Ich brauche einen neuen Pass...

  • man sollte doch meinen, daß die beantragung eines neuen passes, selbst wenn er wirklich "neu" ist kein problem sein sollte... :roll:


    hier das märchen von einer die auszug um für ihren sohn einen neuen pass zu beantragen:


    freitag 16.06.2006:
    morgens ca. 8.30... vor der stelle wo man bis jetzt einen pass bekommen hat. sieht schon mal gut aus. trotz dem, daß ab heute der neue reisepass ausgestellt wird, keine menschenseele im wartezimmer. das stimmt uns optimistisch. hatte ich mit der vermutung, daß sich alle noch schnell einen alten pass geholt haben also doch recht, man will ja schließlich geld sparen. nach 20 warten überkommt mich das gefühl, daß hier überhaupt niemand ist.. also schnell mal angeklopft und versucht tür zu öffnen. fehlanzeige.. niemand da, türe geschlossen. runter zum portier und höflich gefragt wo man denn jetzt den reisepass bekommt. einen erstaunten blick und die erkenntnis, daß der reisepass jetzt im gebäude nebenan ausgestellt wird später, finden wir die sache schon etwas merkwürdiger. vor allem deswegen, weil der portier ein ziemlich mitleidiges lächeln aufgesetzt hat und uns viel glück gewünscht hat.
    wir also mit unserem mäppchen, wo alle papiere einschließlich passfoto drin sind, aus dem gebäude raus und ins nächste gebäude rein.
    die menschenmassen vor dem eingang hätten uns schon einen ersten hinweis darauf geben können, daß es mit dem pass heute wohl nichts mehr wird. ungefähr 25 "entschuldigung, darf ich bitte durch"´s und mindestens 250 mehr als bösen blicken später haben wir uns bis zur glastür durchgerungen. ämm voll ist überhaupt kein ausdruck für das ganze. es ist heiss, stickig und man hat das gefühl, daß jeden moment eine revolte ausbrechen kann. wir fragen gar, nicht.. wir trauen uns nicht. wir verschieben das auf nächste woche. so dringend ist es mit dem pass ja eh nicht.


    mittwoch 20.06.2006:
    also gut, auf ein neues. diesmal ist die schlange etwas kleiner, leider nur unwesentlich. offensichtlich wieder zu spät.. 8.00 und die bude ist schon wieder gerammelt voll. also gut, diesmal werden wir uns ins getümmel stürzen. der pass dauert angeblich nur 5 werktage, aber man kann ja nicht so genau wissen. wärend wir also warten ergibt sich ein gespräch mit einer anderen mutter. sie zeigt mir die passfotos die jetzt benötigt werden (bis zu dem aushang, der im gebäude hängt und in dem haarklein beschrieben ist wie das foto aussehen darf, bin ich bis jetzt noch nicht vorgedrungen, wegen menschenmassen). ok.. heute wirds wohl nichts mehr mit dem pass. denn selbst wenn wir hier in der schlange stehen bleiben werden die fotos wohl nicht angenommen werden. nicht vergessen: das gesicht muß 36 mm groß drauf sein, keinen mehr und keinen weniger. die dame hat mich noch darauf hingewiesen, daß die da drinnen mit einer schablone abmessen. sicherheitshalber versuche ich mich zu einem zimmer vorzukämpfen und zu fragen ob diese fotos tatsächlich nicht verwendet werden können, immer darauf gefasst ein handtascherl oder schlimmeres um die ohren geschlagen zu bekommen und immer "ich muß nur kurz was fragen" murmelnd. gottseidank läuft mir auf halbem weg eine ziemlich genervte frau über den weg, die so aussieht als ob sie hier arbeitet. trotz offensichtlichen anfeindungen der um uns herumstehenden fasst sie sich ein herz und schafft es mir eigentlich sehr höflich auskunft zu geben. sie meint ich soll in eine "lizenziertes" fotogeschäft gehen und die wissen schon wie das foto aussehen muß. offensichtlich hat sie meine höftliche art beeindrucht (ich hab ja auch erst ungefähr 30 min gewartet) und sie hat mir im umdrehen noch zugeraunt, daß ich am besten schon um 7.15 da sein soll, weil dannach ist kein durchkommen mehr. ich rufe der schnell davoneilenden (sie hat sich in ein zimmer gerettet) frau "danke" nach und wühle mich wieder durch die menschenmassen zum ausgang. hab ich schon erwähnt, daß es ungefähr 42° hatte in diesem raum? bezirksämter brauchen wohl keine "betriebsanlagengenehmigung".
    meinen sohn aus der schlange schiebend, teile ich ihm mit, daß wir also neue fotos brauchen und er sich schon mal darauf gefasst machen soll, daß wir morgen um 7.15 hier sein müssen.


