Beiträge von ad_santiago

    Der Sinn der Aktion? Die Politik muss mit den quantitativen Verhältnissen und der gesellschaftlichen Dynamik als einer Variable rechnen können, wenn sie gegenwarts- und zukunftsorientiert arbeiten möchte. Das betrifft zahlreiche Themen, vom Bau von Kindergärten und Altenheimen bis zur Integrationspolitik. Bislang finden derartige Überlegungen nicht nur ohne statistische Basis statt - was Demografen seit Jahren bemängeln - sondern können auch nicht regional bedarfsorientiert optimiert werden. Nichts für ungut, aber wer glaubt, dass der Zensus irgendwelchen sinistren Zwecken diene und den demokratischen Staat untergraben solle, der ist in meinen Augen ein wenig paranoid. Mich wundert nur, dass nicht schon wieder George Orwell zitiert wurde, der wird doch bei solchen Gelegenheiten sonst immer als allverlässliches Menetekel hervorgekramt ... seit 40 Jahren.


    santiago

    Eine weitere Möglichkeit wäre auch noch der englischer Maler John Constable, der u.a. romantische Schiffsansichten gemalt hat und einer der Hauptvertreter des "pittoresken" Stils ist. Aber die Quelle solcher Namen kann man ohnehin nie ausfindig machen, das kannst du mal nebenher irgendwo aufgeschnappt haben und dein Gehirn hat es aus den hintersten Ecken des Gedächtnisses hervorgekramt. In Frankreich gab es 1830 tatsächlich keine Schlachten, nur die Julirevolution, die aber relativ unblutig verlief. Wenn du dir mit Datum und Ort hier sicher bist, dann wäre das schon mal ein gutes Argument gegen die Reinkarnations-Hypothese. All zu ernst nehmen sollte man das sowieso nicht, aber interessant ist es ja dennoch.

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    Ich konnte kein SChiff finden dass den Namen "Constable" hat, schon gar nicht im Jahre 1742.


    Naja, das allein hat nichts zu sagen. Jedes Jahr waren zig tausende Schiffe unterwegs, gerade in der Hoch-Zeit der Segelschiffahrt im 17. und 18. Jahrhundert. Ob es so ein Schiff gab, könnte man dann nur in speziellen Archiven herausfinden, aber dazu müsste man mehr über dieses Schiff wissen, zum Beispiel den Namen der Reederei.


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    Es gab keinen Krieg zwischen England und Frankreich im 19 Jhd.


    Was genau hast du denn dort "gesehen"? Bist du sicher, dass es sich um Engländer und Franzosen handelte?


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    warum zeigt es einem bei der Hypnose genau Bilder aus vergangenen Zeiten? Liegt das an der Erwartungshaltung??? Warum sieht man dann sachen die man sich im Traum nicht vorstellen könnte?


    Das dürfte in der Tat durch die Situation bedingt sein: zum einen deine eigene Erwartungshaltung, zum anderen die zusätzliche Motivation durch den Hypnotiseur. Ein Traum ist demgegenüber ja nicht zielgerichtet und entwirft seine Bilder "freier", aber auch die Trauminhalte lassen sich durch bestimmte Anreize steuern.

    Die Diskussion ist müßig. Definiert man Intelligenz als die kognitive Leistungsfähigkeit, dann ist selbst der dümmste Mensch auf diesem Planeten jedem Tier überlegen. Punkt. Mit Arroganz hat das nichts zu tun, das ist einfach eine empirische Tatsache, abhängig von der Intelligenzdefinition (man müsste aber schon eine merkwürdige Definition heranziehen, um Tiere auf eine gleiche Stufe mit dem Menschen zu heben). Ob's im Universum noch intelligentere Viecher gibt, wissen wir nicht, darum eignen sich diese spekulativen Geschöpfe auch nicht dazu, den Menschen kleinzureden...

