und mein Umzug war ja eine große. Vielleicht ein wichtiger Aspekt...


    Auf jeden Fall bin ich echt froh, dass man hier verständnisvoll ist :D .


    LG Spukjäger







  • Nun, das mit den Atmosphären kenne ich eher, wenn ich mit ein paar Leuten zusammen bin. Bei Leuten, bei denen ich mich richtig wohl fühlen kann, habe ich auch eine gute Atmosphäre, eine sehr Schöne.
    Im Gegensatz dazu, wenn du ein paar Leute hast, die miteinander reden, aber du selbst stehst einfach nur dabei mit dran und hast nichts beizutragen. Dann krieg ich immer so das Gefühl, ich bin hier total fehl am Platz, ebenso leidet dann die Atmosphäre für einen selbst darunter. Ist zwar nicht die beschriebene Atmosphäre von dir, würde jedoch sagen, dass das kein großer Unterschied ist.


    Dieser Klassenraum, den du erwähnt hast, unterscheidet der sich in irgendeiner Hinsicht von den anderen Räumen?
    Befindet sich irgendetwas darin, was so einen Eindruck/Atmosphäre auslösen könnte? Oder kommt das bei dir immer vom Raum selbst aus?


    Veränderungen selbst lösen oft, würde ich sagen, auch eine Veränderung in uns aus. Die Umstände, die Umgebung, das Umfeld ... es verändert sich alles und natürlich wirkt sich das auf uns aus.
    Als Beispiel, stell dir vor, du wohnst in einer riesigen Villa, hast alles, was du brauchst und davon im Überfluss. Nun stell dir vor, ziehst du weg - in eine kleine Hütte. Ohne deinen Reichtum. Abgeschieden und allein - ganz im Gegensatz zur Villa.
    Veränderung der Gegebenheiten lösen in jedem Fall auch eine Veränderung in uns aus.
    So würde ich das jedenfalls sehen.

  • Ich denke, dass sich die von dir beschriebene Atmosphäre mit meiner deckt. Aber Menaschen lösen diese nicht bei mir aus, entweder ich mag mein Gegenüber oder nicht.
    Der besagte Klassenraum ist eigentlich stinknormal, ich kam einfach rein, schaute mich zwei Sekunden um und schon war mir so komisch.


    Ich hasse zwar Veränderungen, doch nicht jede prägt mich. Ich würde auch nicht behaupten, dass es an der Veränderung selber liegt, sondern dem Ergebnis. Wenn ich etwas habe, was mir so gar nicht gefällt, und das dann durch etwas Gutes ersetzt wird, ist das kein Thema.


    Ich glaube , dass das eher Nebensache ist, aber meine Mutter hat immer behauptet, in meinem Elternhaus hätte es einen Hausgeist namens Gundel gegeben :nerd: .


    LG Spukjäger