    donnerstag 21.06.2006:
    so, aber heute werden wir einen neuen reisepass bekommen. wir sind mehr als optimistisch. es ist 7.15 und wir haben die richtigen passbilder. schon im geschäft habe ich witze darüber gemacht, daß eigentlich nur mehr die nummer fehlt. leute ich sag euch, mit den bildern muß man sich gedanken machen ob man überhaupt einen pass braucht... so wie ich da aussehe drauf lassen die mich mit sicherheit nirgends einreisen. von außen sieht es schon mal gut aus. keine menschenmassen auf dem gehsteig vor dem gebäude und die einfahrt durch die man bis zum stiegenaufgang geht ist auch nicht blockiert. also freie bahn bis zur glastüre. juhuu... wir sind die ersten. naja nicht ganz.. vor uns stehen schon 3 leute aber das ist in ordnung. mehr oder weniger schweigend (was erwartet man um diese uhrzeit) harren wir also geduldig der dinge die da kommen. die putzfrauen machen schon sauber und es kommen auch schon die leute die uns heute, ich bin sicher heute, unsere pässe ausstellen. keine 10 min später reicht die schlage bereits bis in die einfahrt. offensichtlich haben die putzfrauen mitleid mit uns und lassen uns bereits 10 min vor 8 hinein. also jeder eine nummer gezogen und dann hinsetzen und nochmals warten. gottseidank ist es heute nicht so heiss, zumindestens noch nicht. um 8.15 blinkt dann endlich unsere nummer auf... wir (müdel lächelnd über die leute die jetzt stundenlang warten und dann doch die falschen bilder haben) sind jetzt fast am ziel unserer wünsche angelangt. man betritt den raum und eine frau vor der ich sofort als ich das zimmer betreten habe angst hatte, sitzt hinter einem großen schreibtisch. mühsam entringen wir uns ein "guten morgen" und ein lächeln (naja man gibt eben sein bestes). sie blickt kurz auf und murmelt mürrisch "papiere". ich lege also alle papiere (staatsbürgerschaftsnachweis, geburtsurkunde, meldezettel, alten reisepasse) vor sie hin. sie sieht sich das an und fragt mich ob ich denn die ehe mit dem vater noch aufrecht sei. ich schüttle den kopf. blöde frage und vor allen, was zur hölle geht sie das an? ihr gesicht wird noch säuerlicher als es eh schon war und sie brummelt etwas von wegen sie braucht eine bestätigung, daß ich das sorgerecht habe, sonst gibts keinen pass. ziemlich verwirrt verlassen wir nach ungefähr 10 sec wieder den raum. beim rausgehen sehe ich, daß es offensichtlich einigen anderen auch nicht besser gegangen ist. viele haben die falschen fotos (keine bestätigung, daß das bild nicht älter als 6 monate ist; bild ausgeschnitten und keinen weißen rand drumherum gelassen; oder einfahc ein bild auf dem der kopf nicht 36 mm hoch ist sondern nur 35 mm), oder es fehlen die gleichen papiere wie uns.