    Danke für deinen Bericht. Sieh es einfach als bereichernde Erfahrung an: jetzt kannst du mitreden. ;) Da sieht man mal wieder: wenn 1000 Leute pro Jahr eine Rückführung machen, dann braucht es nicht soo viel Glück, dass sich ab und zu ein zufälliger "Treffer" ereignet, also unter Hypnose gemachte Angaben sich als wahr herausstellen. Das hat dann eher mit Statistik als mit Reinkarnation zu tun. Die meisten Rückführungen durften genau so ablaufen wie bei dir.

    Dieser ganze 9/11-Kram interessiert mich eigentlich nicht besonders, weil sich für meinen Geschmack auf diesem Feld zuviele Spinner austoben. Kurios finde ich allerdings, dass Ottonormalbürger wissen will, unter welchen Bedingungen ein Gebäude einstürzen kann. In diesem Fall würde ich eher auf die Meinung von Experten vertrauen, und diejenigen, die die Gebäudereste untersucht haben, kamen übereinstimmend zum Ergebnis, dass es für eine Sprengung keine Anhaltspunkte gibt. Das betrifft sowohl die Berichte der NIST als auch die Untersuchungen der FEMA. Wer auch nur einen kurzen Blick in die Berichte wirft, erkennt, dass die Ausführungen Hand und Fuß haben - hier wird auf hunderten Seiten detailliert auf verschiedene Szenarien eingegangen, während der Wald-und-Wiesen-Internet-Verschwörungstheoretiker mit einem simplen "ein Gebäude kann nicht durch Brand einstürzen" in seinen Augen bereits auf alle Fragen eine Antwort gefunden hat. Neuerdings ist wohl jeder ein Experte für Baustatik.
    Es ist auch eine unzutreffende Unterstellung, dass WTC7 einzig unter der Last von Trümmern eingestürzt sein soll. Wikipedia hierzu:


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    Der Bericht benennt Wärmeausdehnung als neue Ursache für einen strukturellen Zusammenbruch bei Stahlrahmenkonstruktionen. Er schließt aus, dass schon die herabstürzenden Trümmer der Twin Towers das Gebäude strukturell so stark beschädigten, dass es einstürzen musste.


    Nun könnte es natürlich sein, dass auch NIST, FEMA, die beteiligten Zeugen, die diversen Mitarbeiter, die hunderten wissenschaftlichen Berater, die mitarbeitenden Institute usw. von den USA gekauft wurden. Womit wir wieder beim rapide expandierenden Universum der Verschwörungsfritzen wären. Besonders glaubwürdig ist das jedoch nicht.


    santiago

    Ich will dir ja gar nicht von der Rückführung abraten. Man muss eben vorsichtig sein, dass man nicht an Scharlatane gerät, denn eine Hypnose ist immerhin ein profunder Eingriff in die Psyche. Auch sollte man immer um die Fehler und Schwächen des Ganzen wissen und sich nicht zu sehr von seinen subjektiven Eindrücken überwältigen lassen - aber ich denke da bist du ganz gut vorbereitet. Du kannst mich ja mal anschreiben, wenn du eine Rückführung gemacht und irgendwelche Namen oder Daten dabei erfahren hast - ich betreibe seit Jahren Ahnenforschung und könnte dir vielleicht bei der Recherche helfen.


    santiago

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    wie kann es sein dass man sich an Namen, Berufe etc erinnert, worüber man wahrscheinlich noch nie was gehört hat?


    Wir nehmen ja ständig Informationen auf. Ein Großteil dieser Informationen gelangt gar nicht erst ins Bewusstsein und verschwindet in den dunklen Ecken des Gedächtnisses - aber trotzdem sind sie noch da. Vom Therapeuten und der Situation motiviert kann das Gehirn durchaus die Geschichte eines in sich schlüssigen, detailreichen Lebens aus dem Nichts herbeizaubern. Die möglichen Quellen sind zahllos und dem Betroffenen selbst meist nicht bewusst bekannt, weshalb man eben nie sagen kann, ob es sich um eine Erinnerung an Erlebtes oder um eine Konfabulation handelt. Berühmte Gestalten braucht es dafür nicht, im Gegenteil: während das Leben von, sagen wir mal, Bismarck in allen Details bekannt ist, bleibt für die Geschichte eines armen Bauern im Hinterpommern des 18. Jahrhunderts viel mehr Spielraum. Mir ist kein sauber dokumentierter Fall bekannt, in dem tatsächlich unter Rückführung Informationen genannt wurden, die sich eindeutig und nachweislich als korrekt herausstellten und die nicht auf andere Weise hätten erlangt werden können - zum Beispiel Namen und Geburtsdaten, von denen der Betroffene nichts wissen konnte, weil sie nur in den Taufregistern der Kirchenbücher vermerkt sind. Erzählungen solcher "Erfolge" gibt es freilich viele, aber die Dokumentation ist in der Regel sehr dürftig und die Partizipienten nicht über jeden Zweifel erhaben.


