Die Wikinger

  • Hi zusammen,

    Das große Problem an dieser Thematik ist ähnlich wie bei vielen anderen Kulturen, z.B den Skythen, Hunnen etc. das es kaum belegbares über ihre Riten und Ihren Glauben gibt. Vieles ist anhand fehlender schriftlicher Belege reine Spekulation. Klar versucht man anhand von Begräbnisriten, Liedtexten und Reiseberichten auf den Glauben zu schließen, aber vieles bleibt noch unerforscht.


    Liebe Grüße

    Pad

    Ja,das ist leider wahr

  • Das Heidentum ist ja sehr auslegbar,jeder kann sich das daraus ziehen was er will.

    Und Voenix(sein Künsternname,richtiger Name Thomas)ist da schon sehr engagiert.Er hat Bücher geschrieben,engagiert sich ,zb beim Hambacher Wald,kann man alles auf dem Kanal sehen

  • Und ich komme immer mal wieder zurück.


    Zuerst einmal, tut mir leid das ich das Thema wieder aufgreifen muss, aber ich habe mich selbst bereits lange damit beschäftigt.

    Die Sklaverei der Nordmänner dieser Zeit ist nicht gleichzusetzen mit der Sklaverei bspw. Mesoamerikanischer Völker des 13-15 Jhdt. Natürlich wurden diese Personen verschleppt und als Arbeitstiere genutzt, allerdings waren sie in die Gesellschaft integriert und hatten auch gewisse Rechte. Zwar durften sie nicht beim Thing für sich selbst sprechen, das war Aufgabe ihres Besitzers, allerdings durften sie auch nicht ohne weiteres getötet werden oder wurden wie Alltagsgegenstände behandelt.

    Im Gegenteil, sie bekamen Verantwortung übertragen wie bspw. den Hof hüten, sich um die Tiere kümmern oder Kinder erziehen. Die Sklaverei ist also eher mit der in Griechenland (ausgenommen Sparta) vergleichbar. Sklaven konnten durchaus auch ihre Freiheit erlangen.


    Zum zweiten, der Götterglaube der Wikinger ist lediglich durch schriftliche Quellen des 15 Jhdts von Isländern belegt. In dieser Zeit kann sich einiges verändert haben an der mündlichen Überlieferung. Alle vorherigen Qullen sind entweder christliche Missionare, die den Glauben dort natürlich nicht wohlwollend betrachteten oder aber römische Quellen, welche prinzipiell erstmal von "Barbaren" ausgingen. Runensteine geben immer nur Teilausschnitte wieder und waren auch eher dem Gedenken einzelner Personen gewidmet.


    Weiterhin ist das "Auf Wiking gehen", also plündern, rauben und brandschatzen eher etwas für junge Männer gewesen, eine Art Mannbarkeitsritus. Die allermeisten Nordmänner waren Bauern, Handwerker und Fischer. Man betrachte dazu bspw. die Kiewer Rus, welche ein eigenes Reich geschaffen haben. Dieses wurde zwar auch durch die Unterjochung der ansäßigen Slawischen Bevölkerung erreicht, allerdings waren die Nordmänner dort stets stark in der Unterzahl. Ihre Handelsaktivitäten sorgten dennoch für einen Aufschwung in der Region, grade mit dem byzantinischen Reich, wodurch sie durchaus akzeptiert wurden. Eine Vermischung der Bevölkerungsgruppen ist ebenfalls nachgewiesen.


    Sklaverei gab es in allen Kulturkreisen und gibt es heute noch in vielen davon. Darauf herab zu schauen und sie als "unzivilisiert" zu brandmarken zeugt nicht grade von Weitblick. Zur selben Zeit war die Leibeigenschaft im restlichen Europa weit verbreitet und hielt sich auchnoch weitere 500-600 Jahre, in Russland sogar bis in die Neuzeit. Sind diese Menschen nun alle unzivilisiert? Ein etwas differenzierterer Blick auf die Gesamtsituation wäre angebracht.

    'Sag mal, was meinst du, wie weit die Sterne da oben von uns entfernt sind? Sind sie genauso weit weg wie der Mond, oder sind sie uns näher?'
    'Du meinst die Löcher im Himmel? Die hat der Mann im Mond mit seiner Mondnadel reingepiekst, damit die Sonne durchscheinen kann, die dahinter schläft.'


    Walter Moers ~ Der Schrecksenmeister



    Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor


    Johann Wolfgang von Goethe ~ Faust, der Tragödie erster Teil