    freitag 22.06.2006:
    gestern abend noch krampfhaft die papiere durchwühlt um das scheidungsurteil zu finden in dem drin steht, daß ich das alleinige sorgerecht habe. gottseidank gefunden (wann zur hölle braucht man das schon).
    heute allerdings schon vorsichtshalber um 7.05 vor dem amt gewesen, vielleicht kommen ja heute ein paar leute von gestern und sind genauso schlau ein wenig früher zu kommen. wie gehen also um 7.05 um die gefürchtete ecke und... ja... tatsächlich es stehen schon 2 leute vor dieser verdammten glastüre. nagut wenigstens nur zwei und nicht zwanzig.
    5 min später sind wir bereits 8 leute und es herrscht hysterischer frohmut (Verdammt irgendwann müssen sie uns doch einen pass geben). im laufe der gespräche kommen wir drauf, daß mindestens die hälfte schon mal da war und die andere hälfte mit sicherheit heute auch keinen pass kriegen wird, weil sie entweder die falschen bilder mithaben oder ihnen irgendwelche papiere fehlen. eine frau ist besonders mutig, sie braucht ebenfalls einen pass für ihren sohn und hat gar nichts mit. die zeit vergeht irgendwie schneller als gestern, weil ein sarkastischer schmäh den andern jagt und kaum hat man sichs versehen ist es schon 8.00 (die schlange ist heute nicht so lang wie gestern, man kann noch das ende sehen).
    also nochmal eine nummer gezogen (langsam kriegt man ja übung) und beim ersten aufblinken ins zimmer gestürmt. wir haben glück, diesmal ist die frau hinter dem schreibtisch etwas freundlicher, es ist eine andere. ich lege ihr also alle papiere hin und bin froh, daß es heute das letzte mal ist, daß wir dieses verfluchte gebäude betreten müssen.. zumindestens für die nächsten 10 jahre.
    sie sieht sich die papiere an und.. (oh gott.. ich hatte vorhin schon irgendwie ein schlechtes gefühl).. sagt "tut mir leid, aber das scheidungsurteil in dem drin steht, daß sie das sorgerecht haben reicht nicht". offensichtlich bin ich in dem moment ziemlich blass geworden und ich könnte schwören, daß sie mit ihrem stuhl einen halben meter zurück gerutscht ist. um die beherrschung ringend frage ich mit leiser rauher stimmt: "was bitte genau brauchen sie denn dann?". sie erklärt mir, daß ich einen vom bezirksgericht ausgestellten bescheid brauche, mit dem aufmunternden nachsatz "aber den kriegen sie ja eh gleich". schwer keuchend frage ich sie ob denn nun der rest wenigstens in ordnung ist. sie nickt nur .. den mund breit gezogen (ich glaube sie lächelt). beim rausgehen ruft sie mir noch nach, daß ich darauf achten soll, daß ja dieser rechteckige stempel drauf ist.. sonst ist das papier ungültig.
    wutschnaubend verlassen wir das gebäude. die leute die uns entgegen kommen machen einen merklichen bogen. draußen treffen wir 2 von denen die mit uns gewartet haben. wir verabreden uns für montag morgen und arangeieren wer kaffee und wer kuchen mitbringt. treffpunkt 7.05 vor der glastüre.
    eigentlich wollte ich gleich ins bezirksgericht fahren und mir den deppaten wisch abzuholen, allerdings.. irgendwann wird man schlau. vom büro aus rufe ich vorsichtshalber nochmal an, ob ich denn das papier gleich bekomme, was ich brauche und wieviel es kostet. das erste was ich von dem blöden trampel am anderen ende der leitung höre ist, daß das wider so typisch wäre, jeder braucht das gleich und sofort und wieso uns das überhaupt immer so spät einfällt und blablabla (den rest hör ich mir nicht an sonst fange ich an sie wüst am telefon zu beschimpfen und dann warte ich warscheinlich bis zum jüngsten tag auf das papier). sie erklärt mir also, daß ich am montag nochmal anrufen soll, weil der akt schon 5 jahre alt ist und sie das erst aus dem archiv anfordern muß (wieso zum teufel haben die das nicht im computer gespeichert???????)
    die verabredung am montag morgen bei kaffee und kuchen kann ich mir also abschminken. naja .. vielleicht sind am dienstag morgen um 7.05 auch nette leute vor der glastüre.......


    to be continued.....