    Was die Erinnerungen der Kinder betrifft, so muss man hier auch vorsichtig sein. Die meisten Fälle finden sich in Ländern, in denen der Glaube an Reinkarnation traditionell verankert ist, jetziger und (vermeintlich) früherer Wohnort lagen meist nur wenige Kilometer auseinander, die zeitliche Distanz war im Schnitt recht gering (~50-100 Jahre) und die Todesarten waren überwiegend spektakulär - was alles dafür spricht, dass das Kind diese Details durchaus auch aufgeschnappt haben könnte, zum Beispiel durch Erzählungen im Dorf. Das gilt umso mehr, wenn es sich um Fälle innerhalb ein und derselben Familie handelt. Auch konnten Stevenson diverse methodologische Fehler nachgewiesen werden. Aber wie gesagt, das wäre einen eigenen Thread wert.


    santiago

    Das größte Problem an sog. Rückführungen ist, dass unser Gedächtnis nicht klar zwischen selbst Erlebtem und Konfabulationen unterscheiden kann - gerade weit zurückliegende Ereignisse werden retrospektiv mit bloß Gehörtem oder anderweitig von sekundären Quellen Erfahrenem vermischt (Kryptomnesie), weshalb ja auch die Aussagekraft von Zeugenaussagen immer stark beschränkt ist. Unter Hypnose verstärkt sich dieser Effekt: der Proband erlebt die scheinbaren Gedächtnisinhalte zwar als Erinnerungen, aber ihre eigentliche Quelle lässt sich nie rekonstruieren. Noch viel weniger als im Wachzustand kann man zwischen Erlebtem und sekundär Erfahrenem unterscheiden, aber akzeptiert man die Gedächtnisinhalte erst einmal als Erinnerungen, dann verankern sie sich auch dauerhaft im Bewusstsein (false memory syndrome). Wie wir heute wissen, ist die Gedächtnisleistung unseres Gehirns weitaus größer, als unsere bewussten Erinnerungen uns glauben machen möchten, weshalb auch beiläufig Aufgeschnapptes (Filme, Bücher, Dokus, Erzählungen usw) zur Grundlage einer scheinbaren Erlebnisrekonstruktion werden kann.
    Es gibt dem gegenüber keine gut belegten Fälle von Rückführungen, in denen zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, dass es sich um eine tatsächliche Erinnerung an vergangene Leben gehandelt hat, weswegen man zumindest den Großteil der Erfahrungen wohl als konfabulativ einstufen muss. Seriöse Reinkarnationsforscher wie Ian Stevenson standen den Rückführungen unter Hypnose darum auch immer sehr skeptisch gegenüber und werteten die Ergebnisse als wissenschaftlich unbrauchbar. Stevenson forschte stattdessen mit Kindern, die sich in frühen Lebensjahren an vergangene Leben zu erinnern glaubten - eine sehr interessante Thematik, die hier auch mal einen eigenen Thread verdient hätte.


    santiago

    Nein, das sind Originale. Sauteuer ist relativ, das hängt von vielen Faktoren ab. Ich kaufe im Schnitt ca. 1-2 Waffen im Jahr, das kann man sich also schon leisten, wenn man ein bisschen darauf spart. Ich lebe dafür eben ansonsten recht karg, und als Führerscheinloser spar ich mir die Kosten fürs Auto. ;)

    Diplomatisch ausgedrückt: Bin Laden ist so tot wie Elvis.


    Das Lustige an diesen Verschwörungstheorien ist ja, dass sie sich nie falsifizieren lassen. Der Präsident hat seinen Tod verkündet? Der lügt. DNA-Tests haben die Identität zweifelsfrei geklärt? Die Ergebnisse sind gefälscht. Namhafte Institute haben diese Tests durchgeführt? Die wurden gekauft...

    Man kann's auch immer irgendwie so drehen, dass "der Westen" der eigentlich Schuldige ist. Israel ist ja auch selbst schuld, dass es seit Jahren von seinen Nachbarn terrorisiert wird. Kann man nur hoffen, dass der zukünftige Friedensnobelpreisträger Ahmadinedschad und seine von der Liebes-und-Frieden-Religion schwärmenden Komplizen dem garstigen Westen baldmöglichst ein Ende machen, wa?

    Ich sammle seit meiner Jugend Antiquitäten und historische Gegenstände, mit einigen Schwerpunkten (v.a. Blankwaffen und Fossilien). DIe Sammlung umfasst inzwischen mehrere hundert Objekte aus allen Epochen der Erd- und Weltgeschichte und aus verschiedenen Kulturen, u.a. japanische Schwerter (Katana), europäische Waffen des Spätmittelalters (Dolche, Schwerter), chinesisches Qing-Porzellan, römische Ziegel usw.. Alles legal über namhafte Auktionshäuser erworben. Die Provenienz ist jeweils bekannt.


    santiago



    edit: Bilder aus Datenschutzgründen wieder entfernt.

    Naja - da treffen eben auch zwei Menschenbilder aufeinander; einmal das wissenschaftlich-reduktionistische Menschenbild, das uns als Produkte natürlicher Prozesse versteht, und einmal das Bild vom Menschen als Ebenbild Gottes, dessen Wert sich schon allein aus seinem Menschsein (das zugleich dann immer Gott-sein ist) ergibt. Gott ist in diesem Fall multipler absoluter Bezugspunkt: einmal als Maßstab für den ethischen Wert ("absoluter Mensch") und einmal als Maßstab für die Natur ("absolute Natur"): ein Eingriff sowohl in das Mensch-sein als auch in das Natur-sein verbietet sich demnach, weil es zugleich ein Eingriff in das Gottgeschaffene wäre. Die Argumentationsweise ist inhaltlich ein wenig mit dem "naturalistischen Fehlschluss" verwandt. Leider sind die Religionen hier aber schon immer etwas inkosequent gewesen, aber das habe ich ja anderen Diskussionsteilnehmern schon vergeblich klarzumachen versucht: Widerspruchslosigkeit lässt sich nur im Rückgriff auf die Ratio erreichen und nicht durch das Festkleben an vermeintlichen "Werten", die keine sind. Das reduktionistische Prinzip auf den Menschen anzuwenden heißt immer eine Gratwanderung zu begehen, aber von einem gewissen Erkenntnispunkt an gibt es kein zurück - und zumindest in diesem Fall ist das Ergebnis eines rationaleren Ansatzes wohl auch das menschenfreundlichere.


    santiago

    Man beachte, wie hier höchst suggestiv das Foto des kauernden Menschen neben das Kamerabild gestellt wurde. Das färbt natürlich den Blick des Betrachters und drängt diesem eine bestimmte Sichtweise auf, die er dann zu übernehmen geneigt ist. Ich sehe jedoch keine Umrisse, die einen anthropomorphen Körper nahelegen würden - keine deutlichen Arme und Beine, keine Gesichtszüge, von Augen oder Mund ganz zu schweigen. Alles, was ich sehe, ist ein vermutlich felliges Etwas, das so verwaschen und unscharf ist, dass man beim besten Willen nicht sagen kann, was es ist. Der Größenvergleich gilt übrigens auch nur, wenn es sich tatsächlich um ein Lebewesen gehandelt hat, das auf dem Boden stand - meines Erachtens könnte das nämlich durchaus eine an der Kamera vorbeifliegende Eule sein. Da sie der Kamera sehr nah war, wirkt sie eben größer. Die Flugbewegung würde auch die Unschärfe der Aufnahme erklären. Mit ein bisschen Fantasie kann man ebenso gut zwei Flügel und einen Kopf in diese Form hineininterpretieren wie einen kauernden Körper - und im Sinne von Ockham wäre das eine wesentlich vernünftigere Erklärung.