    PS: erstens, es ist keine satire (JD dachte es wäre eine) sondern mein persönliches Pass-Tagebuch und zweitens, morph hat völlig recht (das ist eine VERSCHWÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖRUNG!!!) 8)

  • Ja hier findet dein Tatsachenbericht die nötige Beachtung ^^ :D

    Ich bin Paranormal


    Minge beste Fründ es a Bergkristall
    Dä höht immer zo, dem verzäll ich dat all
    Ich leje ming Hand op, un heile janz schnell
    Maach wieder e Ferkel us ner Frikadell

  • Danke für den interessanten Bericht! Das Tolle an der Bürokratie finde ich ja, dass einem vom Lohn jede Menge abgezogen wird und dafür die "Diener des Staates" meist extrem unfreundlich sind. Mich kotzt unser System schon extrem an - wozu brauchen wir die vielen Ämter eigentlich? Und ist schon mal jemandem aufgefallen, dass jetzt alles noch langsamer geht, weil die Beamten jeden Scheiß im Computer UND auf Papier verzeichnen müssen? Statt wie früher nur Papierkram haben wir jetzt Papier- UND Computerbürokratie.


    Übrigens ist das bei uns in Linz nicht anders: Ich wohne in der Nähe von Linz (allerdings bin ich nicht im Bezirk Linz ansässig) und musste auch schon ein paar Mal aufs Linzer Magistrat. Beim letzten Mal was ich verblüfft, wie unfreundlich man sein kann. Will nur irgendwas rasch verlängern lassen oder so (weiß nicht mehr, worum es ging) und gehe munter ins (offene) Büro der zuständigen Furie. Bevor ich noch "Guten Tag" sagen kann plärrt die liebe Frau: "Draußen warten!!!"
    Nein, es tut mir Leid: Ich mag Beamte nicht und kann leider viele Klischees nur unterschreiben. Ja, es gibt auch freundliche und fleißige Beamte, aber was nützt das, wenn viele sich aufführen wie Diktatoren im Umgang mit ihren nichtsnutzigen Sklaven?


    Ganz anders auf dem Gemeindeamt: Dort sind die meisten extrem nett und bemüht. Ich habe mir letztes Jahr einen neuen Pass ausstellen lassen. Es hat zwar lange gedauert (einige Wochen) bis er fertig war, aber dann bekam ich einen Anruf, dass ich ihn abholen könne und bei der nächsten Gelegenheit ging ich hin, bezahlte und nahm ihn einfach mit.
    Ich denke das hängt damit zusammen, dass man "am Land" die Leute oft kennt oder zumindest ab und an ihnen über den Weg läuft. In der Stadt besteht da kein Kontakt zwischen Beamten und Untertanen. Die können sich dann einfach alles erlauben, zumal ja bei uns nach wie vor gilt: Beschweren kannst du dich am Salzamt.


    Kurz gesagt: Wir brauchen einen schlanken, flexiblen Staat, nicht diese ineffektive, sauteure, aufgeblähte Bürokratie, die nicht dem Menschen, sondern den Beamten dient.

  • Das hast Du toll geschrieben, Liloo!


    Spontan ist mir der Asterix im römischen Büroblock in den Sinn gekommen.


    Kleiner Scherz:


    Du hast endlich deinen Pass in der Hand und zögerst. Die Person hinter dem Schalter wird unruhig und fragt was denn noch sei. Du sagst mit bedauernder Freundlichkeit, dass das dazu gehörende Formular fehlt, welches bestätigt dass die das Dokument aushändigende Person (Unterschrift des Personenerkennungsdienstes) berechtigt ist das Dokument auszuhändigen.


    Bemerkung am Rande: das ist ja schlimmer als in Brasilien...


    :)
    Wasserträger
    leidet mit

  • Schwierig. Für das A 38 (das grüne) muss man sich persönlich in Brüssel beim Türsteher melden. Dabei ist es von Vorteil zuerst in Genf im Glashaus der Menschenrechtskommission (2 oder 1 m?) ein Türsteherberechtigungsformular zu verlangen. Dieses muss dann vom entsprechenden Türsteher ausgefüllt werden damit gewährleistet wird dass der Türsteher seine Sitzpausen einhält. In spätestens zwölf Wochen erhältst Du dann die Antwort aus Genf mit der Du dann von dem Türsteher von Brüssel die Antwort bekommst in welcher Stadt das A 38 (grün) erhältlich ist. Falls das Formular dort nicht erhältlich ist, besteht die Möglichkeit einer Verspätung durch das Zusendungsamt.


    Das heisst, es befindet sich vermutlich noch in Rom.


    In diesem Falle musst Du...


    :roll: W