    santiago


    PS: Oh, da habe ich mir mal wieder das Lesen des Textes erspart und muss beim genaueren Nachsehen feststellen, dass genau diese Möglichkeit dort diskutiert wird. Naja, auch gut. Was mit den Gräsern gemeint ist, die den Körper verdecken, erschließt sich mir aber nicht. Ich sehe da nichts, was gegen die Eulentheorie spricht.

    Naja - ich habe die Befürchtung, dass das Thema ähnlich tendenziös dargestellt wird wie in Dänikens Mystery Park. Wenn die Macher sich um eine ausgeglichene Darstellung bemühen, dann ist das ja grundsätzlich eine interessante Sache. Weil es insgesamt aber ein wissenschaftlich fragwürdiges Thema ist, das bislang auch kaum brauchbare Ergebnisse jenseits von Haarbüscheln und Fußabdrücken liefern konnte, könnte es dem Besucher ein falsches Bild von der Wichtigkeit und den Erfolgen der Kryptozoologie vermitteln. Sinnvoller wäre es sicherlich, ganz neutral über die Suche nach verborgenen Tieren aufzuklären, von den Geschichten der Einheimischen bis hin zu den Entdeckungsexpeditionen, ohne eine Aussage zum Realitätscharakter der Wesen zu machen. Da ist eben die Frage, welches Konzept die Macher haben. Ein größeres Problem dürfte aber die Finanzierung des Ganzen sein. Solche kleinen Museen, die nicht zentral in der Innenstadt liegen, werden sich wirtschaftlich wohl kaum rentieren, wenn sie privat betrieben werden und es keine permanente (z.b. staatliche) Förderung gibt.

    Der zweite Traum klingt nach einer Verarbeitung von Ohnmachtsgefühlen. Deren Ursache lässt sich für einen Außenstehenden aber nicht ermitteln. Vielleicht gibt es da etwas, bei dem du Angst hast, zu versagen, oder dich belästigt etwas, das du nicht loswerden kannst. Vielleicht hast du auch Probleme mit deinem Selbstbewusstsein. Das kann vieles sein. Ich verweise mal auf diesen Thread unserer Forenfee Ricya.

    Ich habe in einem Blogeintrag eine etwas genauere Ausführung zur "geheimen Botschaft" gefunden, die Armin Risi entdeckt haben will. Angesprochen werden fünf Verse aus der "Klassischen Walpurgisnacht" (Zweiter Akt) im Faust II, ab Vers 7660. Der Sprecher dieses Parts sind die "Kraniche des Ibykus", angeblich eine Anspielung auf die gleichnamige Ballade von Schiller. Armin dekonstruiert die Zeilen folgendermaßen:


    aengstlich fluegelflatterschlagen > Schiller
    bleiben die Buchstaben: aengst ch fluegelflatt agen > Fluch gegen
    bleiben die Buchstaben: aengst elflatt a > Engel
    bleiben die Buchstaben: ast flatt a > Fatalstat (= Mord)


    welch ein aechzen, welch gestoehn > Welche gesehn
    in aechzen, welch to > lechzen
    in a we ch to > Aconit weh


    dringt herauf zu unsern hoehn > Gift
    dr n herau zu unsern hoehn > Herz Haus
    dr n u unern oehn > und Urne
    rn oehn > er ohn’n


    alle sind sie schon ertötet > Schiller
    a e snd sie on tötet > sie töteten
    a s d on > so da n


    see von ihrem blut geroethet > Goethe
    see von ihrem blut ert > Blut Ehre von
    see im rt > ist Meer


    Zusammengefasst also:


    Fatalstat: Fluch gegen Engel Schiller.
    Welche Aconit gesehn, wehlechzen.
    Gift: er ohn’ Herz und Urnenhaus,
    So töteten sie da Schillern.
    Goethe: Ehre ist Meer von Blut


    Dazu bemerkt Risi noch:


    Zitat von Armin Risi

    wie Goethe den verborgenen Satz konstruierte, indem er das künstliche Wort „ertötet“ schuf. Ohne Verschlüsselung hätte er einfach „getötet“ schreiben können. Er benötigte die Buchstaben „er“ jedoch für die Codierung des Namens von Schiller!


    Und:


    Zitat

    Schillers Ballade Die Kraniche des Ibykus handelt erstens ebenfalls von einem gotterfüllten Dichter, der ermordet wird


    Schauen wir uns nochmal Risis "Lösung" an. Zunächst wurde der erste Vers dieser Sprechrolle ("Mordgeschrei und Sterbeklagen", 7660) kurzerhand weggelassen, ohne dass dies begründet wird. Darüberhinaus gibt es sprachliche Ungereimtheiten. Nach gutem Deutsch klingt dieses Kauderwelsch ohnehin nicht, aber auch die Wortwahl ist an vielen Stellen fragwürdig. Goethe hat zu keiner Zeit in der bekannten Korrespondez von Schiller als einem "Engel" gesprochen, diese offensichtliche christliche Metaphorik würde zum späteren Goethe der Naturmystik auch überhaupt nicht passen. Risis Herleitung aus Schillers Ballade ist nicht überzeugend, denn Ibykus ist auch bei Schiller kein Engel (diese spielen in der Antikenrezeption des Klassizismus ohnehin keine Rolle), sondern war ein real existierender griechischer Dichter aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Dessen Ermordung, bei dem nur ein Kranichzug Zeuge gewesen sein soll, war eine seinerzeit sehr bekannte Sage, die zum Bildungsfundus damaliger Humanisten gehört haben dürfte, Schiller und Goethe also gleichermaßen bekannt war. Wenn Goethe die Kraniche hier auftreten lässt, muss das nicht unbedingt eine Anspielung auf Schiller sein. Möglich ist es dennoch, dann aber wohl eher als spätes Tributzollen an seinen Künstlerkollegen, der seine Ballade in der Zeit schrieb, als Goethe und er im "Balladenwettstreit" miteinander standen (und sehr produktiv zusammenarbeiteten). Zudem behandelt Schillers Ballade nicht einfach nur die "Ermordung eines Dichters", sondern ist im Kontext seiner schauspieltheoretischen Überlegungen zu verstehen - die Ballade drückt den Gedanken des Theaters als moralischer Instanz aus, wie Schiller in seiner Abhandlung "Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet" 1784 bereits ausgeführt hat.
    Das Wort "Fatalstat" ist mir trotz - meine ich - ganz guter Kenntnisse der deutschen klassischen und mittelalterlichen Literatur noch nie untergekommen, und weder eine Google-Suche, noch das Durchblättern älterer Lexika und Wörterbücher erbrachte ein Ergebnis. "Fatalstat" wird hier kurzerhand mit "Mord" gleichgesetzt, ohne dass eine Herleitung dafür gegeben wird. Vermutlich handelt es sich um ein reines Unsinnswort, das irgendwie schön altertümlich klingt und benötigt wird, um der Zeile "Sinn" zu verleihen (Ob man einen Fluch gegen jemanden anwenden kann und nicht auf ihn, kann man sich auch fragen...).
    Selbiges gilt für das Wort "wehlechzen". Es ist mir völlig unbekannt. Ich habe hier das Gesamtwerk Goethes digital sowie in Buchform und konnte es an keiner Stelle finden. Auch eine Google-Suche erbrachte nichts. Das Wort scheint zu dieser Zeit ungebräuchlich gewesen zu sein; es macht auch wenig Sinn, denn "lechzen" ist ja das starke Verlangen nach etwas, und die Vorsilbe "weh-" verweist auf etwas schmerzhaftes, unangenehmes. Überhaupt ist die Zeile "Welche Aconit gesehen, wehlechzen" völlig sinnlos. Wer hat Aconit "gesehen"? Was bedeutet das an sich unsinnige Wort "wehlechzen", wenn es einfach durch ein Komma hintenan gestellt wird? Die dritte Zeile macht nicht mehr Sinn, zumal das Wort "Gift" hier ohne Kontext eingeschoben wird. Angeblich verweist Goethe hier darauf, dass Schillers Herz entnommen worden sei ("ohn' Herz und Urnenhaus" - macht auch keinen Sinn, das würde ja heißen, er hatte weder ein Herz noch ein Urnenhaus. Ein Urnenhaus "hat" man aber nicht, da "ist" man). Dafür gibt es keinen Beleg, und auch der Autopsiebericht spricht davon nicht - im Gegenteil, der Arzt geht deutlich auf das Herz ein, wenn auch aus heutiger Sicht merkwürdig formuliert. Wir befinden uns hier aber auch im frühen 19. Jahrhundert.
    Was die letzte Zeile betrifft, ist, glaube ich, deutlich zu erkennen, wie hier ein völlig wirrer Satz zu kreieren versucht wurde, indem man altmodisch anmutende Wörter aneinander reihte. Das Wort "Goethe" zu bilden ist nicht schwer, weil der Name nur aus sechst Buchstaben besteht und diese alle häufig genutzt werden. "Ehre ist Meer von Blut" klingt zwar schön pseudo-poetisch, ist aber ziemlich hohl und aussagelos - und für den Bericht über einen angeblichen Mord einfach überflüssig.
    Zur Behauptung, Goethe habe das Wort "ertöten" erfinden müssen, um die verschlüsselte Botschaft unterzubringen: das ist nachweislich falsch. Zunächst hat Goethe (wie alle großen Dichter) immer wieder Wörter erfunden, wenn er aus dem üblichen Fundus nichts Passendes fand, um auszudrücken, was er ausdrücken wollte. Das allein wäre also noch keine Besonderheit. Das Wort "ertöten" ist jedoch nicht Goethes Erfindung, sondern schon seit dem Hochmittelalter belegt und bis in die jüngere Neuzeit gebräuchlich. In der Luther-Übersetzung der Korintherbriefe findet sich zum Beispiel die Stelle: "Siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht ertötet". Auch im Duden findet sich das Wort mitsamt mittelhochdeutscher und althochdeutscher Herleitung.


    Wenn wir also nur mal die Textevidenz anschauen, sehe ich hier nur, dass zwanghaft versucht wurde, einen halbwegs sinnvollen Satz zu konstruieren, um die These von der Ermordung durchboxen zu können. Die angeblich geheime Botschaft ist zu weiten Teilen sinnlos und sprachlich eines Goethe nicht würdig. Nicht Goethe hat Wörter erfunden, sondern Risi, um einen halbwegs sinnvollen Satz zu konstruieren. Dafür, dass hier überhaupt eine Geheimbotschaft versteckt wurde, gibt es keinerlei Hinweis, von der möglichen Betitelung der Sprecherrolle (die aber auf einen antiken Mythos verweist!) mal abgesehen. Jetzt könnte man noch die anderen Aussagen Risis überprüfen, z.B. was die Illuminaten betrifft (Goethe war auch einer, ob er mit der Ermordung seines Freundes so einverstanden gewesen wäre? ;) ), aber dazu habe ich gerade keine Lust. Wie bei allen Verschwörungstheorien ergibt sich hier ohnehin das Problem, dass immer mehr abenteuerliche Behauptungen als Prämissen herangezogen werden müssen, um eine geheime Botschaft plausibel erscheinen zu lassen - bis man am Ende eine Verschwörung solch enormen Ausmaßes hat, dass man sich fragt, wieso sich dafür nur Kauderwelsch-Botschaften in Anagrammen finden lassen. Wer selbst sehen will, was sich mit Anagrammen - also der Verschiebung von Buchstaben - so alles anstellen lässt, kann mal einen Anagramm-Generator ausprobieren (der aber leider keine ganzen Textstellen zulässt). Hier und da ein bisschen feilen, die passenden Verse raussuchen, ein paar Wörter dazuerfinden und schon hat man seinen "Mord"...


    santiago